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Es gab noch Zeiten, das wussten die Menschen, ohne dass ihnen jemand etwas sagte, was richtig und falsch war. Sie wussten, dass bestimmte Handlungen gut und andere böse sind, ohne jemand zu fragen. Aber mir scheint, dass diese Zeiten vorbei sind und wir in einem Land leben, in dem diese feine Stimme in uns selber, die uns und andere schützt, verloren geht. Gleiten wir in eine gewissenlose Republik?

  • Gewissen: Früher wussten die Menschen noch was ein Gewissen ist und angeblich haben die Abgeordneten eines, wenn sie über ein Gesetz abstimmen. Diese feine Stimme, die uns ermahnt, Gutes zu tun und das Böse zu meiden, scheint immer mehr zu verschwinden. Dieser Eindruck ist bei mir nicht mehr zu verdrängen. Er lässt sich auch nicht wegdiskutieren durch noch so gute Argumente. Das Gefühl, dass diese innere Stimme immer mehr abhandenkommt, lässt mich nicht mehr los. Was sind die Gründe?
  • Intuition und Gottesvertrauen: Wie können Menschen immer mehr ihr Gewissen verlieren? Ich bin überzeugt davon, dass jeder ein Gewissen hat, denn es wurde ihm in die Wiege gelegt. Wir spüren es immer, wenn wir in Situationen kommen, in denen wir uns für oder gegen etwas entscheiden müssen. Intuitiv spüren eigentlich immer, wie wir uns verhalten müssten, aber dann fragen wir doch andere: Die Eltern, die Lehrer, den Pfarrer, die Freunde und andere Autoritäten. Wir schauen in Gesetzbücher und glauben, dass die von Menschen gemachten Gesetze uns weiter helfen können.  Eigentlichen hätten wir niemand fragen müssen, denn wir wussten es eigentlich schon; aber meistens suchen wir nur im Außen Bestätigungen für unsere Entscheidungen. Und wir suchen Entschuldigungen, falls wir uns gegen unser Gewissen entschieden haben, in dem wir uns mit den Aussagen anderer beruhigen wollen: „Ja, du hast das schon richtig gemacht! Was hättest du denn anderes tun sollen? Du musst doch auch an dich selber denken! Du bist nur ein Mensch und Menschen machen eben Fehler! Du hast doch nichts anderes getan als das, was vorgeschrieben ist!“ Und trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl zurück. Nein, richtig beruhigen können uns die anderen nicht, wenn wir das Gefühl haben, gegen unser Gewissen gehandelt zu haben. Die Apostel hatten nach Jesus Tod, Auferstehung und Himmelfahrt angefangen, seine Lehre zu verbreiten und darüber zu berichten, dass er gekreuzigt und auferstanden war. Die Hohepriester in Jerusalem hatten sie wiederholt verhaften lassen und sie ermahnt, nicht damit weiterzumachen. Aber sie ließen es nicht zu, sondern gingen das Risiko ein, wieder in Konflikt mit der „geistlichen Macht“ zu gelangen, und predigten weiter. Als sie wieder verhaftet wurden, entgegnete Petrus im Namen der Apostel: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apostelgeschichte 5, 29). Petrus machte den Hohepriestern sogar den Vorwurf, dass sie dafür mit verantwortlich waren, dass Jesus gekreuzigt wurde, was sicher nicht ungefährlich war. War bei ihnen das Gewissen von Gott inspiriert? Sie hatten zumindest das Gefühl, „auf der richtigen Seite zu stehen“, was dazu führte, felsenfest bei ihrer Meinung zu bleiben, sich nicht beirren zu lassen. Was ihnen die Kraft gab, lag wahrscheinlich an der Unmittelbarkeit der Erfahrungen, die sie mit Jesus gemacht hatten. Dieses direkte Erleben und die daraus resultierenden Überzeugungen machten sie so sicher. Diese Sicherheit ließ sie auch vor dem Tod nicht zurückschrecken, denn sie blieben, trotz Bedrohung durch weltliche und geistige Herren, bei Ihrer Meinung von der Kreuzigung und vor allem von der Auferstehung von Jesus. Und sie hatten die Hoffnung, dass sie auch im Tod – alle, außer dem Apostel Johannes starben einen unnatürlichen Tod (weiterlesen) als Märtyrer – nicht allein bleiben und von Gott aufgefangen werden.
  • Atheismus als Wurzel der Unmoral. Seltsam sind die Passagen in Neale Donals Walsch´s Buch „Gespräche mit Gott“, der angeblich kein „Richtig“ und „Falsch“ (S. 815) kennt. Dieser Gott vertritt eindeutig ein utilitaristisches Prinzip, das uns lehrt, was man tun oder lassen sollte. Nur aus den Konsequenzen sollten wir lernen (S. 816), um zu entscheiden, was wir tun oder lassen sollten. Dies widerspricht der These, dass es so etwas wie absolute Maßstäbe gibt (weiterlesen). Ohne eine werteorientierte Moral würde alles dem Gesetz der Zweckmäßigkeit unterworfen werden. Dann werden Menschleben miteinander verrechnet: Um 100 Menschen zu retten, könnte dann ein Mensch getötet werden. Ist eine solche Welt erstrebenswert? Die „Gottverlorenheit“ unserer Zeit hat sogar in den Kirchen Einzug gehalten, auch wenn dies von den Kirchenvertretern vehement geleugnet wird. Sie verwalten nur noch ein konserviertes Gottesbild, das in Monstranzen oder auf Altären gezeigt wird. Es fehlt ihnen aber die Unmittelbarkeit der Erfahrung mit der Göttlichkeit, wie sie die Apostel noch erlebt hatten. Selbst der sich neu offenbarende Gott des Neal Donald Walsch – es sei dahin gestellt, ob es derselbe ist, der sich auch angeblich vor 2000 Jahren gezeigt hat – ist glaubwürdiger als der verstaubt wirkende Gott der institutionalisierten Kirchen. Die Rationalität der heutigen Zeit, die Verrechtlichung unseres Zusammenlebens mit der unüberschaubar gewordenen Anzahl von Gesetzen, hat den Gott verschwinden lassen. Nicht mehr das Gewissen entscheidet, sondern das Gesetzbuch. Der „Formaljurismus“ – alles ist bindendes Recht wie es einmal kodifiziert wurde – zementiert unsere Gesellschaft und lässt unser eigenes Gewissen verstummen. Wer trotzdem dem eigenen Gewissen vertraut, kommt sehr schnell mit dem Gesetz in Konflikt. Die Sicherheit, wie sie damals die Apostel hatten, gibt es anscheinend nicht mehr und deshalb macht sich Angst breit, Angst, die eigene Existenz zu gefährden, wenn man dem eigenen Gewissen folgt, aber dabei mit dem Gesetz in Konflikt kommt. Und diese Existenz ist für viele die einzig gültige: Dieses eine einzige Leben – nichts davor und nichts danach – ist nach materialistischer Lebenseinstellung das, woran man sich nur halten kann (weiterlesen). Es gibt nur die abgrundtiefe Leere jenseits des Todes, so die weit verbreitete Auffassung. Die Moral wird dann reduziert auf die reine Zweckmäßigkeit mit der Frage: Was dient mir oder was schadet mir? Oder, wenn es auf die Allgemeinheit bezogen wird: Was nützt der Gesellschaft oder was schadet ihr? Wenn die letzte Instanz – Gott – wegfällt, dann fallen letztendlich alle Schranken der Moral als ein festes Gerüst von Überzeugungen von dem, was wir das Gute oder Böse nennen. Beide Bezugsgrößen verschwinden einfach aus dem Blickwinkel und werden auf dem Altar der Zweckmäßigkeit geopfert. Und diese Zweckmäßigkeit wird in der kapitalistischen Gesellschaft mit Geld beurteilt. Was die eigene Existenz durch den Besitz von Geld absichert, rechtfertigt dann alles andere. Wer genügend Geld hat, der gerät nicht so schnell „in die Mühlen der Justiz“ wie die Besitzlosen. Wer dann noch als weiteren Verbündeten die Macht hat, dem kann kaum noch etwas – nach irdischen Gesichtspunkten – passieren. Deshalb ist es so, dass Politiker bisher kaum oder gar nicht für ihr Verhalten zur Rechenschaft gezogen wurden.
  • Der Fisch stinkt vom Kopf her: Es ist bekannt, dass der Fisch, wenn er beginnt zu verwesen, vom Kopf her anfängt einen unangenehmen Geruch zu verbreiten (weiterrlesen). Wenn etwas in unserem Land schief läuft, sollte man darüber nachdenken, ob es vielleicht an der Führung liegen könnte. Man könnte es auch so formulieren: Je höher man die Leiter emporklettert, desto mehr akkumulieren Macht und Geld in den Händen weniger. Moral erschöpft sich dann in „Sonntagsreden“ und gilt dann nur noch dazu, das Volk zu disziplinieren. Die Appelle verkommen zu heruntergedroschenen Phrasen und inhaltsleeren Sprechblasen. Die gegenwärtige Corona-Krise ist ein Musterbeispiel dieser Disziplinierung des Volkes, um die Herrschaft der wenigen abzusichern, in dem immer neue Beschränkungen den Menschen auferlegt werden, die dann dazu führen, dass die dadurch entstehenden Schäden unübersehbar werden. Ausgeblendet werden diese aber oder werden einfach nicht zur Kenntnis genommen. Die Absicherung der eigenen Machtstellung ist der moralische Zweck des eigenen Handelns: Der Zweck heiligt die Mittel. Die moralische Keule wird nur gegen das Volk benutzt, in dem die „Corona-Leugner“ als Menschen bezeichnet werden, die absichtlich andere in Gefahr bringen. Ja sogar Kindern wird eingeredet, wenn sie die Corona-Maßnahmen nicht einhalten, am Tod ihrer Großeltern schuld seien, wenn diese dann sterben (weiterlesen). Ich hatte bereits an anderer Stelle meine Skepsis gegenüber Angela Merkel deutlich gemacht (weiterlesen) und aufgezeigt, dass ich zumindest eine Kollaboration mit bösen mächtigen Wesen jenseits unserer materiellen Welt nicht ausschließe. Aber eine politische Führung kann nur dann weiter regieren, wenn sie von anderen gestützt wird. Der Gestank breitet sich zwar vom Kopf her aus, aber er macht dort nicht halt. Die gegenwärtige Corona-Krise verdeutlicht dieses Phänomen: Die Bundeskanzlerin gibt zwar die „Richtlinien der Politik“ vor, aber sie wird hierbei von vielen gestützt, die ihre Position teilen und ihren Machterhalt sichern – und dabei selbst profitieren durch die Absicherung der eigenen, vom Steuerzahler subventionierten komfortablen Existenz. Die Parteien CDU, CSU, SPD, FDP, Grüne und Linke, die den Kurs mitgehen, sind inzwischen, wie es Uwe Steimle alias Erich Honecker formuliert hat, zur „Kapitalistischen Einheitspartei Deutschlands“ verschmolzen (anschauen). Dabei geht die Bundeskanzlerin angeblich nach moralischen Grundsätzen vor und gibt an, dass die getroffenen Maßnahmen nur dem Schutz der Gesundheit der Menschen dienen würden. Die Wahrheit ist leider: Sie sind zutiefst unmoralisch, weil sie in ihrer Unverhältnismäßigkeit mehr Schaden anrichten als nützen. Es werden Grundrechte verletzt, weil z. B. Berufsverbote, Versammlungsverbote und Demonstrationsverbote ausgesprochen und diese in Form von Verordnungen dem Menschen aufgezwungen werden. Nun will sie auch noch das rechtswidrige Vorgehen mit der Reform des Infektionsschutzgesetzes nachträglich vom Parlament absegnen lassen (anschauen).
  • Gefährlicher Sogeffekt: Die Ausbreitung des grenzenlosen Opportunismus, wie er von Angela Merkel vorgelebt wird (weiterlesen) , hat einen gefährlichen Sogeffekt, weil viele hiervon mitgerissen werden oder gerne bereitwillig mitgehen, weil er ihnen Erfolg verspricht und Unannehmlichkeiten erspart. Der Opportunist hält nichts von Prinzipien bzw. passt diese immer an die jeweilige Situation an. Der Moralist, der Prinzipientreue, ist der direkte Gegenspieler des Opportunisten. Und der Opportunist als Menschentypus macht sich leider in unserer Gesellschaft immer mehr breit, wird hoffähig und kommt in vielen Schattierungen vor. Wie in einem nicht enden wollenden Sog werden immer mehr hineingezogen in diese Entwicklung der moralischen Verkommenheit, die zwar nicht so genannt wird – verklausuliert als Anpassung an bestehende Verhältnisse oder Unterordnung unter gesellschaftliche Zwänge – aber de facto existiert: Willfährige Journalisten, regierungsfreundliche Berichterstatter im Funk und Fernsehen, „Systemclowns“ (weiterlesen), willige Beamte in den Ministerien und untergeordneten Behörden, nützliche Denunzianten und karriereorientierte „Radfahrer“. Sie alle bewirken den moralischen Verfall einer Republik, auf die wir einmal stolz waren.

Das Gewissen ist nicht von allen Menschen abgelegt worden, einige stemmen sich dagegen – und handeln sich dabei Schwierigkeiten ein. Sie bleiben bei ihren Meinungen und haben den Mut, diese auch zu vertreten. Sie sind wie die Apostel damals von Überzeugungen beseelt, die nach meiner Einschätzung nicht nur in unserer materiellen Welt verankert sind. Diese modernen Moralisten finden wir in den sozialen Netzwerken, auf dem Gebiet der Querdenker und bei Menschen, die nicht an der eigenen beruflichen Karriere interessiert sind, sondern zunächst an der Erfüllung ihres Auftrages arbeiten. Sie stehen Gott näher, als sie selbst vielleicht denken – sie wissen es nur noch nicht; aber Gott wird auf ihrer Seite sein, das ist meine Überzeugung. Wenn dies nicht so wäre, könnten wir auf diesen Gott getrost verzichten.

© beim Verfasser

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