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Die sieben Todsünden (Hochmut, Geiz, Wollust, Jähzorn, Völlerei, Neid, Faulheit) waren in der Kirchengeschichte einmal ein großes Thema, wurden aber inzwischen fast vergessen, weil man auch dort nicht mehr so gern von Sünde spricht. Im religiösen Sinne bedeutet Sünde, dass sich jemand von Gott absondert. So gesehen, sind diese Todsünden, die vielleicht als Untugenden bezeichnet werden sollten, heute noch aktuell (weiterrlesen, Die 7 Todsünden, heute noch aktuell?). Im Journalismus gibt es auch in einer gewissen Weise Todsünden, weil dadurch der Journalist sich von etwas absondert: der Wahrheit. Der Wahrheit, auch wenn sie oft schwer zu finden und zu beschreiben ist, sollte er sich immer verpflichtet sehen. Was hält ihn aber davon ab? Hier die Todsünden, die das bedingen:

  • Katastrophismus: Das „normale Leben“ interessiert den Journalisten kaum, weil dieses nach seiner Meinung kaum jemand lesen will. Deshalb berichtet er ungern über das, was jeder „normale“ Zeitgenosse auch erlebt und was sich nicht aus dem Alltag heraushebt. Naturkatastrophen sind deshalb ein beliebtes Thema, aber auch die Katastrophen des täglichen Lebens. Das Problem hierbei ist, dass der Leser einen schiefen Eindruck bekommt, so als ob es in der Welt kaum noch friedlich zugeht und das normale und ruhige Leben nicht mehr stattfindet. Das ist aber, wie jeder selbst weiß, nicht der Fall: Es gibt Tage, die sind so normal und unauffällig, dass sie keiner Erwähnung wert zu sein scheinen. Aber dies ist nur scheinbar so, denn hinter dem ganz gewöhnlichen Alltag stecken auch Wahrheiten, die es lohnte zu beleuchten, die aber nicht im Fokus des Interesses von Journalisten stehen. Der nur an Katastrophen und Sensationen interessierte Journalist liefert nicht nur ein Bild von der Welt, das so nicht stimmt, sondern er schürt auch unnötig Ängste, die labile Menschen in Panik versetzen und sogar krank machen können.
  • Jumping: DieTendenz, sich hauptsächlich mit ungewöhnlichen Phänomenen zu beschäftigen, geht auch einher mit dem, was ich „Jumping“ nenne. Wenn eine Naturkatastrophe zu Ende ist, interessiert sich der Journalist kaum noch dafür, was danach passiert ist, denn die nächste Katastrophe wartet schon. Er springt also ständig von einer Sondermeldung zur nächsten. Was dabei verloren geht ist, dass es auch den Leser interessieren könnte, wie die Menschen nach der Naturkatastrophe versucht haben, alles wieder aufzubauen, was zerstört wurde. Die aktuelle Situation wird vielleicht mehr oder weniger gut beschrieben, aber nicht, was daraus geworden ist. Die Proteste im Hambacher Forst waren mal ein Thema. Aber welcher Journalist hat sich für den Müll interessiert, den diese „Aktivisten“ im Wald zurückgelassen haben. Was macht nun z. B. „Klima-Greta“ wenn sie mal nicht gerade durch spektakuläre Aktionen auffällt? Es geht Nachhaltigkeit und Kontinuität verloren, wenn Journalisten ständig meinen, sie müssten wieder eine „neue Sau durchs Dorf treiben“.
  • Einseitigkeit: Die Berichterstattung über das Geschehen geschieht oft nur aus einer Sichtweise, die geprägt wird von der jeweiligen Einstellung des Journalisten. Jedes Thema, das ein Journalist beleuchtet, hat zumindest zwei Seiten (ein Pro und ein Kontra). Die gegenwärtige Corona-Krise macht es besonders deutlich, denn diejenigen, die als „Corona-Skeptiker“ bezeichnet werden könnten, kommen bei der Berichterstattung kaum zu Wort, sondern vorwiegend diejenigen, die darin eine große Gefahr sehen und die die getroffenen Maßnahmen für gerechtfertigt ansehen. Durch die Einseitigkeit wird zwar nicht unbedingt die Unwahrheit gesagt, aber zumindest nur „Halbwahrheiten“ verbreitet, was der Presse auch den Vorwurf eingehandelt hat, eine Art „Lückenpresse“ zu sein.
  • Keine Trennung zwischen Meinung und Report: Der moderne Gesinnungsjournalist trennt nicht mehr zwischen der Nachricht und der Meinung. Wenn er bei den Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen die demonstrierenden Menschen als „Covidioten“ bezeichnet, wird klar damit eine Trennung von Nachricht und Bewertung der Nachricht verwischt. Wenn die Anhänger der AfD als „Rechtspopulisten“ bezeichnet werden, wird mit der Meinung auch die negative Konnotation mitgeliefert, dass diese Menschen einseitig orientiert sind.
  • Gesinnung wichtiger als Nachricht: Der gegenwärtige dominierende Zeitgeist hat auch Eingang gefunden in die Berichterstattung, was an anderer Stelle schon einmal beleuchtet wurde (weiterlesen). Dieser von diesem links-grünen Zeitgeist beeinflusste Journalist meint, er müsste die von ihm vertretene Gesinnung auch gegenüber dem Leser vertreten. Diese auch als „Haltungsjournalismus“ bezeichnete Art der Berichterstattung verwischt nicht nur Meinung und Information, sondern der diese Richtung vertretende Journalist meint auch noch, einen „Erziehungsauftrag“ erfüllen zu müssen, den Leser in die von ihm gewünschte Richtung in der Meinungsbildung zu bewegen.
  • Keine ausreichende Recherche: Von einem Journalisten kann man erwarten, dass er einer Sache auf den Grund geht. Er muss das, was er behauptet, auch belegen können. Er sollte versuchen, die ursprünglichen Quellen seiner Nachrichten ausfindig zu machen und sich nicht darauf verlassen, dass das, was ihm über Nachrichtenagenturen (z. B. DPA) übermittelt wird, auch wirklich stimmt. Das ist natürlich auch mit Zeitaufwand verbunden. Das Internet bietet heute aber selbst dem Laien die Möglichkeit, den Quellen von Informationen auf den Grund zu gehen; wie viel leichter sollte es aber einem Journalisten fallen, eigene Recherchen anzustellen. Möglicherweise muss er tatsächlich auch mal „vor Ort“ nachsehen und selbst die Menschen befragen, die unmittelbar ein Geschehen beobachtet haben oder sogar selbst Betroffene sind.
  • Systemkonformität: Der gegenwärtige Journalismus, der einmal früher als „vierte Gewalt“ neben den staatlichen Gewalten der Legislative, Exekutive und Judikative galt, scheint die Kraft verloren zu haben, gegenüber dem derzeitigen politischen System eine kritische Haltung einzunehmen. Der Umgang mit den Themen Klimawandel und Corona-Krise machen das deutlich: Die von der Regierung vertretene Auffassung wird weitgehend für richtig erachtet und opponierende Meinungen zu diesen Themen nicht ausreichend berichtet und meistens auch abwertend behandelt. Wer leugnet, dass es einen von Menschen gemachten Klimawandel gibt, wer leugnet, dass die natürlichen Faktoren nicht ausreichend untersucht werden, wird als „Klimaleugner“ verunglimpft. Demjenigen, der eine kritische Meinung zu den von der Regierung propagierten Maßnahmen in der Corona-Krise hat, wird kein ausreichendes Gehör verschafft, nicht zu Talkshows eingeladen, nicht von Fernsehjournalisten interviewt. Damit macht sich ein solcher Journalist, der sich systemkonform verhält, zu einem Art „Komplizen“ derjenigen, die im Augenblick die Macht haben.

Ich wünschte mir, dass die Journalisten wieder zur alten Stärke zurückfinden und den Mut aufbringen, gegen den Mainstream anzukämpfen. Es gibt sie zweifellos immer noch, die „Querdenker“, aber sie fristen ein „Sonderdasein“, werden vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk gemieden und haben auch kaum Chancen, bei den großen Verlagshäusern eine Anstellung zu finden. Sie tummeln sich im Internet oder haben vielleicht selbst die Courage, eine eigene Zeitung zu gründen. Diejenigen, die meinen, das alles andere wichtiger ist, als zumindest den Versuch zu unternehmen, der Wahrheit auf die Spur zu kommen, sollten von den Lesern dadurch abgestraft werden, dass sie die von ihnen produzierten Produkte nicht mehr kaufen. So könnte es vielleicht gelingen, eine Trendumkehr zu bewirken.

 © beim Verfasser

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