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Eine der Grundüberzeugungen des christlichen Glaubens ist es, dass Jesus für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist. Ist diese Überzeugung glaubwürdig oder nur Fiktion? Für die Kirchen hängt von der Beantwortung dieser Frage viel ab, denn ihre „Daseinsberechtigung“ hängt an der positiven Beantwortung dieser Frage. Ihr Credo besteht doch darin, dass sie durch ihr Handeln in dieser Welt diese Glaubensgewissheit immer wieder vermittelt und den Gläubigen die Hoffnung gibt, dass ihr Leben im Hinblick auf ein erwartetes Jenseits abgesichert ist. Sie ist aber nicht nur der Vermittler der Hoffnung, sondern gibt auch vor, dass durch die „heiligen Sakramente“ die Teilhabe an den durch den Kreuzestod ausgelösten Heilsversprechen ermöglicht wird. Um das Ergebnis vorab zu sagen: Ich halte diesen Glauben nicht für überzeugend und damit auch die Daseinsberechtigung der Kirche für unbegründet. Gehen wir der Sache auf den Grund:

  • Die Grundhypothesen der Erlösung: Die Argumentationskette für die Erlösungstat von Jesus basiert auf folgenden Annahmen:
    • Erbsünde: Die Erbsünde geht auf die erste Übertretung des Gebotes Gottes zurück, nicht vom „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ zu essen, die von Adam und Eva begangen sein soll. Diese „Ursünde“ geht genealogisch von dem ersten Elternpaar auf die sie folgenden Menschen über (weiterlesen).
    • Vertreibung aus dem Paradies: Die Konsequenz dieser Übertretung war der Verweis aus dem Garten Eden und die Weiterexistenz der Menschen in einer Daseinsform, die sich von dem Leben in dem Paradies grundsätzlich dadurch unterschied, dass eine Trennung von Gott erfolgte und der Mensch nicht mehr in der komfortablen Situation leben konnte, die er vorher im Paradies genießen konnte: Mühsal und Schmerzen kehrten in sein Dasein ein und der Tod.
    • Kollektivschuld: Alle Generationen, die auf die ersten Menschen folgten, waren mit dieser Schuld belastet, die durch den Ungehorsam von Adam und Eva begangen wurde. Es war eine Kollektivschuld entstanden. Auch wenn Menschen versucht hätten, ein „gerechtes Leben“ zu führen, konnten sie sich von der Erbsünde durch eigenes Tun nicht befreien.
    • Tilgung der Schuld durch Sühne: Weil die Schuld so groß war, dass selbst ein vollkommenes Leben eines einzelnen nicht die Kollektivschuld auslöschen konnte, bedurfte es einer „Großtat“ himmlischen Ausmaßes. Sünde konnte nur durch Sühnung der entstandenen Schuld getilgt werden, wodurch der „Zorn“ Gottes besänftigt wurde.
    • Reinigung durch Blut: Hierzu musste ein hohes Geistwesen die Menschwerdung auf sich nehmen und stellvertretend für die Menschen die Buße übernehmen. Nach theologischer Lehrmeinung gibt es die Auffassung, dass „Gottes Sohn“ diese Aufgabe übernahm. Er musste stellvertretend für alle Menschen den Tod auf sich nehmen, um dadurch die Schuld aller Menschen zu tilgen.
  • Je abstruser desto religiöser: Wenn jemand mit dieser Argumentationskette Schwierigkeiten hat, weil die vielen Annahmen für ihn nicht intellektuell nachvollziehbar sind, kommt i.d.R. das „Glaubensargument“: Je weniger wir dies alles mit dem Verstand begreifen könnten, desto mehr verberge sich dahinter das „große Geheimnis des Glaubens“. Glauben fängt bei vielen dort an, wo der „gesunde Menschenverstand“ aufhört. Oder noch krasser formuliert: Je unlogischer und abstruser die Argumente sind, auf die sich die Gläubigen stützen, desto mehr steigen diese in ihrem Ansehen. Sie werden sehr schnell dann auch zu Dogmen erhoben, über die dann nicht mehr diskutiert werden darf. Die Kirchen werden dann zu „Hüter dieser Glaubensgeheimnisse“ die dann immer wiederholt werden, bis sie sich so im Gedächtnis der Gläubigen festgesetzt haben, dass sie nicht mehr ausgelöscht werden können. Aber gehen wir die Argumente der Reihe nach durch:
