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Es geht mir in der letzten Zeit öfter so, dass jemand zu mir sagt; „Alles gut!“ Und das mit einem Unterton, der beschwichtigend oder beruhigend wirken soll, wenn man sich in einer schwierigen Situation befindet oder irgendetwas schief gegangen ist. Ich kann nur sagen: Dieser Ausspruch beruhigt mich ganz und gar nicht, weil es mir vorkommt, als spreche jemand zu mir wie mit einem kleinen Kind. Denn, so möchte ich dann als Reaktion am liebsten entgegnen: „Nichts ist gut!“ Was ist nun richtig?

  • Der Wunsch nach dem Paradies: Die Menschen haben schon immer von einem Paradies geträumt, in dem alles Böse verbannt und niemand sich um irgendetwas Sorgen machen muss. Folgt man der Bibel, so soll es einmal einen solchen Zustand gegeben haben, und zwar vor dem so genannten Sündenfall von Adam (hebr.: Mensch) und seiner Frau Eva. Worin bestand dieser Zustand? Genaugenommen von der Unschuld des Nicht-Wissens. Die Schlange (Symbol für das Böse) verführte die beiden dazu, diesen Zustand zu verlassen und sich der Tatsache bewusst zu werden, dass die Welt dualistisch ist: Geteilt in Gut und Böse. Die Frucht der Erkenntnis von Gut und Böse bedeutet im Kern, dass, wenn man die Übersetzung des Wortes erkennen richtig vornimmt, das Nichtunterscheiden, also das Vermischen dieser beiden Zustände, in der die Welt sich befindet. Wird diese Trennung nicht vorgenommen, da wird sehr schnell das als gut befunden, was eigentlich böse ist, denn dann gibt es so etwas wie „gerechte Kriege“ oder „gerechtfertigte Morde“ und das Lügen wird als notwendiges Übel in Kauf genommen. Alles kann dann irgendwie gerechtfertigt werden, weil der Zweck die Mittel angeblich heilt.
  • Schlaraffenland als Täuschung: Wenn alle unsere Wünsche erfüllt würden, wären wir dann wunschlos glücklich? Viele stellen sich nämlich das Paradies als ein Schlaraffenland vor, in dem es nichts weiter gibt als nur zu genießen. Diese Vorstellung resultiert aus seinem krassen Gegenteil: dem Mangel an allem. Wenn Menschen hungern müssen, kein Dach über dem Kopf haben und frieren müssen, dann fehlt es ihnen an dem Nötigsten zum Leben. Und die Idee vom Schlaraffenland ist die Vorstellung eines mangellosen Daseins ohne Daseinssorgen. Aber ist das Schlaraffenland mit dem Paradies gleichzusetzen? Paradies symbolisiert die Einheit mit Gott, in der der Mensch in einer tiefen Geborgenheit leben kann. Diese Geborgenheit bedeutet nicht primär ein Leben im Überfluss, sondern zunächst einmal eine Sicherheit: Wenn das Leben mit Gott im Einklang ist, dann kann einem nichts passieren. So wie ein Kind sich in einer Kleinfamilie mit Vater und Mutter gesichert weiß, um aus dieser Sicherheit heraus Erkundigungsgänge in die Welt hinein unternehmen zu können, weil es weiß, dass es jederzeit wieder zurück in den sicheren Hafen zurückkann, so könnte man auch das Paradies verstehen, nämlich dass der Mensch sich aufgrund der Sicherheit durch Gottes Zusage einer bedingungslosen Akzeptanz mutig auf den Weg in die Welt hinein begeben kann, ohne Angst haben zu müssen. Der Unterschied ist also der, dass das Schlaraffenland einen passiven Genussmenschen propagiert, der passiv nur dem Einverleiben von Nahrung frönt und, ohne sich anstrengen zu müssen, alles tun kann, was ihm Freude macht. Dem Menschen im Schlaraffenland fehlt ganz eindeutig eine Aufgabe oder Herausforderung, die ihm die Chance zum Wachstum gibt.
