Pin It

Folgende Typologie stellt eine Auswahl dar, die sehr subjektive Wertungen enthält. Wenn nicht eindeutig ein Geschlecht genannt wird, trifft es für beide zu – mir ist die gendergerechte Schreibweise zu anstrengend. Typologien haben es an sich, wie das Wort schon sagt, zu typisieren und damit vielleicht auch zu generalisieren, was so manchen zu der Schlussfolgerung kommen lassen könnte, dass sie nicht stimmt, weil sie zu allgemein gehalten ist. Doch halt! Zuerst sollte man einmal  diesen Artikel lesen und dann urteilen. Vielleicht erkennt so mancher seinen guten Nachbar oder sogar etwas von sich selbst.

  • Namens- oder Scheinchrist: Er ist Mitglied der katholischen oder evangelischen Kirche (meist von Geburt an) und glaubt, damit auf der "sicheren Seite" zu sein ("Sicherheitschrist") . Er praktiziert sein Christsein in dem sonntäglichen Kirchgang und in der Teilnahme an kirchlichen Veranstaltungen wie z. B. Prozessionen und Kirchentagen. Für ihn ist das Glockengeläut der Aufruf, sich in die Kirche zu begeben. Insbesondere an Feiertagen genießt er den Gang zur Kirche, wenn die Feierlichkeit des Gottesdienstes die Bedeutung des Feiertages unterstreicht ("Feiertagschrist"). Er glaubt, dass alle Sakramente von Jesus Christus gewollt und heilbringend sind. Wenn er katholisch ist, nimmt er auch an Wallfahrten teil. Er ist im Kirchenvorstand oder strebt zumindest ein Ehrenamt in der Kirche an, steht nicht selten am Altar, liest der Gemeinde Kapitel aus der Bibel vor und nimmt im Gottesdienst am Abendmahl oder der Eucharistie teil. Er hält engen Kontakt zum Pfarrer und gehört somit zum vertrauten Kreis dieses Geistlichen. Er ist selbstverständlich in der CDU – in Bayern CSU – und geht auf kritische Distanz zu AfD und begrüßt die eindeutigen Aussagen der Pastöre zur Abgrenzung von diesen Populisten, die er für gefährlich hält. Er übt meistens einen bürgerlichen Beruf (Lehrer, Rechtsanwalt, Arzt, Beamter) aus und ist für das dreigliedrige Schulsystem. Seine Kinder gehen selbstverständlich ins Gymnasium. Gerne engagiert er sich in der Flüchtlingshilfe und demonstriert für die Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer und spendet hierfür Geld. Er ist selbstverständlich auch für das Kirchenasyl und engagiert sich, wenn ein Asylant abgeschoben werden soll, gegen diese Abschiebung. Er ist immer gegen Abtreibung und hält an der traditionellen Ehe fest, weshalb auch für ihn eine Scheidung nicht infrage kommt.

Warum ist mir dieser scheinbar „praktizierende Christ“ unsympathisch? Nun, es ist die nach außen getragene Frömmigkeit, was mich an ihm stört, bei der möglicherweise – das muss nicht immer für jeden zutreffen - das nach außen dargestellte Christsein keiner wirklichen inneren Beteiligung entspricht. Er kommt mir vor wie ein Hirsch, der immer zur selben Zeit mit anderem Rotwild zu einer bestimmten Stelle im Wald geht, weil er weiß, dass dann dort etwas vom Menschen zum Fressen ausgebracht wurde; d. h. weil viele Gläubige sich zu bestimmten Anlässen in Kirchengebäuden oder auf offenen Plätzen oder bei Prozessionen einfinden, glaubt er mitmachen zu müssen. Ich unterstelle ihm, dass dieses „Mitmachen“ dem Bedürfnis nach Anerkennung durch die Gemeindemitglieder zu verdanken ist und weniger einer echten inneren Überzeugung.

