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Die gegenwärtige Corona-Krise offenbart nicht nur die Spaltung in Deutschland in Befürworter und Gegner des Regierungskurses zur Bekämpfung des Covid19-Virus, sondern auch das Problem, mit dem sich Menschen beschäftigen, wenn sie versuchen, den gegenwärtigen „Glaubenskrieg“ für sich selbst in ihre Weltsicht richtig einzuordnen: Wer hat nun recht? Wer ist im „Besitz der Wahrheit“? Es ist aber nicht das erste Mal, dass Menschen in diese tiefe Vertrauenskrise geraten und sich fragen: Wem kann man noch vertrauen?

  • Die scheinbare Sicherheit des traditionellen Menschen: Kürzlich war ich auf der Beerdigung meines Onkels, der im hohen Alter gestorben war, wie man so sagt: nach einem erfüllten Leben. Er lebte in einem kleinen Ort in Oberhessen, in dem die katholische Kirche noch sehr dominiert. Er war zeitlebens in der katholischen Kirche und das Leben als gläubiger Katholik eigentlich selbstverständlich. Bei der Beerdigung war auch ein Vertreter der CDU anwesend, der die über 40-jährige Mitgliedschaft erwähnte. Beide „Bündnisse“ wurden zeitlebens nie infrage gestellt. In der katholischen Kirche zu sein war genauso selbstverständlich wie die Mitgliedschaft in der CDU. Die Frage, ob das, was die Pfarrer während des Gottesdienstes predigten, wirklich der Wahrheit entspricht, kam nie auf. Diese Selbstverständlichkeit in der Lebensführung und der dahinter stehenden Lebensphilosophie, die kein kritisches Nachfragen erlaubt, das dem traditionell verwurzelten Menschen eigen ist, schafft ein Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit, welche das Leben in (scheinbar) geregelte Bahnen verlaufen lässt mit dem Glauben, dass das in diese Institutionen gesetzte Vertrauen nicht enttäuscht werden kann. Jeder kennt auch in seinen Verwandten- und Bekanntenkreis solche Menschen, die in diesen traditionellen Rollenmustern leben und für die die Vertrauensfrage nie ein Thema ist. Es wird nichts hinterfragt, sondern die auf „Vertrauensseligkeit“ gewebten Muster der Sicherheit lassen für diese Menschen keine Zweifel aufkommen. Sind diese Menschen glücklich? Ich glaube in gewisser Weise ja, denn die Zweifel haben in ihrem Leben keinen Platz und die Selbstverständlichkeit dieses zwar in engen Grenzen gehaltenen, aber doch ruhigen Lebens, lässt sie in Frieden leben. Diese in ihrer Ruhe zu stören, käme schon fast einem Sakrileg gleich. Sie sind veränderungsresistent und glauben immer noch, dass auch Angela Merkel es gut mit den Deutschen meint.
  • Der riskante Weg des nagenden Zweifels: Wer einmal angefangen hat, kritische Fragen an traditionelle Glaubensvorstellungen zu stellen, wer damit begonnen hat, die Protagonisten der Glaubensdogmen in ein kritisches Licht zu rücken, kann damit nicht mehr aufhören, an allem, was als unumstößliche Wahrheit verkauft wird, zu zweifeln. So ist es zumindest mir ergangen und ich denke, dass dies auch auf alle anderen zutrifft, die sich nicht einlullen lassen wollen von denen, die vorgeben, „die Wahrheit“ zu verkünden. Der Zweifel wird zur neuen Lebensphilosophie erklärt und nichts mehr als selbstverständlich akzeptiert. Diese „Selbstverständlichkeiten“ können nicht mehr als unumstößliche Wahrheiten angenommen werden und die sie verkaufenden Autoritäten werden von ihren selbst errichteten Sockeln der Nichtangreifbarkeit gestoßen. Das betrifft nicht nur traditionelle Glaubensvorstellungen, die uns via Kirchen schon Jahrhunderte vermittelt werden, sondern auch die neuen „Religionen“, wie etwa die von dem Klimawandel, der an die Glaubensdogmen der Wirksamkeit des CO2 an der Klimaerwärmung und an den Treibhauseffekt gebunden ist. Auf diese Weise gehen auch die vertrauten Bilder von den uns als Vorbilder geführten Personen verloren, die sich als weniger vertrauenswürdig entpuppen, wenn man „hinter die Kulissen“ schaut (weiterlesen). Zweifler machen sich selbst das Leben schwer, in dem sie mit ihren kritischen Fragen ganze Glaubensgebäude zum Einsturz bringen. Was ist aber, wenn diese Glaubensgebäude nur äußerlich als solide gehalten, aber in Wirklichkeit nur wacklige Konstrukte darstellen, die wie Kartenhäuser zusammenbrechen, wenn an einer entscheidenden Stelle, die richtigen Karten weggezogen werden? Dies mag auch der Grund sein, warum vor allem die katholischen Kirche an ihren Glaubensdogmen festhält: Wird ein Glaubensdogma infrage gestellt, kann sehr schnell ein Dominoeffekt eintreten und das ganze Glaubensgebäude zusammenbrechen. Haben da nicht die Zweifler Recht, wenn sie sich nicht abhalten lassen, ihre kritischen Fragen weiter zu stellen?
  • Die zwei Lager: So entstehen im Grunde genommen zwei verschiedene Lager, die der „Gläubigen“ und die der „Zweifler“. Diese beiden Lager stehen für konträre Weltbilder und Herangehensweisen an das, was Wahrheit genannt wird. Die Gläubigen sind diejenigen, die die „offizielle Wahrheit“ durch die Geschichtsschreibung und Weltbeschreibung, die neuerdings auch Wissenschaft genannt wird, bejahen. Die Zweifler stellen die Opposition dar, die diese „offizielle Wahrheit“ infrage stellen. Die Gläubigen sind die staatstreuen Diener eines Gesellschaftssystems, das eine 100%ige Anpassung verlangt, um überleben zu können. Dieses verlangt, dass alles geglaubt wird, was in den Schulen von den Lehrern vermittelt wird, um gute Noten zu bekommen und um dann vielleicht studieren zu können. Wer das dann geschafft hat, dem gelingt vielleicht der Sprung auf der Karriereleiter nach oben, um irgendwann ein erfolgreicher Politiker, Banker, Unternehmer oder sonstiges Mitglied einer großen Organisation zu werden, die eine absolute Anpassung an die jeweiligen Glaubenssysteme verlangen, die von diesen vertreten werden. Wer also z. B. irgendwann einen gut bezahlten Ministerposten oder Stelle als Staatssekretär in einem Ministerium bekommen will, muss die Glaubensvorstellungen von der Richtigkeit der politisch Agierenden teilen, um protegiert zu werden. Das heißt in der Gegenwart: Glauben, dass alles getan werden muss, um den drohenden Kollaps durch den Klimawandel abzuwenden, auch wenn dabei unzählige Vögel durch die Windkrafträder geschreddert werden, auch wenn dadurch die sicheren Arbeitsplätze in den traditionellen Betrieben der Energiegewinnung verloren gehen, auch wenn der drohende „Black-out“ mit der Stromversorgung kommen könnte, auch wenn der Industriestandort Deutschland durch Zertrümmerung der Autoindustrie zerstört wird, weil angeblich die mit Verbrennungsmotoren angetriebenen Fahrzeuge mit Schuld an der Klimakatastrophe sind. Wer zweifelt, dass die Zuwanderung aus fremden Kulturen eine Bereicherung darstellt, wer meint, dass dadurch Spannungen in der Gesellschaft entstehen, sich die Kriminalität erhöht, Teile unserer Städte sich in „No-go-Areas“ verwandeln, wer in Zweifel zieht, dass die Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung des Covid19-Virus richtig sind und dagegen protestiert, der ist kein Mitglied mehr der Gläubigen und wird ausgegrenzt. Die Zweifler stehen außerhalb des auf Anpassung gedrillten Gesellschaftssystems und nehmen dabei auch in Kauf, dass ihre Existenz gefährdet wird. Sie riskieren ihren für sicher gehaltenen Arbeitsplatz, weil sie sich nicht korrumpieren lassen wollen, indem sie Glaubensüberzeugungen des mächtigen Arbeitgebers übernehmen, verlieren also als Journalist ihren Job bei ARD oder ZDF, weil sie sich nicht mehr an der dort produzierten Propaganda beteiligen wollen, sie müssen ihren „Lebensstellung“ als Pfarrer aufgeben, weil sie die Glaubensdogmen der Kirche nicht mehr auf der Kanzel verkünden wollen. Während der Gläubige keine Zweifel zulässt und sich mit den jeweiligen Glaubenssystemen, die seine Existenz sichern, arrangiert, riskiert der Zweifler seine Existenz zu gefährden, aber das noch nicht einmal, um eine für neu gehaltene Wahrheit gegen die alte Wahrheit einzutauschen, sondern zuzugeben, dass er auch nicht 100%ig weiß, was wahr ist, aber nicht aufgehört hat, kritische Fragen zu stellen.
