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Es herrscht nach meinem Eindruck eine Stimmung in unserem Land, die so miserabel ist, dass ich mich frage: Warum kommt es, dass anscheinend diejenigen immer siegen, die nichts Gutes im Schilde führen? Warum kommen die stets ungeschoren davon, die großen Schaden in unserer Welt anrichten, ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden? Warum gibt es die vielen Mitläufer, die sich einfach auf die Seite der Sieger schlagen, ohne nach der Qualität der Moralität der Handlungen zu fragen, denen sie hinterherlaufen? Warum obsiegt anscheinend immer das, was wir das Böse nennen? Und andererseits: Warum müssen diejenigen, die mit wohlwollender Gesinnung dem anderen Gutes tun wollen, oft unsägliches Leid ertragen?

Die Ungerechtigkeit in der Verteilung der Lebenschancen und der Güter dieser Welt schreit zum Himmel. Während einige „im Saus und Braus leben“ ohne sich Gedanken darüber zu machen, dass sie mit ihrem Lebensstil anderen etwas unzweifelhaft wegnehmen, wissen andere nicht, von was sie leben sollen. Die Selbstsucht ist wohl die stärkste Triebfeder, die die Menschen antreibt. Oft wird sie verdeckt durch geheuchelte Anteilnahme, wenn im privaten Bereich oder im öffentlichen Raum Katastrophen passieren. Das Streben nach dem eigenen Vorteil, nach der Macht, um eigene Interessen durchzusetzen und die Rücksichtslosigkeit im Umgang mit anderen scheint immer mehr um sich zu greifen. Die große Mehrheit schweigt und fügt sich in ihr Schicksal. Die Mitläufer derer, die es geschafft haben, „nach oben zu kommen“ wollen nur von deren Erfolg partizipieren. Wo sind die Hoffnungsträger, die uns hier heraushelfen?

Schauen wir uns die einstigen Hoffnungsträger einmal an:

  • Kirchen: Die großen Versager in der gegenwärtigen Krise sind die Vertreter der gesellschaftlichen Institution, die es sich immer auf die Fahnen geschrieben hat, für die Schwachen da zu sein: die Kirchen. Sie sorgen sich mehr um ihre Pfründe als um die Seelen derjenigen, die sie ihre „Gläubigen“ nennen. Kein Wunder: Die Kirche ist eine Versorgungsinstitution geworden von denjenigen, die in ihr eine Chance sehen, Karriere zu machen und sich auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern. Das angesammelte Vermögen der Institution Kirche hat Dimensionen angenommen, die im konträren Gegensatz zu dem steht, was ihre Pfarrer und Bischöfe von den Kanzeln predigen. Sie lässt diejenigen im Stich, die ihrer Hilfe am meisten benötigten: Obdachlose, verarmte Rentner, alleinerziehende Mütter oder Väter. Wohlstandschristen engagieren sich lieber für Flüchtlinge, weil das „im Trend liegt“ und werden dann oft für ihr Engagement auch noch ausgezeichnet. Die Priester als „Seelsorger“ kümmern sich nicht mehr um die Seelen ihrer Gläubigen, weil sie oft selbst ihren Glauben verloren haben, dies aber nicht offen zugeben können oder dürfen, um ihre Stellung nicht zu verlieren. Weil sie an die Unsterblichkeit der Seele im metaphysischen Sinne nicht mehr glauben, fischen sie lieber in fremden Gewässern der Seelsorge im psychologischen Sinne als „Telefonseelsorger“ oder „Notfallseelsorger“ oder betätigen sich in der Politik.  
  • Politiker: Es gab sie nach dem Krieg, als Deutschland noch in „Schutt und Asche“ lag: die anständigen Politiker, die mit einem hohen moralischen Anspruch, den sie an sich selbst anlegten, danach gestrebt haben, die Lebenssituation der Menschen in Deutschland zu verbessern, die durch den 2. Weltkrieg unsäglich gelitten haben. Sie waren sicher nicht fehlerfrei, aber ich billige ihnen im Nachhinein zu, dass sie nicht primär danach gestrebt hatten, zunächst einmal nur ihre Macht zu erhalten, um sich aus den Steuergeldern selbst zu bedienen. Sie wollten eine bessere Welt schaffen, in der der Versuch unternommen wird, die Lebenschancen aller zu verbessern. Aber nach dem Überwinden der ersten schweren Jahre des Wiederaufbaus haben sich schon sehr bald diejenigen Politiker etabliert, die die Politik als ein Betätigungsfeld sahen, auf dem man auch ohne große Anstrengung und ohne großes Risiko einzugehen, ein relativ komfortables Leben führen kann. Auch Studienabbrecher oder auch Menschen ohne Berufsausbildung konnten hier in den Parteien sich „hochdienen“ und dann mit Protektion „von oben“ einen Posten in dem Politikbetrieb ergattern.
  • Unternehmer: Die Bedürfnisbefriedigung von Menschen ist das eigentliche Ziel des Unternehmertums. Der Unternehmer sollte die Grundbedürfnisse versuchen zu befriedigen und wenn dies geschehen ist, dann die darüber hinausgehenden Bedürfnisse nach höherer Lebensqualität und Luxus zufrieden stellen. Aber ist das noch das oberste Ziel der Unternehmer? Vor allem die Globalisierung des Finanzkapitals hat dazu geführt, dass die wirtschaftlichen Interessen weniger Reicher das Geschehen beherrschen und von ihnen diktiert wird, was konsumiert werden soll. Mit Hilfe der Werbung werden die Konsumenten dann in die gewünschte Richtung getrieben.
  • Ärzte: Der „gute Onkel Doktor“ ist eine Wunschvorstellung, die immer mehr als Idealvorstellung in den Hintergrund tritt. Nur noch „Einser-Kandidaten“ bei den Abiturabgängern haben gute Chancen einen Studienplatz zu ergattern. Aber sind diese Abiturienten auch die moralisch besseren Menschen, um später mit Empathie ihre Patienten behandeln zu können? Die Realität sieht leider anders aus. Die hochtechnisierte Medizin mit der Verflechtung von Interessen der Wirtschaftsverbände, allen voran die Pharmaindustrie, hat eine zunehmend unpersönlichen, kalten Medizinbetrieb entstehen lassen, in dem der Patient sich oft verloren vorkommt. Wer als Arzt in diesem vor allem von Wirtschaftsinteressen beherrschten Geschehens nicht mitmachen will, gerät sehr schnell ins Hintertreffen.

„Das Böse ist immer und überall“: Die „Erste Allgemeine Verunsicherung“ hatte es so formuliert, dass das Böse allgegenwärtig ist. Es ist wie ein Pilz, der ein Geflecht aus feinen Verästelungen produziert, das sich dann überall verseuchend breit macht. Die „Pilze des Bösen“ sprießen überall zu Tage und es ist eine Illusion zu glauben, wenn man die Pilze herauszieht, das Böse besiegt zu haben, denn das Böse befindet sich überall noch unbemerkt in allen Bereichen. Die modernen Menschen haben ja den Glauben verloren, dass es eine jenseitige Welt gibt, die beeinflussend in unsere diesseitige Welt hineingreift. Sicher sind die alten Bilder von dem Teufel mit dem Pferdefuß und Hörnern antike Vorstellungen, die uns nicht weiterhelfen. Aber ich glaube, dass es jenseitige Kräfte gibt, die unsere Welt beherrschen. Die monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) behaupten sämtlich die Existenz von bösen Mächten in der Gestalt von Dämonen oder Dschinns oder ähnlicher Wesen. David Icke hat sie die „Reptiloiden“ genannt, die sich an Menschen anhängen können, um sie in ihrem Sinne zu beherrschen. Die Gemeinsamkeiten dieser Wesen könnte man folgendermaßen beschreiben:

  • Ablehnung eine göttlichen Ordnung: Diese Bösen lehnen entweder ab, dass es einen Gott gibt oder wenn seine Existenz bejaht wird, besteht eine tiefe Abneigung gegen das, was er in Form von Gesetzen und Geboten geschaffen hat.
  • Zerstörung als oberstes Ziel: Destruktion ist die Absicht böser Wesen. Sie wollen, dass entweder nichts entsteht oder dass das, was entstanden ist, zerstört wird. Die Zerstörung richtet sich gegen alles Lebendige, Positive, Bejahende und Verbindende. Das Böse wirkt immer spaltend (diabolisch) auf alles was existiert.
  • Schadenfreude: Die Zerstörung hat die Folge, dass sie sehr zur Freude der Bösen geschieht. Bereits Kinder zeigen diese Schadenfreude ungeniert, wenn sie die Sandburg eines anderen mit den Füßen leicht zertreten können. Die Freude über das Leid der anderen dominiert bei den Bösen. Sie ergötzen sich, wenn Freundschaften, Liebschaften, gute Beziehungen auseinandergehen.
  • Hochmut: Dem Fall von Luzifer ging der Hochmut voraus. Hochmut ist die negative Übertreibung des Stolzes, der dann seine Berechtigung hat, wenn Freude über ein gelungenes Werk eintritt. Hochmut ist insofern seine negative Übertreibung, weil sie unberechtigt ist, weil keine adäquate eigene Leistung dahintersteht. In den Märchen kommen die Hochmütigen immer schlecht weg: sie bekommen ihre gerechte Strafe (Pechmarie). Die Bescheidenheit ist die entgegenstehende Tugend, die deutlich macht, welche negative Seite dem Hochmut beiwohnt: Der Bescheidene hebt nicht seine eigene Person in den Vordergrund, sondern freut sich darüber, wenn sein „bescheidener Beitrag“ eine Verbesserung in Lebenssituationen anderer bringt. Diese Freude fehlt dem Hochmütigen gänzlich, weil nur die eigene Person gesehen wird.
  • Rücksichtslosigkeit: Der Böse kennt keine Rücksicht und glaubt, in seiner Allmacht alles tun zu können, was er will. Aleister Crowley hatte es so genannt: Tu was du willst, sei das ganze Gesetz.  Der Böse kennt nur die eigenen Interessen, nur die eigenen Wünsche. Wer sich diesen entgegenstellt, wird zur Seite gedrängt, notfalls auch vernichtet, wenn dies für ihn opportun erscheint.
  • Grenzenloser Egoismus: Der Böse kennt nur sich selbst und sieht keine moralischen Schranken, seine eigenen Interessen durchzusetzen. Er kennt keine Grenzen hierbei und fühlt sich als Herr der grenzenlosen Selbstverwirklichung, die ruhig auf Kosten anderer gehen kann.
  • Gewissenlosigkeit: Es gibt kein Gewissen, das ihn bremsen könnte. Weil er sich als Herr über dem Gesetz stehend ansieht, gibt es für ihn keine Moral, die ihn bremsen könnte. Nur die „Angst vor dem Erwischtwerden“ und den negativen Folgen einer Strafe können ihn abschrecken.
  • Heuchelei: Seine „Unbeherrschtheit“ kann er nur dadurch verbergen, in dem er „Theater spielt“ und die Rolle des reuigen Sünders mimt. Er ist schnell mit entschuldigenden Worten dabei, wenn er bei seiner Rücksichtslosigkeit ertappt wird. Wenn andere zu Schaden kommen, findet er auch sicher schnell ein paar „Worthülsen“ des Mitleides – die inhaltslos und leer bleiben, weil keine Emotion ihn diese produzieren lassen, sondern reines Kalkül.

