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Es wird aufgrund der vielen Ungerechtigkeiten in unserer Welt oftmals behauptet: Es gibt zwar viele Ungerechtigkeiten, aber eines ist auf jeden Fall gerecht, dass wir alle ausnahmslos einmal sterben müssen. Ich will nun das Gegenteil behaupten: Der Tod ist die größte Ungerechtigkeit und damit auch die größte Zumutung auf der Welt. Warum? Hier die Hauptgründe:

  • Ist die Existenz total absurd? Mir scheint es nur eine knallharte Alternative zu geben: Entweder es ist alles sinnvoll, jeder Moment im Leben eines Menschen hat eine Bedeutung und es bleibt jede Bemühung zur Verbesserung und Vervollkommnung des Lebens nicht unbelohnt; oder aber alles ist im Grunde sinnlos, weil jede Bemühung, jedes Streben nach Höherem nach Verbesserung in der Absurdität des Todes endet. Der „überdimensionale Witz“ wäre es, wenn „alles was ist“ in einem völlig sinnleeren Kosmos, der auf seine Selbstzerstörung hinläuft, endet. Der knallharte Evolutionsbiologe Richard Dawkins hat es so formuliert:  „In einem Universum mit blinden physikalischen Kräften… werden manche Menschen verletzt, andere haben Glück, und man wird darin weder Sinn und Verstand noch irgendeine Gerechtigkeit finden. Das Universum, das wir beobachten, hat genau die Eigenschaften, mit denen man rechnet, wenn dahinter kein Plan, keine Absicht, kein Gut oder Böse steht, nichts außer blinder, erbarmungsloser Gleichgültigkeit" (Und es entsprang ein Fluss in Eden, S. 151) Die Kosmologen gehen gegenwärtig davon aus, dass alle existierende Materie und Energie entweder in einem schwarzen Loch „verschwindet“ oder aber sich in einem immer energieärmeren Universum durch den fortschreitenden Entropie-Prozess „verliert“ und sich allmählich auflöst.
  • Ewige Existenz: Ich bin „durch Zufall“ auf ein interessantes Interview mit einem „Außerirdischen“ (Interview stammt aus dem US-Projekt „Blue Book“ -  Studien des Geheimdienstes der US-Luftwaffe zur Sammlung und Auswertung der Sichtungen von UFOs in der Zeit von 1952 bis 1969: weiterlesen) gestoßen, das insofern verblüffend ist, weil es eine scheinbar unwirkliche Perspektive eröffnet, die ungewöhnlich ist. Hier die wichtigsten Auszüge (ansehen), die ich nach dem Video transkribiert habe (siehe auch weiterlesen - Warum leben wir?):

Interviewer (I): „Du sagtest du kennst den Ursprung des Universums, hast aber nie eine Erklärung gebracht. Also ich frage dich wieder, wie wurde das Universum erschaffen?“

Außerirdischer (A): „Du bist nicht in der Lage, dies zu verstehen oder zu akzeptieren…. Das Universum wurde nicht geschaffen.“

I: „Aber man kann nicht etwas aus dem Nichts schaffen.“

A: „Das ist korrekt.“

I: „Also nur ein Schöpfer (Gott) kann etwas aus dem Nichts schaffen.“

A: „Das ist falsch.“

I: „Du hast dir eben selbst widersprochen.“

A: „Nichts, definitionsgemäß existiert nicht….Da Nichts nicht existieren kann, ist alles, was bleibt, die Existenz. Existenz ist unendlich. Sie hat kein Ende und keinen Anfang und daher auch keinen Erschaffer.“

I: Aber du sagtest, das Universum hat einen Ursprung.“

A: „Ja.“

I: „Na also. Ich habe dich beim Lügen ertappt.“

A: „Das Universum ist nicht die Existenz. Es ist ein winziger Teil des Lebens.“

I.: „Okay, jetzt redest du Blödsinn. Nochmals, wie wurde das Universum wie durch ein Wunder erschaffen?“