  • Links-grüner Aktivist: Er ist gegen das Ausgrenzen von Minderheiten – egal wie diese sich nennen. Der Minderheitenschutz hat für ihn hohe Priorität. Er ist deshalb für die grenzenlose Aufnahme von Flüchtlingen, die aus seiner Sicht eine Bereicherung für Deutschland darstellen und die vor schrecklicher Verfolgung in Deutschland Schutz suchen. Er glaubt nicht, dass diese Menschen kriminell sind oder nur aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen. Ist dieser Aktivist weiblich, sind die „normalen deutschen Männer“ die Feinde schlechthin, die entweder nur prügelnde Machos oder Weicheier sind oder sich nur an Kindern vergreifen können. Sie ist auf jeden Fall für eine „Frauenquote“ in Parteien und in der Wirtschaft, weil sie überall die Benachteiligung des weiblichen Geschlechts sieht. Sie ist für die gendergerechte Sprache und ist für die gleichgeschlechtliche Ehe, propagiert eine Freigabe aller Drogen und setzt sich ein gegen den „Kampf gegen rechts“. Für ihn ist die Antifa dafür da, im Kampf gegen rechts stets präsent zu sein – auch notfalls mit Gewalt. Er ist unduldsam gegen die Meinung der von ihm so genannten Nazis, die all jene genannt werden, die seine Meinung nicht teilen. Sie ist aktives Mitglied der Linken oder Grünen und ihre Vorbilder sind die Front-Frauen wie z. B. Katrin Göring-Eckardt oder Claudia Roth. Er ist für den Klimaschutz und demonstriert gegen den Klimawandel, der nach seiner Meinung von dem Kohlendioxid verursacht wird. Deshalb findet er auch die Aktion „Friday-for-Future“ toll und würde es begrüßen, wenn die Schüler noch mehr demonstrierten. Wenn es nach ihm ginge, würden alle Diesel- und Benzinfahrzeuge verboten und Energie nur noch aus Wind, Wasser und Sonne gewonnen werden.

Warum ich diesen Typen mies finde ist relativ einfach erklärt: Das, was er propagiert, setzt er in seinem Alltag nicht um, d. h. er setzt sich zwar ein für die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland, nimmt aber keine in seinem Haus auf, er ist für umweltschonende Energiegewinnung und für sparsamen Umgang mit der Energie, fährt aber einen „Spritfresser“ oder fliegt ständig durch die Gegend. Es ist die Verlogenheit der Lebensweise die konträr ist zu dem, was als normatives, gesolltes Sein verkündet wird.

  • Braver-Mutti-Typ: Er ist, wie der Name schon sagt, weiblich. Eine Frau in den mittleren Jahren, bei der sich alles um die Familie dreht. Politik ist etwas für Männer, aber sie findet auf jeden Fall „Mutti“ Merkel gut. Deshalb wählt sie auch die CDU. Auch Obama fand sie als Präsident der USA besser als Trump. Sie interessiert sich für das Leben der königlichen Familien, von Schauspielern und anderen Prominenten. Im Fernsehen sieht sie Talkshows mit Markus Lanz. Die Film-Produktionen von ARD und ZDF, die so lebensecht das Leben von Ärzten, Tierärzten, Nonnen, Adligen und wohlhabenden Bürgern widergeben, die sich nicht mit den Niederungen des alltäglichen Überlebenskampfes auseinandersetzen müssen, sieht sie gerne. Sie mag auch Unterhaltungssendungen, bei denen sie, wenn rhythmische Klänge zu hören sind, im Takt mitklatscht. Sie glaubt alles, was in der Tagesschau und in der Heute-Sendung an Nachrichten gebracht wird.

Meine Abneigung gegenüber dieser Typ Frau nährt sich aus der unkritischen Übernahme dessen, was an Lebensweisheiten über den Mainstream vermittelt wird und somit ihre Auswechselbarkeit und mangelnde Originalität.   

  • Männlicher Prolo: Fußball ist sein Leben, denn er hält es für elementar wichtig, dass seine Heimmannschaft gewinnt. Grölend zieht er mit seinen Kumpels durch die Stadt, in der gerade die eigene Mannschaft spielt und singt dabei gängige Parolen. Seinen Oberkörper hat er vielleicht tätowiert – möglicherweise mit seiner ersten Freundin und deren Namen. An zweiter Stelle kommt sein Auto, dass er immer pflegt, damit er sich damit sehen lassen kann. Für ihn ist das Auto auch ein Objekt des Prestiges und seines wenn auch bescheidenen Aufstiegs. Frauen sind nur für Sex gut oder um den Haushalt zu versorgen und ihm die Kinder, wenn er denn welche hat, vom Leib zu halten. Auch hält er sich manchmal einen Schäferhund oder sogar einen Kampfhund, um Stärke zu demonstrieren. Er wählt vielleicht noch die SPD, aber nur, weil sein Vater die schon immer gewählt hat. Ansonsten hat er mit Politik nicht viel am Hut. Seine Stärke zeigt er darin, dass er alkoholische Getränke trinkt, die einfach dazu gehören, wenn er vor allem mit seinen Kumpels unterwegs ist.´

