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Die Corona-Krise ist wie ein Katalysator: Sie bringt alles hervor, was bisher schon nicht gestimmt hat, beschleunigt die Entwicklung und deckt auf, wessen Geistes Kind jemand ist. Das Verstecken geht nicht mehr, jeder muss eigentlich „Farbe bekennen“. Dabei möchten doch viele sich einfach nur „durchmogeln“. Aber geht das noch? Nach meiner Meinung haben sich hierbei zwei konträre Charaktere heraus kristallisiert: Kleingeistige und Großherzige. Ich will versuchen, diese beiden Persönlichkeitstypen zu beschreiben[1].

  • Kleingeistige: Diejenigen, die sich hinter die Agenda der Herrschenden stellen und alles bejahen, was von Regierungsseite kommt, alle Maßnahmen befürworten und sich als Blockwarte betätigen, um Abweichler „zur Vernunft“ zu bringen, zeigen eine Denkweise, die ich nur als kleingeistig bezeichnen kann. Was ist diese Kleingeistigkeit und wie könnte man sie definieren? Ich will versuchen, die entscheidenden Merkmale herauszuarbeiten.
    • Egozentrik: Die Egozentrik ist die Zentrierung aller Bemühungen auf die eigene Person. Alles, was getan wird, dient dem Aufrechterhalten des Wohlergehens des eigenen Ich, das im Mittelpunkt steht. Es ist die unterste Ebene der Ichbezogenheit[1], die auch dem Kleinkind eigen ist, das alles in der Welt auf sich selbst bezogen sieht und erst mühsam lernen muss, sich in die Welt einzufügen, zu erkennen, dass die Welt nicht nur zur eigenen Bedürfnisbefriedigung da ist. Diese Ichbezogenheit zeichnet nun den kleingeistigen Menschen deshalb aus, weil dieser wie das kleine Kind die Welt nur als Erfüllungsgehilfe für die eigenen Wünsche ansieht. Die Welt hat sich um den Kleingeistigen zu drehen und nur für ihn da zu sein.
    • Engstirnigkeit: Die Engstirnigkeit ist nicht nur eine Form der Dummheit, bei der bestimmte Dinge einfach nicht gewusst werden, sondern sie zeugt aus der Sicht des Egozentrikers von einer gewissen Kurzsichtigkeit. Es interessiert den Kleingeistigen nur das unmittelbare Jetzt, Die Unmittelbarkeit der kurzfristigen Ziele, die vorwiegend auf ichbezogene Bedürfnisbefriedigung bezogen ist, bewirkt eine Unfähigkeit und vielleicht auch Unwilligkeit, „über den eigenen Tellerrand hinaus zu sehen“. Sowohl in der zeitlichen Dimension gesehen, besteht kein großes Interesse an geschichtlichen Zusammenhängen (wie ist etwas entstanden?) als auch hinsichtlich der Bezogenheit auf Mitmenschen interessiert den Engstirnigen der Nächste nur insofern, als er ihn zur Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse nutzen möchte. Dem Kleingeistigen fehlen, wenn man den Richtungsstrahl einer Weltbezogenheit in die Zukunft lenkt, einfach die Visionen, die ihn antreiben könnten, für eine bessere Welt zu kämpfen. Ihm fehlt einfach die Phantasie, sich vorzustellen, wie man eine bessere Welt gestalten könnte.
