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Der moderne Politikbetrieb ist für den „Normalbürger“ undurchschaubar und aus seiner Sicht oft ein Tummelplatz für Menschen, der nicht gerade eine Ansammlung von charakterlichen Größen darstellt. Wie kommt es, dass Politiker allgemein einen so schlechten Ruf haben und sie als arrogant und als korrupt gelten? Was sind also, um etwas pathetisch zu formulieren, die „Sieben Todsünden“[1] des Politikers?

[1] Die „Sieben Todsünden“ (Hochmut, Geiz, Wollust, Jähzorn, Völlerei, Neid, Faulheit) stammen klassischerweise aus dem Mittelalter und stellen eigentlich Laster dar, die zu Todsünden führen können, aber nicht müssen. Sie trennen den Menschen von Gott. Bei dem Politiker trennen die aufgeführten Todsünden ihn von dem, der ihn gewählt hat: vom Volk. Siehe auch Artikel zu den „Sieben Todsünden des Journalismus“ https://perikles.tv/philosophie-und-religion/1482-die-sieben-todsuenden-des-modernen-journalismus

  • Einseitigkeit: Wie wird man ein Politiker?[1] Jeder, der in der Politik etwas werden und nach oben gelangen will, muss sehr früh damit beginnen. Er tritt schon in seiner Jugendzeit in eine Partei ein und „dient sich dort langsam hoch“. Olaf Scholz ist ein typischer Politiker dieser Art, der schon sehr früh Mitglied der SPD[2] wurde und dort Karriere machte. Ein Wechsel der Partei ist äußerst selten, deshalb bleibt jemand, der sich für eine Partei entschieden hat, bei dieser Partei, auch wenn er angefeindet oder „rausgeekelt“ werden soll. Thilo Sarrazin[3] und Hans-Georg Maaßen[4] sind typische Beispiele für die Beständigkeit in der Parteizugehörigkeit. Das führt zwangsläufig zu einer Einseitigkeit der Sichtweise. Diese wird eingeengt durch das, was man als „Parteiprogrammatik“ bezeichnen könnte. Jede Partei hat ihr spezielles Profil, das sie prägt und verkörpert. Wer in der Politik etwas werden will, tut gut daran, sich dieser Partei in seiner Gesinnung, in seiner Sichtweise von zu lösenden Problemen anzupassen. Das führt dann zu skurrilen Ergebnissen, dass Politiker dazu neigen, die Vorschläge zur Lösung von Problemen grundsätzlich abzulehnen - auch wenn es vernünftig wäre -, nur weil sie von einer anderen Partei kommen[5].
  • Rechthaberei: Die Einseitigkeit der Sichtweise führt auch zu etwas, was man als Rechthaberei bezeichnen könnte. Wer ein Problem versucht dadurch zu lösen, dass er möglichst viele Fragestellungen, Aspekte in der Herangehensweise und Lösungsmöglichkeiten überlegt und erörtert, wird im Politikbetrieb keinen Erfolg haben. Das liegt daran, dass die Einseitigkeit in der Ausrichtung der Partei eine Begrenzung dieser Herangehensweise bedingt. Dies färbt auch auf den Politiker selbst ab, der dazu neigt, die Probleme auf dem Hintergrund seiner einseitigen Sichtweise zu lösen. Das führt zwangsläufig dazu, dass er bestimmte Dinge übersieht, weil sie in einer Kalkulation von vornherein ausgeschlossen waren. Aufgrund dieser Einseitigkeit sind auch Fehleinschätzungen eher wahrscheinlich. Die Corona-Politik macht dies deutlich: Von Anfang an wurde auf die Impfung als das „Allheilmittel“ gesetzt und andere Möglichkeiten der Problemlösung ausgeschlossen. Nun zeigt sich aber, dass dies ein Fehler war, weil die Impfung nicht das gebracht hat, was Politiker sich von ihr versprochen hatten. Nun wäre es für einen Normalbürger selbstverständlich zu sagen: Ich habe mich geirrt. Nicht so bei einem Politiker, denn die Einseitigkeit seiner Ausrichtung bedingt auch eine Tendenz, begangene Fehler nicht zuzugestehen. Es wird also lieber das „Pferd zu Tode geritten“, als zuzugeben, dass man sich geirrt hat. Dies führt zu einer Rechthaberei, die für die Problemlösung hinderlich ist. In Diskussionen, die manchmal in Talkshows zu beobachten sind, wird diese Rechthaberei deutlich, wenn Politiker in die Enge getrieben nur noch auf ihrem eigenen Standpunkt beharren und unfähig oder unwillig erscheinen, auf die Argumente des anderen einzugehen. Die innere Unruhe wird spürbar, wenn sie sich die Argumente des anderen anhören müssen, aber dabei mit „Kopfschütteln“ und anderen Gesten klar signalisieren, dass sie die vorgetragenen Gedanken eines anderen gar nicht wahrnehmen möchten.
