Pin It

Geht es in der Welt gerecht zu? Nein! Die Bösen bleiben oft ungestraft, die Guten werden oft zu Unrecht verurteilt. „Du musst ein Schwein sein in dieser Welt, Schwein sein. Du musst gemein sein in dieser Welt, gemein sein. Denn willst du ehrlich durch´s Leben gehen, ehrlich, kriegst ´nen Arschtritt als Dankeschön, gefährlich…“. So sangen es „Die Prinzen“ 1995 zutreffend[1], wie es in unserer Welt manchmal zugeht („Die Welt ist ein Gerichtssaal und die Bösen kriegen recht“). Deshalb ist es für mich oft unerträglich zu denken, dass es nicht so etwas wie eine absolute Gerechtigkeit gibt. Die Ungerechtigkeit in unserer Welt schreit manchmal zum Himmel. Wie kommt es dazu und wie ist sie zu erklären? Was kann man dagegen tun? Ich will zunächst einmal den vielen Formen der Ungerechtigkeit versuchen auf die Spur zu kommen.

[1] https://www.youtube.com/watch?v=BWwhz4hPkSk

  • Natürliche Ungerechtigkeit: Wer eine schwärmerische Einstellung zur Natur hat und glaubt, dass es in ihr doch gerecht zugehen müsse, ist nicht richtig informiert und neigt dazu, die Natur als Gottes Schöpfung zu glorifizieren[1]. Das Überleben steht im Vordergrund aller Kreaturen, sowohl das Absichern des eigenen Lebens als auch das der eigenen Art – und das gegen den gleichen Anspruch anderer. Es scheint so eine Art Egoismus vorzuherrschen und der Anspruch auf Überleben stets zu Lasten anderer zu gehen. Hierzu einige Beispiele:
    • Pflanzenwachstum: Pflanzen benötigen für ihr Wachstum Sonnenlicht, das gebraucht wird, um mit Hilfe der daraus gewonnen Energie das in der Luft enthaltene Kohlendioxid aufzuspalten um den darin enthaltenen Kohlenstoff zum Aufbau der Pflanze zu gewinnen (Photosynthese). Deshalb streben alle Pflanzen nach oben, um so viel wie möglich von diesem Sonnenlicht zu bekommen. Höher wachsende Pflanzen sind aber stets gegenüber den niedrig wachsenden Gehölzen im Vorteil. Gerade nach Waldbränden können die niedrigwüchsigen Pflanzen endlich zu ihrem Recht kommen und nutzen die entstandene Lücke, um auch einmal selbst zum Wachsen zu gelangen.
    • Schwache, Kranke, Alte, Junge gefährdeter: Raubtiere machen Jagd vor allem auf Beutetiere, die leicht zu ergattern sind. Dazu zählen geschwächte Tiere, aber auch alte und junge Tiere. Hat ein Tier bereits eine Verletzung und ist deshalb gehandicapt, wird es eine leichte Beute für Raubtiere. Die gesunden, starken Tiere haben einen Überlebensvorteil. Die Evolutionisten neigen dazu, diesen Umstand zu verherrlichen, in dem sie argumentieren, dass darin gerade das Prinzip bestehe, einen Tier- oder Pflanzenbestand gesund und kräftig zu erhalten. Auch die „Mutterliebe“ geht nicht so weit, schwache Jungtiere zu schonen, denn sie werden von den Müttern nicht selten verstoßen oder gar getötet, um zumindest das Überleben deren Geschwister zu sichern. Auch hier gilt die Fiktion der Evolutionisten, dass dadurch der Aufwuchs gesunder Tiere garantiert werden solle.
    • Kein Mitleid: Das Töten gilt als ein Überlebensprinzip. Die Würgefeige bringt mitleidlos den Wirtsbaum um, um selbst zu überleben. Löwen töten ohne Mitleid ihre Beute und beginnen sie zu zerfleischen, in dem sie zuerst die Innereien wie z. B. den Darm aus dem Leib herausreißen, ohne den endgültigen Tod abzuwarten. Eindringlinge in einen Ameisenstaat werden erbarmungslos gejagt und getötet. Insekten, die von einer fleischfressenden Pflanze (Karnivoren) angelockt  und langsam von den Pflanzensäften verdaut werden, können auch kein Mitleid erwarten, sie können nur schwer den klebrigen Fasern entkommen und zappeln erfolglos, um den Fängen der Karnivore zu entkommen. Die Anakonda erwürgt ihre Opfer, die Spinnentiere fangen ihre Beute in Netzen und spinnen sie als Vorrat ein. Mitleid wäre hinderlich, um selbst zu