A: „Das Universum ist ein spontanes Ereignis und unvermeidlich in der Ewigkeit der Existenz. Jedes Ereignis, kann, wird passieren und ist passiert. Dieses Universum einbezogen. Es gibt eine unendliche Anzahl von Universen. Nicht alle können so genanntes Leben beherbergen. Dieses Universum ist durch Zufall, ausgeglichen. Und bietet gelegentlich Lebensraum für so genanntes Leben.“

Dieser „Außerirdische“ führt uns die „Denkfalle“ vor Augen:

Wir denken, wenn es etwas gibt, kann es nur das Gegenteil, dass etwas nicht gibt, geben. Es gäbe also nur die Polarität von Sein und Nicht-Sein.

Demzufolge müsse irgendjemand (Gott) aus dem Nichts etwas erschaffen haben.

Er behauptet aber, dass es nur das Sein (Existenz) gibt und nicht Nichts.

Daraus folgert er:

Dann gibt es auch keinen Anfang (Urknall) und auch kein Ende, sondern nur ewiges Sein.

Das Universum, in der wir leben, ist also nur ein Resultat der ewigen Existenz, in dem Leben entstanden ist.

Folgt man dem Gedankengang dieses Außerirdischen, dann wären Geburt und Tod nur scheinbare Ereignisse eines in der ewigen Existenz bestehenden Seins. Man könnte es sich mit einer Analogie verdeutlichen: Die Seifenlauge wäre dann diese ewige Existenz und die Seifenblasen, die entstehen und zerplatzen, aber deren Bestandteile wieder in diese Seifenlauge zurückfallen, wenn man beim Blasen das Gerät entsprechend hält, ihre verschiedenen Erscheinungsformen.