Mein Widerwille gegen diesen Typ kann einfach erklärt werden: Es ist seine Niveaulosigkeit, seine Oberflächlichkeit, die er aber nicht für eine solche hält. Die nach außen demonstrierte Stärke korrespondiert nach meiner Einschätzung mit einer inneren Unsicherheit, die er mit seinem Macho-Gehabe zu übertünchen versucht. Was diesen Menschen fehlt ist ein individuelles Gesicht.

  • Schickimicki-Mädchen: Sie findet schminken ungeheuer wichtig und die neueste Mode muss man einfach tragen. Am liebsten wäre sie ein Model, das die neuesten Klamotten vorführt oder eine von den Schlager- oder Filmstars, die prominent sind. Für Politik interessiert sie sich nicht, darum sollen sich andere kümmern. Wichtiger ist für sie zu wissen, was die Prominenten machen und wer mit wem mal wieder zusammen oder auseinander ist. Arbeiten ist Nebensache und nur eine lästige Unterbrechung der Freizeit. Ins Büro geht sie auch nur deshalb, um die Neuigkeiten mit anderen auszutauschen. Wenn sie konzentriert eine bestimmte vom Chef angeordnete Arbeit erledigen soll, ist sie sauer, weil sie meint, dass ihre Kollegin, die stinkendfaul ist, dass erledigen sollte.

Mich stört ihre Oberflächlichkeit, mit der sie ihr Leben angeht, die mangelnde Ernsthaftigkeit, sich dem Leben zu stellen, auch seinen negativen Seiten.

  • Der junge Alte: Er nimmt die Aufforderung des Schlagers mit „66 Jahren“ von Udo Jürgens wörtlich. Er kleidet sich gewollt jugendlich und geht auf wilde Partys. Das tägliche Jogging in einer Gruppe gehört dazu oder das „Walking mit Stöcken“. Gesunde Ernährung ist sein Hauptlebensinhalt. Der Spruch „ich lebe jetzt nur noch für meine Gesundheit“ kommt gerne über seine Lippen. Er liest deshalb auch gerne die „Rentner-Bravo“ (Apotheken-Umschau). Bei seinem Hausarzt ist er regelmäßig zum Gesundheits-Check-up. Mit seinem E-Bike wird er aber fast schon eine Gefahr für seine Umwelt, weil er dem erreichbaren Tempo nicht richtig gewachsen ist. Wenn er genug Geld hat, bringt er die dunkle Jahreszeit auf Mallorca zu.

Was mich an diesem Typen stört ist sein „Jugendwahn“, die mangelnde Annahme des Älterwerdens. Damit einhergeht eine Würdelosigkeit, die mit dem Alter verbundenen Beschwernisse zu akzeptieren. Stattdessen werden sie übermalt mit bunten Jacken oder Hemden.

  • Der Mitläufer: Er ist derjenige, der immer das macht, was zur Zeit „angesagt“ ist, der „die Fahne nach den Wind hängt“ und dabei keinerlei Skrupel hat, täglich seine Meinung zu ändern, wenn dies zu seinem Vorteil gereicht. Er ist der willkommene Staatsbürger: Als Polizist prügelt er immer diejenigen, die gerade als Feindbilder deklariert werden und ist ein willkommener Befehlsempfänger, der sich dabei voll „hinter seine Vorgesetzten“ stellt. Er ist der ideale Beamte, der genau „Dienst nach Vorschrift“ leistet und sich dabei noch wohl fühlt, weil er glaubt, dem „Staat zu dienen“. In der Schule war er schon immer „der Liebling der Lehrer“, weil er stets unkritisch die Meinung der Lehrer übernommen hat. Das "Petzen" war schon zu Schulzeiten ein Markenzeichen - später ist es das Denunzieren Andersdenkender, stets, um dadurch Vorteile zu ergattern bei denen, die die Macht haben. Im Berufsleben ist er der richtige „Untergebene“, der sich als „Radfahrer“ – nach unten treten und nach oben buckeln – gut mit dem Chef zu stellen weiß. In der Partei applaudiert er immer, wenn der Parteivorsitzende etwas sagt - er erhofft sich davon, dass er dafür einmal protegiert wird. In den Verlagshäusern folgt er dem Mainstream der Meinungsmacher und schreibt genau das in den Zeitungen, was von den Redaktionsleitungen erwartet wird. In einem totalitären Staat ist er „der nützliche Idiot“ für die Herrschenden.