    • Systemtreue: Die Engstirnigkeit führt zu einem ignorieren aller alternativen Ideen und zu einer verkürzten Sichtweise, so dass der Kleingeistige zwar wie ein ungezogenes Kind glaubt, seine egoistischen Wünsche durchsetzen zu können, aber trotzdem rasch erkennt, dass die kritiklose Anpassung an ein bestehendes System diese  Bedürfnisbefriedigung am ehesten gewährleistet. Der Kleingeistige ist deshalb der typische „Radfahrer“, der nach unten tritt, um auf gleicher Stufe stehende Menschen niederzumachen und nach oben buckelt, um sich bei Vorgesetzten beliebt zu machen. Er ist deshalb der treue Anhänger des bestehenden Gesellschafts-Systems und versucht es nach besten Kräften zu verteidigen. Er ist der ideale „Staatsdiener“, der sich durch eine treue „Pflichterfüllung“ Lorbeeren verdienen will und glaubt, wenn er nur alles tut, was die Obrigkeit befiehlt, könne er Vorteile einheimsen.
    • Intoleranz: Der Kleingeist teilt alles in strenge Kategorien ein, damit die Welt für ihn übersichtlich bleibt und malt alles entweder in weißen oder schwarzen Farben[2]. Er schiebt Menschen mit Ansichten, die er nicht teilt, sofort in bestimmte Schubladen, die plakativ beschriftet werden („Schwurbler“, „Verschwörungstheoretiker“, „Aluhutträger“), was ihm es leichter macht, denn wenn er die Menschen in diese Schubladen gesteckt hat, braucht er sich nicht mehr mit den alternativen Inhalten der vorgebrachten Ideen beschäftigen. Die für ihn so übersichtlich gemachte Welt teilt er ein in die Menschen, die seine Meinung teilen („die Guten“) und die sie nicht teilen („die Bösen“). Diese Schwarz-weiß-Malerei vereinfacht für ihn jedes Nachdenken und entsprechendes Handeln.
    • Regelwächter: Ein Kleingeist ist ein Wärter des Systems in dem er und von dem er lebt. Die völlige Adaptation ermöglicht ihm ein relativ sorgenfreies Leben. Deshalb ist er ein obrigkeitshöriger Mensch, der, wenn er schon nicht ganz oben in der Stufenleiter angekommen ist, glaubt, sich als „Regelwärter“ betätigen zu müssen. Das, was man sagen und sogar denken darf, unterliegt einem strengen Kodex, der heute auf Neudeutsch gerne mit „Political Correctness“ bezeichnet wird. Der Kleingeistige betätigt sich sehr gerne als Aufpasser, damit keiner hiervon abweicht und ist auch als Denunziant ein williger „Blockwart“ des entsprechenden politischen Systems. Der gedankenlose Bürokrat, der „Dienst nach Vorschrift“ macht, ist die ideale Besetzung zur Stützung des jeweiligen Systems. Die genaue Befolgung von Vorschriften bringt ihm auch manchmal den Vorwurf ein, dass er ein „Erbsenzähler“ oder sogar abfällig formuliert „Korinthenkacker“[3] sei, was ihn aber nicht anficht.

 

  • Großherzige: Der Großherzige ist das Pendent zum Kleingeistigen. Man braucht nur die jeweiligen Merkmale ins Gegenteil verkehren, um ihn zu beschreiben:
    • Altruismus: Der Altruismus beruht auf dem Gedanken, dass jeder andere Mensch eigene Rechte und Bedürfnisse hat, die immer in den eigenen Handlungen zu berücksichtigen sind. Deshalb ist das Bestreben des Altruisten darauf gerichtet, das Leben anderer helfen zu verbessern. Er fragt sich immer, ob er, mit dem was er tut, anderen schaden könnte. Darüber hinaus fragt er nicht nur, ob er etwas vermeiden könnte, was anderen schadet, sondern er hat den Mitmenschen im Blickfeld seiner Überlegungen und Handlungen, um deren Leben in eine positive Richtung zu lenken. Er beachtet dabei aber immer die Selbstbestimmungsrechte und würde nicht übergriffig in die Autonomie des anderen eingreifen.
    • Weitsichtigkeit: Da der Großherzige sich nicht nur um das eigene Ich kümmert, sondern immer auch den anderen im Blick hat, versucht er seinen Horizont zu erweitern, um sowohl in zeitlicher Hinsicht nicht nur alles aus dem „Jetzt-Augenblick“ zu entscheiden, als auch in seinen personalen Bezügen sein Verhalten im Kontext seiner Mitmenschen zu sehen. Die zeitliche Schiene erstreckt sich nicht nur auf die Vergangenheit (wie konnte es so weit kommen?), sondern auch auf die Zukunft (wohin könnten wir gelangen?), so dass er der ideale Ideengeber für Zukunftsvisionen ist. Er hat die Phantasie, sich eine bessere Welt vorzustellen und kann dazu auch Vorschläge machen. Er ist deshalb ein mutiger Visionär für andere, auf die er inspirierend wirkt.
    • Systemkritik: Er steht in einem kritischen Abstand zu dem System, in dem er lebt und lässt sich nicht von ihm vereinnahmen. Er versucht, seinen eigenen Standpunkt zu finden, zu definieren und nach außen zu vertreten. Er ist aus Sicht des Systems manchmal „der Sand im Getriebe“, der einem reibungslosen Ablauf versucht dann etwas entgegenzusetzen, wenn er merkt, dass das System mehr schadet als nutzt. Ihm ist es nicht wichtig, in dem System „nach oben zu gelangen“, so dass der Großherzige leider nicht allzu oft in den „oberen Etagen“ der Machtapparate zu finden ist. Er dient lieber als zu befehlen. Er hat auch den Mut, aus dem System auszusteigen, wenn er merkt, dass er keine Möglichkeiten mehr hat, nach seinen Vorstellung zu leben. Er ist lieber ein „Aussteiger“ als ein „Mitmacher“. Möglicherweise kann er auch als Rebell oder Revolutionär enden, allerdings nur in Extremsituationen.
    • Toleranz: Der Großherzige weiß um seine beschränkte Sicht der Dinge, er weiß dass er nichts weiß[4]. Daraus leitet er seine Toleranz ab und seine Duldsamkeit gegenüber den Ansichten anderer Menschen. Er behauptet also nicht, „die Weisheit mit Löffeln gefressen“ zu haben, sondern sieht sich als einer an, der aufgrund der Beschränkungen des Denkens und Erkennens, denen jeder normale Mensch unterliegt, zur Toleranz verpflichtet ist. Das „Schwarz-weiß-Malen“ liegt ihm deshalb fern und das Verurteilen und Aburteilen anderer Menschen, nur weil sie andere Meinungen vertreten. Er ist gewissermaßen der ideale Demokrat, der sich darum bemüht, auch die Meinungen der Andersdenkenden zu verstehen. Toleranz bedeutet aber nicht, die eigene Meinung aufzulösen, sondern sie nicht als alleingültig anzusehen.
    • Regeln als Hilfe: Der Großherziger überwacht nicht Regeln, sondern sieht sie als Hilfsmittel an, miteinander besser klar zu kommen. Regeln müssen den Menschen dienen und nicht umgekehrt. Wenn sich Regeln als nutzlos oder sogar als schädlich erwiesen haben, müssen sie geändert werden. Nichts ärgert ihn mehr als das gedankenlose Befolgen von Vorschriften, deshalb ist er kein guter Bürokrat (im schlechten Sinne), sondern eher ein Erfinder von Regeln. Er ist eher ein Gestalter als ein Verwalter, was es ihm schwer macht, in gegebenen Systemen funktionieren zu müssen.

 

Können wir die Kleingeistigen erkennen? Jeder hat sicher schon bildlich den einen oder anderen Politiker oder Person aus dem persönlichen Umfeld im Kopf, auf den die Beschreibung des Kleingeistigen passen könnte. Sie begegnen uns gerade in der Corona-Krise allzu häufig. Sie stützen das gegenwärtige politische System der Bevormundung und Entrechtung von Bürgern. Sie maßen sich an, die Wahrheit gepachtet zu haben und indoktrinieren mit einer permanenten Propaganda die Bürger, falls sie an den Schalthebeln der Macht sitzen oder als willige Helfer des Systems, um sich durch Denunziation oder Verurteilung Andersdenkender Vorteile zu verschaffen. Was wir brauchen sind die Großherzigen, die sich oft auch als die Weisesten entpuppen, wenn man sie nur an die Macht ließe – aber danach streben sie leider nicht. Und deshalb werden wir wahrscheinlich weiter von dem Glanz der Kleingeistigen geblendet werden, was bereits Esther Vilar in ihrem Buch „Der betörende Glanz der Dummheit“ prognostiziert hat.[5]

  

© beim Verfasser

 

[1] https://perikles.tv/leserbriefe/1265-formen-der-ich-bezogenheit-oder-warum-narzissten-und-psychopathen-haeufig-in-der-politik-zu-finden-sind

[2] https://www.dw.com/de/der-kleingeist/a-36439293

[3] https://www.wortbedeutung.info/Kleingeist/

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Ich_wei%C3%9F,_dass_ich_nichts_wei%C3%9F

[5] https://www.amazon.de/bet%C3%B6rende-Glanz-Dummheit-Esther-Vilar/dp/3865690661

 

[1] Der Einfachheit halber werden die Charaktere in der maskulinen Form beschrieben, die in gleicher Weise für beide Geschlechter gelten.

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