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Es wird immer wieder gesagt, wenn, wie dies jetzt bei den Corona-Demonstrationen der Fall war, Polizisten hart und ausnehmend brutal gegen die Demonstranten vorgehen, dass diese nicht anders gekonnt hätten, da ihnen das so befohlen wurde. Es wird auch behauptet, dass der Soldat, der auf den berühmten Auslöser für das Öffnen der Klappen an seinem Flugzeug drückt, um die schwere Bombenlast auf Städte und Menschen zu werfen, auch dieser nicht anders konnte, weil er nur auf Befehl gehandelt hätte. Hat der Mann, der über Hiroshima die Atombombe abgeworfen hatte, Schuld an dem Elend vieler Menschen oder war er frei von Schuld, da er nur aufgrund eines Befehls gehandelt hat? Viele neigen dazu, die Befehlsempfänger in Schutz zu nehmen und zu sagen, sie konnten nicht anders handeln, die Befehlshaber träfen die Schuld. Falsch! Diese Ausrede lasse ich nicht gelten. Hier meine Gründe:

  • Schuld kann man nicht delegieren: Schuld ist immer eine persönliche Angelegenheit, sie kann niemals pauschal auf ein Land, anonyme Machtstrukturen, den Vorgesetzten oder auf eine Gruppe übertragen werden. Wer den letzten Knopf drückt, um etwa eine Bombe detonieren zu lassen oder um Marschflugkörper auf eine Wohnsiedlung zu starten, hätte es theoretisch auch nicht tun müssen. Es wird dann gerne eingewandt, dass er aber dann Nachteile der verschiedensten Art in Kauf hätte hinnehmen müssen: Degradierung, Rauswurf aus der Armee, im schlimmsten Falle sogar Kriegsgericht mit Todesurteil. Im zivilen Leben drohen Entlassung aus einer sicheren Stelle bei einem Amt oder bei Journalisten, die nicht mehr bereit sind, den Vorgaben der Redaktionsleitung zu folgen, den Verlust des Arbeitsplatzes oder eines wichtigen Auftraggebers, falls er ein freier Journalist ist. Das ist richtig, dass sie Nachteile gehabt hätten. Aber rechtfertigt dies dann ihr Handeln wirklich? Nein, denn jeder hat immer eine Wahl, sich gegen den „Befehl von oben“ zu wenden, sich zu verweigern, um den Mut aufzubringen, sich zu den eigenen Überzeugungen zu bekennen. Aber er muss auch bereit sein, Opfer zu bringen. Und wer ist schon dazu bereit? Leider viel zu wenige.
  • Das Argument der Existenzsicherung: Die Existenzsicherung ist für viele das Hauptargument, mit dem sie ihr Verhalten zu rechtfertigen suchen. Wenn jemand eine Familie zu ernähren hat, nimmt der Druck noch zu, unliebsame Entscheidungen im Sinne der Anpassung an ein gegebenes System, in dem sich jemand befindet, zu treffen. Die wirtschaftliche Abhängigkeit schränkt die Entscheidungsfreiheit ein. Aber es geht auch anders. Niklas Lotz, ein junger „Youtuber“ (ansehen), hat in einem seiner Videos erzählt, dass er aufgrund seiner öffentlich gemachten Meinung, die gegen den linken Mainstream gerichtet ist, Schwierigkeiten bekam an seiner Arbeitsstelle (ansehen) und unter Druck gesetzt wurde, dies zu lassen, ansonsten er seine Ausbildung zum Sozialversicherungsangestellten gefährden würde. Er hat sich nicht einschüchtern lassen, verlor deswegen seine Ausbildungsstelle und ist seit dem als freier Journalist tätig. Wenn die eigene Existenzsicherung als Argument gebraucht wird, um gegen die eigenen Überzeugungen zu handeln, zeugt dies von einer Art Feigheit. Diese Feigheit, auch das Risiko einzugehen, sich selbständig zu machen, statt lieber in der komfortablen Situation des abhängig Beschäftigten zu bleiben, wobei man sich an das jeweilige System anpasst, ist leider weit verbreitet. Ich hatte dies auch selbst erlebt und war zu feige, mich zu meiner eigenen Meinung zu bekennen, als ich noch als Schuldnerberater beschäftigt war. Schuldner hatten mir oft von demütigenden Situation beim Jobcenter berichtet, wenn sie Hartz IV beantragt hatten, was mich zu einem Leserbrief animierte, die Missstände mit diesem System anzuprangern. Jemand, der beim Landkreis (ein wichtiger Geldgeber für die Schuldnerberatung!) beschäftigt war, hatte dies gelesen und den Geschäftsführer meines Arbeitgebers darauf aufmerksam gemacht, der mich aufforderte, mich hiervon zu distanzieren. Leider war ich damals zu feige und hatte mich nicht zu meinen mutigen Worten bekannt und habe in einem Schreiben an den Landkreis die im Leserbrief geäußerte Meinung zurückgenommen – um meine Arbeitsstelle nicht zu gefährden.   
  • Anpassung – um jeden Preis: Diederich Heßling war ein typischer Vertreter der Art von Menschen, die jeder Staat gerne hat: Er hatte sich im deutschen Kaiserreich dem Obrigkeitsstaat völlig angepasst und dadurch Vorteile der verschiedensten Art genossen. Diese Figur in dem Roman „Der Untertan“ von Heinrich Mann (weiterlesen), die in die Zeit der Jahrtausendwende vom 19. Ins 20. Jahrhundert angesiedelt war, könnte auch in unserer heutigen Zeit spielen, denn der „Radfahrer“, wie man ihn heute nennt – jemand der nach oben buckelt und nach unten tritt – gab und gibt es zu allen Zeiten. Er passt sich stets den gegebenen Umständen an und weiß immer, wie er sich geschickt verhalten muss, um im entscheidenden Moment mit den richtigen Personen in Kontakt zu treten, um dann die „richtigen Beziehungen“ für die eigenen Vorteile zu nutzen. Wenn er sich dann noch oben gebuckelt hat, wird er sich immer auf diejenigen berufen, die ihm die entsprechenden Befehle gegeben haben, so und nicht anders zu handeln. Er ist ein „Systemler“, der in jedem Gesellschaftssystem – egal ob kapitalistisch, kommunistisch oder „demokratisch“ – nach oben gelangt, weil er eben kein Rückgrat hat, kein Gewissen kennt, sondern sich immer als willfähriger Befehlsempfänger geschickt tarnen kann.
  • Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen: Der Evangelist Lukas erzählt in der Apostelgeschichte die Situation der treuen Anhänger von Jesus Christus nach seiner Himmelfahrt, dass diese von den Hohepriestern verfolgt und in Gefängnisse geworfen wurden (Apostelgeschichte 5,17-18). Da sie mit den Predigten über Jesus Christus, seinen Tod und seine Auferstehung, trotz dem Verbot dies nicht zu tun, weiter machten, wurden sie vor den Hohen Rat gebracht, wo Petrus und die anderen Apostel ihr Handeln rechtfertigten mit dem Argument: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5,29). Diese Geschichte macht deutlich, dass Menschen, die eine feste Überzeugung und unverrückbare Prinzipien haben, immer schon in Schwierigkeiten gerieten mit der Obrigkeit, damals mit der Priesterschaft, die zu Lebzeiten von Jesus mit der Besatzungsmacht der Römischen Reiches kollaborierte. Die Prinzipientreue fußt auf einem Gottvertrauen, das bereits in den Evangelien sehr deutlich vermittelt wird: Jesus hatte sein Schicksal des gewaltsamen Todes angenommen in dem Vertrauen auf Gott, seinem Vater, dass dieser wisse, was der richtige Weg ist. Seine Auferstehung, die nach meiner Überzeugung tatsächlich stattgefunden hat (weiterlesen), war der Lohn für diese Treue. Menschen in unserer Zeit scheinen oft diesen festen Glauben verloren zu haben, passen sich auch, wie so viele, dem „Mainstream“ an, der ein materialistisches Weltbild propagiert. Die Entvölkerung der Staats-Kirchen geht einher mit ihrer zunehmenden „Politisierung“ durch die dominierende politische Elite, die nur dem Namen nach sich christlich nennt, aber nicht christlich sind in dem, wie sie politisch handelt. Der Werteliberalismus – der Mensch allein bestimme die eigenen Werte, nach denen er leben will – führt zu einer Willfährigkeit, die gegen die unverrückbaren Prinzipien stehen, die, wenn man so will, dem Willen Gottes entsprechen. Menschen, die den Mut haben, sich gegen menschliche Willkür und Ungerechtigkeit aufzulehnen, sollten vielleicht wieder das Vertrauen aufbringen und sich auf den göttlichen Beistand verlassen. Es gibt immer wieder Berichte von Menschen, deren Leben sich durch die Rückbindung an Gott radikal geändert hat, wie sie in dem Kanal „ERF-Mensch,Gott“ (ansehen) berichtet werden.
  • Keine kollektive Schuld oder Unschuld: Die Verantwortung für das eigene Handeln kann nicht weggeschoben werden, sie bleibt immer höchst persönlich. Auch wenn Menschen sich eingezwängt sehen in Befehlshierarchien oder Sachzwänge, können sie vor der Verantwortung nicht davon laufen, in dem sie meinen, es auf die Allgemeinheit schieben zu können. Genauso wenig, wie es eine Kollektivschuld gibt, wie sie z. B. dem deutschen Volk nach dem Krieg eingeredet wurde (weiterlesen), gibt es auch keine Kollektivunschuld: Es wird etwas nicht dadurch richtig, weil es alle tun – es fällt nur weniger auf.

 

Vielleicht sollten wir alle wieder etwas mehr Mut aufbringen, uns gegen die Kollektivierung von Verantwortung zu wenden. Der Individualismus im positiven Sinne, d. h. die wirkliche Zivilcourage aufzubringen, gegen den Strom zu schwimmen, um dem eigenen Gewissen zu folgen, sollte vielleicht wieder mehr gepflegt werden. Dann würden wir vielleicht auch feststellen, dass wir damit nicht alleine sind, sondern Bündnispartner finden, die ähnlich denken und vor allem auch handeln.

 

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