  • Trennung als Folge des Sündenfalls: Das Herausfallen aus der göttlichen Ordnung war die Folge des Sündenfalls der Menschen. Der Mensch war nun auf sich allein gestellt und musste in einer unfreundlichen Umgebung sein Dasein durch seine eigene Hände Arbeit sichern („im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot verdienen“). Diese feindliche Umgebung zeigte und zeigt sich auch heute überall, wo der Daseinskampf unerbittlich geführt wird. Die Corona-Krise zeigt uns sehr deutlich, dass wir von Mikroorganismen umgeben sind, die nur durch ein wachsames Immunsystem in Schach gehalten werden können. Dieser Kampf ist aber von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil er niemals endgültig gewonnen werden kann, da er immer mit dem Tod endet. Irgendwann sind unsere Abwehrkräfte erschöpft und die Mikroorganismen, vor allem aus Bakterien und Viren, aber auch aus Parasiten bestehend, machen uns den Garaus. Sobald unsere Lebenskraft erschöpft ist und der Tod eintritt, dann setzt unweigerlich die Verwesung durch die bis dahin abgewehrten Bakterien ein und verwandelt unsere Organe in Futter für diese primitiven Lebewesen, die nur eines kennen: Wachsen und Vermehren. Diese gnadenlose Aussicht auf unser Ende können wir eine Weile verdrängen, aber spätestens wenn wir krank werden, wird uns dieses schlagartig wieder bewusst. In diesem Zustand offenbart sich uns die tiefe Verlassenheit und Trennung von dem Ort, den wir einst bewohnt hatten: das Paradies. Womit haben wir das verdient?
  • Das Ego und die Gier: Zeitlebens streben sehr viele Menschen danach, sich in dieser Welt so einzurichten, als ob sie hier ewig leben könnten: Sie ignorieren die Tatsache, dass wir nach dem Sündenfall in einer vergänglichen Welt leben müssen. Sie versuchen die Welt als ein riesiges Warenlager anzusehen, aus dem man sich versuchen sollte, so viel wie möglich herauszuholen, um damit die eigene Existenz zu sichern. Das Individualbewusstsein schafft eine Trennung zwischen der Welt, die wir wahrnehmen und in die wir agieren können, und dem eigenen Ich. Das eigene Ich wird als das höchste zu schützende Gut angesehen, das gewissermaßen in das Zentrum aller Bemühungen gestellt wird (Egozentrismus). Diese Einstellung steigert sich in das, was wir Egoismus nennen, wenn – um im Bild vom Warenhaus zu bleiben – die Konkurrenten im Wettbwerb um die besten Waren zur Seite gestoßen werden. Die darüber hinausgehenden Steigerungsform der Ich-Sucht ist der Narzissmus, weil dann nicht nur sich der Mensch gegen Konkurrenten rücksichtslos durchsetzt, sondern hierbei auch noch etwas anderes einheimsen will: restlose Bewunderung durch andere. Herrscher aller Welt stehen in der Gefahr, Narzissten zu werden, weil sie nicht nur die Macht haben, ihre eigene Wünsche durchsetzen zu können, sondern auch darüber hinaus eine hörige Gefolgschaft heranziehen, die sich für die Bewunderung des Herrschers Vergünstigen und Teilhabe an der Macht versprechen. Alle Bedenken und Skrupel schiebt der Narzisst beiseite und glaubt, Herrscher über dem Recht zu sein, was nur für andere gilt. Die absolute Steigerung dieser Ichbezogenheit ist die psychopathische Persönlichkeit, die an der Zerstörung von Lebensräumen für andere Menschen Gefallen findet oder sogar glaubt, Herr über Leben zu sein und bestimmen zu können, ob andere Menschen leben dürfen oder nicht. Wie kann es zu so einer Entwicklung kommen?
