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Nun ist das passiert, was Kritiker immer schon befürchtet haben: Die Länder der „freien westlichen Welt“ sind kläglich nach ihrem Rückzug aus Afghanistan gescheitert. Ein Desaster mit Ansage? Zumindest 20 Jahre operierten dort Truppen aus Amerika und anderen westlichen Ländern in der vermeintlich guten Absicht, den Menschen dort so etwas wie Demokratie beizubringen. Welch eine Verkennung der Realitäten! Denn die dort lebenden Menschen haben, das muss man nach dem Abzug der Truppen und dem Siegeszug der Taliban sagen, kein Interesse an der „Zwangsbeglückung“ durch das westliche Militär.

  • Grundlage des Krieges eine Lüge? Der Krieg in Afghanistan, der nie so genannt werden durfte, basiert auf der Annahme der amerikanischen Regierung, dass von dort aus Osama Bin Laden mit den Al-Qaida einen Anschlag auf das World Trade Center geplant hätte. Dafür wurden aber nie glaubwürdige Beweise vorgelegt. Ist alles nur eine riesige Lüge? Wenn es eine Lüge war, dann bestand sie aus zwei Teilen: Der erste Teil bestand darin, dass am 11.09.2001 die Angriffe auf die „Twin Towers“ in New York und das Gebäude des Verteidigungsministeriums in Washington darauf zurückzuführen waren, dass arabische Terroristen diesen Anschlag verübt haben[1]. Es kann nun nicht hier der Versuch unternommen werden, diese Behauptung zu widerlegen oder zu bestätigen, aber es spricht doch einiges für einen „Inside-Job“, d. h. dass Behörden des amerikanischen Geheimdienstes dahinter stecken: Der symmetrische Fall der beiden Gebäude des Welthandelszentrums in einem rapiden Tempo, der Fall des WTC 7-Gebäudes, das nur minimal beschädigt war, die „Bierruhe“ mit der der damalige Präsident der USA, Georg Bush, bei einer Veranstaltung in einem Kindergarten weilte, als ihm die Nachricht überbracht wurde (so als ob er davon wusste) und die überschnelle Reaktion der Polizeibehörden, die sehr rasch nach dem Vorfall eine Täterliste vorlegen konnten. Der zweite Teil der Lüge beruht auf der Vermutung, dass die Verortung der Hauptverantwortlichen der Anschläge vom 11. September in Afghanistan vorgenommen werden könnte. Wie sollte damals eine Terrorgruppe in diesem Land tatsächlich in der Lage gewesen sein, mit einer dort gebildeten Terrororganisation die USA anzugreifen? Das klang damals schon weit hergeholt und unglaubwürdig. Aber für Georg Bush war das eine willkommene Gelegenheit, die USA erneut in eine bewaffnete Intervention – nach den vorausgegangenen Kriegen gegen den Irak - in Afghanistan zu führen, um dort die vermeintlichen Terroristen zu bekämpfen („Krieg gegen den Terror“[2]), denn nach Beendigung des „kalten Krieges“ war den Militärs der Feind ausgegangen, gegen den man kämpfen konnte, so dass sich viele Amerikaner fragten, warum die hohen Militärausgaben noch notwendig sind. Der Terroranschlag am 11.09.2001 kam den Hardlinern deshalb gerade recht. Daraus wurde eine 20jährige Mission, die Unmengen an Geld und Menschenleben gefordert hatte. Etwa 2500 amerikanische Soldaten sind bei den Einsätzen ums Leben gekommen[3]. Insgesamt sollen 3.600 Soldaten aller Streitkräfte ums Leben gekommen sein, davon 59 aus Deutschland[4]. Insgesamt 776,1 Mrd. US$ soll allein die USA für diesen Krieg ausgegeben haben, Deutschland hat hierfür ca 12,5 Mrd. EUR ausgegeben[5].
  • Mission Impossible: Die USA und die mit ihr verbündeten Staaten hätten doch so schlau sein müssen zu begreifen, dass ein Angriff scheitern musste, waren doch die UDSSR bereits vorher Ende der siebziger Jahre in das Land einmarschiert, mussten aber eingestehen, dass dieses Land nicht zu erobern war und wieder abziehen[6]. Aber die Arroganz des westlichen Verteidigungsbündnisses der NATO ist in dieser Hinsicht nicht zu überbieten, denn man bildete sich ein, ein zerklüftetes Land, das noch von Stammesfürsten regiert wurde und in dem verschiedene Gruppen miteinander rivalisierend um die Vorherrschaft kämpften, könne man die Demokratie nach westlichem Muster importieren. Das konnte nicht gut gehen. So wurde der Afghanistan-Einsatz zum zweiten Vietnam-Krieg der USA, der aus fast ähnlichen Gründen scheiterte, als in den sechziger Jahren man versuchte, den Norden Vietnams zu bezwingen, aber aufgrund der unzureichenden Landeskenntnisse im Dschungel unterging. Die hochgerüstete USA musst scheitern, weil es kein „gerechter Krieg“ und ebenfalls – wie in Afghanistan – ein Krieg gegen die einheimische Bevölkerung war. Die Arroganz des Westens wurde mit vielen Menschenleben bezahlt; man geht von ca. 240.000 Opfer (120.000 Kämpfer der Taliban, 67.000 Sicherheitskräfte und der Rest Zivilisten) aus[7]. Das Blut von vielen zerstörten Existenzen klebt an den Händen derjenigen, die den Vietnam- und den Afghanistankrieg befürwortet hatten. Und so sind auch die mit den USA verbündeten Deutschen mitschuldig geworden, auch die Abgeordneten, die immer wieder den Mandatsverlängerungen zugestimmt hatten[8]. Krieg – auch wenn er nie so bezeichnet wurde - ist durch nichts zu rechtfertigen und führt zu einem Misstrauen gegen Politiker, die immer noch glauben, man könne andere Länder zur Annahme eines eigenen Verständnisses von Freiheit und Demokratie zwingen. Jedes Land hat – egal wer nun einmal regiert – das Recht, sein Schicksal selbst zu bestimmen und jede Einmischung in die „inneren Angelegenheiten“ ist zu verurteilen. Dieses Recht auf Selbstbestimmung wurde 20 Jahre lang negiert und dies hat sich nun bitter gerächt. Der geglaubte Widerstand in Afghanistan gegen die Taliban brach zusammen, weil die Regierungstruppen nicht wussten, für was sie eigentlich kämpfen sollten. Das Vertreiben der feindlichen Truppen wurde zu einem Triumpf der Afghanen, die lieber die Herrschaft der Taliban akzeptieren als die von fremden Militärmächten.
  • Versagen deutscher Politiker: Seit dem Beginn dieses Jahrhunderts haben die deutschen Politiker das perfide Spiel der USA mitgemacht und geglaubt, wie es einmal der ehemalige, inzwischen verstorbene Verteidigungsminister Peter Struck 2004 formuliert hatte: „ Unsere Sicherheit wird nicht nur, aber auch am Hindukusch verteidigt"[9]. Zum Ende dieser Legislaturperiode hat Außenminister Maas noch geglaubt, der angekündigte Truppenabzug würde nicht zu einem Siegeszug der Taliban führen. Er meinte in seiner Rede am 23.06.2021, dass der Einsatz derjenigen, die mit dem Leben hierfür bezahlen mussten oder schwere Traumata davon getragen haben, nicht umsonst gewesen wäre. Er glaubte, dass die Afghanischen Regierung das fortsetzen werde können, was die Soldaten eingeleitet hätten.[10]. Er hat sich wohl auf die Berichte von Geheimdiensten verlassen, die auch ihren Job nicht richtig gemacht haben. Für was brauchen wir solche Geheimdienste, die hier nicht richtig recherchieren und die Lage so falsch einschätzen. Und Angela Merkel, die ebenfalls schief gelegen hatte mit ihrer treuen Bündnispolitik gegenüber den USA, hat ebenfalls am Ende ihrer Amtszeit noch das Sahnehäubchen auf die Torte ihres Politikversagens zu Lasten Deutschlands gesetzt.
  • Konsequenzen Mangelware: Ziehen die Politiker Konsequenzen, die in dieser Desaster versagt haben? Nein, sie kleben an ihren Sesseln der Macht. Jetzt wird die Sache bis zur Bundestagswahl ausgesessen. Welche Konsequenzen müssten denn gezogen werden? Es müssten alle Auslandseinsätze auf den Prüfstand gestellt werden. Es müsste jedes weitere Engagement in Afghanistan beendet werden. Aber was jetzt geschieht, schlägt dem Fass den Boden aus: Man will man tatsächlich noch einmal 500 Mio. EUR in das Land pumpen zur Behebung von einer „humanitären Katastrophe“ – kennen wir diese Formulierung nicht schon? - und so genannte „Ortskräfte“, also Personen, die sich von Seiten Afghanistans an den Einsätzen der Bundeswehr beteiligt haben, „evakuieren“[11]. Was aber nun geschieht, ist – gegen alle Warnrufe zum Trotz, dass das Jahr 2015 sich nicht wiederholen solle – das Einfliegen von Afghanen in unser Land, die nicht nur zu dem Kreis der verbündeten Personen gehören, so dass sogar ehemalige Straftäter wieder deutschen Boden betreten[12]. Statt zu kontrollieren, wer evakuiert wird, werden wieder einmal Personen in unser Land gelassen, die kräftig und rücksichtslos genug sind, sich gegenüber anderen Personen durchzusetzen, um in die bereit gestellten Flugzeuge zu gelangen. Und obwohl Männer aus Afghanistan in Deutschland zu einem überproportionalen Anteil an bestimmten Deliktarten wie z. B. gefährliche Körperverletzung und Vergewaltigung beteiligt sind[13], werden ausgerechnet diese jungen gewaltbereiten Männer wieder in unser Land geflogen. Werden die Politiker dafür zur Verantwortung gezogen, die das befürworten? Niemand muss jetzt noch etwas befürchten, denn bald sind die Bundestagswahlen und dann glauben diese Politiker, dass alles vergessen ist, was nun geschieht.

Es wird nichts vergessen und es ist zu hoffen, dass die Parteien vom Wähler abgestraft werden, die sich an dem Afghanistan-Desaster beteiligt haben.

© beim Verfasser

 

[1] https://www.frieden-fragen.de/entdecken/aktuelle-kriege/afghanistan/wie-kam-es-zu-dem-krieg-der-seit-2001-in-afghanistan-herrscht.html

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_gegen_den_Terror

[3] https://www.zdf.de/nachrichten/politik/afghanistan-usa-veteranen-100.html

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_Afghanistan_seit_2001#Kriegstote

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_Afghanistan_seit_2001#Kriegstote

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_Afghanistan

[7] https://www.nzz.ch/international/der-krieg-in-afghanistan-forderte-240000-tote-ld.1640684

[8] https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2021/kw09-de-bundeswehr-resolute-support-824868: Die letzte Mandatsverlängerung wurde im März 2021 beschlossen bis 31.01.2022, die AfD hatte einen Antrag eingebracht, der das Ziel des vorzeitigen Abzugs hatte.

[9] https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-531-94312-1_10

[10] https://www.youtube.com/watch?v=GaCH3-Mq0yI&t=2840, Rede am 23.06.2021

[11] https://www.sueddeutsche.de/politik/bundestag-merkel-afghanistan-live-1.5391445

[12] https://www.merkur.de/politik/afghanistan-evakuierung-deutschland-luftbruecke-horst-seehofer-straftaeter-news-zr-90960995.html

[13] https://www.presseportal.de/pm/130241/4999255

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