überleben. Je primitiver die Lebensform ist, desto deutlicher wird diese Mitleidlosigkeit spürbar. Ein Virus etwa, das keine Überlebenschance hat, außer sich in eine Wirtszelle einzunisten, um dort diese zur Produktion von neuen Viren zu zwingen, ist eine rein parasitäre Lebensform, bei der keine Rücksicht auf den Wirt genommen wird. Bei den Säugetieren dagegen gibt es bereits Ansätze von „Barmherzigkeit“, etwa wenn bei Elefanten verwaiste Jungtiere von Elefantenkühen „adoptiert“ werden, die genügend Milch nicht nur für den eigenen Nachwuchs, sondern auch für das „Adoptivkind“ bereit stellen. Der Schutz von Schwachen nur als ein Ausfluss des Arterhaltungstriebes zu schildern, wie dies die Evolutionisten tun, ist wohl zu kurz gegriffen.  
  • Menschengemachte Ungerechtigkeit: Dass Menschen eine gerechte Welt schaffen wollen, ist wohl eine Fiktion, die so nicht zu halten ist, wenn man sich die Ungerechtigkeiten ansieht, die menschengemacht existieren.
    • Wirtschaftssystem: Der von Evolutionisten gepredigte „Kampf ums Überleben“, der dazu führt, dass nur die Stärksten überleben, wirkt sich auch im Wirtschaftsleben aus. Das kapitalistische Wirtschaftssystem baut auf diesem Prinzip auf: Wer erfolgreich seine Konkurrenten ausschaltet, der hat einen Überlebensvorteil und kann für sich den Markt erobern. Auch hier ist Mitleid fehl am Platze, denn wer denkt, dass seine „Marktbeherrschung“ andere schadet, kann eigentlich nicht wirklich erfolgreich sein, denn der andere wartet vielleicht nur darauf, dass man eine „schwache Minute“ hat, um dann zum Gegenschlag auszuholen.
    • Rechtssystem: Im bürgerlichen Recht geht man von der Fiktion der Gleichberechtigung aus und die Vertragsfreiheit garantiert eigentlich eine gleichberechtigte Teilhabe am Rechtssystem. Aber ist das stets so, dass es dabei gerecht zu geht? Auch hier hat der Clevere einen Vorteil. Wer seine Rechte nicht kennt, wird „ausgetrickst“ und gerät ins Hintertreffen. Wer nicht genügend Geld hat, hat einfach geringere Chancen vor Gericht zu gewinnen, weil er sich keinen „Spitzenanwalt“ leisten kann. Und wie sieht es mit dem Verhältnis zwischen Staat und Bürger aus? Auch hier überwiegt der Eindruck, dass der Staat die Gesetze so gestaltet, dass die Durchsetzung seiner Position leichter wird. Die Einschränkung der Grundrechte während der Corona-Krise ist ein gutes Beispiel dafür, wie der Staat sich gegenüber einen Vorteil verschafft, um die eigene Rechtsposition zu verbessern. Mit drakonischen Maßnahmen kann er seine Bürger in Quarantäne stecken, ihm seine freie Berufsausübung verbieten und seinen Bewegungsradius einschränken.
    • Politik: Die Chancen, in der Politik mitzumischen ist so ungerecht wie man sich das nur denken kann. Ohne Aufgabe der eigenen Identität ist es fast nicht möglich, in der Politik etwas zu werden. Wer sich nicht an eine Partei anschließt, dabei eigene Überzeugungen über Bord wirft, kann nicht erwarten, in der großen Politik eine bedeutende Rolle zu spielen. Die Ungerechtigkeit besteht in der ungleichen Verteilung der Chancen. Deshalb schließen sich diejenigen einer großen Partei an, die es in diesem Bereich zu etwas bringen wollen. Über ein Direktmandat einen Parlamentssitz zu erlangen ist fast aussichtslos. Wer an der Macht ist, hat ungleich größere Einflussmöglichkeiten als andere. Ihm steht ein größerer Machtapparat zur Verfügung als jemand anderem. Macht und Geld sind bekanntlich gekoppelt und deshalb ist die Allianz der Mächtigen mit den Reichen eine wohlbekannte Tatsache.
    • Bildungssystem: Das Bildungssystem sortiert nach Leistung aus. Und wer keine Unterstützung durch das eigene Elternhaus hat, ist von vornherein in einer schwächeren Position als andere. Ohne Abitur ist es kaum möglich, eine Spitzenposition zu erreichen, weil es hauptsächlich nur diejenigen „nach oben“ schaffen, die studieren und einen akademischen Beruf erlernen. Gerade das Jurastudium ist als Mittel, um in Machtpositionen in Politik oder Wirtschaft zu gelangen, sehr hilfreich, weil das Verstehen unseres komplizierten Rechtssystems eine wichtige Voraussetzung ist, um eine Spitzenposition einzunehmen.
  • Zufall: Der Zufall ist eine Ungerechtigkeit? Das kann doch nicht sein, weil der Zufall doch eben nicht vorhersehbar ist! Aber wie kann es sein, dass jemand durch einen Lotto-Gewinn zum Millionär wird ohne etwas dafür zu leisten? Ist dies nicht ungerecht denjenigen gegenüber, die durch „eigene Hände Arbeit“ dies nicht schaffen könnten? Und wie sieht es mit angeborenen Schäden durch genetische Fehler, Geburtstraumata oder unachtsame Eltern in der Schwangerschaft aus, die den Fötus gefährden? Hierauf hat der Mensch keinen Einfluss. Trotzdem kann diese Art der als ungerecht empfundenen Schicksalszuweisung ein ganzes Leben ruinieren, in dem es eine lebenslange Behinderung bedeutet. Ein Unfall auf der Straße gilt als Zufall, weil man vielleicht mit seinem Auto gerade zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort war und dadurch in einen nicht selbst verschuldeten Unfall verwickelt wird. Auch einem Verbrechen zum Opfer zu fallen kann auf dem Zufallsprinzip basieren, weil man tatsächlich in die Schusslinie einer Kugel gerät, die einem anderen gegolten hatte. Auch bei einer Flugzeugentführung ist es reiner Zufall, dass man ausgerechnet zu den Passagieren gehört, die in einer Maschine sitzen, die entführt werden soll. Oder denken wir an die Passagiere eines Flugzeuges, dessen Pilot in einem Wahn sich selbst und andere umbringen will. Der Zufall ist sehr wohl ungerecht deshalb, weil er keine Rücksicht nimmt auf die Tatsache, dass jemand bis dato ein anständiges Leben geführt hat und er trotzdem einen Schaden erleidet. Oder ist es nicht ungerecht, wenn jemand durch Glück einfach zu Reichtum kommt, niemals ein Unglück erleidet, obwohl er vielleicht ein Schuft ist, andere drangsaliert hat oder es aus anderen Gründen einfach nicht verdient hat?
  • Der Traum von der Gerechtigkeit: Märchen spiegeln den Traum der Menschen von einer gerechten Welt wider. Die Pechmarie wird in dem Märchen von Frau Holle bestraft für ihre Faulheit und Arroganz und die Glücksmarie für ihren Fleiß und ihre Bescheidenheit belohnt[2]. In dem Märchen von den Sterntalern wird ein Waisenkind belohnt, das selbst bereit ist, sein letztes Hemd zu geben, um einem Menschen zu helfen[3]. Es sind oft die Unscheinbaren, die Schwachen, die Kinder, denen Gutes widerfährt, damit das in der Welt erfahrene Unglück ausgeglichen wird. Wir träumen von einer gerechten Welt. Aber warum wollen wir, dass die Bösen bestraft und die Guten belohnt oder dass die Fleißigen bevorzugt und die Faulen benachteiligt werden? Der Traum von einer gerechten Welt ist kein Hirngespinst von Utopia, sondern entspringt einer tiefen Sehnsucht nach einer gerechteren und damit besseren Welt. Können wir aber jemals eine gerechte Welt schaffen? Oder ist dieser Versuch von vornherein zum Scheitern verurteilt?
  • Die Welt kann niemals gerecht werden: Die Welt, in der wir leben, kann niemals gerecht werden und das hat mehrere Gründe:
    • Ungleichheit angeboren: Alle Lebewesen kommen mit unterschiedlichen Begabungen und Fähigkeiten auf die Welt. Diese angeborenen Unterschiede können einfach nicht ausgeglichen werden. Ein Idiot kann niemals Professor werden, ein unmusikalischer Mensch kein Komponist. Auch in der Tier- und Pflanzenwelt gibt es diese unterschiedlichen Startvoraussetzungen, die entsprechende Vorteile auf der einen Seite im Hinblick auf den Zugang zu Nahrungsquellen und Ermöglichung der Fortpflanzung bedingen und entsprechende Nachteile auf der anderen Seite.
    • Daseinskampf: Solange wir leben sind wir diesem Daseinskampf ausgesetzt, ob wir wollen oder nicht. Wer diesen Kampf nicht aufnehmen will, weil er anderen nicht schaden will – was eine unbedingte Folge dieses Kampfes ist – hat ihn schon verloren. Deshalb werden immer diejenigen, die rücksichtslos nur ihre eigenen Interessen verfolgen, Sieger bleiben und die anderen verdrängen. Diejenigen, die aufgrund ihrer natürlichen Benachteiligung einen Wettbewerbsnachteil haben, werden stets in diesem Überlebenskampf einen schwereren Stand haben, was aber vom Standpunkt des Gerechtigkeitsgedankens aus gesehen ungerecht erscheint.
    • Tod und Leid: Der Tod eines jeden Individuums ist die größte Ungerechtigkeit, die nicht zu verhindern ist, weil damit alle Bemühungen für ein besseres Leben ausgelöscht werden[4]. Nicht nur Menschen betrifft dieses Schicksal, sondern jedes andere Lebewesen auch, denn das „Fressen oder Gefressen werden“ ist das Unabänderliche in unserer Welt. Die Natur scheint die Unbarmherzigkeit eines fatalen Schöpfungsfehlers zu sein, der zwar das Leben ermöglicht, aber nur um den Preis des Todes. Der Demiurg soll nach Auffassung der Gnostiker eine niedere Gottheit gewesen sein, der diese materielle Welt geschaffen hat, in der wir jetzt leben[5]. Das Theodizee-Problem wird nach Auffassung der Gnostiker dadurch gelöst, dass nicht der absolute Gott für diese materielle Welt verantwortlich ist, sondern eine Gottheit niederer Art. Und in der Tat erscheint das Todesproblem dadurch erklärbar, dass es als eine Art „Systemfehler“ angesehen wird. Mit dem Tod geht auch das Leid einher, denn egal wie man es dreht und wendet: Das Leid geht meistens dem Tod voraus. Kaum ein Mensch stirbt „einfach nur so“, sondern die meisten sterben an einer Krankheit, die zu einem Schaden des Organismus führt, der dann letztendlich den Tod bringt. Die Archonten gelten nach Auffassung der Gnostiker als die eigentlichen Herren dieser Welt, die vor allem auch im Alten Testament beschrieben werden[6]. Sie sind es, die uns Menschen beherrschen wollen und für das Unglück und den Unfrieden in der Welt verantwortlich sind. Ist also der Gott, wie er im Alten Testament beschrieben wird, ein „böser Gott“? Die Geschichte von der Versuchung von Jesus in der Wüste könnte diese Behauptung zum Teil stützen, wird der Satan doch als derjenige beschrieben, dem diese Welt gehört, die er für den Preis der Anbetung Jesus schenken wollte (Matthäus 4, 8-9). Jesus lehnte aber das Angebot der Schenkung ab und verwies auf das Gebot, das verlange, dass man Gott allein dienen müsse. Somit war der Teufel der Herrscher unserer wahrnehmbaren Welt, während Gott der Herr über die unsichtbare Welt sein müsste.
  • Überirdische Gerechtigkeit: Religionen haben gemeinsam, dass sie an eine Gerechtigkeit glauben, die für einen Ausgleich aller Ungerechtigkeiten sorgt. Während in den monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) diesen Ausgleich ein absoluter Gott herstellt, ist es in fernöstlichen Religionen (Buddhismus, Hinduismus, Jainismus) ein Gerechtigkeitsprinzip, das Karma genannt wird. Es gibt aber eine Reihe Irrtümer, die sich eingeschlichen haben:
    • Irrtum Allversöhnung: Die von manchen Theologen vertretene „Allversöhnungslehre“ wird mit dem Kreuzestod von Jesus in Zusammenhang gebracht, wobei davon ausgegangen wird, dass durch den Kreuzestod von Jesus Christus die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen stattgefunden hätte und am Ende aller Zeiten alle Geschöpfe wieder zu Gott zurückkehren. Wilfried Plock führt in seiner Predigt zu Recht aus, dass es hierfür in der Bibel keine Belege gibt[7]. Karl Barth gilt als ein prominenter Vertreter dieser Lehre, der und dessen Anhänger („Barthianer“) glauben, dass auch Menschen, die sich nicht zu Jesus als „Erlöser“ bekannt haben („latente Christen“), durch den Kreuzestod erlöst seien. Ob aber tatsächlich der Kreuzestod eine Erlösungsfunktion hat, wird von mir bezweifelt[8]. Diese Lehre widerspricht jedem Gerechtigkeitsempfinden, weil kein eigenes Bemühen notwendig wird, da es nach dieser Lehre kein Gericht über die Menschen gibt.
