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Köln ist bekanntlich die Stadt der „Jecken“, in der so manche Verrücktheiten - zumindest in der „Fünften Jahreszeit“ (Fasching) -  erlaubt sind. Die Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat vielleicht diese mit der Erlaubnis getoppt, dass in einem zweijährigen Pilotprojekt der so genannte Muezzin-Ruf erlaubt sein soll, der auf Wunsch der islamischen Verbände in 35 Moscheen jeden Freitag per Lautsprecher durch die Stadt schallen wird. Frau Reker sieht das als einen Akt des Respekts gegenüber den Muslimen an und verteidigt den nicht ganz unumstrittenen Beschluss der Stadt Köln. Was ist davon zu halten? Fördert dieses Entgegenkommen die Integration? Heißt es jetzt statt Kölle Alaaf eher Kölle Allah?

  • Muezzin-Ruf - ein Politikum: Es geht bei dem Ruf des Muezzin nicht nur darum, Gläubige – es sind nur Männer gemeint! - zum Gebet in die Moschee aufzufordern, sondern dieser Ruf, der in der Zeit zwischen 12 und 15 Uhr ca. 5 Minuten[1] dauern kann, geht über seine religiöse Bedeutung weit hinaus. Der Text des Aufrufes lautet: „Allahu Akbar / Allah ist groß! Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt. Ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Allahs ist. Auf zum Gebet! Auf zum Heil! Allahu Akbar, Allahu Akbar.“[2] Es wird also eindeutig damit ausgesagt, dass es nur einen Gott gibt und das ist der, an den die Muslime glauben – und keinen anderen. Daraus wird ja allgemein abgeleitet, dass die „Ungläubigen“ – Christen, Juden und andere – davon „überzeugt“ werden sollen. Wer sich zu Allah nach einem Überzeugungsversuch nicht bekennt, gilt als Feind. Die Toleranz geht also nur in eine Richtung. Es soll gegenüber dem Islam die Toleranz aufgebracht werden von Andersgläubigen, aber nicht umgekehrt. Heftige Kritik kommt von der Soziologin und Islam-Expertin Necla Kelek, die meint: „Die Bilder zeigen eigentlich alles: Wenn Allahu Akbar gerufen wird, kommen Männer zusammen. Die Männer, die ihre Frauen zu Hause haben.“ Die Frauen haben nach der Tradition des Islam in der Öffentlichkeit nichts zu suchen, „daher auch das Kopftuch, falls sie sich in der Öffentlichkeit bewegen sollten.“[3] Nach Auffassung der Islamexpertin ist es schon bezeichnend, dass eine Frau als Oberbürgermeisterin damit bestätigt, dass dieses Gesellschaftsbild so in Ordnung ist. Von dieser Kritik zeigt sich Frau Reker ganz unbeeindruckt und schreibt hierzu auf Twitter:Viel Diskussion wg des Modellprojekts #Muezzin-Ruf. Köln ist die Stadt der (religiösen) Freiheit & Vielfalt. Wer am Hbf ankommt, wird vom Dom begrüßt und von Kirchengeläut begleitet. Viele KölnerInnen sind Muslime. Den Muezzin-Ruf zu erlauben ist für mich ein Zeichen des Respekts“[4]. Philipp Piatov von Bild.de sieht das ganz anders. Er argumentiert, dass gerade der islamische Anspruch – Allah ist groß und es gibt keinen anderen Gott – nicht für Vielfalt und Respekt steht, sondern für Exklusivität. Gerade in DiTiB-Moscheen gebe es gegenüber Andersgläubigen keinen Respekt. Er verweist darauf, dass zur Einweihung der Hauptmoschee in Köln 2018 der Präsident der Türkei Recep Tayyip Erdoğan eingeladen wurde, der als großer Antisemit gilt.[5] Auch diejenigen, die vor dem islamischen Terror geflohen sind und in Deutschland Zuflucht gefunden haben, sehen sich einer neuen, aber ihnen leider altbekannten Gefahr ausgesetzt, nämlich dass die Verfolgung hier weiter gehen wird. Die Bild-Reporterin Shammi Haque sagt dazu: „Das erinnert mich an meine Blogger-Freunde, die von Islamisten getötet wurden, das erinnert mich an mein Trauma, das erinnert mich an Tötung, das erinnert mich an Hetze gegen Minderheiten und Frauen in Bangladesch.“[6] Sie war 2015 wegen der Verfolgung durch Islamisten nach Deutschland geflohen und sieht ihre Sicherheit hier wieder gefährdet, weil sie den Muezzin-Ruf nicht als ein Zeichen der Vielfalt erachtet, sondern als eine der Diskriminierung von Menschen anderen Glaubens. Sie schreibt auf Twitter: „ Der #Muezzin-Ruf erinnert mich an Hetze, Folter und Blut. In einem säkularen Land sollte eine Stadt es nicht erlauben, jede Woche Freitags #Allah ist größer zu schreien. Das wollten wir nicht mehr hören, deswegen sind wir hierher geflüchtet.“
  • Henriette Reker – eine verkappte „Pseudo-Linke“? Ich nennen die „modernen“ Linken gerne als „Pseudo-Linke“, weil sie zwar noch das Vokabular der Linken beherrschen, ihr Lebensstil und ihr Verhalten aber diesem widerspricht. Sie reden gerne von kultureller Vielfalt und Toleranz, praktizieren es aber nicht selbst, sondern grenzen etwa Konservative gerne aus, weil sie diese bereits als rechtsradikal einstufen. Sie gehören nicht selten der gehobenen Mittelschicht an, sind in relativ krisenfesten Positionen als politische Beamte oder Angestellte im öffentlichen Dienst beschäftigt und leben gerne fernab der „Multi-Kultur“, die sie anderen predigen, in „bevorzugten Wohngegenden“, in den sie diese angepriesene Vielfalt gar nicht selbst erleben müssen. Sie haben jede kritische Distanz zum „politischen Establishment“, wie die 68-Generation das genannt hat, verloren, und leben in einer Art Symbiose mit ihm in gut dotierten Posten. Henriette Reker gilt als parteilos, dass sie aber von der Linken durchaus – mit einigen Abstrichen im Hinblick auf ihr Wahlprogramm für ihre Wiederwahl aus Oberbürgermeisterin, das 2020 vorgelegt wurde – hofiert wird, geht aus einer Stellungnahme der Linken hervor, wo es heißt: „Wir stehen an der Seite von Frau Reker, wenn es um ein weltoffenes Köln geht. Gemeinsam sagen wir: „Keinen Millimeter nach rechts.“[7] Im Jahr 2015 wurde sie zur ersten Oberbürgermeisterin von Köln gewählt. Unterstützt wurde sie dabei von der CDU, FDP und den Grünen; die SPD hatte einen eigenen Kandidaten (Jochen Ott) ins Rennen geschickt[8]. Überschattet wurde die Wahl durch das Attentat auf sie durch einen 44-jährigen Mann, der Mitglied der als rechtradikal eingestuften „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ war. Als Grund hatte der Attentäter angegeben, dass er die Flüchtlingspolitik Rekers ablehne. Während der Wahl lag sie noch im Koma; eine Verschiebung der Wahl war aus rechtlichen Gründen nicht möglich.[9] Im Jahr 2020 wurde sie wiedergewählt. Sie ist eine Verfechterin der „offenen Grenzen-Politik“ der Bundeskanzlerin, die mit einer so genannten „Willkommenskultur“ begleitet wurde. Frau Reker sorgte dafür, dass für die Unterbringung von Flüchtlingen Hotels in Marienburg und Braunfels aufgekauft und umgebaut wurden. Im März 2020 setzte sich auch für die Aufnahme unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge aus Griechenland ein[10]. Frau Reker wurde einer breiten Öffentlichkeit für ihre Äußerungen zu den Übergriffen von Migranten auf Frauen in der Silvesternacht 2015 bekannt[11], in dem sie riet, es gebe „immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft. Also von sich aus gar nicht eine große Nähe zu suchen zu Menschen, die einem fremd sind und zu denen man kein gutes Vertrauensverhältnis hat." Außerdem riet sie den Frauen "sich in Gruppen zusammenzufinden, sich nicht trennen zu lassen, auch nicht in Feierlaune."[12] Für diese Aussage erntete sie viel Spott und Häme auf Twitter, so z. B.: „Ich habe kurze Arme; wird mir das dann im Fall der Fälle zur Last gelegt? So, wir haben es: Die Kölner Polizei ist schuld sowie die nicht ausreichende Armlänge mancher Frauen. Von Verhaltenstipps für Frauen wie eine Armlänge halte ich gar nichts. Nicht Frauen tragen die Verantwortung, sondern die Täter. “[13]. Rekers große Liebe für die Migranten ist typisch für die „Pseudo-Linken“, weil diesen das „Zwangsbefreiungsklientel“, nämlich die „Arbeiterklasse“, verloren gegangen ist und die Flüchtlinge einen willkommenen Ersatz bieten. So gesehen passt die Auffassung, dass Frau Reker eine verkappte Linke ist, schon irgendwie.
  • Köln früher „erzkatholisch“, jetzt „multikulti“? Köln ist traditionell eine erzkatholische Stadt, was allein schon durch den gewaltigen Dom demonstriert wird, der von allen Gesangsgruppen und Solisten gerne besungen wird. Der Mikronzensus von 2011 ergab, dass 40,5 % der Einwohner dem katholischen Glauben angehörten, im Jahr 2017 waren es noch 34, % und im Jahr 2019 nur noch 32,8 %[14]. Der muslimische Anteil an der Bevölkerung wird für das Jahr 2017 mit 11,9 % angegeben (zum Vergleich: Paderborn 5,3 %). Köln ist deshalb die Großstadt, die mit Gelsenkirchen (14,4 %) und Duisburg (14,6 %) einen der höchsten Anteile von Ausländern mit islamischem Glauben hat[15]. Zum Vergleich hierzu fällt der Anteil der Christen mit evangelischem Glauben mit 17,6 % noch recht bescheiden aus; 38,1 % gehören keinem Glauben an[16]. Der Faktor „Islam“ spielt also in Köln eine große Rolle. In Köln-Ehrenfeld gibt es eine repräsentative Zentralmoschee, die von der „Türkisch-Islamischen Union“ (DiTiB) betrieben wird[17]. Es ist schon bezeichnend, dass DITIB als ein seit 1984 eingetragener Verein seinen Sitz in Köln-Ehrenfeld hat und direkt dem türkischen Präsidenten unterstellt ist und die in der Türkei ausgebildeten Imame, die für 5 Jahre nach Deutschland geschickt werden, staatliche Beamte der Türkei sind[18]. Die Zuwanderung aus fremden Ländern hat ihre Spuren in Köln hinterlassen und es gibt so etwas wie Stadtteile, die man meiden sollte[19]. Hierzu gehört der „Soziale Brennpunkt Kölnberg“ im Stadteil Meschenich, wo 4000 Menschen aus 60 Nationen auf engstem Raum in einem Hochhauskomplex leben und dort eine hohe Kriminalitätsbelastung mit einer regen Drogenszene, Prostitution und Beschaffungskriminalität herrscht. Der Hauptanteil der Bewohner stammt aus der Türkei, Rumänien und Bulgarien, die dort zum Teil unangemeldet leben[20].
  • Schwache Christen – starke Muslime: Das schwächelnde Christentum steht offensichtlich einem immer stärker werdenden Islam gegenüber. Der nominelle Anteil der „Namenschristen“ (Kirchenanhänger) geht seit der Wiedervereinigung Deutschlands kontinuierlich herunter. Waren 1990 noch 35,4 % der Einwohner katholisch und 36,9 % evangelisch, hat sich die Kirchenzughörigkeit insgesamt um ca. 20 % verringert, so dass 2020 nur noch 26,7 % zur katholischen und 24,3 % zur evangelischen Kirche gehören[21]. Die zahlenmäßige Verringerung ist die eine Seite der Medaille, die inhaltliche Aushöhlung des christlichen Glaubens eine andere. Während die katholische Seite glaubt, ihren Standpunkt in der Gesellschaft durch Beharren auf alten Glaubensdogmen behaupten zu können, biedert sich gerade die evangelische Kirche dem links-grünen Zeitgeist an und die Verkündigung der „Frohen Botschaft“ tritt immer mehr hinter den diesem Weltbild entsprechenden Themen wie Klima und Flüchtlinge zurück, so dass konservative Christen immer mehr heimatlos werden. Dagegen stehen die Muslime fest zu ihrem Glauben und vertreten ihn vehement und dulden im Prinzip keine Kompromisse. Für sie gilt der Koran als die göttliche Offenbarung, die durch seinen Propheten Mohamed verkündet wurde. Ihre patriarchalen Strukturen sind zum Teil aus diesem Glaubenswerk abgeleitet oder einfach nur Tradition. Ein zunehmend durch den „dekadenten Westen“ geschwächte christliche Glaubensgemeinschaft stößt auf einen Islam, der eigentlich keine Toleranz kennt. Auf dem Hintergrund dieser Entwicklung ist die Toleranz gegenüber dem Islam fatal, denn die Aufgabe des eigenen Standpunktes und das Anbiedern an den Islam als Zeichen der „Verständigung“ eröffnet den Extremisten unter den Muslimen die Tore in eine schwächer werdende Gesellschaft.

