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Frauen waren mir immer schon rätselhaft und schwer zu verstehen. Aber sie sind zweifellos das schönere Geschlecht, zumindest vom rein ästhetischen Gesichtspunkt eines Mannes aus gesehen. Da ich mit meinen 70 Jahren auch noch die „guten alten 50iger Jahre“ zumindest als Kind miterlebt habe, kann ich mich noch an die damaligen Mode erinnern, die die Weiblichkeit betonte und nicht verhüllte: Enge Röcke, hochhackige Schuhe, enge Taille und „Atombusen“ (und wenn die Natur das nicht mehr hergab, wurde mit einem Korsett nachgeholfen) sowie tolle Frisuren (die Frauen saßen stundenlang in Friseursalons, die es zahlreich gab, aus denen immer ein angenehmer Duft herausströmte).

Damals hatten die Frauen noch ihre Unterschiede zum Mann betont sowohl in ihrem Rollenverständnis als auch in der Lebensausrichtung (Hausfrau zu sein war kein Makel! Mutter zu sein eine Ehre!). Die Welt schien in Ordnung zu sein, weil die Rollendefinitionen eindeutig waren und Ehe sowie Familie einen hohen Stellenwert hatten. Diese etwas nostalgische Rückschau soll selbstverständlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch gesellschaftliche Probleme gab, wenn man z. B. an die noch nicht erreichte Gleichberechtigung denkt. Ende der 60iger Jahre änderte sich das Bild der Frau radikal und Frauen wehrten sich gegen die aus ihrer Sicht unfaire Rollenzuweisung  – sie emanzipierten sich. Diese Emanzipation war insofern berechtigt, als die Gleichberechtigung der Frau auf der Agenda stand und dafür gesorgt wurde, dass die Gleichheit vor dem Gesetz und auch in der gesellschaftlichen Wirklichkeit realisiert oder zumindest angepeilt wurde. Dies hatte aber auch eine Kehrseite: Die Frau, die vom Mann als „Göttin“ verehrt wurde, lehnte immer mehr diese Art der Verehrung ab und wollte sich aus der Enge der Rollendefinition lösen, wie sie aus ihrer Sicht jahrelang von Männern geprägt und von Frauen angenommen wurde. Diese Kehrseite war auch im Straßenbild, im Auftreten in der Öffentlichkeit zu erkennen, denn Frauen lehnten es immer mehr ab, sich zum Gefallen der Männer in enge Röcke und Korsetts zu zwängen oder sich mit der Frisur große Mühe zu geben. Es hielt – wie mein verstorbener Schwiegervater es immer formuliert hatte – der „Schlampenlook“ Einzug. Sehr zum Leidwesen der Männer verschwand aber nicht nur äußerlich die Weiblichkeit in der Gesellschaft, sondern auch im Verhaltensrepertoire der Frauen änderte sich einiges – leider nicht immer zum Positiven. Die folgende Typologie der „Monsterfrauen“ stellt eine satirische Übertreibung von Frauen-Typen dar, die zwar überzeichnet sind, aber sicher ein Körnchen Wahrheit enthalten.   

 

„Monsterfrauen-Typologie“ (jede Ähnlichkeit mit tatsächlich lebenden Frauen wäre rein zufällig):

 Die Business-Frau: Sie hat vor allem eines im Sinne: Karriere! Kinder sind lästige Plagegeister und Männer ein notwendiges Übel. Sie trägt selbstverständlich einen Hosenanzug, hat kurze Haare und den Unterschied zum Mann erkennt man nur noch daran, dass sich die Knopfleiste der Jacke des Hosenanzuges auf der linken Seite befindet. Weibliche Rundungen werden geschickt kaschiert, denn weiblich zu sein ist für sie eine Schwäche. Sie will es den Männern in allem gleich tun: Dominant auftreten, Selbstbewusstsein ausstrahlen  und möglichst an die Spitze eines Unternehmens gelangen. Dabei sticht sie ihre Konkurrentinnen aus (man sagt dann hinter vorgehaltener Hand, dass sie etwa „stutenbissig“ sei) und die männlichen Mitstreiter um die höheren Posten weiß sie durch geschickte Ränkespiele auszuschalten.  

Jugendliche Demo-Maus: Jeans - selbstverständlich mit Reißverschluss vorne - gehören genauso zu ihrem Outfit wie der - vielleicht noch selbstgestrickte -  Pulli, der darüber gezogen wird. Der Pulli ist so weit geschnitten, dass keine weiblichen Rundungen zu erkennen sind. Im Winter trägt sie darüber einen Parka. Vorzugsweise raucht sie „Selbstgedrehte“, und in ihrer Haltung ist sie betont lässig. Sie ist politisch meistens „links“ orientiert, weil das eben „in“ ist, geht gerne auf „Demos“ (z. B. „Fridays-for-Future“ oder gegen Atomkraft), weil man da immer gleichgesinnte Frauen trifft und es auch stets etwas „zu quatschen“ gibt, läuft dann mit einem Plakat durch die Gegend, mit dem man sich über die schlechte Welt beklagt, an der meistens die Männer schuld sind.

