Pin It

„Great Reset“ ist das Schlagwort, das die Runde macht und eine „neue Ära“ einleiten soll – nach Überwindung der Corona-Krise. Was ist davon zu halten? Ist es nur eine Verschwörungstheorie oder eine wirkliche Neustrukturierung der Wirtschaft?

  • Weltherrschaft – so alt wie die Menschheit: Der Traum von der Weltherrschaft ist so alt wie die Menschheit – oder vielleicht noch älter. Reiche kamen und gingen und bei allen waren gleich der Aufstieg zur „Weltmacht“ und ihr Zerfall. Die Sumerer, die Ägypter, die Griechen und die Römer waren die Weltmächte der Antike. Vor ihnen lag vielleicht noch das legendäre Atlantis, das nach einer Katastrophe im Meer verschwunden sein soll. Die Welt zu beherrschen war schon immer der Traum von Mächtigen, die aber nicht viel von Freiheit hielten – zumindest für die „breite Masse“ gab es immer die Einschränkungen, die für die Eliten nicht galten, die für sich die ihnen (anscheinend) gebührenden Freiheiten herausnahmen, die sie anderen nicht zugestanden. Die Spannung zwischen diesen Eliten und der Bevölkerung war stets der „Knackpunkt“ zu dem hin die Entwicklung zum Negativen hin eskalierte, weil der „Druck im Kessel“ irgendwann zu groß wurde. In diesem Spannungsfeld wuchs ja auch Jesus heran, der die Kollaboration der weltlichen Macht (Römer als Besatzungsmacht im antiken Palästina) mit der geistlichen Macht (Hohepriester, Schriftgelehrte, Pharisäer) aufdeckte und letztendlich daran (politisch gesehen) zum Opfer fiel. Abseits der spirituellen oder religiösen Komponente des Geschehens war die Kreuzigung der Kulminationspunkt der offensichtlichen Unvereinbarkeit zwischen Anspruch (an eine göttliche und gerechte Welt, die Jesus vermitteln wollte) und Wirklichkeit (auf Ausbeutung und Unterdrückung gerichtete Weltordnung). Die spirituelle Komponente der Weltherrschaft kommt wohl am besten in der Szene der Versuchung von Jesus in der Wüste zum Ausdruck, als Satan – als der auf die Erde geschleuderte „abgefallene Engel“ – ihm für den Preis seiner Anbetung die Herrschaft über die Welt anbieten wollte (Matthäus 4, 1 – 11) . Herrschaft ist also nicht nur eine menschliche, sondern auch eine nicht-materielle Komponente unserer (und der jenseitigen) Welt, wobei der Herrschaft stets das Moment der Unterdrückung innewohnt, das mit der Unfreiheit in Verbindung steht. Herrschen zu wollen hat immer eine negative, ja diabolische Konnotation, die der des Dienens als einem göttlichen Verhaltensprinzip in einem unvereinbaren dualistischen Gegensatz gegenübersteht[1]. Wer herrschen will, möchte seinen Willen anderen aufzwingen, weil er sich anmaßt, es besser zu wissen als andere. Aber diese Modelle waren und sind immer zum Scheitern verurteilt, weil sie die Freiheitsrechte der Menschen (und auch Tiere und Pflanzen), die dann in den Dienst der Herrschenden gestellt werden, infrage stellen. Dabei geben sie meistens vor, für alle etwas Gutes tun zu wollen („Wohlstand für alle“).
  • Neue Weltwirtschaftsordnung (Great Reset): Ganz so neu ist dieser Begriff nicht, tauchte er doch schon einmal auf, als Georg Bush von der „New World Order“ sprach und damit einer Globalisierung – selbstverständlich unter der Führung von den USA – das Wort redete. Nun hat in anderer Form ein Deutscher diese Idee reaktiviert: Klaus Schwab. Der inzwischen 81-Jährige „Doppeldoktor“ (Promotion in technischen Wissenschaften und Wirtschaftswissenschaften) ist Erfinder des 1971 gegründeten „Weltwirtschaftsforums“ (WEF), dem er selbst vorsteht[2]. Jedes Jahr treffen sich in Davos die „Großen“ aus Wirtschaft und Politik auf seine Einladung hin, um mal wieder über die Frage zu sprechen, wie die Zukunft gestaltet werden könnte. Er glaubt an so etwas wie eine „Vierte industrielle Revolution“, bei der biologische, digitale und biologischen Identitäten miteinander verschmelzen[3]: Nanoroboter implantiert im menschlichen Körper wären ein konkretes Beispiel für eine solche Verschmelzung. Das war 2016, als er auf einem Treffen in Davos, seine Vorstellungen der Öffentlichkeit vorstellte. Der Begriff „Great Reset“ stammt von seinem zusammen mit Thierry Malleret geschriebenen Buch mit dem Titel COVID-19: The Great Reset, das auch 2020 mit dem deutschen Titel COVID-19: Der große Umbruch herauskam[4]. In diesem Buch schildern die Autoren die Zukunft, wie sie nach ihrer Meinung nach Überwindung der Pandemie aussehen sollte, wobei eine Rückkehr zu der „alten Normalität“ nicht sinnvoll sei, sondern die