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Mit stolz geschwellter Brust stellte der Gesundheitsminister Jens Spahn die Corona-App vor. Die auf Dauerwerbesendung für die Bundesregierung geschaltete ARD-Tagesschau meldete auch Spahns Lobeshymnen auf die entwickelte Tracing-App, die das Zurückverfolgen von Infektionsketten ermöglichen soll (weiterlesen). Ganze 20 Mio. EUR wurden für die Entwicklung investiert und es entstehen laufende Kosten von 2,5 Mio. bis 3,5 Mio. EUR im Monat, was zumindest die Fraktion der Linken im Bundestag moniert hatte (weiterlesen). Inzwischen soll die App von 6,4 Mio. heruntergeladen worden sein. Drei wichtige Einwände machen diese App fragwürdig:

  • Infektionsketten zurückverfolgen schwierig: Das Zurückverfolgen von Infektionsketten hängt aber nicht nur davon ab, dass sich möglichst viele diese App herunterladen ,- es müssten laut Herrn Spahn mindestens 60 % der Bevölkerung sein, damit es funktioniert (ansehen) - sondern dass Infizierte ihre Infektion auch melden. Denn erst dann werden diejenigen Personen gewarnt, die sich näher als zwei Meter in der Nähe des Infizierten befunden haben. Aber warum sollte der Infizierte dies tun? Nur aus reiner Nächstenliebe gegenüber den Mitnutzern? Muss er nicht befürchten, dass er dann von denjenigen zu Verantwortung gezogen werden wird, die von ihm infiziert wurden? Dies scheint mir der erste massive Knackpunkt dieser Corona-App zu sein.
  • Komplizierte Technik: Der weitere Einwand ist der, dass die Bundesregierung davon ausgeht, dass alle Personen in Deutschland fleißige und fitte Benutzer von I-Phone- und Smartphone-Geräten sind. Zu dem Hauptpersonenkreis der Gefährdeten gehören doch gerade diejenigen, die hochbetagt oder/und multimorbid sind und vielleicht schon in einem Altersheim leben. Hat die Bundesregierung hierzu eine Erhebung durchgeführt, wie viel Personen tatsächlich über die nötigen technischen Voraussetzungen verfügen? Ich glaube nicht. Außerdem sprechen die hohen Ansprüche an die technischen Voraussetzungen, um diese App herunterzuladen, dafür, dass sich diese Zusatzfunktion nicht wie gehofft in der Gesamtbevölkerung verbreiten kann. Es muss – das musste ich auch erst einmal versuchen annähernd zu verstehen –, um sich die App herunterzuladen, ein Apple-Betriebssystem ein iOS 13.5 vorhanden sein, das erst bei einem i-Phone 6s oder i-PhoneSE funktioniert. Wer ein Handy hat, braucht dazu ein Android-Handy mit der Version Android6 (Marshmellow), das von Bluethooth Low Energy (ansehen) unterstützt wird. Auch auf neuen Huawei-Geräten wie dem Mate 30, P40 oder Honor 30 soll die App laufen (weiterlesen). Meine Mutter, als sie noch gelebt hatte, gehörte im Altenheim zu den „fortschrittlichen Alten“, die tatsächlich ein kleines Handy hatte, mit dem sie noch telefonieren konnte. Zum Aufladen musste sie aber mit dem Prepaid-Gerät in einen Laden in der Stadt gehen, um sich dabei helfen zu lassen. Wer von dem vor allem betroffenen Personenkreis soll denn nun mit dieser komplizierten Technik umgehen können?
  • Infektionen rückläufig:  Und nun zum dritten Einwand. Wir haben aktuell noch 6.500 Infizierte Personen in Deutschland (weiterlesen). Wie wahrscheinlich ist da das Zusammentreffen von einem Infizierten mit einem Nicht-Infizierten, der dann durch diese App ausfindig gemacht werden kann? Wird da nicht sprichwörtlich mit „Kanonen auf Spatzen“ geschossen? Den Protagonisten der mit einer fast schon zu nennenden „Null-Toleranz-Strategie“ agierenden Politiker und Panikmacher unter den Journalisten und Virologen gehen so langsam die Patienten aus. Das darf doch nicht wahr sein, dass nun eine App entwickelt wurde, die mit ihrer auch noch nicht ganz ausgereiften und komplizierten Technik - die Funktechnik wurde nicht für die Abstandsmessung entwickelt und je nach Handy unterscheidet sich die Sendeleistung (weiterlesen) - ins Leere greift, weil einfach die Infizierten abhandenkommen! Und an die so genannte „zweite Welle“ glaubt auch nur dieser ausgemachte Personenkreis, denn, wie die Frankfurter Rundschau am 12.05.2020 berichtete, glauben die Experten im Frankfurter Gesundheitsamt nicht an dieses erneute Aufflackern einer weiteren Infektionswelle (weiterlesen), für die die jetzige Epidemie eingereiht ist in die Reihe der normalen Infektionskrankheiten, wie etwa die Tuberkulose oder Masern.

Es zeigt sich einmal mehr, wie sehr sich unsere Berliner Politiker schon von der Realität entfernt haben und in einer selbst gemacht Blase einer künstlichen Wirklichkeit leben.  

 

© beim Verfasser

 

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