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Der Mensch galt als „Homo sapiens“ lange Zeit als das einzige vernunftbegabte Wesen auf Erden. Selbst wenn wir inzwischen feststellen müssen, dass die Wissenschaftler doch diese Aussage im Hinblick auf das Tier- und Pflanzenreich stark relativiert haben, in dem sie durchaus rationale Verhaltensweisen bei Tieren beobachteten, bleibt doch die Skepsis erhalten, ob die Vernunft auch noch bei den Menschen vorhanden ist. Ich will untersuchen, warum die Rationalität immer mehr abhanden zu kommen scheint und Irrationalität um sich greift. Welche Mechanismen sind es, die die Irrationalität herbeiführen? Und wie wird sie verteidigt?

  • Ideologien:  Unter einer Ideologie verstehe ich die einseitige Verkennung der Realität aufgrund einer vorgefasster Meinungen, die nicht evidenzbasiert ist. Auch wenn die Wahrheit offensichtlich ist und nicht übersehen werden kann, wird bei der alten Auffassung verblieben. Die Wahrnehmung wird so gesteuert, dass quasi die Welt nur noch durch die ideologische Brille gesehen wird. Selbst Religionen können zu reinen Ideologien verkommen, wenn an Glaubensdogmen festgehalten wird, die jeder Vernunft widersprechen. Der Glauben im Sinne eines „Fürwahrhaltens“ wird dem Verstand übergestülpt und jedes vernünftige Argument mit dem Glaubensdogma überdeckt. In der Politik ist die ideologische Verkennung der Realität verhängnisvoll, weil das Schicksal von Millionen Menschen daran hängt. Die gegenwärtigen Ideologien, die uns schicksalhaft beschäftigen sind die so genannte Klimakatastrophe, die Corona-Krise und die Flüchtlingskrise. Um alle drei Themenbereiche ranken sich zahlreiche Mythen, die bei Lichte gesehen nur Ideologien sind.
  • Scheuklappen: Bei Pferden werden Scheuklappgen am Zaumzeug angebracht, damit sie beim Ritt nicht durch die Umgebungsreize davon abgelenkt werden, in die von dem Reiter gewünschte Richtung zu galoppieren. Ähnlich geht es bei den Menschen zu, die sich einer Ideologie verschrieben haben. Sie setzen auch sinnbildlich diese Scheuklappen auf, um nicht durch Informationen „erschreckt“ werden, die ihrer vorgefassten Meinung widersprechen. „Faktenchecker“ sind nicht auf der Suche nach objektiven Fakten, sondern sie suchen die Informationen, die ihre vorgefasste Meinung stützen. Nur Naivlinge können annehmen, dass diese völlig neutral an der Wahrheitsfindung interessiert seien. Diejenigen, die immer noch glauben, dass Flüchtlinge eine Bereicherung für unsere Kultur darstellen, blenden Kriminalität der Migranten aus, so als ob sie nicht existiere.
  • Indoktrination: Nur die ständige Wiederholung derselben Mythen macht den Menschen irgendwann glauben, dass es sich um Wahrheiten handelt. Wenn monatelang den Menschen die Zahlen der Corona-Toten in Schaubildern und Grafiken gepaart mit Fotos von Särgen, Filmaufnahmen von Intensivstationen mit genervt wirkenden Medizinern angesichts der uneinsichtigen „Impfverweigerern“ gezeigt werden, glauben diese irgendwann das dahinter stehende Narrativ. Die Indoktrination dient der einseitigen Beeinflussung der Meinungsbildung in die gewünschte Richtung. Wenn zur Erhärtung der Ideologie vom Klimawandel immer nur die Bilder gezeigt werden, die in die gewünschte Richtung deuten, dass es immer wärmer wird und gegenteilige Berichte ausgeblendet werden, liegt eine solche einseitige Beeinflussung vor. Als der letzte Winter überraschenderweise etwas länger gedauert hatte, wurde darüber kein Wort verloren oder dies höchstens als „Wetteranomalie“ bezeichnet. Ein heißer Sommer dagegen wird dann aber gleich mit dem so genannten Klimawandel in Verbindung gebracht, weil dies in das selbst gestrickte Bild der ständigen Erwärmung passt.  
  • Mehrheitsbildung: Der Mensch neigt dazu, nicht lange im Widerspruch zu der Meinung anderer leben zu wollen. Nur wenige halten es lange aus, eine konträre Meinung zur Mehrheit anderer Menschen zu vertreten. Ideologen nutzen diesen Wunsch nach Konformität, um durch Erzeugung eines „Wir-Gefühls“ diejenigen zu disziplinieren, die einer anderen Auffassung sind. Der „Herdentrieb“ verschafft das Gefühl einer Sicherheit – die aber nicht unbedingt eine ist, denn auch eine Herde kann in eine falsche Richtung laufen und im Abgrund landen. Der gedankliche Fehler ist der, dass geglaubt wird, die Mehrheit wisse schon die Wahrheit. Die Geschichte lehrt uns aber, dass leider die Mehrheiten sich mehr geirrt haben, als es uns lieb ist. Der Historiker kann diese Wahrheitsverkennung rückblickend aufzeigen, so dass es eigentlich möglich sein müsste, dies als Warnung dienen zu lassen.
  • Ausgrenzung: Mit der Ideologie beginnt das Verhängnis, mit der Ausgrenzung andersdenkender Menschen wird es fortgesetzt, indem der Versuch unternommen wird, Störenfriede mundtot zu machen. Die Meinungsmehrheit beginnt diejenigen auszugrenzen, die diese stören könnte durch das Infragestellen des selbst gestrickten Narrativs. Die gegenwärtige Corona-Krise ist ein Musterbeispiel dieser Strategie, in dem nämlich diejenigen, die der Ideologie der Regierungen, wonach als „Allheilmittel“ die Impfung angepriesen wird , nicht folgen wollen, als „Spinner“ dargestellt werden.
  • Isolierung: Eng verbunden mit der Ausgrenzung ist die Isolierung. Diejenigen, die sich einer Ideologie verschrieben haben, bringen den meist in der Minderheit befindlichen Andersdenkenden in Bedrängnis, der sich dann einer Mehrheit von anscheinend „gleichgeschalteten“ Individuen ausgeliefert sieht. Die bekannten Talkshows bei Maischberger oder Anne Will laufen meistens nach diesem Prinzip: Es werden bewusst ziemlich gleich gesinnte Studiogäste eingeladen und als „Alibi-Gast“ jemand hinzu genommen, von dem die Programmstrategen annehmen können, dass dieser eine andere Meinung vertreten wird. Kaum ist die Diskussion im Gange, merkt fast der Dümmste, wie der Hase laufen soll: Hier soll mal wieder ein „Querdenker“ fertig gemacht und dem Publikum an den Bildschirmen gezeigt werden, dass dieser ja nicht „richtig tickt“.
  • Moralisierung: Wo die Argumente versagen, setzt die Moral ein. Wer etwa anzweifelt, dass es sinnvoll ist, Menschen, die von Afrika versuchen über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen, stets aus dem Meer zu fischen und dann ans europäische Festland zu bringen, dem wird entgegengehalten: „Soll man die Menschen einfach ertrinken lassen?“ Die künstliche Entrüstung dient der Herabsetzung des kritisch Nachfragenden zu einem moralischen Unmenschen. Die Moralisierung ist aber nur das Mittel zum Zweck, denn wirklich moralisch wird nicht gehandelt, sondern nur so getan, als ab es moralisch sei, Ertrinkende vor dem Untergang zu retten. Dabei wird aber übersehen, dass es moralisch gesehen höchst fragwürdig ist, Menschen, die man aus dem Meer gefischt hat, anderen zu übergeben, denen man dann die gesamte Belastung der Folgen dieser Rettung aufzwingt: Medizinische Versorgung, Versorgung mit Nahrung, Kleidung und Sicherung des Lebensunterhalts bis hin zur Gefährdung anderer Menschen durch eingeschleuste Kriminelle. Der „Gutmensch“ ist der Prototyp des moralisierenden Besserwissers, der eben nur so tut als ob er moralisch handelt. Er glaubt selbst an seine eigene moralische Überlegenheit, bei der die rationalen Argumente sich dieser selbst gezimmerten Moral unterordnen müssen. Die Moralisierung dient der Außerkraftsetzung der Rationalität zum Zwecke der Stützung der eigenen Ideologie.