  • Absolute oder relative Gerechtigkeit: Der Tod stellt nach meiner Überzeugung alles auf den Kopf. Wer in seinem Leben mit großer Raffinesse zu Ruhm und Reichtum gekommen ist, wer skrupellos andere ausgebeutet hat, wer andere gnadenlos unterjocht hat oder einfach ein eiskalter Mörder war, stirbt genauso wie jemand, der sich immer bemüht hat, anderen in Notlagen zu helfen, der seine persönlichen Interessen hintenan gestellt hat, wenn es der Sache oder anderen Menschen dienlich war, oder der der Nachwelt ein großes künstlerisches, musikalisches oder wissenschaftliches Werk hinterlassen hat. Das Ergebnis eines egoistischen oder altruistischen Lebensstils ist dasselbe: der Tod. Wie lässt sich das mit dem Gerechtigkeitsprinzip vereinbaren das da lauten könnte: Jeder bekommt das was er verdient? Hat jemand, der sein Leben für andere opfert, nicht etwas Besseres verdient als jemand, der andere umbringt? Das Problem ist, dass wir nur die relative Gerechtigkeit kennen. Die von Menschen gemachte Gerechtigkeit ist uns hinlänglich bekannt, ihre Brüchigkeit, Widersprüchlichkeit bringt jeden zur Verzweiflung, der versucht, dem Grundgedanken, dass es in der Welt gerecht zugeht, etwas abzugewinnen. Die Wahrheit ist leider oft eine andere: Wir erleben, dass Menschen leiden müssen, die nichts anderen angetan haben, und dass es Menschen gibt, die „immer davon kommen“, auch wenn sie gegen Gesetze verstoßen haben. Das Grundproblem ist dabei, dass wir die Relativität der menschengemachten Gerechtigkeit zur Beurteilung heranziehen. Alle Religionen glauben daran, dass es eine göttliche Gerechtigkeit gibt, der sich niemand entziehen kann und die spätestens mit dem Tod jedem widerfahren wird. Man könnte diese Art der Gerechtigkeit auch absolute Gerechtigkeit nennen. Sie besteht jenseits jeglicher menschengemachten Gerechtigkeit und hat insofern einen Absolutheitsanspruch, als sie sich nicht beugen, interpretieren oder wegdiskutieren lässt. In den fernöstlichen Religionen des Buddhismus und des Hinduismus tritt an die Stelle Gottes das Karma. Das Karma hat ebenfalls einen Absolutheitsanspruch insofern, als es als unabhängig existent angenommen wird und über den persönlichen Tod eines Menschen hinausreicht. Niemand kann diesem Absolutheitsanspruch ausweichen, sondern jeder wird über den irdischen Tod hinaus mit diesem Prinzip konfrontiert. Die Einzelexistenz eines persönlichen Daseins in der diesseitigen Welt stellt dabei nur ein kleiner Schritt dar, dem weitere Schritte in eine ferne Zukunft folgen müssen, um das aufzuarbeiten, was in den vorangegangenen Existenzen nicht geschafft wurde. Die Reinkarnation stellt deshalb einen notwendiger Bestandteil dieses absoluten Gerechtigkeitsgedankens dar, der sich in wiederholten Erdenleben manifestiert. Der Unterschied zu den monotheistischen Religionen ist der, dass nicht ein persönlicher Gott als Richter auftritt, sondern ein bereits existierendes absolutes Gerechtigkeitsgesetz, das Karma genannt wird. Der weitere Unterschied ist der, dass eine fast unendliche Anzahl von Erdenleben erforderlich ist, um eine Vollkommenheit zu erreichen, die das Ziel der Inkarnationen sein soll.
  • Transzendenz: Die Lösung des Problems mit der Ungerechtigkeit des Todes kann nur außerhalb der von uns wahrnehmbaren Welt liegen. Die als Transzendenz bezeichnete jenseitige Welt, die uns – sofern wir keine Hellseher, Menschen mit anderen außersinnlichen Fähigkeiten oder Mystiker sind – verschlossen bleibt, ist die einzige Hoffnungsquelle, aus der wir schöpfen können. Für religiöse Menschen ist diese jenseitige Welt die Heimat Gottes, der dort sein Reich hat und von wo aus er in diese Welt eingreift (Theisten) oder diese ihrem Schicksal nach seiner Erschaffung überlässt (Deismus). Das wäre dann für diese Menschen die eigentliche Heimat, in die Menschen nach ihrem Tod überwechseln, so dass der Tod nur einen Übergang darstellt. Für Jesus Christus, auf den sich die heutigen christlichen Religionen berufen, war das Reich Gottes aber nicht nur jenseitig, sondern allumfassend (absolut), so dass das Diesseits nicht aus diesem Reich ausgegrenzt war. Sondern das Diesseits als die Wohnstätte der Menschen, Tiere und Pflanzen, so wie wir sie auf der Erde kennen, gehörte auch zum Reich Gottes. Er ging sogar so weit zu