  • Man spürt die Absicht und ist verstimmt: Die Verteidiger des herrschenden Glaubenssystems nennen sich oft „Faktenfinder“. Sie suggerieren mit dieser Bezeichnung eine scheinbare Objektivität. Ich behaupte mal: Man kann zu jeder Überzeugung die passenden Fakten finden. Die Vorstellung, dass ein „Faktenfinder“ völlig neutral und nur darum bemüht ist, die Fakten aus dem Meer der Informationen herauszusuchen, die die Wahrheit ans Tageslicht bringen, ist eine Illusion. Ich spüre sofort, welche Absicht hinter dem steht, was diese Faktenfinder tun, und bin verstimmt. Wer etwa bei ARD oder ZDF arbeiten will, tut gut daran, die dort „herrschende Meinung“ zu vertreten, dass alles, was in den gegenwärtigen Mainstream nicht passt, als Verschwörungstheorie zu verunglimpfen. Dazu kann jeder dann auch die entsprechenden Fakten finden. Selbstverständlich sprühen dann Flugzeuge keine giftigen Chemikalien in die Luft (Chemtrails), um uns zu vergiften, sind die Argumente gegen die gegenwärtige Corona-Politik der Regierung irrational, weil sie angeblich nicht auf Fakten beruhen. Der „Faktenfinder“ fungiert wie der Agent „Smith“ in dem Film „Matrix“: Er verteidigt das auf Illusionen aufgebaute System, das den Menschen von Maschinen vorgespielt wird. Er ist Stabilisator des Systems, in dem und von dem er lebt.
  • Wahrheit hat nichts mit Konsens zu tun: Wenn in der Debatte um den Klimawandel das Argument kommt, dass die Mehrheit der Wissenschaftler der Auffassung ist, dass die Klimaveränderungen vom Menschen entscheidend verursacht werden, dann ist das nur scheinbar bestechend. Der Grund liegt darin, dass Wahrheit nichts mit Konsens zu tun hat. Demokratische Prozesse sind auf Konsens aufgebaut, nicht aber der Versuch, die Wahrheit herauszufinden. Als noch im Mittelalter die Menschen glaubten, dass die Erde der Mittelpunkt des Universums sei, um die sich die Sonne und andere Gestirne drehten, war das die angenommene Wahrheit der meisten, die damals lebten. Kopernikus räumte mit dieser Vorstellung auf und postulierte das heliozentrische Weltbild, das entscheidend von ihm und Kepler geprägt wurde (weiterlesen). Die Schlussfolgerungen basierten auf konkrete Beobachtungen der Bewegung der Himmelskörper, die zu dem Ergebnis führten, dass die Umkreisung der Planeten um eine in der Mitte stehende Sonne plausibler erschien. Die Wahrheit richtet sich nicht nach Mehrheiten. Wer sagt denn, dass es der Wahrheit entspricht, der Klimawandel werde entscheidend von Menschen verursacht? Die Temperaturveränderungen könnten auch natürlichen Prozessen (Einfluss der Schwankungen in Intensität der Sonnenaktivität, Variation der Entfernung der Erde von der Sonne, Neigung der Erdachse, Vulkanausbrüche) geschuldet sein, auf die der Mensch keinen Einfluss hat.  

 

Wem können wir also noch vertrauen? Misstrauen ist die Wurzel des Zweifels. Dieses Misstrauen begründet sich auf der Demaskierung der Mächtigen in Politik, Wissenschaft und Religion, deren Interesse nicht Aufklärung, sondern „Versklavung“ ist: Willige, hörige, nicht zu eigenem Denken und Urteilen kommende Individuen, die bereitwillig der herrschenden Agenda folgen, die helfen, Abweichler zu denunzieren und zu verurteilen, um dabei zu versuchen, selbst durch die perfekte Anpassung an die verkündeten Wahrheiten Vorteile für sich zu gewinnen. Diesen nicht zu folgen ist die Aufgabe eines jeden Menschen, in dem der berechtigte Zweifel nagt und der ständig auf der Suche nach der wirklichen Wahrheit ist und der den Mut hat zu sagen: Ich weiß es auch nicht.

 

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