  • Abkehr von der Quelle: Diejenigen, die eine negative Spirale der Ichsucht durchlaufen, benötigen die Energie zum Überleben von anderen. Sie sind wie Vampire, die nichts selbst schaffen, sondern nur wie Parasiten die Energie anderer Menschen rauben, um selbst am Leben zu bleiben. Sie haben sich von der Quelle aller Energie getrennt, die alles erhält. Man könnte sich Gott wie jemand vorstellen, der in der Lage wäre, den „Stecker zu ziehen“, um alles was existiert, zum Stillstand und letztendlich zur Nichtexistenz zu bringen. Der „Blackout“ der uns drohen kann, wenn die Stromversorgung einmal zusammenbricht, ist hiermit vergleichbar. Wenn wir aller Stromenergie beraubt würden, bräche unser gesamtes modernes Leben zusammen. Diejenigen, die noch eine eigene Stromversorgung hätten, könnten vielleicht noch eine Weile überleben, aber die öffentliche Ordnung bräche früher oder später zusammen. Die „Energie-Vampire“ haben sich abgewandt von der Quelle allen Lebens und allen Seins: Gott. Sie befinden sich bereits in einer Art Dunkelheit, die sie nur durch ihre parasitäre Lebensweise erhellen können. Sie entwickeln dabei destruktive Kräfte, denn die Menschen, die sie aussagen, zerstören sie ohne Skrupel. So wie Dracula den Lebenssaft seiner Opfer, das Blut, aussaugt, um selbst am Leben zu bleiben, so rauben sie anderen Menschen die Lebenskraft und werfen sie danach achtlos zur Seite. Durch eine von der göttlichen Quelle abgewandte Daseinsform haben sie sich, ohne dass sie es vielleicht selbst bemerkt haben, für die „dunkle Seite“ entschieden. Diese dunkle Seite kennen viele aus den Mythen aller Völker: dort leben negative geistige Wesen, die unterschiedliche Namen haben, aber eigentlich immer dasselbe meinen: Bösartige Kreaturen, die sich aus der göttlichen Bindung gelöst und ein gegen die göttliche Ordnung gerichtetes Dasein führen wollen. Sie sind diejenigen, die in unserer materialistischen Welt wirklich herrschen und wollen, dass die Menschen sich von der göttlichen Quelle trennen und sich ihnen anschließen. Sie suggerieren den Menschen, dass ihnen Macht, Reichtum oder Ruhm gegeben wird, wenn sie sich auf ihre Seite schlagen und dass es keine Moral gibt, die sie zu beachten haben, weil der Mittelpunkt aller Bemühungen eigentlich das eigene Ich ist, dem der höchste Rang eingeräumt wird. Nicht das Dienen ist den Menschen heilig, die diesen Kreaturen folgen, sondern das Herrschen. Weil sie nur das eigene Ich als das Höchste anerkennen, dem alles andere untergeordnet wird, schaffen sie eine kalte Welt der Egoisten, in der jedes Mitgefühl fehlt. Sie maskieren Anteilnahme durch einstudierte Gesten und glauben, die anderen täuschen zu können.
  • Solidarität der Guten: Die heutigen Zeiten sind geprägt davon, dass diejenigen, die die Macht haben, sich gegenüber den anscheinend Machtlosen gut tarnen können. Sie leben parasitär, ohne selbst etwas zu leisten, tyrannisieren das Volk und saugen ihre Lebenskraft aus. Hier können nur diejenigen, die sich nicht täuschen lassen wollen, versuchen, die Maskerade herunter zu reißen, um den Machthabern den Spiegel vor zu halten. Seht her: Wir haben euch durchschaut. Ihr könnt euch noch so gut tarnen, aber wir lassen uns nicht länger von euch täuschen. Wir erkennen euren Herrschaftsanspruch nicht mehr an, sondern bauen uns unsere eigene Welt, die den Menschen gerecht wird, die „guten Willens“ sind. Wir leben in der Verbindung mit der göttlichen Quelle und in dem Bewusstsein, dass diese Welt, in der wir jetzt leben müssen, nicht die finale Welt ist. Geht doch dort hin, woher ihr eure Kraft nehmt: zum Teufel.

 

Alles ist nicht gut, aber alles kann gut werden, wenn wir den Verführungen dieser Welt standhalten und uns der Verbindung zu unserer göttlichen Quelle bewusst werden.         

 

© beim Verfasser

 

 

 

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