Wie gelangen wir zu einer Rationalität zurück, die uns weiterhilft?

  • Vernunft ist nicht unmoralisch: Wer seinen Verstand gebraucht, muss nicht deshalb ein eiskalter Rationalist sein. Dieses Vorurteil geistert leider immer noch durch die Lande. Moral und Vernunft schließen sich nicht gegenseitig aus. Die Verabsolutierung der Moral als über der Ratio stehend ist ein Grundübel der Ideologien, die es aufzubrechen gilt. Warum ist es moralisch verwerflich, wenn die Zurückweisung von Flüchtlingen an der Grenze erfolgt? Der rational denkende Mensch denkt Dinge zu Ende. Er fragt nach den Folgen seines Handelns für sich und andere: Können wir es zulassen, dass unzählige Menschen in unser Land hineingelassen werden, ohne darüber nachzudenken, wo diese wohnen sollen, wie sie beschäftigt werden können, welche Risiken sie für die Bevölkerung im Hinblick auf Gesundheit und Anpassungsprobleme bis hin zur Kriminalität bergen? Der „Schein-Moralist“ sieht nur die isolierte Tat des Helfens, ohne an die Folgen zu denken.
  • Wachsamkeit gegenüber Ideologien: Ideologien sind Scheinwahrheiten. Sie zu entlarven ist die Aufgabe jedes vernünftigen Menschen. Dabei sollte zwischen Menschen und die von Ihnen vertretenen Ideologien unterschieden werden, damit nicht in dieselben Fallen getappt wird, wie sie die Ideologen aufstellen. Die Wachsamkeit bedeutet nicht, dass die Ideologen ebenfalls ausgegrenzt oder isoliert werden, sondern in einem offenen Diskurs die richtigen Fragen gestellt werden. Die Ideologen haben aufgehört zu fragen, weil es für sie nur unumstößliche Wahrheiten gibt. Der vernünftige Mensch fragt (wie ein Kind). Er stellt noch die Fragen, die keiner bisher gestellt hat wie z. B. : Warum ist es denn wirklich so schlimm, wenn es auf der Erde immer wärmer wird? Warum ist es tragisch, wenn durch die Erwärmung die Polkappen wegschmelzen würden? Der Vernünftige begibt sich also in die Rolle des wachsamen Beobachters und des neugierigen Wissbegierigen. Er gibt sich nicht mit „Halbwahrheiten“ zufrieden, sondern kann es aushalten, auch keine Antwort auf seine Fragen zu bekommen und zugeben zu müssen, dass er die Wahrheit eben nicht sicher weiß.
  • Ursache-Wirkungsketten erkennen: Die Ideologen versuchen ein Problem isoliert zu sehen, eine Handlung in ihrer moralischen Überlegenheit so von den Folgen abzutrennen, dass sie nur im Glanze der scheinbaren Wohltat dasteht, ohne die in Gang setzenden Ursache-Wirkungsketten zu bedenken. Der vernünftige Mensch wird diese Isolierung aufheben und Handlungen immer auf ihre oft multiplen Folgen untersuchen. Als in der Corona-Krise der „Lockdown“ verhängt wurde, wurden die mit dieser Schließung von öffentlichen Einrichtungen, Geschäften, Schulen usw. verbundenen Schäden nicht bedacht. Die Maßnahmen wurden nur im Hinblick auf die ins Auge gefasste Bekämpfung des Virus gesehen. Diese Dummheit der Ideologen verursachte aber vielfältige Schäden, weil die Nicht-Berücksichtigung von in Gang gesetzte Ursache-Wirkungsketten nicht bedacht wurden. Ein vernünftiger Mensch hätte gefragt: Welche Folgen haben diese Maßnahmen für die Menschen, die hiervon unmittelbar oder mittelbar betroffen sind? Könnten diese Schäden vielleicht größer sein als der erhoffte Nutzen?
  • Offenheit für neue Erkenntnisse: Die Ideologen neigen zu einer Verengung des Blickwinkels und wehren sich gegen neue Erkenntnisse, die ihre Meinung infrage stellen können. Der vernünftige Mensch wird immer offen bleiben für neue Erkenntnisse, weil er nicht auf der „einzigen Wahrheit“ beharrt. Wenn etwa als Folge des Klimawandels es zu einem globalem Erweitern der mit Pflanzen bewachsenen Erdflächen („global Greening“) kommt, wird er diese neue Erkenntnisse durch Beobachtung der Erde aus dem Weltraum nicht leugnen, sondern sich fragen: Welchen Nutzen hätte also dann die globale Erwärmung für die Menschen? Könnte damit nicht auch das Problem gelöst werden, dass immer mehr Menschen einen größeren Nahrungsbedarf haben? Wenn die Impfungen gegen das Corona-Virus anscheinend mit der Zeit an Wirkung verliert, würde er sich fragen: Warum ist das so und welchen Nutzen hat dann diese Impfung überhaupt?
  • Wahrheit hat nichts mit Mehrheit zu tun: Als die Menschen glaubten, dass die Erde eine Scheibe ist, war das damals die Mehrheitsmeinung. Dies ist ein klassisches Beispiel dafür, dass die Mehrheit nicht immer im Besitz der Wahrheit ist. Mehr noch: Die Außenseiter, die also nicht im so genannten „Mainstream“ mitschwammen, waren eigentlich immer diejenigen, die der Vernunft dem Vorrang vor dem Diktat der Mehrheit gegeben und damit zum wissenschaftlichen Fortschritt wesentlich beigetragen haben. Die Wahrheit richtet sich also nicht nach der Mehrheit. Das Mehrheitsprinzip hat sich in der so genannten Demokratie etabliert, so dass jeder Politiker sich danach richten muss, wenn er überleben will. Ob er damit aber seinem Land dient, ist wahrlich eine andere Frage.

Es ist zu hoffen, dass die Vernunft wieder in unserer Gesellschaft Platz greift. Damit würde auch ein wirksamer Beitrag gegen Intoleranz und Tyrannei geleistet werden können.  

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