Der Mitläufer ist mir zu wider, weil er der Typ Mensch ist, der mit seinem Opportunismus und mit seiner Prinzipienlosigkeit sich überall durchmogelt. Er erkennt nicht, dass er nur ein auswechselbares Rädchen in einem Machtgefüge ist und jedwede Individualität vermissen lässt.

  • Der intellektuelle Schönredner: Er ist ein gern gesehener Gast in Talkshows und weiß durch kluge Reden zu überzeugen. Dabei bedient er sich gern einer Sprache, die seine hohe Intellektualität unterstreichen soll. Hierbei kommt es ihm nicht auf die Sache an, sondern darauf, durch geistreiche, manchmal verschrobelte Formulierungen, zu beeindrucken. Wenn das, was er sagt, kaum noch jemand versteht, glaubt man, dass es wohl sehr anspruchsvoll ist, was er da von sich gibt. Dabei wirkt er manchmal pathetisch, glaubt mit Gesten und einer bedeutungsvollen Mimik das Gesagte unterstreichen zu müssen. Seine akademischen Titel trägt er vor sich her wie Aushängeschilder seiner Bedeutsamkeit.

Diese Art des Intellektuellen, bei der jemand nicht auf den Punkt kommt, sondern mit vielen Fremdworten gespickt im Grunde genommen inhaltslose Phrasen drischt, ist mir ein Gräuel, weil hier jemand versucht, mit Imponiergehabe  und Abgehobenheit von der „breiten Masse“ zeigen will, dass er etwas Besonderes ist (was er aber in Wirklichkeit nicht ist).

Individualität - ein wichtiges Ziel des Menschseins: Ein gemeinsames Merkmal dieser miesen Typen ist es wohl, dass sie auswechselbare Figuren sind, die sich durch individuelle Eigenheiten kaum unterscheiden, sie wirken stereotyp. Sie erinnern mich an die „Maschinen-Menschen“ in dem Film „Matrix“ (weiterlesen) – sie wollen nicht aufwachen aus ihrem Schlaf, der sie in ihrer Welt der Illusionen festhält, weil sie die Welt „hinter den schönen Bildern“, die ihnen in der Scheinwelt vorgegaukelt wird, nicht interessiert. Was diesen Menschen fehlt ist ein individuelles Gesicht. Sie wirken wie aufgezogen Spielfiguren und ähneln tatsächlich den Menschen, die Morpheus Neo zeigte, während sie durch eine belebte Straße in einer Großstadt gehen und Morpheus Neo dabei ertappte, als er einer Frau mit blonden Haaren in einem roten ihre Figur betonenden  Kleid hinterher sieht (ansehen, 0,38 Min.). Sie leben in einer Scheinwelt künstlicher Geschäftigkeit, die aber inhaltsleer ist. Als einmal meine jüngste Tochter zu mir sagte, ich sei ein Individualist, empfand ich das als eine Auszeichnung. Diese besteht darin, dass sie mir das Gefühl vermittelte, mich als einen Menschen zu sehen, der sich durch seine Eigenheiten gerade von anderen unterscheidet und damit unverwechselbar wird. Das empfinde ich als erstrebenswert. Und in der Tat liebe ich keine „Massenveranstaltungen“, bei denen sich Menschen entweder zu Konzerten, Demonstrationen oder zu Sportveranstaltungen treffen, um alle identisch dasselbe zu erleben. Wenn ich mal „aus Versehen“ dabei war, fühlte ich mich oft „wie in einem falschen Film“, wobei ich mich fragte: „Was machst du hier eigentlich?“ Ein Individuum zu sein oder zumindest Individualität anzustreben halte ich für eine der größten Herausforderungen, da wir alle dem „Druck der Masse“ ausgesetzt sind, so zu denken, zu fühlen und zu handeln, wie alle anderen. Dem sich entgegenzustellen und dabei auch Risiken einzugehen, stellt für mich ein wichtiges Lebensziel dar.  

© beim Verfasser

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren