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In der Ukraine-Krise wird ein alter Hut hervorgeholt: die allgemeine Wehrpflicht. Diese Wehrpflicht ist nicht abgeschafft, nur ausgesetzt. Aber sie könnte wieder aktiviert werden. Was ist von der Aktivierung der allgemeinen Wehrpflicht zu halten? Ist sie ein wirksames Mittel, um Deutschland wehrhaft zu machen? Um es vorweg zu sagen: Ich will kein ausgewogenes Für und Wider erörtern, sondern mein Anliegen ist, die Vorteile, die bisher vielleicht nicht bedacht wurden, in den Vordergrund zu rücken. Es soll ein eindeutiges Plädoyer für die allgemeine Wehrpflicht sein.

  • Das Weichei als Vorbild: Männer sind im Zuge der Entwicklung auf dem Gebiet des extremen Feminismus stark verunsichert worden, denn der „harte Kerl“, der mit physischer und mentaler Stärke die Szene beherrschte, hatte irgendwie ausgedient. „Neue Männer braucht das Land“, sang es Ina Deter Anfang der achtziger Jahre[1] und damit war der einfühlsame und verständnisvolle Mann gemeint ( „er muss nett sein, auch im Bett“), der sich an der Hausarbeit und Kindererziehung beteiligt und auf seine früher ausgeübte Dominanz verzichtet und stets darauf bedacht ist, Frauen nicht zu belästigen oder „unseriöse Angebote“ zu machen. Der „Softie“ oder das „Weichei“ war geboren als Leitbild der Frauenbewegung, das sich für die Gleichberechtigung der Geschlechter einsetzt und auf jede Art von männlicher Dominanz verzichtet. Der Mann, der früher von Frauen angehimmelt wurde, der immer auf seinen Führungsanspruch bestand und glaubte, dass Frauen sich ihm unterordnen müssten, war völlig aus dem Rennen geworfen. Die Emanzipationsbewegung schien Früchte zu tragen und die Männer gerieten in die Defensive. Parallel zur Emanzipationsbewegung setzte auch die zunehmende Technisierung der Arbeitswelt dem traditionellen Männerbild zu, denn die physische Stärke des Mannes wurde durch die Technik ersetzt: elektrische Kraft statt Muskelkraft. Es ist deshalb kein Wunder, dass die Muskelkraft der Männer in den letzten 30 Jahren um 20 % abgenommen hat[2]. Der typische Männerberuf, etwa des schwer arbeitenden Handwerkers, des Kraftfahrers oder Straßenarbeiters, wurde zunehmend unattraktiver. Die „White-Collar-Worker-Berufe“[3] wurden für die Männer zunehmend attraktiver, weil diese mehr versprachen, was immer noch Frauen besonders imponierte: Status und Geld. Der „Bürohengst“, der nur eine Akte oder einen Kugelschreiber stemmen musste, der aber mit Computern umgehen konnte, über ein paar soziale Fähigkeiten verfügte, es geschickt verstand, sofern narzisstisch veranlagt, Konkurrenten durch gemeine Tricks aus den Weg zu räumen, wurde zum neuen Helden. Dieses verändernde Männerbild hat vielleicht auch dazu beigetragen, dass der Wehrdienst immer unattraktiver wurde, denn die Männer mit höherer Bildung mieden zumindest den Wehrdienst, so lange es ging – durch Kriegsdienstverweigerung, juristische Tricks –, sodass der Wehrdienst immer mehr zum Sammelbecken unqualifizierter Männer der Unterschicht wurde[4], bei denen das alte Männerbild immer noch dominierte.
  • Natur als Vorbild: Die Männchen sind i.d.R. in der Natur meistens größer und stärker als die Weibchen, zumindest bei unseren nächsten Verwandten, den Säugetieren[5]. Das hat seinen Grund in der Tatsache, dass die Männchen als Beschützer der Herde dienen, die die Feinde in die Flucht schlagen oder sogar töten können. Das Löwenmännchen ist ein wahrer „Hyänen-Killer“, das in der Lage ist, einen der Todfeinde der Löwen mit einem kräftigen Biss zu töten. Hyänen können dem Rudel der Löwinnen gefährlich werden, vor allem dann, wenn sie Junge haben. Aber auch im Rudel können Hyänen einem ausgewachsenen Männchen in Bedrängnis bringen[6]. Auch bei den Wildschweinen gelten die Keiler als aggressive Tiere, die alles angreifen, was sich ihnen in den Weg stellt. Das männliche Tier dient als Beschützer der Rotte, dem sich die weiblichen Tiere aus diesem Grunde unterordnen. Auch der „16-Ender“ gilt für Jäger als begehrte Jagdtrophäe, denn dieser Hirsch verkörpert mit seinem kräftigen