Der Gerechte muss viel leiden:  Aus der Betrachtung des Bösen ergibt sich im Umkehrschluss, woran derjenige leidet, der ein guter Mensch sein will. Er leidet an denjenigen, die das Böse praktizieren. Sie erfahren die Boshaftigkeiten am eigenen Leibe und weil sie aber nicht „Gleiches mit Gleichem“ vergelten wollen, leiden sie an dieser Welt, in der die Boshaftigkeit zu dominieren scheint. Während der Böse nur seine eigenen Wünsche durchsetzt, macht er sich keine „Gewissensbisse“, bekommt er keine „Bauchschmerzen“ etwas Falsches getan zu haben, nimmt er sich „nichts zu Herzen“. Dagegen derjenige, der Gutes tut, belastet sich selbst mit den Sorgen anderer Menschen und falls er glaubt, andere verletzt zu haben, macht er sich Gedanken darüber. Viele psychosomatische Krankheiten rühren offensichtlich daher, die eigenen Interessen hinter denen des anderen zurückzustellen. Wenn jemand einen Angehörigen aufopferungsvoll pflegt, gefährdet er oft seine eigene Gesundheit dabei. Wenn jemand also über seine eigene Person stehende Prinzipien bejaht und versucht, diese zu befolgen, tut er sich schwer damit und leidet daran, weil er glaubt, diesen oftmals nicht gerecht zu werden. Er nimmt dies alles nicht leicht, weil er sich vieles „zu Herzen nimmt“. Er „zerbricht sich den Kopf“, um für andere Lösungen für ihre Probleme zu finden. Und er empfindet unsere Welt als ungerecht, empört sich über das Verletzen universeller Prinzipien und bringt sich dadurch selbst in Schwierigkeiten; dies vor allem dann, wenn er in einer Welt lebt, in der das Unrecht regiert.

Das Böse gehört leider zu unserer Welt – aber es darf nicht siegen! Es bietet rein biologisch gesehen einen Überlebensvorteil: Wer einen Ertrinkenden nicht das Leben versucht zu retten, bringt sich selbst nicht in Gefahr. Dies trifft im übertragenen Sinne auf sämtliche Lebenssituationen zu, in denen wir anderen helfen, denn wir bringen uns dabei oft selbst in Gefahr. Aber: Wer will schon in einer solchen Welt leben? Diejenigen, die noch an eine göttliche Ordnung glauben, dass diese für uns gemacht wurde, um die göttlichen Absichten zu verwirklichen, können sich damit trösten, dass die für uns sichtbare Welt nicht auch gleichzeitig die finale Welt ist. Diese finale Welt – davon gehen die meisten Religionen aus – existiert jenseits der Wahrnehmbarkeit dieser Welt, in der wir jetzt leben müssen. Spätestens zum Zeitpunkt des Todes – das lehren alle Beobachtungen zu Nahtoderfahrungen – wird uns diese finale Welt offenbar werden. Und die „Gerechten“ werden dann die von bösen Mächten beherrschte diesseitige Welt endgültig hinter sich lassen können, um dann die Erfahrung einer endgültigen, göttlichen Gerechtigkeit machen zu können. Was geschieht mit den Bösen? Auch da sind sich die monotheistischen Religionen relativ einig: Sie werden auch eine Art Gerechtigkeit erfahren, die darauf hinausläuft, dass sie für ihr Handeln zur Verantwortung gezogen und abgesondert ("Hölle") oder sogar endgültig vernichtet (Offenbarung Johannes: "feuriger Pfuhl") werden.

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