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Seit 30 Jahren ist Deutschland wiedervereint. Ist das ein Grund zum Feiern? Die „Offiziellen“ sehen es so, aber trifft das auch wirklich zu. Hier meine Bilanz:

  • Ohne Kohl keine Einheit: Ohne den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl hätte es wahrscheinlich keine Deutsche Einheit gegeben. Die Repräsentanten der SPD hatten damals Bedenken, zauderten mit einer raschen Wiedervereinigung. Helmut Kohl sah das als eine Riesenchance, die so schnell nicht wieder kommen würde, denn Gorbatschow hatte mit Glasnost den Weg bereitet. Mit seiner „Kumpel-Politik“  - er legte großen Wert auf gute menschliche Beziehungen, auch in der Politik - hatte er ihn überzeugen können, dass die Deutschen das Recht haben sollten, ihr Schicksal selbst zu bestimmen. Der spätere Ex-Präsident der UdSSR billigte sogar zu, dass das Staatsgebiet der DDR auch tatsächlich zum Bündnissystem der NATO und der EU gehören dürfe. In meiner Erinnerung ist, dass Kohl es in einem seiner Interviews so formuliert hatte, dass das „Zeitfenster der Geschichte“, das sich zum Vorteil von Deutschland für kurze Zeit geöffnet hatte, sich vielleicht schnell wieder schließen könnte, so dass er deshalb selbst die Einheit vorantrieb. Er hatte mit seiner Strategie Erfolg.
  • Heuschrecken überfallen die Ex-DDR: Nach der Wiedervereinigung begann der „Ausverkauf“ der staatseigenen Betriebe und Ländereien an die meistbietenden Westler. Damals kannte man noch nicht den Begriff „Heuschrecken“ für eine kapitalistische Verfahrensweise, ein vorhandenes Vermögen für sich einzuheimsen, um sich selbst die Taschen zu füllen – ohne Rücksicht auf Verluste anderer. Die Treuhand wickelte dieses Verfahren ab und vieles, was damals zum gemeinsamen Vermögen des DDR-Volkes gehörte, wurde an kapitalkräftige Investoren verkauft. Die Folge war ein Zerschlagen manchmal gewachsener Strukturen. Das Gesundheitssystem war z. B. vorzeigbar oder auch das Bildungssystem, das von Kitas bis zur Universität – allerdings nur treuen Gefolgsleuten der SED – vielen gute Bildungschancen bot, wurde leider nicht erhalten. Vor allem das Gesundheitssystem wurde zerstört und das westdeutsche Modell mit zum Teil privaten Trägern von Gesundheitseinrichtungen und frei praktizierenden Ärzten übernommen – nicht immer zum Vorteil der Bevölkerung.
  • Die Enttäuschung der Ex-DDRler: Die Enttäuschung der DDR-Bürger blieb nicht aus - viele hatte sich von der Deutschen Mark blenden lassen (der aus DDR-Sicht günstige Umtauschkurs 2 zu 1 war für viele verlockend) -, so dass die überschwängliche Freude über das „Zusammenwachsen was zusammengehört“ sehr schnell der Ernüchterung wich. Der Grund war, dass viele etwas kennenlernten, was sie von ihrer DDR überhaupt nicht kannten: Arbeitslosigkeit. Im Arbeiter- und Bauernstaat gab es nämlich immer „Vollbeschäftigung“, weil die Defacto-Arbeitslosigkeit einfach in die Betriebe verlagert wurde und man sich mit der Arbeit einfach Zeit ließ, wenn nichts zu tun war. Es gab keinen Konkurrenzdruck wetteifernder Betriebe auf einem Binnenmarkt, denn die VEB´s (Volkseigene Betriebe) waren in einer Planwirtschaft miteinander verbandelt. Nun gab es nach der Wiedervereinigung den Konkurrenzdruck einer sozialen Marktwirtschaft, dem manche Arbeitnehmer und auch Betriebe nicht gewachsen waren. Kohl wurde mit dem Unmut der Ex-DDRler bei seinen Besuchen im Osten konfrontiert und mit Eiern beworfen, was für ihn sicher ein Schock war, hatte er doch „blühende Landschaften“ versprochen. Kohl hatte, daran erinnere ich mich, dass er das in einer seiner letzten Interviews gesagt hatte, die Nachkriegszeit in der BRD mit der DDR-Anschluss-Situation verglichen und übersehen, dass die im Westen noch vorhandenen kleinen Betriebe und Bauernhöfe, die es trotz des verlorenen Krieges noch zum Teil gab und die dann wieder mit der Produktion nach der Währungsreform starteten, es in der DDR einfach nicht gab, weil sich ja alles im gemeinschaftlichen Eigentum befand. Deshalb mussten die Neuen Länder auf diesem Gebiet bei 0 anfangen und da waren sie dem Westen total unterlegen, weil sich dort das nötige Wissen und Können in über 40 Jahren ausbilden konnte, was einfach nun im Osten fehlte.
  • Erzwungener Solidarpakt: Der Solidaritätszuschlag wurde zur Finanzierung der Aufbauarbeit im Osten eingeführt und diese „Zwangsabgabe“ hatte schon manchen Arbeitnehmer geärgert, wusste er doch, dass diese Gelder „in den Osten gepumpt“ wurden. Dort entstanden tatsächlich durch diese Finanzspritzen neue Strukturen und eine Anhebung des Wohlstandes in Vorzeigemetropolen wie z. B. Leipzig oder Dresden, die dann auch für „Wessis“ interessant wurden. Dies wurde aber nicht überall beklatscht, denn im Westen – man denke an manche Regionen im Ruhrgebiet oder auf dem flachen Land – gab es auch ein „Investitionsstau“ und marode Straßen und Gebäude signalisierten ebenso im Westen den Bedarf nach Finanzhilfen. Auch die ungleiche Anhebung der Renten – die „Ossis“ bekamen immer etwas mehr als die West-Rentner – wurde manchmal als ungerecht empfunden. Die Angleichung des Ostens an den Westen als politisches Programm wurde manchmal deshalb auch mit Argwohn gesehen und der erzwungene Solidarpakt kritisiert.
  • Neue Teilungen: 30 Jahre nach der Wiedervereinigung sind die Unterschiede nicht mehr so gravierend wie sie vielleicht mal waren. Dafür sind neue Risse entstanden und unser Land ist vielleicht zerrissener als noch vor der Wiedervereinigung. Dies liegt vor allem an der Politik unter Angela Merkel und das Verschwinden der nationalen und konservativen Strömungen in Deutschland, deren Protagonisten unter Helmut Kohl noch gern gesehen wurden - nun wurden sie plötzlich zu Außenseitern. Ja, die alte Planwirtschaft der Ex-DDR schien immer mehr im Westen modern zu werden, weil ideologisch denkende Politiker den freien Kräften der Wirtschaft in einer sozialen Marktwirtschaft nicht mehr vertrauen. Die Risse gehen aber noch weiter, denn die Grenzöffnung im Jahr 2015 hat eine Migrationsschwemme ausgelöst, die Deutschland in erbitterte Gegner gespalten hat: Diejenigen, die als „Gutmenschen“ dem unbegrenzten Zuzug das Wort redeten und die anderen, die diesem ungehemmten Zuzug Bedenken entgegensetzen, wurden zu Feinden im eigenen Land. Auch die „Energiewende“ spaltet das Land in Befürworter und Gegner einer Politik, bei der die Befürworter der unsteten Energieträger (Wasser, Sonne und Wind) meinen, dass der sämtliche Energieverbrauch daraus gewonnen werden könne. Diejenigen, die zur Vorsicht mahnen und befürchten, dass es irgendwann zu einem „Black-out“ (Zusammenbruch der Versorgung mit Energie) kommen könnte, werden verunglimpft. Auch die EURO-Rettungspolitik spaltet zunehmend das Land, weil die Gegner dieser Politik es nicht einsehen, dass sie für finanziell marode Staaten und Banken der EU über Zwangsabgaben der verschiedensten Art aufkommen sollen. Und die Corona-Krise hat das Land gespalten in Befürworter der Regierungs-Maßnahmen und Skeptiker, die die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen nicht erkennen können. Die gefährlichste Spaltung ist die zwischen  Regierenden und dem Volk, zwischen denen, die die Macht haben und sie über „gekaufte“ Medien versuchen zu verteidigen und denen, die immer mehr sich von den Berufspolitikern im Stich gelassen sehen und den Mainstreammedien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und der regierungsfreundlichen Presse nicht mehr folgen wollen. Sie versuchen, ihre eigenen Vorstellungen und Bedenken in alternativen Medien zu formulieren und sehen sich immer mehr einem Art Überwachungsstaat gegenüber, der keine eigene Meinungsbildung dulden will.

Wir leben in vielleicht entscheidenden Zeiten, in denen die Weichen gestellt werden in eine Zukunft, in der die Menschen in Deutschland – egal ob im Westen oder Osten lebend -  in die Gefahr geraten, ihre eigene Identität zu verlieren, weil die machthabenden Politiker immer mehr eine Politik gegen das eigene Volk betreiben und einen Ausverkauf der deutschen Interessen vornehmen. Die vordergründige Spaltung in Ost und West ist also nicht mehr unser Hauptproblem, sondern das Auseinandertriften des eigenen „Volkskörpers“ in Einzelinteressen, weil vielen das Durchsetzen eigener Interessen zu Lasten der Gemeinschaft - hier leisten die meisten Politiker kein Vorbild mehr - wichtiger ist als das Wohl des eigenen Landes und Volkes.

  © beim Verfasser

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