  • Unwilligkeit zur Selbstkorrektur: Die Rechthaberei führt zu einer Unwilligkeit, nicht nur die begangenen Fehler einzugestehen, sondern diese auch zu korrigieren. Das hängt mit dem Selbstverständnis des Politikers zusammen, der von einer narzisstischen Grundausrichtung geprägt ist. Der Narzisst geht von einer selbstüberhöhten Selbstwahrnehmung aus und glaubt, immer „im Besitz der Wahrheit“ zu sein[6]. Dadurch sieht er gar nicht ein, dass er einen Fehler begangen hat, weil das nach seinem Selbstverständnis gar nicht vorkommt. Der Politiker in einer verantwortlichen Position glaubt diese nur vor Konkurrenten verteidigen zu können, in dem er vor sich selbst als auch vor anderen, sich als fehlerlos präsentiert. Und wer keine Fehler macht, sieht nach seinem Selbstverständnis auch nicht die Notwendigkeit ein, sich selbst zu berichtigen.
  • Macht als Droge: Diejenigen, die in der Politik etwas werden wollen, müssen die Ausübung der Macht lieben. Der Narzisst ist unfähig zu lieben, deshalb bleibt ihm als Betätigungsfeld nur die Macht übrig, denn da er nicht durch Liebesangebote punkten kann, braucht er die Möglichkeit, über andere herrschen zu können, um im seelischen Gleichgewicht zu bleiben. Wer einmal in der Politik gelandet ist, kommt sehr schnell in die Gefahr, die Ausübung der Macht zu genießen. Für den narzisstischen Politiker ist es ein Genuss, wenn er im Rampenlicht der Scheinwerfer steht und die Verkündigung seiner Pläne von einem Heer von Reportern begleitet wird. Die Möglichkeit, den eigenen Willen anderen aufzuzwingen, ist ein Hauptmerkmal eines Psychopathen, der als Steigerungsform des Narzissten, diesen in der Weise überragt, dass er nicht nur von einer maßlosen Selbstüberschätzung ausgeht, sondern es für sein Ego wichtig ist, „Herr über Leben und Tod“ zu sein. Dass auf seine Entscheidung hin, anderen die Möglichkeit genommen wird, ein angemessenes Dasein zu führen, ist für ihn ein Genuss. Die „Lockdown-Maßnahmen“ der Politiker gehen in diese Richtung[7]. War es wirklich zweckmäßig, den kleinen Gewerbetreibern, den Gastronomen und anderen Kleinunternehmen diese Beschränkungen aufzuerlegen, die nachweislich keinen Erfolg hatten? Die tiefer dahinter stehende Motivation der Politiker, die für diese Entscheidungen verantwortlich waren, liegt in der psychopathischen Ausrichtung begründet, die Existenz anderer vernichten zu können. Politiker werden abhängig von dieser Möglichkeit, anderen ihren Willen aufzuzwingen, werden zum Junkie, der es auch nicht schafft, von der Droge los zu kommen. Deshalb haben es Politiker schwer, selbst wieder aus dem politischen Geschäft auszusteigen[8].
  • Verantwortungsverflüchtigung: Werden die Politiker, die z.B. in einem Parlament den Verschärfungen des Infektionsschutzgesetzes zugestimmt haben, sich für die Folgen verantwortlich fühlen? Wären eigentlich nicht die „Impftoten“ von ca. 1900[9], die vom Paul-Ehrlich-Institut“ festgestellt wurden, von den Politkern zu verantworten, die die Impfpropaganda betrieben haben? Diese Verantwortung liegt, so glauben sie, weil die Entscheidungen im Kollektiv zustande kamen, bei der Gemeinschaft der Abgeordneten. Werden die Toten, die durch die ungeregelte Zuwanderung von Asylanten dadurch zustande kamen, dass sie sich als illegale Zuwanderer aufgehalten und dann andere Menschen in Deutschland getötet haben, den Politikern zugerechnet, die die hierfür notwendigen rechtlichen Bedingungen geschaffen haben? Fühlte sich Angela Merkel dafür verantwortlich, dass solche Todesfälle auf ihr Konto gingen? Hat sie zuzugeben, dass durch ihre Entscheidung der Grenzöffnung im Jahr 2015 auch Kriminelle ins Land kamen, die zu solchen Gewalttaten fähig waren? So sehr Politiker gerne Macht ausüben, um ihr Ego zu befriedigen, so wenig sehen sie sich in der Verantwortung, für ihre Entscheidungen gerade zu stehen, die sie gefällt haben. Sie machen auch i. d. R. nicht die Erfahrung, dafür belangt zu werden. Wurde jemals ein Politiker für die Steuergeldverschwendungen zahlreicher politischer Projekte (Berliner Flughafen, Stuttgart 21), überzogene Ausgaben für „Beraterverträge“ (Ursula von der Leyen) zur Rechenschaft gezogen? Die Verantwortung verflüchtigt sich anscheinend im Niemandsland der Unzulänglichkeiten des politischen Systems.
  • Moralische Beliebigkeit: Der Politiker wird gut daran tun, wenn er seine Verantwortung für seine Tätigkeit leugnet und so tut, als wäre alles der Zwangsläufigkeit des Systems unterworfen, als wären Entscheidungen, wenn sie im Kollektiv getroffen wurden, nicht ihm zuzurechnen, auch in moralischer Hinsicht indifferent zu bleiben. Moral als Richtschnur des eigenen Handelns wird nur dann in „Sonntagsreden“ gebraucht, aber im politischen Alltag ist sie eher hinderlich. Die Bestechlichkeit im weitesten Sinne ist eine Unart, bei der die Richtschnur des eigene Handeln an den Vorteilen ausgerichtet wird, die man einheimsen kann, wenn man sich an bestimmte Erwartungen anderer anpasst. Wer mit „Bauchschmerzen“ einem Gesetz zustimmt, handelt nicht nach seinem Gewissen, sondern nach opportunistischen Gesichtspunkten, weil er sich dem „Fraktionszwang“ anpassen will, um nicht bei den „Parteioberen“ in Ungnade zu fallen. Diese Art Opportunismus hat im Politikbetrieb gerade unter Angela Merkel Einzug gehalten, die ihre Entscheidungen nur nach dem ausgerichtet hat, was ihrem Machterhalt gedient hat[10]. Der Machterhalt für den Politiker ist der „moralische Kompass“, an dem er sich ausrichtet, wenn er nicht seinen Einfluss, seine Möglichkeiten nicht verlieren will. Wer diese Macht erhalten will, darf es auch mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, wenn diese ihm schaden könnte. Würde ein führender Politiker zugeben, dass die Corona-Impfungen tatsächlich schwere Nebenwirkungen zufolge haben, würde das zwanghaft aufrecht erhaltene Narrativ, dass die Impfungen ungefährlich sind, wie dies Herr Scholz verkündet hatte, zum Einsturz bringen. Wörtlich sagte er in seiner Neujahrsansprache: „Ich weiß, dass manch einer und manch eine skeptisch ist. Sich sorgt, die Impfung könnte negative Folgen haben. Inzwischen sind aber fast Milliarden Menschen geimpft. Ohne größere Nebenwirkungen.“[11] Die Tatsachen sprechen aber eine andere Sprache. Boris Reitschuster hat bei dem Meinungsforschungsinstitut INSA eine Umfrage durchführen lassen mit dem Ergebnis, dass 15 % der 1.004 befragten Personen, die geimpft worden sind, über starke Nebenwirkungen klagten[12]. Die Umfrageergebnisse deckten sich auch mit Befragung bei Ärzten, die eine Nebenwirkungsrate von 15—20 % angaben.
  • Selbstversorgungsanspruch: Viele Politiker glauben, dass die Politik für sie da ist, nicht umgekehrt. Wer lange genug sich im politischen Betrieb aufgehalten hat, glaubt, dass er nun im Recht sei, zu fordern, dass ihm eine bestimmte Position zusteht, die dann mit einer dafür vorgesehenen Vergütung verbunden ist. Claudia Roth hat in ihrem Leben nichts anderes als Politik betrieben, deshalb wurde sie mit einem Posten versehen, der ihr dann „zustand“, weshalb sie in dem neuen Kabinett unter Olaf Scholz zur „Staatsministerin für Kultur und Medien“[13] ernannt wurde. Dieser Anspruch auf Selbstversorgung mit Pöstchen und Moneten ist anscheinend selbstverständlich. Allein die Zugehörigkeit zu einer Partei, der er, wie der Parteianagehörige glaubt, lange gedient zu haben, suggeriert ihm die Berechtigung, dann auch mit Hilfe der Partei in bestimmte Positionen gehievt zu werden. So geschehen auch bei Frau Nahles, die am Ende ihrer Karriere mit einem Führungsposten als „Präsidentin der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation“[14] belohnt wurde. Die Selbstverständlichkeit, mit der sich die Abgeordneten selbst ihre Vergütungen festlegen, sprechen für diesen Selbstversorgungsanspruch.

 

Die Politiker haben also nicht umsonst einen so schlechten Ruf. Früher hieß es einmal: Wer nichts wird, wird Wirt. Und wer gar nichts wird, wird Politiker! So könnte es heutzutage formuliert werden. Um Politiker zu werden braucht es gar keine Qualifikation, denn das einzige was er fertig bringen muss: Er muss andere davon überzeugen, ihn zu wählen. Und die Wahlen hängen doch weitgehend nicht von Qualifikationen ab, sondern von der Beliebtheit – und die ist leider von der Beliebigkeit nicht weit entfernt.

 

 

© beim Verfasser  

 

[1] Da ich das Gendern der Sprache verabscheue, will ich nur hier nur darauf hinweisen, dass der verwendete Schreibstil im Maskulinum gehalten ist, aber die geschilderten Typen, Eigenschaften und Charakterzüge für „alle Geschlechter“ gelten sollen.

[2] https://www.kreiszeitung.de/politik/olaf-scholz-frueher-seine-politische-laufbahn-so-wurde-er-kanzlerkandidat-der-spd-90947655.html: Er trat in der Jugend schon der SPD bei und ist ein typischer Apparatschik-Politiker; wegen seiner Konturlosigkeit und mangelndem Charisma wird er auch als „Scholzomat“ bezeichnet.  

[3] Thilo Sarrazin wurde erst nach einem langen Prozedere 2020 aus der Partei ausgeschlossen, zu der er sich trotz der Querelen immer noch zugehörig gefühlt hatte. https://www.tagesschau.de/inland/spd-sarrazin-103.html

[4] Maaßen gilt als Rebell der CDU und gehört zum  rechten Flügel (Werteunion) der Partei, was vor allem der linken Jugendorganisation, aber auch anderen der Partei, die den Linksruck unter Merkel mitgemacht haben, nicht recht ist und ihn am liebsten ausschließen würden. https://www.sueddeutsche.de/politik/cdu-maassen-austritt-junge-union-1.5510453

[5] Die AfD gilt als die Partei, deren Vorschläge grundsätzlich abgelehnt werden, was Politikern dieser Partei das Leben unnötig schwer macht. https://www.sueddeutsche.de/muenchen/landkreismuenchen/bundestagswahl-afd-andere-parteien-meiden-diskussion-1.5356512

[6] https://perikles.tv/leserbriefe/1265-formen-der-ich-bezogenheit-oder-warum-narzissten-und-psychopathen-haeufig-in-der-politik-zu-finden-sind

[7] https://perikles.tv/gesundheit-und-soziales/1559-das-politiker-innen-versagen-in-der-corona-krise

[8] Wolfgang Schäuble ist ein typischer Vertreter dieses Politikertyps, der nicht aufhören kann. Seit 2021 ist er Alterspräsident des Deutschen Bundestages. https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Sch%C3%A4uble

[9] Die Toten werden unter dem Punkt 3.3 „Verdachtsfälle schwerwiegender unerwünschter Reaktionen“ eingeordnet: 1919 wurden bis 30.11.2021 gemeldet. Sie finden nur in einem Absatz eine Erwähnung in dem Sicherheitsbericht auf Seite 9; https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/newsroom/dossiers/sicherheitsberichte/sicherheitsbericht-27-12-20-bis-30-11-21.pdf?__blob=publicationFile&v=9

[10] Siehe hier u. .a. https://perikles.tv/1633-das-system-merkel

[11] https://www.bundesregierung.de/resource/blob/989796/1994296/3bff2366388fd94ffefa2083dc5f5b99/download-pdf-data.pdf?download=1

[12] https://reitschuster.de/post/exklusiv-umfrage-zeigt-wie-haeufig-starke-impfnebenwirkungen-wirklich-sind/?fbclid=IwAR0I0c07O7wWtrTgIUb0-Kgz1_A-6sF4yOtAHYjhaQLaNd5jv8KgTLyYJwk

[13] https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/bundeskanzleramt/staatsministerin-fuer-kultur-und-medien/claudia-roth-ist-neue-kulturstaatsministerin-1989730

[14] https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/spd-nahles-zur-neuen-praesidentin-der-bundesanstalt-fuer-post-und-telekommunikation-gewaehlt/25952808.html?ticket=ST-866483-3heY94XWRqxNx7ed5vAr-ap5

 

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