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Wer kennt ihn nicht, den Georg Schramm. Früher war ich ein Fan von ihm, als er noch mit Urban Priol in der Satire-Sendung „Neues aus der Anstalt“, die von 2007 bis 2013 vom ZDF ausgestrahlt wurde  (weiterlesen), als Oberstleutnant Sanftleben oder in seiner Paraderolle als Rentner Dombrowski auftrat. Seine Art von Humor hatte etwas „Zersetzendes“, weil er es verstand, völlig „trocken und fast humorlos“ seine Spitzen auszusenden. Die Spitzen hatten aber, wenn ich mich recht erinnere, immer aber nur eine Richtung: Das „bürgerliche Lager“ mit den dazugehörigen Parteien der CDU oder CSU oder auch der FDP; hinzu kam selbstverständlich auch stets eine große Portion Kapitalismus-Kritik.

Seine Scharfzüngigkeit war immer bestechend und entlarvend. Damals ist es mir noch nicht so sehr aufgefallen, dass er mit dieser Kritik doch ziemlich einseitig war, denn Grüne und Linke waren eigentlich nie Zielscheibe seiner satirischen Beiträge. Er hatte sich weitgehend nach Aufgabe seines Engagements beim ZDF im Jahr 2010 zurückgezogen und trat danach eher regional auf, so z. B. auch am 26.02.2020 zum  „16. Politischen Aschermittwoch“( weiterlesen)  als Lothar Dombrowski (ansehen). Er rief gleich am Anfang seiner Rede das Publikum dazu auf, sich vom „bürgerlichen Lager“ fern zu halten, das in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts dazu diente, die SPD und die Linken von allen politischen Ämtern fern zu halten. Heute würde dieses Lager als „Die Mitte“ bezeichnet, gleichzusetzen mit der CDU. Und diese Mitte habe „uns den Schlamassel in Thüringen eingebrockt“ – Applaus der Zuschauer. Er las daraufhin den am 01.11.2019 geschriebenen Brief von Björn Höcke, der an den frisch gewählten Ministerpräsidenten Kemmerich gerichtet war, auszugsweise vor. Er mokierte sich über die Überraschung des Wahlergebnisses, an die er nicht glaube, denn es wäre doch so alles abgesprochen gewesen. Georg Schramm weiter: „Ich fürchte, die eigentliche Überraschung an dem was da passiert ist, war die Reaktion der Zivilgesellschaft.“ Applaus des Publikums. An das Publikum gewandt: „Damit sind sie gemeint. Die Zivilgesellschaft hat so schnell reagiert, dass Herr Lindner gar nicht so schnell ein Mikrophon finden konnte….Die Heuchelei dann hinterher zu sagen: Ja, wir wissen ja auch nicht wie das gekommen ist. Das geht aber gar nicht.“ Dann Schramm weiter: „Ich glaube es ist die Reaktion von uns, die sie erschreckt hat. Alles andere haben sie gewusst, aber damit haben sie nicht gerechnet; das heißt, wir haben dafür gesorgt, dass dem eine Ende gesetzt wird. Wie es dann weiter gehen wird? Das bürgerliche Lager arbeitet hartnäckig daran. Ich sage ihnen nur: Bleiben sie weg. Wann immer jemand von bürgerlicher Mitte oder bürgerlichen L…gehen sie sofort stiften.“ Er brachte dann die „Pelitesse“, dass Herr Ramelow Frau Lieberknecht als Alternative zu Kemmerich ins Spiel gebracht hatte. Das habe das bürgerliche Lager aufgeregt: „Dieser Mistkerl, jetzt bringt er einen von uns.“ Als Herr Schramm vor dem Berliner Publikum auftrat, war noch nicht bekannt, dass Herr Ramelow als Ministerpräsident am 04.03.2020 (weiterlesen) wiedergewählt würde. Um weiter auf das „bürgerliche Lager“ einzudreschen, musste auch eine Replik auf das Dritte Reich herhalten, denn das hätte damals den Ermächtigungsgesetzen Hitlers zugestimmt. Damit hielt er die Aussage des FDP-Politikers Gerhart Baum für bewiesen, der gesagt habe: „Die Zerrüttung der Demokratie vor 100 Jahren ist aus der Mitte des bürgerlichen Lagers entstanden.“ Darunter wäre auch der erste Bundespräsident Theodor Heuss gewesen, der die Hand gehoben habe für die Ermächtigungsgesetze. Daraufhin verglich er die Gratulation von Björn Höcke zur Wahl von Herrn Kemmerich zum Ministerpräsidenten von Thüringen, bei der er einen Diener gemacht habe, mit der Ernennung von Hitler zum Reichskanzlerdurch Hindenburg, der ihm als Dank dafür die Hand gab und ebenfalls einen Diener machte (weiiterlesen).

 

Georg Schramm demontierte sich mit dieser Darstellung des „bürgerlichen Lagers“ selbst und zeigte genau, wo er politisch steht: links. Die Verunglimpfung der CDU und FDP ist immer wiederkehrendes Thema in den Programmpunkten, die eigentlich nie gefehlt haben. Aber die Art der satirischen Kritik ist nicht nur politisch einseitig, sondern auch unfair, weil mal wieder die Nazi-Vergangenheit herhalten musste, um die „politische Mitte“ zu kritisieren. Auch wird gleichzeitig als die „Zivilgesellschaft“ derjenige Teil der Gesellschaft bezeichnet, die gegen dieses von ihm verhasste „bürgerliche Lager“ ist. Dies ist eine unzulässige Verallgemeinerung, die so nichts mit der Realität zu tun hat. Sein Ressentiment kann vielleicht auch daher rühren, dass Georg Schramm nicht aus diesem bürgerlichen Milieu kommt und das einzige Arbeiterkind war, das sich damals in seiner Gymnasialklasse befunden hatte (weiterlesen). So gesehen hat er vielleicht dieses Kindheitstrauma in der Weise verarbeitet, dass sein Hass auf die bürgerliche Mitte zum Gegenstand seines Kabarettprogramms wurde. Die Ironie ist aber, dass er mittlerweile – auch wenn er dies sicher nicht so gerne sehen wird – ein Teil dieses „bürgerlichen Lagers“ geworden ist und auch vor einem Publikum spricht, das diesem ebenfalls zugerechnet werden muss. Er ist damit nicht allein, denn mit dem ehemaligen Mitstreiter Urban Priol liegt er damit auf der gleichen politischen Schiene. Diese Art von Kabarettisten haben ich mal als „Systemclowns“ bezeichnet (weiterlesen), die mit dem derzeitigen politischen System konform gehen und immer noch nicht gemerkt haben, dass die Konservativen, die immer Zielscheibe ihres Spottes sind, inzwischen als „neue Linke“ bezeichnet werden könnten, weil diese nun in die Rolle der Systemkritiker gerückt sind, da der links-grüne Zeitgeist mit seiner intoleranten Ideologie die poliltische und gesellschaftliche Szene beherrscht (weiterlesen) und keine Kritik duldet. Schade, dass Georg Schramm dies noch nicht erkannt hat und meint, mit den alten Denkschablonen ein „gut bürgerliches Publikum“ gut unterhalten zu können – mehr ist es leider nicht mehr.

 

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