  • Erbsünde: Das Gebot Gottes, nicht vom „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen“ wird deshalb missverstanden, weil das Wort „erkennen“ nicht richtig gedeutet wird. Dies liegt an der Art der Übersetzung, denn das Wort „Erkenntnis“ sollte am besten mit „Empfängnis oder Verschmelzung“ übersetzt werden (ansehen, 37. Min.). Dies wird deutlich, wenn man in alten Bibelübersetzungen noch liest: „Und Adam erkannte sein Weib Eva und sie wurde schwanger und gebar den Kain“ (1. Mose 4,1) oder „Und Kain erkannte sein Weib, die wurde schwanger und gebar den Hennoch“ (1. Mose 4,17). Das Wort „erkennen“ steht hier für den Geschlechtsverkehr, also für die Vereinigung. Überträgt man dies auf die Übertretung des Gebotes, nicht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen, bedeutet dies, dass das Nicht-auseinander-halten des Guten und des Bösen gemeint war. Diese scharfe Trennung ist aber notwendig, um die Dualität von dem Guten und dem Bösen zu erkennen. Die Dualität ist im Unterschied zur Polarität, bei der gleichwertige Pole einander gegenüber stehen, die sich gegenseitig ergänzen (sowohl als auch), vor allem die sich gegenseitig ausschließenden Gegensätze (entweder oder), die nicht gleichwertig sind (weiterlesen). Das Gute und das Böse sind eben nicht gleichwertige Gegensätze, sondern sie schließen einander aus. Werden sie vermischt, entsteht das Unheil in der Welt. Die Übertretung dieses Gebotes bestand also nicht in einem rein kognitiven Akt (man weiß jetzt was gut oder böse ist), sondern in der nicht scharfen Trennung von Gutem und Bösem (ansehen). Wenn diese als gleichwertig und auswechselbar angesehen werden, geschieht das, was heute zu sehen ist: Kriege werden als gut bezeichnet, wenn sie einer „guten Sache“ dienen, das Töten wird auch als erlaubt angesehen, wenn damit ein „höheres Ziel“ erreicht werden kann. Für die Theologen ist aber allein das Übertreten dieses Gebotes als „Ungehorsam“ bereits die Erbsünde. Es wird die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass der Mensch sich angemaßt habe, ein Gebot Gottes nicht einzuhalten. Das dahinter stehende Gottesbild stammt aus dem patriarchalen Denken der antiken Völker, die Gott als einen „strengen Vater“ sahen, der auf die unbedingte Einhaltung seiner Gebote Wert legte. Mit Recht regt sich dagegen Widerstand, der sich nicht allein gegen das Gehorsam-Sein richtet, sondern sich gegen die bereits im frühen Keim der Menschheit ihr auferlegte diktatorisch anmutende Gefolgschaft richtet. Der Widerstand der Menschen gegen ihre Götter wie er z. B. in den griechischen Mythen zum Ausdruck kommt, indem z. B. Prometheus Zeus das Feuer stiehlt (weiterlesen), zeugt von diesem ewigen Konflikt zwischen einem Gott oder ganzen Göttergeschlechtern und den sich abhängig, aber nach Freiheit strebenden Menschen. Die so verstandene „Ursünde“, nämlich die reine Übertretung eines Gottesgebotes, ist kaum intellektuell nachvollziehbar, denn wie sollten Adam und Eva überhaupt den Unterschied zwischen dem Guten und dem Bösen wahrnehmen, wenn sie diese beiden moralischen Kategorien nicht einmal kennenlernen durften. So gesehen sollten sie also auf dem Stand „unschuldiger Kinder“ verharren, die unmündig und abhängig bleiben sollen, unfähig, selbst zu einem eigenen Urteil zu gelangen, was gut oder böse sein kann.
  • Die Vertreibung aus dem Paradies: Bekanntlich wurden aufgrund dieses Ungehorsams Adam und Eva vertrieben, wobei als „erzieherische Maßgabe“ Adam auferlegt wurde, dass er nun sein tägliches Brot im Schweiße seines Angesichts essen solle (1. Mose 3,19), was bedeutete, dass er vorher mit Mühe dieses Brot sich verdienen musste, was ihm auch noch dadurch erschwert wurde, dass der Acker verflucht war, weil Dornen und Disteln diese Arbeit zusätzlich beschwerlich machen sollten (1. Mose 3, 17-18). Zuvor hatte Gott Eva auch noch auferlegt, dass sie in Zukunft ihre Kinder unter Schmerzen gebären (1. Mose 3, 16)sollte. Das mutet doch ziemlich rachsüchtig an: Weil nun die ungehorsamen Kinder sich erdreistet hatten, von dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen, sollen sie nun für diesen Ungehorsam büßen. Dieses doch sehr durchsichtig menschlich anmutende Verhalten erscheint doch wenig einem Gott angemessen zu sein, der über menschliche Untugenden wie Rache oder Zorn erhaben sein sollte. Auch hier scheinen die antiken Vorstellungen eines patriarchalen Gottesbildes auf die Texte durchgeschlagen zu sein.
  • Kollektivschuld: Bereits an anderer Stelle hatte ich argumentiert, dass es so etwas wie eine Kollektivschuld nicht geben kann, sondern Schuld immer eine höchst individuelle Angelegenheit ist (weiterlesen). Warum sollen Kinder von Eltern, die gesündigt haben, für deren Vergehen büßen. Diese Vorstellung war aber zur damaligen Zeit sehr verbreitet. Selbst zur Zeit von Jesus hatten die Jünger ihn bei der Begegnung mit einem Blindgeborenen gefragt, ob dieser oder seine Eltern gesündigt hätten (Johannes 9, 1-2). Krankheit war in der antiken Vorstellungswelt eigentlich immer im Zusammenhang mit einer Sünde gesehen worden. Die Schuld einer Krankheit war also eine Folge eigenen Handelns oder das der Vorfahren. Warum sollten aber Kinder für die Vergehen ihrer Ahnen büßen müssen? Aber selbst in den 10 Geboten erscheint doch ein sehr rachsüchtiger Gott die Menschen für eine Gesetzesübertretung drangsalieren zu wollen, denn im zweiten Gebot droht er an, nachdem er vorher verkündet hatte, dass keine anderen Götter angebetet werden dürften und wenn dies dann doch getan würde: „Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen“ (2. Mose 20,5). Das ist schwere Kost, denn hier erscheint auch wieder ein sehr „vermenschlichter“ Gott, der eifersüchtig ist und die Menschen durch Androhen von negativen Folgen einer Gesetzesübertretung einschüchtern will. Die Vorstellung einer Kollektivschuld scheint also doch damals verbreitet gewesen zu sein und ist eigentlich mit unserem heutigen Rechtsverständnis nicht vereinbar.
  • Tilgung der Schuld durch Sühne: Sühnung von Schuld gilt immer als Konsequenz einer Übertretung göttlicher Gesetze (Sünde). Der Sühnung muss also immer eine Sünde vorausgehen, die dann bereut wird. Mit der Sühnung versuchten die Menschen eine Aussöhnung mit Gott herzustellen, ihn wieder „gütlich zu stimmen“, nachdem er durch die Übertretung eines seiner Gebote erzürnt wurde. Im Zusammenhang mit der Erbsünde geht aber die Argumentation in die Richtung, dass die Tilgung der Schuld durch die einstige Gebotsübertretung, die eine kollektive Schuld „der Menschheit“ ausgelöst hat, nur dadurch getilgt werden kann, dass eine „Großtat“ notwendig wird: Je größer die Schuld desto größer muss also das Opfer sein, um diese Schuld wieder zu löschen. Es gilt also eine Doppelbegründung für die Notwendigkeit der Sühnung der Erbsünde: Die Erbsünde löst eine Kollektivschuld aus, die allen nach Adam und Eva geborenen Menschen anhaftet und diese Kollektivschuld kann nur durch die Übernahme einer Buße zur Sühnung in einem „himmlischen“ Ausmaß gelöscht werden.  
  • Reinigung durch Blut: In der antiken Welt herrschte die Vorstellung vor, dass durch ein Blutopfer Gottes Zorn wieder besänftigt werden kann. Hierzu soll dann Jesus als „Gottes Sohn“ in die Welt gekommen sein, um diese Großtat zu vollbringen. Durch den Tot am Kreuz, der freiwillig auf sich genommen wird, soll dann die Aussöhnung der Menschheit mit Gott geschehen. Diese Vorstellung beruht hauptsächlich auf die Interpretation des Kreuzestodes durch den Apostel Paulus (weiterlesen), bei dem man auf die Briefe an die Römer Bezug nehmen kann: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder Um wieviel mehr werden wir nun durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind! Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wieviel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben. Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben“ (Römer 5, 8-12). Die Frage ist, ob Jesus selbst das aus so gesehen hat, dass sein Kreuzestod notwendig war. Es wird hierbei Bezug genommen auf die Worte, die er während des letzten Abendmahls gesprochen haben soll, als er den Jüngern den Kelch mit dem Wein reichte: „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ (Matthäus 26,28). Diese Formulierung taucht auch ähnlich im Markus-Evangelium auf (Markus 14,24). Das entscheidende Wort ist „viele“, denn wenn durch das Blutvergießen am Kreuz die Erbsünde hätte gelöscht werden sollen, dann hätte er sagen müssen „alle“. Also kann durch den Kreuzestod nicht die Erbsünde gelöscht worden sein (weiterlesen). Das Blutvergießen kann keinen allgemein gültigen Anspruch haben: Alle Menschen, die von Adam und Eva abstammen, werden durch den Kreuzestod von Jesus erlöst. Dies widerspräche jedem Gerechtigkeitsempfinden. Denn dann würden auch die Verbrecher, Mörder, Diebe und sonstigen menschlichen Unholde von ihrer Schuld - ohne eigenes Zutun - befreit. Die entscheidende Gedanke an dieser Stelle kann nur sein: Schuldvergebung kann nicht „automatisch“ erfolgen, lediglich durch die Tat von Jesus allein. Sondern es bedarf immer eines Zutuns der Menschen selbst. Und diese Notwendigkeit der eigenen Mühe zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamten Evangelien, was vor allem in der Bergpredigt zum Ausdruck kommt. Die für mich entscheidende Frage ist, ob der Kreuzestod ein „notwendiges Übel“ war, das Jesus auf sich genommen hat oder verzichtbar. Diese Frage kann nur im Zusammenhang mit der Auferstehung gesehen werden (weiterlesen). Wenn Jesus nicht, wie es in den Evangelien steht, am dritten Tage wieder von den Toten zurückgekehrt wäre, dann hätte der Tod am Kreuz keine Bedeutung. Diesen Zusammenhang macht Jesus deutlich, als er nach der Auferstehung einigen Jüngern auf den Weg nach Emmaus begegnete, sie ihn nicht erkannten und er ihnen aber, nachdem sie ihm von dem Tod von Jesus erzählt hatten, erklärte: „Oh ihr Toren zu trägen Herzens.…Musste nicht der Christus dies alles erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen.“ Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war (Lukas 24, 25-27). Der Kreuzestod war kein notwendiges Übel, sondern wurde von Jesus billigend in Kauf genommen, was sich vor allem in der Unterordnung seines Willens unter den Gottes ausdrückte, wie er es am Abend vor seiner Verhaftung formuliert hatte: „Mein Vater, ist es nicht möglich, dass dieser Kelch an mir vorübergehe, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille“ (Matthäus 26, 42). Der Kreuzestod war demnach eine schicksalhafte Fügung Gottes, die aber den Zweck hatte, die Bedeutung der Botschaft von Jesus für alle Zeiten in das Gedächtnis der Menschen einzubrennen: Hier ist ein Mensch gestorben, der durch die Treue zu Gott ein einmaliges Zeugnis abgibt darüber, dass dieser Bund mit ihm unauflöslich wird, sogar über den Tod hinaus. Wer Gott in allem, was Jesus in seinen Predigten den Menschen aufgetragen hat, folgt, wird von Gott nicht im Stich gelassen, sondern über den Tod hinaus von ihm beschützt. Die Rolle, die Jesus dabei spielte, war eine besondere, die an vielen Stellen des Neuen Testaments zum Ausdruck kommt. Für am bedeutsamsten halte ich die Stelle, als Jesus mit einigen Jüngern auf einem Berg war und dort diese seine Verklärung beobachteten und sahen, dass sein Angesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider weiß wie das Licht wurden (Matthäus 17, 2) und Gott die Jünger darauf hinwies: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe: den sollt ihr hören“ (Matthäus 17,5). Wie diese „Sohnschaft“ zu definieren ist, sollte den Theologen überlassen werden. Für mich ist entscheidend, dass diese besondere Beziehung über unsere menschliche Vorstellungskraft hinausgeht.

Kann die Frage nun beantwortet werden, ob das Glaubensdogma einer Erlösungstat durch den Kreuzestod aufrechterhalten werden kann. Nein, dies sollte wohl jetzt klar sein. Der Tod von Jesus am Kreuz war keine notwendige Voraussetzung für das Auslöschen einer Kollektivschuld. Er wurde von ihm billigend in Kauf genommen: Die Treue zu Gott war Jesus wichtiger als das Vermeiden von Leiden und das Retten seines physischen Lebens. Die Vermeidung des Todes wäre vielleicht möglich gewesen, lag aber nicht im Plan Gottes, den Kreuzestod, die Auferstehung und die Rückkehr von Jesus zu ihm in den (metaphysischen) Himmel als unauslöschbare Sinnbilder in das Gedächtnis der Menschen einzubrennen, die eine hohe Symbolkraft bis in die heutige Zeit entfalten sollten. Wäre Jesus als alter Mann gestorben, wer würde heute noch von ihm und von dem, was er den Menschen als Leitlinien für ihr Leben mit auf den Weg gab, reden. 

Der Kreuzestod ist also unlösbar verbunden mit der Auferstehung und Himmelfahrt von Jesus. Seine Zusage an diejenigen, die ihm nachfolgen wollen, war, dass sie ähnlich wie er gerettet werden können. Diese Nachfolge geschieht auf einem steinigen und steilen Weg, der individuell geleistet werden muss; eine kollektive Absicherung durch eine Institution (Kirche) gibt es nicht.

© beim Verfasser

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