Geweih Stärke und Macht; und in der Tat kann ein solches mächtiges Tier sein Geweih gegen die  früheren Feinde des Rotwildes, wie z. B. Wölfe, als eine gefährliche Waffe im Kampf einsetzen. In der Natur, zumindest was die Säugetiere angeht, hat also die physische Stärke des männlichen Tieres ihren Sinn: sie dient der Arterhaltung. Auch beim Menschen ist der männliche Körper mit seinen typischen sekundären Geschlechtsmerkmalen wie breiten Schultern und schmalem Becken, kräftiger Muskulatur in Armen und Beinen, eine Kampfmaschine, denn mit der höheren Muskelmasse und höherem Lungenvolumen sowie größerem Herzmuskel als bei der Frau kann er besser und ausdauernder kämpfen und rennen. Frauen können es im Sport deshalb niemals mit den Männern im Kampf aufnehmen, sofern sie gleich gut trainiert sind. Der männliche Körper ist also für den Kampf normalerweise bestens gerüstet und deshalb ist der Mann als Soldat gut hierfür vorbereitet. Frauen im Rahmen der so genannten Gleichberechtigung deshalb auch den „Dienst an der Waffe“ zu erlauben, ist ein Zugeständnis an den Feminismus, in dem es diese biologischen Unterschiede nicht geben darf.
  • Wehrhaftigkeit als Tugend: Die Wehrhaftigkeit könnte auch als Tugend angesehen werden, wenn sie mit Kameradschaft und Treue flankiert wird. Die Aussetzung der Wehrpflicht hat mit dazu beigetragen, dass es zu einer „Verweichlichung“ und „Verweiblichung“ im Denken und Handeln gekommen ist. Die politischen Führer der „Altvorderen“ waren noch in ihrem gesamten Habitus von dem alten Männerbild geprägt. „Ein Mann, ein Wort“[7], hieß es einmal, wenn es darum ging, sich gegenseitig seine absolute Zuverlässigkeit zuzusichern. Aber die Intrige als eine dem „schwachen Geschlecht“ eher zugebilligte Untugend wurde auch bei Männern zunehmend modern. Knallharte Konfrontation oder im Gegenteil eiserne Freundschaft wurden zunehmend von eher dem Weiblichen zuzurechnenden Fähigkeiten zu geschickten Ränkespielen ersetzt. Die im Grundwehrdienst eingeübten Tugenden der Treue und Kameradschaft als absolut notwendige Tugenden, um im Kampf überleben zu können, konnten nicht mehr ausreichend gelernt werden, seit 2011 der Grundwehrdienst außer Kraft gesetzt wurde[8]. Die Fähigkeit, sich zur Wehr zu setzen, standhaft bei seinen Grundsätzen zu bleiben, ist zwar nicht ausschließlich eine Fertigkeit, die im Grundwehrdienst gelernt wurde, aber es fehlte eine wichtige Basis für die tägliche Übung. Im Berufsleben dominieren die Individualisten, die im Einzelkampf versuchen, sich gegenüber den Konkurrenten durchzusetzen. Im Wehrdienst, und vor allem bei Kampfeinsätzen, sind eben der Mut, die absolute Zuverlässigkeit und die Festigkeit im Glauben an die eigenen Fähigkeiten und Ziele, Grundvoraussetzungen für die Tugend der Wehrhaftigkeit. Und diese Wehrhaftigkeit scheint immer mehr in unserer Gesellschaft abhanden zu kommen.
  • Corona-Krise als „Blaupause“: Die Corona-Krise hat spätestens den Weicheiern unter den Politikern den Weg geebnet. Zuvor hatte eine absolute Herrscherin den Männern das Fürchten gelehrt. Um Frau Merkel scharten sich zunehmend die mit „Soft-Skills“ ausgestatteten Männer, die ihr Handlangerdienste bereiteten und glaubten, wenn sie ihr die Drecksarbeit des Herrschens erleichtern, auch von dem Tische der selbst ernannten Kaiserin etwas abzubekommen. Statt klarer Worte und eindeutiger Statements war das „Rumeiern“ eines Steffen Seibert modern geworden. Ein Helge Braun entwarf ihr in der letzten Phase ihrer Herrschaft die Vorlagen für die volksfeindlichen Gemeinheiten der staatlichen Gängelung in der Corona-Krise. Und ein Olaf Scholz, der stets in ihrem Schatten ruhig heranreifen konnte, setzt nun mit seinem Wortbruch zur Impfpflicht der Sache die Krone auf. Hart in der Sache, aber fair im Umgang wurde ersetzt durch weich in der Sache und unfair im Miteinander. Statt klarer Ansage und Einstehen für das Gesagte, das auch stets das Gemeinte war, wurden Unsicherheiten und unklare Angaben zu Zielen und Rechtfertigungen von Corona-Maßnahmen getätigt. Das eigene politische Überleben wurde an die erste Stelle des Handelns gesetzt. Die Corona-Krise beförderte etwas zutage, was sich schon seit dem Herrschaftswechsel nach Kohl abzeichnete: Während Helmut Kohl in seinen Interviews immer betonte, dass es in der Politik nicht anders zugehen solle wie im privaten Leben[9], so dass die Zuverlässigkeit, die Loyalität, die Freundschaft einen hohen Stellenwert hatte, gingen danach diese Tugenden mehr und mehr verloren. Es sind die der männlich geprägten Freundschaft geschuldeten Eindeutigkeiten in den Beziehungen die wichtigsten Grundfesten unserer Gesellschaft, die leider immer mehr verloren gingen.
  • Gegen die Entmachtung des Volkes: Mit der Aufgabe der allgemeinen Wehrpflicht ging auch die Entmachtung des Volkes einher, das nur noch als ein Heer von willigen Untertanen angesehen wird. Mit der festen Verankerung der Wehrpflicht war auch eine hohe Kampfbereitschaft junger Männer verbunden, die es gelernt hatten, im Kampf gegeneinander sich zu behaupten. Heutzutage müssen sich friedliche Demonstranten von Milizen des Staates einschüchtern lassen, die gegen die Corona-Maßnahmen protestieren wollen. Der Staat hat vielleicht gute Gründe dafür, die allgemeine Wehrpflicht nicht wieder einzuführen, um diese Wehrhaftigkeit nicht wieder hoch kommen zu lassen. Wenn jeder junge Mann es gelernt hätte, mit der Waffe umzugehen, dann könnte sich sehr schnell doch der Spieß umdrehen und diese jungen Männer, die noch das Kämpfen Mann gegen Mann gelernt haben, könnten sich auf ihre Fertigkeiten besinnen und sich dem unterdrückten Volk zur Verfügung stellen, um gegen die Unterdrücker zu kämpfen. Junge Männer, die die Wehrhaftigkeit als Tugend gelernt haben, ließen sich vielleicht nicht so schnell von Geschlechtsgenossen in Uniform einschüchtern. So gesehen könnte die Wiederbelebung der allgemeinen Wehrpflicht, die im Schatten des Ukraine-Konfliktes als Idee heranreift, eine ganz andere Bedeutung zukommen: Sie könnte dazu dienen, die alten Tugenden, die von einer Männergesellschaft geprägt wurden, wieder modern werden zu lassen, die auf der Kameradschaft und Treue gegenüber dem „idealen Staat“ als Garanten für Freiheit und Menschenwürde beruhten. Das wieder in Kraft setzen der allgemeinen Wehrpflicht könnte zum Bumerang für die Herrschenden werden, weil damit ein neues unsichtbares Heer von jungen Männern herangebildet würde, die es – idealerweise – gelernt haben, sich zur Wehr zu setzen. Ich weiß sehr wohl, dass auch bei dem Wehrdient der Gehorsam eine Tugend darstellt, die dem zum Teil entgegenläuft. Aber trotzdem könnte die individualistische, nur auf den eigenen Vorteil bedachte Denkweise der jungen Generation durchbrochen werden durch eine auf alte männliche Tugenden fußende Gesinnung, die zu mehr Gemeinschaftssinn führt. Wenn jeder junge Mann wieder den Dienst an der Waffe lernte, würde dies zu einer stärkeren Vermischung der Truppe und Verbindung mit dem Volk führen, so dass sich die Gefahr minimierte, dass eine Söldnertruppe, der diese intensive Verbindung fehlte, gegen das eigene Volk agiert.

Die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht könnte also neue Chancen bieten, die durchaus überlegenswert wären. Ich wollte mit diesem Artikel ein paar Grundideen einbringen, die aus meiner Sicht in der gegenwärtigen Diskussion zu kurz kommen.        

  

© beim Verfasser

 

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_M%C3%A4nner_braucht_das_Land

[2] https://www.menshealth.de/krafttraining/maenner-von-heute-schwaecher-als-ihre-vaeter/

[3] https://en.wikipedia.org/wiki/White-collar_worker

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrpflicht_in_Deutschland

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Sexualdimorphismus

[6] https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=hy%C3%A4nen+totfeinde+der+l%C3%B6wen

[7] https://de.wiktionary.org/wiki/ein_Mann,_ein_Wort

[8] https://www.bundestag.de/webarchiv/textarchiv/2011/33831649_kw12_de_wehrdienst-204958

[9] https://www.youtube.com/watch?v=GChm3dwzweQ

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