Alt-68-Demo-Maus: So wie die jugendliche Demo-Maus ist sie auch auf jeder Demonstration zu finden, wobei die Gruppe, der sie sich anschließt, dann eben ihr altersgemäßer ist (z. B. „Omas gegen rechts“). Sie ist zwar etwas „in die Jahre gekommen“, aber immer noch politisch links orientiert. Für sie ist, wie die jugendliche Ausgabe der Demo-Maus, die Aktion wichtiger als der Inhalt. Die Hauptsache ist das Zusammensein mit Gleichgesinnten, so dass keine unnötigen Diskussionen über Sinn und Zweck der Aktion aufkommt – Dabeisein ist alles!

Grüne Frontfrau: Sie ist wie die beiden Demo-Maus-Typen politisch links orientiert, hat aber ein „grünes Mäntelchen“ um, denn die Umwelt ist ihr sehr wichtig. Sie hält sich gerne in der Politik auf; wenn sie sich entsprechend „hochgedient“ hat, bekleidet sie auch ein politisches Amt, das ihre Wichtigkeit unterstreicht. Letztgenanntes ist ein bedeutendes Merkmal dieses Typus, denn sobald eine Kamera und ein Mikrophon erscheinen, meint sie ihre Meinung kundtun zu müssen, wobei der Inhalt des Gesagten nicht immer mit dem aufgetragenen Habitus Schritt halten kann. Sie hat eine Schwäche für alle Ausländer, die nach Deutschland kommen, weil sie diese für eine Bereicherung hält. Der Deutsche, insbesondere die männliche Ausgabe davon, ist für sie kaum erwähnenswert und in der Übertreibung auch verachtenswert, weil nur der Exot aus dem Ausland für sie interessant ist. Gelingt es ihr nicht, in einem politischen Amt ihre Bedeutung zu unterstreichen, betätigt sie sich in der Freizeit in der Flüchtlingshilfe und brüstet sich gerne damit, was sie alles für diese Menschen getan hat.

Braver-Mutti-Typ: Er ist anscheinend der konträre Gegensatz zu den vorausgegangenen Typen. Man könnte denken, dass es eine zurückgebliebene Frau aus den 50iger Jahre wäre, denn Kinder zu bekommen ist für sie wichtig und eine höchst erfreuliche Sache. Leider vergisst sie dabei oft, dass sie nicht nur Mutter, sondern auch noch Frau ist, denn der Ehemann – falls noch vorhanden – wird zur Nebensache erklärt. Haushalt und Kindererziehung nehmen sie voll in Anspruch -  der Job ist Nebensache. Für Erotik ist da kein Platz mehr, was sich auch in der Kleidung dokumentiert, die vor allem immer praktisch und bequem sein muss. Der Mann hat meistens seine Schuldigkeit getan und hat ausgedient, er darf ab und zu mal mit den Kindern spielen.

Möchte-gern-Mannequin: Sie gibt sich wenigstens noch etwas Mühe, feminin auszusehen. Die blond gefärbten Haare sind aber teilweise schon ausgewachsen, so dass darunter die dunkelblonden Haaransätze zu sehen sind. Die hochhackigen Schuhe sind bereits schief gelaufen, außerdem merkt man bei ihrem Gang, dass sie sie nicht häufig trägt. Manchmal trägt sie auch tatsächlich einen Rock (oh Wunder!), aber der ist natürlich hinten fast bis zum Po geschlitzt, was fast schon peinlich gewollt aussieht. Sie träumt von einem Leben als „Model“ und sieht gerne „Deutschland-sucht-den Superstar“. Von Politik hat sie keine Ahnung und überlässt dieses Feld lieber der Demo-Maus oder der Grünen-Front-Frau. Auch Bildung ist nicht unbedingt notwendig, Hauptsache sie weiß, welche Art von Frisur im Moment angesagt ist und welche Farbe der Lidschatten haben sollte.

Mittelalterliche Alltagsfrau: Sie hat etwas Ähnlichkeit mit dem „Braven-Mutti-Typ“, aber sie ist schon etwas älter geworden. Ihre Devise ist und war schon immer gewesen: Nur nicht auffallen, was sich in allem ausdrückt. Das Schminken ist nicht nötig, denn sie hat sich schon immer für eine Naturschönheit gehalten. Das Thema Mann ist bereits bei ihr abgehakt, denn entweder hat sie ihn sicher als braven Ehemann in der Tasche oder sie hat sich das Thema Männer sowieso schon abgeschminkt. Sie liest gerne die „Bunte“ oder „Das goldene Blatt“ und schwärmt für „Mutti“ Merkel, die für sie als Bundeskanzlerin unersetzbar ist. Sie ist auch stets gut informiert, was in der Welt der Stars und Sternchen so passiert und ist eine ideale „Geheimnisträgerin“, denn wenn man will, dass etwas, was man ihr erzählt, möglichst rasch die Runde macht, muss man ihr nur etwas zutragen, was sie aber bitte nicht weiter sagen soll.