    • Irrtum Sakramente: Auch die von der Kirche postulierte Behauptung, dass die Sakramente eine Erlösungsfunktion haben, ist nicht haltbar. Sakramente sind reine Schöpfung der Kirchen und haben keine biblische Begründung[9].
    • Irrtum Karma: Die Gerechtigkeit wird nicht personal durch einen „Urteilsspruch“ von einer Gottheit vollzogen, sondern wirkt „apersonal“, also nicht an eine urteilende Instanz gekoppelt. Sie wirkt wie ein geschaffenes Gesetz, das seine Wirkung entfaltet, vergleichbar vielleicht mit einem Naturgesetz, etwa dem der Gravitation (die Anziehungskraft bewirkt, dass „automatisch“ Dinge auf die Erde fallen). Auch wenn dieses Prinzip „automatisch“ wirkt, heißt dies nicht, dass es nicht doch irgendwann (durch eine Gottheit) geschaffen wurde! Nur braucht Gott selbst nicht mehr tätig werden, damit es wirkt. Dieser Begriff, der dem Sanskrit (altindische Schrift) entstammt und „Tat, Wirkung“ bedeutet, symbolisiert eine absolute Gerechtigkeit, weil jede Tat seine Wirkung in der Zukunft haben wird, auch wenn diese erst im nächsten Leben (nach der Wiedergeburt) zu spüren ist. Wie ist das zu verstehen? Vielleicht kann man auch noch einen weiteren Begriff hinzuziehen, um eine Klärung herbeizuführen: Er stammt aus dem Kybalion, einer Schrift, die erstmals 1908 im Englischen erschienen ist und die 7 hermetischen Gesetze beinhaltet[10] Eines ist das Gesetz der Kausalität: Alles hat eine Ursache; alles was geschieht hat eine Wirkung. Es entstehen nach der Karmalehre Ursache-Wirkungsketten, die über das irdische Leben hinausreichen, so dass es vorkommen kann, dass die Folgen einer Tat erst in einem nächsten Leben erfahren werden. Um dies zu verstehen könnte man die Alltagserfahrung zu Rate ziehen, wonach auch der Schlaf – vergleichbar jetzt mit dem irdischen Tod - nicht die einmal gesetzte Ursache einer Handlung, die an einem Vortag begangen wurde, auslöscht, sondern man tatsächlich am nächsten Tag die Folgen einer Tat (z. B. ein Verbrechen) erfahren kann, also dieser Schlaf diese Handlung nicht ungeschehen macht. Nur wirkt dieses Karma-Gesetz nicht rein mechanisch, sondern es kann auch erreicht werden, dass die einmal in Gang gesetzten Ursache-Wirkungs-Ketten unterbrochen werden[11]. Diese Unterbrechung geschieht durch Versöhnung, der aber immer eine Reue und Wiedergutmachung vorausgehen muss[12]. Die Schädigung eines anderen in diesem Leben bewirkt eine Schuld, die ins nächste Leben mit hinübergetragen wird. Es scheint so zu sein, dass das, was wir Schicksal nennen, zu einem großen Teil karmisch bedingt ist[13], d.h. es entstehen „offene Rechnungen“ mit anderen Personen (Familienmitglieder,  Freunde, Bekannte), die uns im nächsten Leben präsentiert werden und uns vor Lebenssituationen stellen („prädestinieren“), in denen wir die Gelegenheit haben, eine aus dem alten Leben stammende Schuld, auszugleichen. Eine falsch verstandene Karmalehre wäre es aber, wenn Täter und Opfer völlig wertfrei auf gleicher Ebene zu beurteilen wären und das Böse notwendigerweise erfahren werden müsse[14], was dann die heilsbringende Wirkung einer Versöhnung nach sich ziehen würde. Die Prädestination, d. h. die Vorherbestimmung bezieht sich nur auf die Gelegenheiten oder Situationen zur Widergutmachung, nicht auf die Handlung selbst, was sonst jeder Selbstverantwortung die Basis entzöge[15].

In unserem Leben werden wir immer wieder Ungerechtigkeiten erfahren, was viele verzweifeln lässt. Die Auflösung kann nur darin bestehen, sich nicht der Illusion hinzugeben, wir könnten die absolute Gerechtigkeit auf Erden herstellen. Mein Credo lautet: Wir sind nur Gäste in dieser Welt und müssen uns in dieser bewähren, um uns für die jenseitige Welt zu qualifizieren. Die Ungerechtigkeit zu ertragen, ohne den Glauben an eine absolute Gerechtigkeit zu verlieren, könnte eine unserer Hauptaufgaben sein.  

© beim Verfasser

 

[1] https://perikles.tv/leserbriefe/1288-glorifizierung-der-natur

[2] https://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/frau_holle

[3] https://www.duda.news/wissen/die-sterntaler-kurz-und-knapp/

[4] https://perikles.tv/diskussionen/1420-ist-der-tod-die-einzige-gerechtigkeit-in-dieser-welt

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Demiurg

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Archon_(Gnosis)

[7] https://www.youtube.com/watch?v=FEHhsc_R46E

[8] https://perikles.tv/philosophie-und-religion/1493-ist-jesus-fuer-unsere-suenden-gestorben

[9] https://www.youtube.com/watch?v=BxCOQPyn5LU&t=2288s

[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Kybalion

[11] Armin Risi: Ihr seid „Lichtwesen“, S. 336

[12] https://perikles.tv/philosophie-und-religion/1517-die-versoehnung-eine-boese-falle

[13] https://www.spiritualresearchfoundation.org/de/freier-wille-bewahrung-vor-schicksal: Nach Forschungen der „Spiritual Science Research Foundation“  gelten 65 % des Schicksals als karmisch bedingt.  

[14] Armin Risi a.a.O., S. 336

[15] Armin Risi a.a.O. S.333

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren