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Ostern im Jahr 2021: Es ist kein normales Osterfest, sondern eines, das zum zweiten Mal nach Ausbruch der Corona-Krise sang- und klanglos verstrichen ist. Dabei ist es das höchste Fest der Christenheit, glauben sie doch an die Auferstehung von Jesus Christus an dem Ostermorgen, an dem die Frauen ein leeres Grab vorgefunden hatten.  Aber gab es diese Auferstehung auch wirklich? Oder ist alles ein Mythos?

  • Die christliche Version: Nimmt man die Evangelien als Grundlage des Osterglaubens, dann scheint alles klar zu sein: Jesus wurde am Karfreitag von Pontius Pilatus verurteilt, dann gekreuzigt, ist dann am Kreuz gestorben, in ein Grab gelegt worden, das einen Pharisäer gehörte, nämlich Joseph von Arimatäa, das er für sich selbst aus dem Felsen hauen ließ, aber dann für den Leichnam Jesu her gab. Dieses Grab wurde gesichert mit einem schweren Rollstein und durch römische Soldaten. Als die Frauen – Jüngerinnen von Jesus - den Leichnam am Ostersonntag einbalsamieren wollten, fanden  sie nur ein leeres Grab vor. Dies berichteten sie Johannes und Petrus, die zum Grab eilten und ebenfalls ein verlassenes Grab vorfanden. Lediglich ein paar  Binden fanden sie vor.
  • Physische Überlebensversion: Diese Version wird von Holger Kersten vertreten[1]. Sie beruht auf dem Gedanken, dass Jesus nur „scheintot“ war. Er soll dann in das Grab gelegt worden, aber auf wundersame Weise von seinen Verletzungen genesen sein, dann vor den Priestern und Machthabern, den Römern, aus Palästina geflohen sein. Seine Flucht führte ihn dann nach Indien, wo er schon vor seiner aktiven Tätigkeit als Rabbi gelebt haben soll. Dort soll er sich auch mit den Lehren des Buddhismus und Hinduismus beschäftigt haben, die auch zum Teil in seine Lehren eingeflossen sein sollen. Das Überleben der schrecklichen Marter soll auch durch die Anwendung von Heilkräutern und Salben (Aloe, Myrrhe) begünstigt worden sein.[2] Schließlich ist er dann in Kaschmir als alter Mann gestorben – nicht sonderlich spektakulär.
  • Metaphysische Überlebensversion (nach Günther Schwarz): Günther Schwarz (ausführlichere Darstellung des Lebens und Wirkens hier:[3]) war ein evangelischer Theologe und Philologe, der die aramäische Sprache gelernt hatte, um die Evangelien in die Sprache, die Jesus und seine Jünger gesprochen haben, besser zu verstehen[4]. Er nahm sich dann in der griechischen Sprache abgefassten Evangelien vor, übersetzte sie in das Aramäische und stellte dabei fest, dass viele Textstellen falsch sein mussten, weil sie in dem damaligen Kontext nicht hineinpassten oder unlogisch erschienen. Er schrieb aufgrund der von ihm vorgenommenen Korrekturen ein neues Jesus Evangelium, das die von ihm korrigierten Schriftstellen enthielt[5]. Er setzte sich auch sehr ausführlich mit der Frage auseinander, ob Jesus die Kreuzigung überlebt haben und dann eine Verwandlung erfahren haben könnte. Diese Überlegungen hat er in einer Schrift „Hat Jesus überlebt? Jesu Sieg über den Tod – aufgeblitzt auf das Turiner Grabtuch?“ zusammengefasst.[6]  Seine Ausführungen basieren einmal auf den heiligen Schriften, die er selbst ins Aramäische rückübersetzt hatte und auf einer Analyse des Turiner Grabtuches, das die Konturen, Spuren von Verletzungen, Wunden, Blutungen, Spuren von Ölen eines Mannes enthält, die große Übereinstimmungen mit den Berichten im Neuen Testament aufweisen. Günther Schwarz baut in seinem Skript eine Argumentationskette auf, die hier im Wesentlichen dargestellt werden soll:
    • Drei Grabtücher: Es wird davon ausgegangen, dass Jesus Körper in drei verschiedene Tücher gewickelt wurde: Das erste soll verwendet worden sein, als er vom Kreuz abgenommen worden war, auf das er gelegt wurde, um dann seine Wunden vom Blut zu reinigen (Angabe nach dem Petrusevangelium) und den Körper mit Aloe und Myrrhe einzureiben (Joh. 19,  40); hierbei muss es sich auch nicht um ein Tuch, sondern um mehrere Leinenbinden gehandelt haben. Das zweite muss als Transportunterlage verwendet worden sein für den Weg vom Golgathahügel zu dem Grab und ein drittes Grabtuch wäre das bekannt gewordene „Turiner Grabtuch“, das die Konturen des Körpers von Jesus abbildet. Wenn aber dann auf diesem Grabtuch sich Blutspuren gebildet haben, die auf dem Grabtuch zu sehen sind, so folgert Schwarz (S. 40), muss das Herz noch geschlagen haben, denn Tote bluten nicht. Diese Blutspuren betreffen die aus der Geißelung resultierenden Wunden, derer aus der Dornenkrone (eher Dornenhaube, da der ganze Kopf bedeckt war), der Nägel und des Einstichs durch eine Lanze in der rechten Seite des Köpers.
    • Blutungen nach der Grablegung: Schwarz kommt nach der Analyse des Grabtuches zu dem Ergebnis, dass die Blutspuren, die oberhalb des Herzens zu sehen sind (Gesicht, Hände die auf dem Unterkörper lagerten), nach der endgültigen Grablegung entstanden sein müssen, nach dem das Grabtuch von oben her über den Kopf bis zu den Füßen ausgebreitet wurde. Dies betrifft auch die Wunden am unteren Ende des Körpers, die hauptsächlich durch die Geißelung entstanden sind. Das Herz müsste nach seiner Meinung noch geschlagen haben, um diese Blutungen zu verursachen.
    • Lanzenstich nicht tödlich: Schwarz behauptet, dass der Lanzenstich nach seiner Analyse der Einstich- und Austrittsstelle am Rücken aufgrund des Eintritt- und Austrittwinkels nicht das Herz durchbohrt hatte. Mit dem Lanzenstich sollte auch nicht der Tod herbeigeführt werden, sondern nur geprüft werden, ob Jesus noch lebte, wovon die Soldaten ausgegangen waren (Johannes 19, 33). Die Wirkung des Lanzenstichs zeigte, dass Jesus noch gelebt haben muss, denn sonst hätten nicht Blut und Wasser (Johannes 19,34) austreten können (was aber die Soldaten wohl für den Beweis seines Todes hielten!).
    • Keine Sterbekennzeichen: Menschen, die gestorben sind, weisen typische Merkmale auf, die als Todesmerkmale bekannt sind. So kann sich z. B. das Blut, wenn der Mensch auf dem Rücken gelegen hat, alleine durch die Schwerkraft am unteren Teil des Leibes großflächig ansammeln (Todesflecke[7]). Davon ist aber auf dem Grabtuch nichts zu erkennen, sondern es sind dezidiert einzelne aus Blut- oder Wundsekret gebildete Flecke zu sehen. Auch ist das Angesicht, das auf dem Tuch abgebildet wurde, nicht maskenhaft wie das eines Toten, sondern es sieht eher aus wie das eines Schlafenden. Auch die Totenstarre kann man z. B. aus der Haltung der Hände nicht erkennen, weil die Finger ganz normal ausgestreckt übereinander gelegt sind. Bei einem Toten wären die Finger nur mit Mühe in eine lockere verschränkte Position zu bringen, weil sie sich durch die Totenstarre versteifen.
    • „Ausleibigkeit“:  Schwarz folgert daraus, dass Jesus Geist sich bis zum Ostermorgen nicht im Körper befunden hatte, sondern dieser „ausleibig“ war. Aus neuerer Forschung im Zusammenhang mit Nahtoderfahrungen sind außerkörperliche Erfahrungen bekannt[8], d. h. dass Menschen aus ihrem leblosen Körper austreten, diesen von außen sehen können und sich mit einem „feinstofflichen“ Körper bewegen können, wobei sie eigentlich klinisch tot sind, weil das Herz nicht mehr schlägt. Dies könnte auch damals mit Jesus geschehen sein. Außerkörperliche Erfahrung, wie sie in der Nahtoderfahrung erlebt und nach Rückkehr in den Körper geschildert wird, wäre mit dem antiquiert klingenden Ausdruck der „Ausleibigkeit“ identisch. In beiden Fällen gäbe es aber noch eine Verbindung zwischen dem Körper und der Seele in Form einer „Silberschnur“ – wie sie im Spiritismus genannt wird – oder „Silberkordel“ wie sie Schwarz sie nennt, vorhanden.
    • Lichtblitz: Schwarz nimmt an, dass der Leib von „innen her durch eine uns Menschen unbekannte Kraft in seine atomare Teile ‚zerstrahlt‛ und anschließend wieder um seinen Leib verdichtet worden“ sein muss (S.58). Dieser Lichtblitz hätte dann das Abbild auf dem Turiner Grabtuch verursacht. Sein neuer (ätherischer) Leib, der entstanden war, durchstieß das Grabtuch, ohne es zu zerstören und konnte auch durch die Felswand hindurchgehen, ohne dass der Rollstein zur Seite bewegt werden musste, um nach außen zu gelangen. Aus Berichten von Menschen mit außerkörperlichen Erfahrungen ist bekannt, dass sie auch durch Mauern eines Krankenhauses fliegen können, also Materie kein Hindernis darstellt. Die Energie, die einen neuen Körper entstehen ließ, hinterließ in dem Augenblick des Durchflutens und Neubildung des Körpers die auf dem Leinentuch zu sehende Abbildung, die im Negativ am deutlichsten ist. Es konnte bisher nicht beschrieben werden, wie dieses Bild entstanden sein konnte, eine Bemalung des Tuches scheidet als Erklärung aus, weil keine Farbpigmente gefunden werden konnten.
    • Erscheinung: Der Körper von Jesus muss also nach der Rückkehr der Seele einer Verwandlung unterzogen worden sein. Diese wirkte sich auch aus auf die Begegnung mit den Jüngern, denn er konnte seinen Körper für sie sicht- und fühlbar (man denke an Thomas, der die Hände in seine Wundmale legte) „verdichten“ und wieder „ent- dichten“, wie Schwarz es nennt (S. 177), d. h. ihn durchlässig machen dafür, dass er durch geschlossene Wände gehen konnte. Schwarz vergleicht den Körper mit dem, den die Jünger sahen, als er sich auf einem Berg befand (Matthäus 17,2), dort heißt es: „Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; und sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht“. Schwarz folgert daraus: „Sein materieller Leib, in dem sein geistiger Leib eingekerkert war, war auch während der Umwandlung auf dem Berg unverändert vorhanden. Aber Petrus, Jakobus und Johannes sahen ihn nicht, solange die Umwandlungs-Erscheinung dauerte: weil er, wie oben beschrieben, von dem Lichtglanz seines geistigen Körpers überstrahlt wurde“ (S. 185). In der Esoterik und in östlichen Religionen gibt es schon lange die Auffassung verschiedener Körper, die als Träger der Seele fungieren und verschieden „Verdichtungsgrade“ aufweisen.  Es wird dann von „Feinstofflichkeit“ gesprochen, wenn diese Verdichtung so weit abgenommen hat, dass die „grobstoffliche“ Materie keinen Hinderungsgrund mehr darstellt. Es wird dann von einem „Ätherkörper“ gesprochen[9] ,  der auch als „Astralköper“ bezeichnet wird, wobei nicht ganz klar ist, ob es sich um deckungsgleiche Phänomene handelt oder damit verschiedene „Verdichtungsgrade“ beschrieben werden sollen[10].  Schwarz meint, dass im Unterschied zur Verklärung des Leibes auf dem Berg Gott an Ostern in der Weise eingegriffen habe, dass er den Leib wiederhergestellt habe, damit er als Mittel dienen konnte, um seinen Jüngern zu erscheinen und diese bis zu seiner Himmelfahrt in wichtigen Dingen noch unterweisen konnte. Mit dem Turiner Grabtuch sollte der Nachwelt ein Beweisstück dieser Art der Verwandlung des Leibes erhalten bleiben.
  • Auferweckung oder Verwandlung: Die christliche Lehrmeinung setzt den vollständigen Tod von Jeus voraus, damit die von der Allmacht Gottes gezeitigte Auferstehung oder Auferweckung demonstriert werden konnte. Die Überwindung des Todes war die Voraussetzung dafür, dass damit auch die Hoffnung des Menschen, wenn er an Jesus Christus als Erlöser[11] glaubt, auf die gleichsame wunderbare Weise errettet werden kann. Hierbei wird fest davon ausgegangen, dass jeder Mensch nur ein Leben hat und dieses eine Leben entscheidend ist für die ewige Zukunft. Aus diesem Grund musste die Reinkarnation als Weg der mehreren Erdenleben ausgeschlossen werden. Dass aber christlicher Glaube und Reinkarnationslehre mit einander vereinbar, habe ich anderer Stelle dargestellt.[12] Geht man aber von einer Verwandlung aus, d. h. dass Gott nur den Körper des scheinbar toten Jesus nicht nur wiederhergestellt, sondern mit der besonderen Fähigkeit ausgestattet hat, zu verdichten oder aber sich auch wieder aufzulösen, so dass dann Jesus für die irdischen Augen unsichtbar war, dann ergeben sich andere Schlussfolgerungen: Es bedarf nicht einer einmaligen „Wiederauferstehung“ der Menschen oder der Menschheit schlechthin, sondern die Menschen haben, genauso wie auch Jesus, diese feinstofflichen Formen des Körpers, mit denen sie nach dem Tode im Jenseits weiterleben. Jesus ist ein zur Rechten Gottes (Markus 16, 19) im Jenseits existierendes hohes Geistwesen, das auf Erden eine Mission zu erfüllen hatte, nämlich den Menschen zu lehren, wie sie leben sollten, um in das ewige Gottesreich gelangen zu können. Er sah sich auch nicht als einen Gott (vielmehr als Sohn Gottes – gemeint war damit ein getreu Gott Folgender), sondern als sein Gesandter, was auch Jesus so gesagt hat (Johannes 17, 1).

Muss ich meine früheren Ausführungen[13] revidieren, dass Jesus auferstanden ist, also die Evangelien richtig sind oder können die neueren Gedanken die richtigen sein? Ich weiß es nicht, was glaubwürdiger ist. Aber ist es entscheidend, ob Jesus wirklich „mausetot“ oder nur „scheintot“ war? Nein, für mich ändert sich nichts Wesentliches, denn beide Versionen enden mit der Schlussfolgerung: Wir müssen das, was Jesus gelehrt hat, ernst nehmen und versuchen danach zu leben. Alles andere liegt in Gottes Hand.

© beim Verfasser

 

[1] Jesus lebte in Indien. Sein geheimes Leben vor und nach der Kreuzigung https://www.amazon.de/Jesus-lebte-Indien-geheimes-Kreuzigung/dp/3548354904

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Holger_Kersten

[3] https://cdn.website-editor.net/fe35026c78fc4ba9a5a55b7f2f4caf1a/files/uploaded/G%25C3%25BCnther%2520Schwarz%2520-%2520der%2520untersch%25C3%25A4tzte%2520Theologe.pdf

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_Schwarz_(Theologe)#cite_ref-1

[5] https://www.amazon.de/Das-Jesus-Evangelium-Die-Wahrheit-erkennen/dp/3927950041 (z. Z. vergriffen)

[6] https://www.jesus-forscher.de/ Diese Seite ist z. Z. in Bearbeitung, die dort frei verfügbare PDF-Datei hatte ich vor einiger Zeit heruntergeladen. Meine Ausführungen basieren auf diesem Skript.

[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Todeszeichen

[8] https://cdn.website-editor.net/fe35026c78fc4ba9a5a55b7f2f4caf1a/files/uploaded/Nahtoderfahrung%2520-%2520Indiz%2520f%25C3%25BCr%2520ein%2520Leben%2520nach%2520dem%2520Tod.pdf

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84therleib

[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Astralleib

[11] https://perikles.tv/philosophie-und-religion/1493-ist-jesus-fuer-unsere-suenden-gestorben

[12] https://cdn.website-editor.net/fe35026c78fc4ba9a5a55b7f2f4caf1a/files/uploaded/Reinkarnation%2520und%2520Christentum.pdf

[13] https://perikles.tv/philosophie-und-religion/1361-ist-die-auferstehung-von-jesus-wahr

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