sagen, dass es in jedem Menschen selbst präsent ist. Dem Absolutheitsanspruch Gottes würde es logischerweise auch widersprechen, wenn es so wäre, dass unsere materielle Welt, in der wir jetzt leben, von dem göttlichen Reich völlig unberührt existierte. Denn dann wäre er ein Gott, auf den wir doch auch verzichten könnten, denn es wäre ihm egal, was seine Geschöpfe tun, wie sie leben, ob sie nun sich weiterentwickeln, in ihrer Entwicklung stehen bleiben oder sogar degenerieren. Es wäre ihm egal, ob sie sich abseits jeder Moralvorstellung nur so verhalten, dass sie aus individueller Sicht gesehen nur immer die Verwirklichung der eigenen Bedürfnisse im Blickfeld haben und dabei unbewusst oder sogar sehr gewollt, anderen einen Schaden zufügen.
  • Die moralische Höherentwicklung ist notwendig: Sowohl monotheistische Religionen als auch die fernöstlichen Philosophien wie der Buddhismus oder Hinduismus bejahen die Notwendigkeit der moralischen Weiterentwicklung des Menschen. Entweder wird nach monotheistischer Lesart diese bereits nach einem Leben erreicht (oder auch nicht) oder aber der Mensch hat unzählige Möglichkeiten der Höherentwicklung in vielen Inkarnationen. Die im materialistischen Denken weitverbreitete Denk- und Redensart „nach mir die Sintflut“    (Hauptsache mir geht es jetzt gut, was später kommt, ist mir egal) spricht eigentlich gegen diese Notwendigkeit der moralischen Höherentwicklung, weil in dieser Haltung eine Verantwortungslosigkeit sowohl gegenüber sich selbst als auch der Welt ausgedrückt wird. Wenn das Leben im materialistischen Denkschema sich auf die eine Existenz beschränkt, könnte die „Nach-mir-die-Sintflut-Haltung“ eine logische Konsequenz sein. Wenn das eigene Handeln nur mit irdischen Maßstäben gemessen wird – falls man Glück hat und nicht erwischt wird, umso besser –, dann bleibt sie nur den relativen Gerechtigkeitsmaßstäben unterworfen. Die Lebenspraxis vieler Menschen, auch und vor allem vielleicht auf der politischen Bühne unserer Welt, scheint diese harte materialistische Lebensphilosophie widerzuspiegeln. Haben aber diejenigen Recht, die eine Existenz jenseits unseres irdischen Lebens bejahen, kann dies nur bedeuten: Wir müssen uns den absoluten Gerechtigkeitsmaßstäben eines Gottes oder eines kosmischen Gerechtigkeitsprinzips stellen und können diesen nicht entfliehen. Dann könnten unser irdisches Leben oder die Vielzahl der irdischen Existenzen nur Prüfsteine sein oder als Qualifikationstests angesehen werden, die wir zu bestehen haben, um in einer besseren, jenseitigen Welt leben können. Das Scheitern ist prinzipiell, folgt man dem letzten Gedanken, möglich und die Erlösung durch den Kreuzestod von Jesus Christus, wie sie vor allem in den christlich geprägten Religionsansichten vertreten wird, ist mit dem absoluten Gerechtigkeitsprinzip nicht vereinbar, denn es würde kein eigenes Bemühen erforderlich sein. Das Scheitern könnte entweder eine „Dauerschleife“ endloser irdischer Existenzen bedeuten, bei der es keine Weiterentwicklung gibt oder das Nichtgelingen könnte in einer Vernichtung unserer Seele im metaphysischen Sinne enden, wie dies z.B. in der Apokalypse des Johannes zum Ausdruck kommt. Beide Varianten sind nach meinem jetzigen Kenntnisstand denkbar. Die "ewige Hölle", wie sie im Islam oder im christlichen Glauben gelehrt wird, halte ich wiederum nicht mit dem absoluten Gerechtigkeitsprinzip vereinbar, denn was könnte eine endlose Höllenqual denn schon rechtfertigen? Aber als "Zwischenstufe" in jeneitigen Welten ist die Hölle, folgt man dem, was auch in Nahtoderfahrungen oder mystischen Visionen berichtet wird, sehr wahrscheinlich, wenn Menschen sich weigern, dem absoluten Gerechtigkeitsprinzip Tribut zu zollen und nur ihren egoistischen Zielen folgen.

Ist also der Tod die einzige Gerechtigkeit? Ja und nein könnte man sagen: Ja insofern, als der Tod die Zäsur darstellt, die notwendig ist, um die Geister zu scheiden, um immer wieder, wenn eine Unzahl von Leben postuliert wird, nach jedem Leben eine „Zwischenprüfung“ abzulegen, die sich jeder stellen müsste; nein insofern, als der Tod niemals das „gerechte“ Endergebnis eines sinnvollen Lebens sein kann, denn dann wäre das Leben bereits „die Hölle auf Erden.“

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