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Wer sind die Stützen unseres gegenwärtigen Systems, die dafür sorgen, dass es stabil bleibt und sich gegen jede Änderung sträubt[1]? Denn jedes Gesellschaftssystem braucht diese „Stabilisatoren“, die vor allem diejenigen schützen, die wirklich die Macht haben (aber unentdeckt bleiben wollen).

 

[1] Die der Einfachheit halber in maskuliner Form geschilderten Persönlichkeitstypen treffen sowohl für Männer als auch Frauen (und meinetwegen auch „Diverse“) zu.

  • Der Fanatiker: Fanatismus ist eine der unangenehmen Ismen, die uns das Leben schwer machen. Ein Fanatiker ist jemand, der ohne Rücksicht auf sich und andere ein bestimmtes Ziel verfolgt, das er für so wichtig hält, dass er dabei nicht rechts und links schaut. Er nimmt alle negativen Folgen seines Handelns in Kauf, nur um das Ziel zu erreichen. Wird bei der Verfolgung des Zieles ein Schaden angerichtet, wird dieser durch das anvisierte Ziel „geheil(ig)t“. Wir finden diese Art des Fanatikers z. B. unter denen, die im Augenblick die Agenda verfolgen, dass um jeden Preis die Erderwärmung gestoppt werden soll. Der Klimawandel-Fanatiker hat überhaupt kein Interesse an der sachlichen Auseinandersetzung mit Andersdenkenden, sondern nimmt für sich in Anspruch, dass er weiß, was richtig ist. Alle Argumente, die gegen die These vom menschengemachten Klimawandels sprechen, werden abgetan, und zwar nicht durch einen wissenschaftlichen Diskurs, sondern durch die Verächtlichmachung derer, die andere Argumente haben. So genannte „Aktivisten“ blockieren Straßen[1], legen dadurch den Verkehr lahm, was zu Verspätungen von Erwerbstätigen im Berufsverkehr bedingen kann, sie besetzen ganze Wälder, um eine Abholzung verhindern[2] oder sie ketten sich an neuralgischen Punkten auf dem Schienennetz an[3], um dadurch Aufmerksamkeit zu erzeugen. Es sind vor allem junge Menschen, die sich zu solchen Taten hinreißen lassen. Aber auch „seriöse“ Wissenschaftler sind vor dem Fanatismus nicht gefeit und verfechten ihre These von einem „Klillervirus“ und der Notwendigkeit drastischer Maßnahmen, auch wenn diese zu Kollateralschäden führen, die aber als akzeptabel gelten, um das Ziel den Covid19-Virus zu vernichten, untergeordnet werden. Ein Fanatiker ist nicht demokratiewillig, weil er weder einen Konsens will noch die in einer Demokratie notwendige Diskussion über ein strittiges Thema akzeptiert, geschweige denn nachgeben will, weil er seinen Standpunkt als den für allein richtigen hält.
  • Der Mitläufer: Wer keine Schwierigkeiten will, tut gut daran, keinerlei Widerstand zu leisten, sondern sich immer der herrschenden Meinung anzupassen. Der Mitläufer ist, wie das Wort schon sagt, immer in der Geschwindigkeit angepasst und in der Richtung mit dabei, die gerade die Mehrheit an den Tag legt. Er verhält sich wie ein Herdentier in der Wildnis, das immer den anderen Tieren folgt. Er vermeidet jede intellektuelle Anstrengung, sich selbst Gedanken zu machen, sondern übernimmt die vorgefertigten Meinungen derer, die die Richtung vorgeben. Wenn die Herde plötzlich eine andere Richtung einschlägt, folgt er ihr ohne nachzudenken, Hauptsache, er bleibt im Schritt dabei. Er sitzt gerne auf dem Podium einer Bundespressekonferenz und erzählt gerne das gängige Narrativ von der Notwendigkeit der Corona-Maßnahmen, ohne diese selbst zu hinterfragen; Letzteres könnte seinen Job kosten, also passt er sich der Regierungsmeinung an. Als Abgeordneter stimmt er so ab, wie dies die Fraktionsführung und die Mehrheit in der Fraktion vorgeben. Der Mitläufer macht die „Zwei-G-Regel“ als Gastwirt mit, weil dies ihm am wenigstens Probleme macht, da er sich mit den „Nichtgeimpften“ auseinandersetzen muss.
  • Der Feigling: Der Feigling, ein schönes deutsches Wort, hat keinen Mumm, gegen den Strom zu schwimmen. Er ähnelt sehr dem Mitläufer, in dem er sich immer der Mehrheitsmeinung anpasst. Hinzu kommt, dass er jedes Risiko vermeidet. In den Redaktionen der Zeitungen schreibt er seine Artikel so, wie die Redaktionsleitung das wünscht und verzichtet auf jede Kritik, die ihm nach seiner Meinung nur Ärger einbringen könnte. In der „Neuen Westfälischen“ etwas Kritisches über die SPD[4] zu schreiben, wäre für seine Karriere tödlich und könnte ihm sogar seine Arbeitsstelle kosten. Außerdem hat er, wird er entschuldigend einwenden, ja auch finanzielle Verpflichtungen und eine Familie zu ernähren. Um Entschuldigungen ist der Feigling nie verlegen.
  • Der Duckmäuser: Der sich immer vor der Obrigkeit beugt und wegduckt, so dass er vielleicht sogar nicht wahrgenommen wird, und wenn er dann doch auffällt, die notwendige Ehrerbietung vor den Vorgesetzen zeigt, ist ein Duckmäuser[5]. In den Kirchen sind diese Typen deshalb gefährlich, weil sie um dieses Duckmäusertum noch ein Heiligenmäntelchen hängen, das dazu dient, es mit einem frommen und scheinheiligen Getue zu verbrämen. Da es in den Kirchen strenge Hierarchien gibt, bewährt sich diese Grundeinstellung besonders. Die Wiederholung der immer selben Rituale und „heiligen Handlungen“, auch Sakramente genannt, suggerieren dabei die Anpassung an das „System Kirche“, das zu einem ruhigen Leben führt, denn diese sind die wichtigen Elemente des Narrativs von der „Heiligen Kirche“, die angeblich die Gläubigen zu Gott führen. Wer sich vor dem Bischof und letztendlich vor dem Papst duckt, hat gute Aufstiegschancen. Die Gutmenschen[6] sind die Duckmäuser per excellence, da sie sich dem jeweiligen Narrativ der Zeitgeschichte beugen und etwa das Märchen von den armen verfolgten Flüchtlingen gerne erzählen, um sich selbst und anderen die scheinbare Rechtfertigung ihrer Hilfen zu geben. Duckmäuser beugen sich also in Hierarchien vor den Vorgesetzten, vor denen sie buckeln oder sie beugen sich vor dem Druck der Meinungen, die im Augenblick vorherrschen und werden damit zu willigen Vollstreckern des so genannten Zeitgeistes.
  • Der Denunziant: Er ist jemand, der andere bei der Obrigkeit verrät, um dadurch Vorteile einzuheimsen oder einfach von diesem System weiter unterstützt zu werden[7]. Er ist eine Mischung aus Duckmäuser und Mitläufer (und in der extremen Form auch des Fanatikers), weil er systemtreu die Abweichler des Systems meldet. Wie in dem Film „Matrix“[8] ähnelt er dem Agenten Smith dieses virtuellen Systems, der dafür sorgt, dass das System nicht enttarnt wird, sondern in seiner Scheinexistenz erhalten bleibt, in dem er „Rebellen“ enttarnt und „ausschaltet“. Der Denunziant hat kein eigenes Gewissen, dem er sich verantwortlich fühlt, sondern ist nur ein williges Rädchen, das das System am Leben erhält.
  • Der Blender: Andere zu beeindrucken mit den eigenen Fähigkeiten, sofern welche überhaupt vorhanden sind, ist die Absicht des Blenders. Wenn er über keine eigenen Fähigkeiten verfügen sollte, versucht er auf andere Weise die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Er schneidet gerne auf und zeigt sich gerne anderen nur von der Schokoladenseite; notfalls wird dabei auch etwas „überstrichen“ was man nicht so gerne zeigen will oder etwas weggelassen, was dem Image schaden könnte. Eigene Biographien werden geschönt und mit Daten frisiert, die vielleicht gar nicht existieren[9], Doktortitel durch Plagiate erworben[10] oder andere Machwerke der Öffentlichkeit präsentiert, die gar nicht der eigenen Feder entstammen. Wer dennoch dies tut, glaubt, die eigene Biographie und das Für und Wider eigener Entscheidungen der Öffentlichkeit in Buchform zeigen zu müssen. Der Strahlemann sieht sich gern selbst auf Plakaten, wie etwa bei der Bundestagswahl sie zu sehen waren, und glaubt hiermit anderen imponieren zu können. Die Egozentrik dieses Verhaltens ist ihm nicht bewusst, sondern er glaubt und transportiert dies auch so in die Öffentlichkeit hinein, dass dieses für die Allgemeinheit wichtig sei.   
  • Der Maulheld: Derjenige, der immer das große Wort führt und glaubt, andere durch seine Reden Bewunderung abringen zu können, ist ein Maulheld, weil er zwar vorgibt, mutig zu sein, aber sofort einen Rückzieher macht, wenn es ernst werden sollte. Er ist eine Mischung aus einem Blender und Feigling, weil er zwar einmal glaubt, andere beeindrucken zu können, aber sofort „zurückrudert“, wenn er sich mit seiner Meinung zu weit vorgewagt hat. Da er negative Kritik fürchtet, bleibt er gerne anonym, so dass er in modernen Zeiten auch in den sozialen Netzwerken unter einem Pseudonym[11] zu finden ist, so dass seine Worttriaden ihm nicht unbedingt zugeordnet werden können. Der Maulheld steht also nicht zu dem was er sagt, sondern er versucht entweder sich in der Anonymität zu verstecken oder das Gesagte (oder Geschriebene) wieder zu relativieren (es war nicht so gemeint, es wurde missverstanden…) und damit abzuschwächen. Wer etwa sich gegen die Einseitigkeit der Auslegung des so genannten Rassismus wendet und dabei anmerkt, dass nicht die Richtung in der Weise vorausgegeben ist, dass nur die Weißen die Farbigen diskriminieren, sondern dies auch umgekehrt laufen kann, wird sich selbst als Maulheld enttarnen, wenn er bei der zu erwartenden Kritik sofort wieder alles zurücknimmt.
  • Der „Systemler“: Es gibt sicher sehr viel Zwischenformen von „Systemlern“, die als Stabilisatoren unseres Gesellschaftssystems wirken, und in den beschriebenen „Reinformen“ nicht so ohne weiteres zu identifizieren sein. Ein „Systemler“ kann sowohl fanatisch sein, aber anderseits gleichzeitig feige, wenn er für seinen Fanatismus einmal gerade stehen soll. Der Mitläufer kann auch gleichzeitig bereit sein, alles mitzumachen und dabei auch andere an das System ausliefern, um dabei noch besser reibungslos zu funktionieren. Wer als Stabilisator unseres Gesellschaftssystems wirkt – das haben die beschriebenen Typen vielleicht gemeinsam – ist, ohne dass es ihm wirklich bewusst wird, nur ein „Rädchen im Getriebe“, das dafür sorgt, dass es gut funktioniert. Er ist ohne eine eigene Persönlichkeit, die sich seiner selbst wirklich bewusst ist und sich selbst reflektiert. Er wirkt wie ein Schauspieler, der seine Rolle gut spielt und glaubt, hierfür belohnt zu werden.

Wie gehen wir mit diesen Menschen um, die sich als Stützen unseres Systems erweisen? Sie müssen enttarnt werden, damit sie sich nicht weiter hinter ihren Masken der „Wohlanständigkeit“ und „Gemeinnützigkeit“ verstecken können. Wir brauchen mehr Menschen, die den Mut aufbringen, hierzu einen Beitrag zu leisten und die auch bereit sind, ein persönliches Risiko einzugehen. Diesen Mut kann man nur dann an den Tag legen, wenn man sich ein Stück weit außerhalb dieses Systems sieht und eine kritische Distanz einhält. Mir hilft der Glaube, dass ich nicht nur Teil dieser (sichtbaren) Welt bin, sondern in ein größeres, für uns nicht immer wahrnehmbaren Systems eingebettet bin, dessen transzendentes Zentrum im Jenseits liegt. Diese jenseitige und die uns bekannte diesseitige Welt kann nur von dem gesteuert und gehalten sein, der die Ursache von allem ist, was existiert: Gott.

© beim Verfasser

 

[1] https://www.weser-kurier.de/bremen/aktivisten-fordern-verkehrswende-und-sorgen-fuer-sperrungen-in-bremen-doc7fisp4i8kwkuogqe1ib

[2] https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2021-04/hambi-bleibt-aktivistencamp-hambacher-forst-raeumung

[3] https://www.fr.de/politik/aktivisten-ketten-sich-schienen-11394033.html

[4] Die „Neue Westfälische Zeitung“ ist zu 100 % eine Tochter der SPD-Holding der Druck- und Verlagsgesellschaft;  https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Westf%C3%A4lische

[5] https://perikles.tv/philosophie-und-religion/1447-das-duckmaeusertum-eine-deutsche-krankheit

[6] https://perikles.tv/leserbriefe/722-der-gutmensch-leben-auf-vom-moralischen-hochsitz

[7] https://perikles.tv/1640-das-gift-der-denunziation

[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Matrix_(Film)

[9] Annalena Baerbock ist in dieser Weise besonders aufgefallen, als sie ihren Lebenslauf „geschönt“ hat; https://www.focus.de/politik/deutschland/bundestagswahl/falsche-angaben-zu-mitgliedschaften-journalist-enthuellt-falsche-angaben-in-annalena-baerbocks-lebenslauf_id_13366073.html

[10] Eine Reihe Politiker sind mit solchen Tricks enttarnt worden: Theodor zu Guttenberg, Ursula von der Leyen, Annette Schavan, Florian Graf, Franziska Giffey; https://www.rtl.de/cms/wie-franziska-giffey-diese-politiker-haben-bei-ihrer-doktorarbeit-geschummelt-4758135.html  

[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Pseudonymit%C3%A4t_im_Internet

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