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Die Ära von Angela Merkel geht bald zu Ende und damit auch etwas, was man als „System Merkel“ bezeichnen könnte. Dieses System hat sich wie ein grauer Schleier über Deutschland gelegt und dieses Land in eine Art „Dauerschlaf“ versetzt. Ich will versuchen, die Hauptmerkmale dieses Systems zu beschreiben. Ein System könnte man in diesem Zusammenhang als eine Struktur von Beziehungen, etablierten Regeln und Denk- und Redeweisen sowie Handlungsmuster bezeichnen.

  • Scheinbare „Alternativlosigkeit“: Ein Wort, das Merkel selbst in einer besonderen Weise geprägt hat, ist das Wort „Alternativlosigkeit“. Das Wort „alternativlos“ wurde von ihr seit 2009 verwendet und im Jahr 2010 als Unwort des Jahres gekürt. Die Partei „Alternative für Deutschland“ könnte als Antwort auf die von ihr propagierte Alternativlosigkeit gewertet werden[1]. Dabei ist dieses Wort eine Anmaßung darüber, dass die eigene Anschauung einer Lösung für ein Problem die einzig richtige sei. Dies signalisiert für andere: Was auch immer von dort kommt ist wertloser als das was ich sage!
  • Narzisstische Selbsterhöhung: Ein Kennzeichen eines Narzissten ist es, dass er sich selbst in den Mittelpunkt stellt, von dem aus er die Welt sieht und beurteilt. Die damit eingenommene egozentrische Weltsicht könnte als ein Merkmal ihrer Art gesehen werden, wie sie sich selbst beurteilte und mit anderen umging. Dabei überhöhte sie sich selbst in der internen Bewertung ihrer Fähigkeiten und überschätzte sich auch sicherlich dabei. Sich zum Maßstab zu machen ist sicher eine Unart, die dazu führt, dass man nicht mehr auf andere achtet und auch nicht reagiert auf die von anderen kommenden Anregungen und Ratschläge. In dem von ihr errichteten System gab sie den Ton an und glaubte, alle müssten den gleichen Ton mitsingen – auch wenn er falsch war. Deutlich war dies in der Corona-Krise geworden, als auch das Treffen der Ministerpräsidenten der Länder eher wie ein schlecht einstudierter Chor wirkte, in dem sie den Ton angab.
  • Seilschaften: Sie hat es geschafft, andere von sich abhängig zu machen. Ihre Kanzlerschaft war geprägt davon, dass sie sich als eine Marionettenspielerin sah, die glaubte, andere Figuren würden sich nach ihren Willen bewegen. Diese Seilschaften gingen weit über die Parteigrenzen hinaus. Sie reichte bis in die Presselandschaft hinein, die sie nach ihren Vorstellungen mitgestalten wollte, Wichtige Bezugspersonen waren Personen wie etwa Friede Springer[2], die lange Zeit als Witwe des verstorbenen Axel Springer Haupteigentümerin des Springer Verlages war. Dass die „Bild“-Zeitung neuerdings weniger die Hofberichterstattung vorantreibt und Julian Reichelt auch Merkel kritisieren darf, ist sicher der Tatsache zu verdanken, dass sich die Eigentumsverhältnisse im Springerkonzern zu Ungunsten der ehemaligen Hauptaktionärin geändert haben[3]. Merkel hielt immer Kontakt zu den Spitzenvertretern der Presse, die sie regelmäßig bei sich einlud, was zur Folge hatte, dass Führer der Medienvertreter sich auf ihre Seite stellten. Zur Bildung von Seilschaften gehörte es auch, willfährige Parteisoldaten zu züchten, die genau ihrer Linien folgten und dafür belohnt wurden. Es entstand eine Günstlingswirtschaft für politische Karrieristen, die wie sie keine Skrupel kennen.