Die kratzbürstige Wildkatze: Sie ist ständig in Lauerstellung, fängt gleich an zu fauchen, wenn man sie etwas unsanft anfasst und hat ihre Krallen immer leicht ausgefahren, damit sie sofort zuschlagen kann. Humor ist nicht gerade ihre Stärke. Sie nimmt nichts leicht, sondern ist aufgrund ihrer Lauerstellung schnell zum Angriff bereit. Nicht selten berichtet sie, früher von Männern sexuell belästigt worden zu sein, dies einmal, weil sie Männer sowieso für hirnlose Monster hält, die immer nur an Sex denken, aber auch zum anderen, um ihre eigene Attraktivität zu unterstreichen. Vorsicht: Sie zeigt gerne Männer wegen angeblicher Vergewaltigung an.  

Modell Bratwurst: Manchmal ist der Mensch das was er isst. Hier trifft das voll zu. Bei ihr stehen der Brust-, der Taillen- und der Hüftumfang in ständiger Konkurrenz miteinander, wer den größten Umfang hat; häufig ist es die Taille, die es schafft, die anderen zu besiegen. Für sie hatte schon Udo Jürgens das bekannte Lied „Aber bitte mit Sahne“ gesungen, an dessen Anweisungen sie sich auch hält und keine Sahnetorte auslässt. Man trifft sie in jeder Altersgruppe an.

Kraft-Sport-Typ: Dieser Frauentyp ist im Gegensatz zum vorgenannten Typus sehr darum bemüht, einen durchtrainierten Körper zu bekommen. Für den Kraft-Sport-Typ gilt nämlich das Motto: Was der Mann kann, kann die Frau auch. Sie verabscheut alle Sportarten, die für Frauen vielleicht besser geeignet wären, aber ihre Weiblichkeit unterstreichen würden, wie z. B. Unterwassertanz oder Keulenschwingen. Für sie sind athletisch aussehende Männer das Vorbild, weshalb sie sich im Krafttraining Muskelmasse antrainiert und versucht, jedes Gramm Fett wegzubekommen, das verraten würde, dass sie eigentlich eine Frau ist. Sie bevorzugt männliche Sportarten wie Fußball oder Ringen und wenn es hart kommt, kann es auch mal das Boxen sein. Die mildere Form dieses Frauentyps, wenn kein Profi-Sport betrieben wird, kann man beobachten, wenn gewisse Frauen mit Ski-Stöcken im Marschschritt durch die Gegend laufen (Nordic Walking), statt in zierlichen kleinen Schritten, wie man es von den Frauen in den 50iger Jahren gewöhnt war.

Mischtypen:  In der Realität wird man selten „reine Typen“ finden, sondern eher Mischtypen, also Frauen, die von allen etwas haben: Da sind die Frauen zu nennen, die nicht nur gerne auf Demos gehen, sondern sich selbst als ökologisch orientiert bezeichnen und deshalb auch zu den Grüne-Front-Frauen zu rechnen sind. Es gibt auch unglückliche Mischtypen wie die Kombination des Typs der „Bratwurst“ mit dem Typus des „Möchte-Gern-Mannequin“, weil hier die Wirklichkeit das eigene Wunschbild konterkariert. Eine gefährliche Kombination ist die der "Business-Frau" mit der "Wildkatze", vor der die Männer doppelt auf der Hut sein müssen, wollen sie nicht vorzeitig auf der Strecke bleiben.

Diesen „Monsterfrauen“ ist allen eines gemeinsam: Männer sind für sie entweder sexsüchtig oder konturlose Weicheier. Sie beklagen sich ständig über ihre Benachteiligung gegenüber den Männern und wollen deshalb eine „Frauenquote“. Sie geben sich emanzipiert, nehmen aber für sich gerne in Anspruch, als das „schwache Geschlecht“ besonders geschützt werden zu müssen.

Weiblichkeit wird von den „Monsterfrauen“ als etwas Antiquiertes angesehen. Das drückt sich in ihrer Einstellung zu weiblichen Eigenschaften wie Verständnisbereitschaft, Sanftmut und Nachgiebigkeit aus, die sie ablehnt.

Mit der Ablehnung der Weiblichkeit und der Imitation männlicher Vorbilder geht aber unserer Kultur etwas sehr Wesentliches verloren: Mütterlichkeit als ein Inbegriff weiblicher Wesensart, die auf Behüten und Beschützen anderer hinausläuft.

© Büren, 24.04.2020, Günther Birkenstock

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