Chance zu Änderungen genutzt werden sollten („neue Normalität“). Diese neue Normalität wäre zunächst einmal dadurch gekennzeichnet, dass es zu einer steigenden Arbeitslosigkeit, mit verursacht durch eine stärkere Automatisierung und Massenpleiten kommt[5]. Begleitet werden würde diese Entwicklung von einem Bevölkerungsrückgang (zumindest in den Industrieländern) und damit zu einem Rückgang in der Wirtschaftsleistung durch geringere Nachfrage. Die Chancen sehen die Autoren in der Änderung der Ziele des Wirtschaftens, nämlich weg vom Neoliberalismus (Gewinnstreben als einziges Ziel wirtschaftlichen Handelns, das im Interesse der Anteilseigner liegt: Shareholder Value[6]) hin zu einem „Stakeholder Value“, das im Interesse aller liegt, die an einem Wirtschaftsprozess beteiligt sind[7]. Beim letzteren Ansatz soll also das „Gemeinwohl“ mehr im Vordergrund stehen und nicht die Gewinnmaximierung (die auf dieses Gemeinwohl keine Rücksicht nimmt). Hierbei würden auch Produkte immer mehr eine Rolle spielen müssen, bei denen auf die Nachhaltigkeit geachtet und die Umwelt geschont wird. Das Wirtschaften würde dadurch etwas „grüner“ werden. Um dies zu erreichen, sollte es trotz Regionalisierung der Produktion zu einer globalen Vernetzung („Digitalsierung“) kommen, wobei im Hinblick auf die Pandemiebekämpfung – das Buch wurde mitten in der so genannten Pandemie geschrieben – auch eine größere Überwachung durch „Contact Tracing“ (Nachverfolgung von Kontakten) und ein „globales Überwachungsnetz“ in Kauf genommen werden muss, was zu einem „Überwachungskapitalismus“ führe.[8]  
  • Great Reset – Orwell und Huxley werden real: Dass sich die Globalisten des WEF nun zu Weltrettern aufspielen ist schon etwas skurril. Die Absichtserklärungen klingen verlockend, doch Orwells Roman „1984“ und Huxleys „Schöne neue Welt“ schauen schon etwas durch, insbesondere in der Auswirkung auf die stärkere Kontrolle durch die Möglichkeiten, die die Digitalisierung bieten. Schon jetzt neigen Arbeitgeber zur stärkeren Überwachung von Mitarbeitern – nun auch unter dem Deckmantel des Gesundheitsschutzes. Bis 2030 soll der Umbau erfolgen, den die Eliten schon 2016 geplant haben, und damit würde zum Teil die „links-grüne Agenda“ umgesetzt, die eine größere Planwirtschaft nach sozialistischen Theorien verfolgt[9]:
    • Infragestellen des Besitzes: Privateigentum soll es in dem heute verstanden Sinne nicht mehr geben dürfen, sondern die Zuteilung von Gütern durch den Staat[10]. Dieses Ziel stammt von einem Tweet des WEF: „You´ll own nothing and you´ll be happy“[11].
    • Weltweiter CO2-Einheitspreis: China soll den Handel mit CO2 übernehmen und dabei ein Markt mit einem einheitlichen Preis für die Emission von Kohlendioxid enstehen.
    • USA keine Weltmacht mehr: Ein Machtverlust der USA soll einhergehen mit dem Aufleben der Nationalstaaten und deren Einflussmöglichkeiten.
    • Krankenhäuser sollen überflüssig werden: Gerade durch die Entwicklung im Bereich der Nano- und Robotertechnologie, die an die klassische Operationen oder Organspenden treten, sollen die Krankenhäuser überflüssig werden.
    • Rückgang des Fleischkonsums: Die Berücksichtigung von Umweltbelangen und das Sorgen von Nachhaltigkeit in der Umweltpolitik und Landwirtschaft soll auch zum Rückgang des Fleischkonsums führen.
    • Asylbewerber in Führungspositionen: Es wird eine weitere Flüchtlingswelle vorhergesagt. Die eingewanderten Migranten werden sich nicht mehr damit begnügen, in einem abhängigen Status zu verweilen, sondern selbst nach Machtpositionen streben.
    • Aufgabe westlicher Werte: „Die Werte des Westens sollen nach der Vorstellung des WEF bis ins Jahr 2030 ordentlich in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Es könnte auch sein, dass sie bis dahin gar nicht mehr existieren“[12].
  • Alle Macht dem Volk: Alle Völker sollten wachsam gegen die Versuche der Eliten sein, die Menschen weiter in eine Art „Versklavung“ zu treiben. Das verstößt diametral gegen das Demokratieverständnis der Verfassungen westlicher Länder, in denen die Macht dem Volk gehört und auch von diesem ausgehen soll. Jede Art der Steuerung von globalen und internationalen Wirtschaftsverbänden, einzelnen „Superreichen“ (Sorros, Gates..) oder politischen Interessengruppen wie z. B. „Young Global Leaders“[13], die sich anmaßen, Kaderschmieden für künftige „Führungskräfte“ wie z. B. Jens Spahn oder Annalena Baerbock zu sein, sollte mit Argwohn begegnet werden.