  • Opportunismus: Das Prinzip von Merkel war, keine Prinzipien zu haben. Wer keine Grundsätze hat, braucht sich auch darüber keine Gedanken zu machen. Sie war wie ein Chamäleon, das sich immer der jeweiligen Hintergrundfarbe des Zeitgeistes anpassen konnte[4]. Diese Art Opportunismus hatte sie bereits in der DDR eingeübt, wo sie sich dem System so angepasst hatte, dass ihr der Wechsel in den Westen mühelos gelang. Sie war wie ein Fettauge in einer Suppe, das immer oben schwimmt, egal wie die Suppe heißt. Nur so konnte sie es schaffen, auch im Westen Deutschlands politische Karriere zu machen. Zwar ist sie in der CDU verortet, ohne aber wirklich konservativ zu sein. Sie bediente sich gern aus den Töpfen anderer, ohne selbst Konzepte zu entwickeln und verwässerte damit die Parteienlandschaft und schuf eine Art „Einheitspartei“ (Pro-Merkel-Partei)[5].
  • Ziellosigkeit: Da Frau Merkel sich opportunistisch an jede Zeitströmung angepasst hat, fehlte es ihr an klaren Zielvorgaben. Sie war wie ein Steuermann, der nur „auf Sicht fährt“, ohne klare Visionen für die Zukunft. Der Ausspruch „Sie kennen mich“ reichte ihr als Zielvorgabe für ihr Programm[6], das eine blinde Gefolgschaft verlangt, ohne zu wissen, wohin die Reise gehen soll.
  • Machtinstinkt: Es gibt Menschen, die haben einen ausgesprochenen Machtinstinkt, der ihnen dazu verhilft, immer zu erkennen, wer ihnen gefährlich werden kann und wer deshalb beizeiten zur Seite geräumt werden muss. Frau Merkel hat gleich zu Anfang Friedrich Merz die Fraktionsführung entrissen und andere unliebsame Konkurrenten „weggelobt“ (Wulff, Steinmeier, von der Leyen) oder abserviert und „alt aussehen lassen“ (AKK). Der Machtinstinkt diente nur ihrem politischen Überleben und hatte sonst keine Funktion oder Nutzen für die Allgemeinheit.
  • Untertanen: Bürger waren in dem System Merkel nur als Untertanen gedacht, nicht als selbständige und mündige Menschen, die nach eigenen Prinzipien leben wollen. Ihre eigene Prinzipienlosigkeit projizierte sie auf die Bürger, von denen sie das gleiche erwartete: bedingungslosen Opportunismus. Wer eigenständige Ideen einbrachte, auch noch wagte, sie zu kritisieren, wurde von ihr bekämpft, weil das einmal ihre narzisstischen Bedürfnisse nicht erlaubte und zum anderen ihrem Machtinstinkt widersprach. Der fälschlicherweise Ludwig XIV zugeschriebene Satz: L’État c’est moi[7] (der Staat bin ich), trifft allemal auf Angela Merkel zu. In ihrer Amtszeit hat sie eine Art Absolutismus-Anspruch verkörpert, von dem so mancher Herrscher nur träumen kann. Was ihr nicht passte wurde von ihr bekämpft, auch wenn es gar nicht in ihr Zuständigkeitsgebiet fiel, wie z. B. die Wahl des Ministerpräsidenten von Thüringen, Thomas Kemmerich, was sie dazu verleitete zu verlangen, dass diese Wahl rückgängig gemacht werden soll[8]. Für sie waren die Bürger nicht mehr als unmündige kleine Kinder, die mit einer Verbotserziehung zur Raison gebracht werden sollen, wie dies die Corona-Krise gezeigt hat.  
  • Scheinfürsorglichkeit: Die ihr zugedachte Bezeichnung „Mutti Merkel“[9] suggeriert eine Geborgenheit, die es in Wirklichkeit nicht gab. Sie tat so, als ob sie sich um alles kümmere und der Bürger sich keine Sorgen machen müsse. In der Flüchtlingskrise entlarvte sie sich selbst als die „gute Mutter“ der Flüchtlinge und als „böse Mutter“ der Deutschen, die gefälligst ihre Politik mittragen sollten. Mit dem Ausspruch „wir schaffen das“[10] wurde die gesamte Last der Einwanderungspolitik denjenigen überlassen, die eigentlich gegen diese Art der Politik waren. In der Corona-Krise entpuppte sie sich als völlig „unmütterlich“, indem sie den Menschen ihre Grundrechte nahm, ohne hierfür ausreichende Begründungen zu geben. In Wirklichkeit ließ sie die zu unmündigen Kindern degradierten Bürger mit ihren Problemen allein, anstatt für sie zu sorgen.

 

Ist in dem System Merkel sie selbst die Marionettenspielerin oder ist sie nur eine Marionette – und merkt es vielleicht nicht einmal? Nur wenn man von einem spirituellen Weltbild ausgeht, das ich im Übrigen teile, dann kann man davon ausgehen, dass Kräfte jenseits unserer wahrnehmbaren Welt in unser Geschehen eingreifen und es so etwas wie Besessenheit, Pakte oder Bündnisse gibt, deren Drahtzieher den Menschen nicht wohlgesonnene Wesen sind. Ich hatte die Hypothese formuliert, dass hinter dem Agieren der Noch-Kanzlerin solche Kräfte vorhanden sind, die – mit ihrem Einverständnis – sie als Agentin für ihre destruktiven Absichten gebrauchen, mit der dämonischen Zusicherung des Schutzes und dem Gewähren von Vorteilen der materiellen Welt, aber auch dem Verlust an dem, was man im metaphysischen Sinne mit Seele bezeichnet[11]. Letztendlich ist auf diesem Gebiet nichts beweisbar, so dass es nur eine Hypothese ist, die ich aber für plausibel halte. Ich bin froh, wenn endlich dieses System mit ihrem Ausscheiden aus dem Amt der Bundeskanzlerin enden wird. Dann könnte vielleicht der Versuch – von wem auch immer - unternommen werden, einen echten Politikwechsel zu vollziehen. Ich würde es den Deutschen gönnen.

 

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Alternativlos

[2] https://www.basel-express.ch/redaktion/medienkritik/216-ach-wie-gut-dass-niemand-weiss-dass-meine-freundin-springer-heisst

[3] https://www.manager-magazin.de/unternehmen/axel-springer-se-friede-springer-schenkt-mathias-doepfner-ihre-aktien-a-472e3256-50bf-44a4-a75c-702cf09aff90

[4] https://www.zvab.com/9783929886375/System-Merkel-Mentalit%C3%A4t-Metamorphose-Machtstrategie-3929886375/plp, Heinrich Rohbohm: System Merkel: Mentalität, Metamorphose, Machtstrategie

[5] https://www.amazon.de/Die-Patin-Angela-Merkel-Deutschland/dp/328005480X/ref=pd_sbs_4/258-6686712-3511928?pd_rd_w=thQ7h&pf_rd_p=840402ae-0fda-4c49-9fb0-db7f87dd6eac&pf_rd_r=A7HRD8V64JDZGQ500YFH&pd_rd_r=8441dba4-db36-432f-8eff-3dd34e7c644d&pd_rd_wg=C6WkV&pd_rd_i=328005480X&psc=1  . Dies hat bereits 2012 Gertrud Höhler in ihrem Buch „Die Patin: Wie Angela Merkel Deutschland umbaut", beschrieben.

[6] https://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Das-System-Merkel-ist-tot-article22428560.html

[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_XIV.

[8] https://www.dw.com/de/merkel-ministerpr%C3%A4sidentenwahl-in-th%C3%BCringen-r%C3%BCckg%C3%A4ngig-machen/a-52273681

[9] https://sz-magazin.sueddeutsche.de/frauen/die-mutti-aller-schlachten-83392

[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Wir_schaffen_das. Wörtlich sagte sie: „Ich sage ganz einfach: Deutschland ist ein starkes Land. Das Motiv, mit dem wir an diese Dinge herangehen, muss sein: Wir haben so vieles geschafft – wir schaffen das! Wir schaffen das, und dort, wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden, muss daran gearbeitet werden. Der Bund wird alles in seiner Macht Stehende tun - zusammen mit den Ländern, zusammen mit den Kommunen -, um genau das durchzusetzen.“

[11] https://perikles.tv/diskussionen/1425-ist-angela-merkel-besessen

 

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