 

Ist es absehbar, dass die Identität einer städtischen Gesellschaft wie in Köln, die von einer starken religiösen Tradition geprägt ist, irgendwann verloren geht und man vielleicht – mit Rücksicht auf den Islam - auf Karneval verzichten wird? Also wird man vielleicht statt "Kölle alaaf" irgendwann man nur noch "Kölle Allah" rufen dürfen? Köln ist vielleicht eine Mustervorlage für Deutschland, in dem sich auch in anderen Regionen ähnliches abspielen dürfte und könnte. Einseitige Zugeständnisse sind also der falsche Weg und haben nichts mit der Religionsfreiheit zu tun, die grundgesetzlich selbstredend zugesagt ist. Aber es muss auch eine Gegenleistung von den Muslimverbänden verlangt werden, wenn es zu einem echten Austausch und letztendlich zu einer Integration der Muslime in unsere Gesellschaft kommen soll. Die ungleiche Behandlung der Frauen abzuschaffen und ein Bekenntnis, nicht weiterhin Bürger anderen Glaubens (Christen, Juden) oder sexuellen Orientierung (Homosexuelle) zu diskriminieren oder anzugreifen, gehörten zu solchen Zugeständnissen.

 

 © beim Verfasser                                                                                                                        

 

 

[1] https://rp-online.de/nrw/panorama/koeln-muezzin-gebetsruf-sorgt-fuer-hitzige-debatten-reker-verteidigt-pilotprojekt_aid-63442831

[2] https://www.cicero.de/innenpolitik/koln-erlaubt-muezzin-ruf-das-falsche-zeichen-reker

[3] https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/kritik-an-koelner-ob-reker-ausgerechnet-eine-frau-erlaubt-den-muezzin-ruf-77928008.bild.html

[4] https://twitter.com/HenrietteReker/status/1446750751913619460?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1446750751913619460%7Ctwgr%5E%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.nzz.ch%2Fkoeln-muezzin-ruf-als-pilotprojekt-sorgt-fuer-kritik-nzz-ld.1649828

[5] https://www.youtube.com/watch?v=Wfci5s77iGI

[6] https://www.youtube.com/watch?v=XED2VQGyeI8

[7] https://die-linke-koeln.de/2020/05/zu-henriette-rekers-wahlprogramm/

[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Oberb%C3%BCrgermeisterwahl_in_K%C3%B6ln_2015

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Henriette_Reker

[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Henriette_Reker

[11] https://www.spiegel.de/panorama/justiz/koelner-silvesternacht-ernuechternde-bilanz-der-justiz-a-1257182.html

[12] https://www.spiegel.de/panorama/justiz/koeln-oberbuergermeisterin-henriette-reker-gibt-verhaltenstipps-fuer-frauen-a-1070650.html

[13] https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/einearmlaenge-twitter-nutzer-spotten-ueber-rekers-sicherheitstipp-fuer-frauen/12796498.html

[14] https://de.wikipedia.org/wiki/Religionen_in_K%C3%B6ln

[15] https://kartenseite.wordpress.com/2017/03/27/muslime-in-nordrhein-westfalen-gemeinden/

[16] https://de.wikipedia.org/wiki/Religionen_in_K%C3%B6ln#cite_note-:0-7

[17] https://de.wikipedia.org/wiki/DITIB-Zentralmoschee_K%C3%B6ln

[18] https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkisch-Islamische_Union_der_Anstalt_f%C3%BCr_Religion

[19] https://www.koeln.de/koeln/das-sind-koeln-gefaehrlichste-orte_849788.html

[20] https://www.rtl.de/cms/sozialer-brennpunkt-koelnberg-wo-leichen-aus-dem-fenster-fliegen-1998251.html

[21] https://www.kirchenaustritt.de/statistik/religionszugehoerigkeit

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