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Die letzten Kommunalwahlen in NRW offenbarten ein schwaches Abschneiden der AfD, was die Frage aufwirft, warum der einstige Aufschwung ins Stocken geraten ist. Warum ist das so? Man kann sicher interne und externe Gründe hierfür verantwortlich machen. Hier meine Analyse:

  • Bravheit: Die AfD ist sicher eine Partei, deren Mitglieder vorwiegend aus dem „bürgerlichen Lager“ mit einer guten Erziehung kommen. Deshalb mutet ihr Image etwas an wie eine Schulklasse aus den 50iger Jahren mit lauter gut erzogen Jungen und Mädchen, die nur etwas erwachsener geworden sind. Brav und bieder, immer in gut gesetzten Worten redend, nicht ausfallend werdend, so präsentieren sich ihre Protagonisten. Sie wirken eben brav und wohlerzogen – das wirkt in der heutigen Zeit etwas antiquiert und altbacken.
  • Mangelnde Aggressivität: Folgerichtig ist ihr Auftreten in der Öffentlichkeit nicht geprägt von aggressiven Auftritten von militant wirkenden Menschen, die sich nichts gefallen lassen, sondern wirkt im Gegenteil eher bescheiden und leise auftretend, immer etwas mit dem Unterton: Entschuldigen Sie bitte, dass wir jetzt uns auch einmal zu Wort melden. Wenn eine Fußballmannschaft gewinnen will, kommentiert der Reporter die zaghaft und vorsichtig zu Werke gehende Elf als zu wenig aggressiv, die nicht „in die Zweikämpfe“ hineingeht. So ähnlich ist es auch bei der AfD. Sie wirkt wie eine Fußballelf, der der unbedingte Wille zum Sieg fehlt.
  • Offenheit: Während andere Parteien ihre „Flügelkämpfe“ hinter verschlossenen Türen austragen, spielen sie bei der AfD vor den offenen Türen ab, wie z. B. die letzten Positionskämpfe von Meuthen gegen Kalbitz. Das erweckt bei dem naiven Wähler den Eindruck einer zerstrittenen Partei, die sich nicht einig werden kann, was bei diesem nicht gut ankommt. Der Deutsche ist eben ein Einigkeitsenthusiast, der jeden Streit als etwas Schlechtes ansieht – obwohl dies gerade ein Markenzeichen einer echten Demokratie ist, was der Deutsche anscheinend aber noch nicht begriffen hat.
  • Basisarmut: Die Kommunalwahlen haben es offenbart: Der Partei fehlt die ausreichende Basis vor Ort, sie präsentiert sich hauptsächlich als Partei, die auf der Landes-, Bundes- oder Europaebene agiert. Diese Basisarmut hat aber nicht nur interne Gründe, sondern liegt auch mit Sicherheit an der Hetze, die von den etablierten Parteien, unterstützt von den Mainstream-Medien, ausgeht, die gegen diese Partei betrieben wird. Das führt zu einer Scheu, sich an dem Ort, wo man wohnt, offen zur AfD zu bekennen, was insbesondere die Kandidatensuche für eine Kommunalwahl ungeheuer erschwert.
  • Mangelnde Attraktivität: Die Basisarmut hat auch einen internen Grund, der darin zu suchen ist, dass die Partei vor allem auf das „junge Publikum“ wenig attraktiv wirkt. Um noch einmal die Metapher der Fußballmannschaft zu bringen: Die Mannschaft der AfD wirkt manchmal wie eine „Altherrenmannschaft“. Der junge, gut aussehende Politiker ist in der öffentlichen Wirkung der Partei eher die Ausnahmeerscheinung. Da helfen auch keine Wahlplakate, auf denen man – wahrscheinlich ist die mangelnde Attraktivität gerade im Hinblick auf den jungen Wähler den Machern bewusst – junge, attraktive Frauen platziert. Gerade in einer Mediendemokratie braucht es attraktiv wirkende „Aushängeschilder“, die anziehend auf das Publikum wirken.
  • Geringe mediale Präsenz: Die AfD ist in den öffentlich-rechtlichen Medien unterrepräsentiert. Das liegt zum großen Teil an der Dominanz der etablierten Parteien, vor allem der der CDU und SPD, die ihre Machtpostitionen  ausnutzen, um auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk Druck auszuüben. Die Art der Berichterstattung erschöpft sich meistens in Negativmeldungen, wenn etwa die Flügelkämpfe ausbrechen und der „rechte Rand“ der Partei in die Nähe der „braunen Vergangenheit“ Deutschlands gebracht wird. Die Repräsentanten der AfD werden unterdurchschnittlich zu Talkshows eingeladen (weiterlesen) und wenn doch, dann einer Übermacht von Gegnern gegenübergestellt, die eindeutig gegen diese Partei Stellung beziehen.
  • Verkrampft gegen den Mainstream: Der Mainstream unserer Zeit wird von dem links-grünen Zeitgeist geprägt (weiterlesen). Gegen diesen Strom kämpft die AfD (verkrampft) an. Wenn Politiker dieser Partei vor die Kamera treten, wirken sie oft mit ernster Miene wie Miesepeter, die „nicht mit der Zeit gehen“ und „alles mies machen“. Der naive Wähler, der sich vom Zeitgeist hat verführen lassen, wird dann sicher denken: „Ach die schon wieder mit ihrer Meckerei“. Dieser Kampf wirkt eben etwas gewollt negativ, immer kritisierend und etwas „besserwisserisch“. Auch wenn die Intention eine löbliche sein kann, die Wirkung nach außen ist manchmal eben eine andere.

Was bleibt zu tun? Der AfD sollte klar sein: Nur wer die Medien beherrscht, der hat entscheidenden Einfluss auf die Meinungsbildung in der Bevölkerung. Man sollte sich von der Illusion verabschieden, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die Mainstream-Medien irgendwann objektiver berichten werden. Die Schaffung einer eigenen Medienplattform, eines eigenen medialen Netzwerkes mit Zeitschriften oder einerTageszeitung (die "Neue Westfälische" ist z. B. auch zu 100 % SPD-finanziert) bis hin vielleicht hin zu einem eigenen Nachrichtensender könnte das Ziel sein, das angestrebt werden sollte. Nur auf diese Weise könnte eine größere Breitenwirkung erzielt werden, die auch nachhaltig wirkt und zu dem Aufbau einer notwendigen Basis führt, die in der Bevölkerung verankert ist. Nur wenn die Menschen die Angst verlieren, sich offen zur AfD zu bekennen – und das geht nur, wenn die öffentliche Meinung positiv beeinflusst wird – kann ein Stimmungsumschwung gelingen. Hier das dafür notwendige Geld zu investieren ist sinnvoller, als es für Wahlplakate auszugeben, die doch irgendwann im Müll landen.    

 

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