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In dem Märchen von den Gebrüdern Grimm über den „Wolf und die sieben Geißlein“ frisst der Wolf Kreide, damit die Kinder der Geißen-Mutter nicht merken sollen, dass es in Wirklichkeit der Wolf ist, der um Einlass bittet, sondern die Geißen-Kinder ihn für die Mutter halten. Diese Redewendung ist inzwischen zum „geflügelten Wort“ geworden, wenn jemand zum Schein sich verstellt, um nicht als für den gehalten zu werden, der er wirklich ist, sondern für einen harmlosen Zeitgenossen. Ähnlich mag es manchem Zuschauer gegangen sein, der am 03.09.2020 im ZDF in der Talkshow „Markus Lanz“ den Moderator im Gespräch mit dem SPD-Politiker Peter Tschentscher, Journalistin Anja Maier, Moderator Frank Elstner und Psychologe Thorsten Kienast über die Korona-Krise reden hörte  (ansehen ): Ist da ein „neuer Lanz“ am Werk oder verstellt er sich nur?

Es ist das Unglaubliche passiert: In den wichtigsten Passagen des Gespräches (ansehen) hat er - ganz gegen seine Gewohnheit - die „Regierungslinie“ verlassen und Kritik geübt. Unter anderem wies er – zugewandt an Peter Tschentscher – darauf hin, dass der Ausdruck „Covidioten“ aus der SPD (Saskia Esken) stamme. Außerdem sei immer  „der Teufel an die Wand gemalt worden“: „Wenn ihr das macht…wenn ihr ohne Maske rumlauft, dann passieren schlimme Dinge,…aber das hören wir schon seit April….aber bis heute ist das nicht eingetreten“. Es seien im Hamburg mit über 2 Mio. Einwohnern nur täglich 30 Infizierte festgestellt worden, so dass man sagen könne „wir haben es im Griff“. Auch die Äußerung von Markus Söder, wir seien schon mitten in der zweiten Welle, wollte er so nicht stehen lassen, indem er dies kommentierte: „Ich sehe die nicht“. Die Entgegnung von dem SPD-Bürgermeister der Hansestadt Hamburg – „was müssen wir tun, wenn wir im Oktober oder November nochmal richtig ein blaues Wunder erleben“ – konterte Lanz: „Der Satz, den hab ich so oder so ähnlich in vielen Varianten so häufig gehört…Da frage ich mich, woher kommt diese große Skepsis, die es mittlerweile wirklich gibt…Im April haben wir die Leute gewarnt, nach den Osterferien wird es schwierig, dann Pfingsten, dann kamen die Reiserückkehrer. Dann haben wir …die Schulen geöffnet und haben gesagt: Jetzt könnte es wirklich schwierig werden. Jetzt haben wir die Situation mit den geschlossenen Räumen. Jetzt erleben wir möglicherweise unser blaues Wunder. Aber wir haben nur 230 Infizierte (in einer Woche) in Hamburg…die müssen wir erst mal treffen.“ Er verglich das Risiko der Corona-Infektion mit dem Straßenverkehr, bei dem auch ein Restrisiko bestehe, das man trotz Sicherheitsmaßnahmen (Airbag, Sicherheitsgurt) habe. Er kam zu der Schlussfolgerung: „Das, was wir dann dennoch an Todesopfern haben, nehmen wir als Gesellschaft hin.“ (warum, so könnte man ergänzen, wird dies bei dem Corona-Virus nicht getan?).

Es bleibt abzuwarten, ob dies bei Lanz nur ein einmaliger „Ausrutscher“ war oder ein echter Gesinnungswandel und ob er dann noch, wenn er bei seiner neuen Linie bleibt, dies „überleben“ oder vom ZDF „aussortiert wird“.

 ©beim Verfasser

 

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