Ich bevorzuge immer noch den kleinen türkischen Imbiss in Büren, der mir den besten Lamacun bereitet oder die Eisdiele um die Ecke. Es sind die Kleingewerbetreibenden, die mein Leben bereichern und nicht die Großkonzerne. Erstere sind es aber, die am meisten durch den großen Umbruch gefährdet sind, weil ihnen das nötige Eigenkapital fehlt, den „Great Reset“ zu überleben. Ich brauche keinen Rat, was ich essen soll oder nicht. Wenn ich einen Rat brauche, werde ich jemand finden, der mir helfen kann. Ich maße mir an selbst zu entscheiden, welche Techniken ich verwenden will, um meinen Alltag zu bewältigen. Ich brauche keine globalen Denker und Lenker, die sich anmaßen, mir vorzuschreiben, wie ich jetzt und in Zukunft zu leben habe. Diese „Eliten“ die glauben, die „Welt retten“ zu können, braucht kein Mensch. Christoph Spehr hat sie einmal mit „Aliens“ verglichen, die wie von einem fremden Planeten kommend glauben, uns vorschreiben zu können, wie wir zu leben haben, aber selbst nichts Brauchbares leisten, denn sie „kochen nicht, sie ziehen ihre Kinder nicht selbst groß, produzieren nichts, was man essen, anziehen, lesen oder anschauen kann.“[14]   

 

© beim Verfasser    

 

[1] https://perikles.tv/leserbriefe/867-dienen-oder-herrschen-goettlich-gewollte-oder-satanische-verhaltens-modi

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Schwab

[3] https://www.handelsblatt.com/politik/international/davos-2016/davos-2016-die-vierte-industrielle-revolution/12836622.html?ticket=ST-14653099-OFDTZEEUglB7KAsPeAR1-ap5

[4] https://www.amazon.de/COVID-19-Grosse-Umbruch-Klaus-Schwab/dp/2940631190

[5] https://www.buechercheck.net/post/30-covid-19-der-gro%C3%9Fe-umbruch

[6] https://www.buechercheck.net/post/30-covid-19-der-gro%C3%9Fe-umbruch

[7] https://www.gevestor.de/details/shareholder-value-vs-stakeholder-value-ansatz-662965.html

[8] https://www.buechercheck.net/post/30-covid-19-der-gro%C3%9Fe-umbruch

[9] https://www.wochenblick.at/welt-wirtschafts-forum-sie-werden-2030-nichts-mehr-besitzen/

[10] https://www.youtube.com/watch?v=1sMF9Vpx4n4

[11] https://www.youtube.com/watch?v=1sMF9Vpx4n4, Min. 6.35

[12] https://www.wochenblick.at/welt-wirtschafts-forum-sie-werden-2030-nichts-mehr-besitzen/

[13] https://www.younggloballeaders.org/community

[14] https://www.amazon.de/Die-Aliens-sind-unter-demokratischen/dp/344275548, Zitat aus Buchbeschreibung im Einband.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren