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Die Stimmung im Land nach zwei Jahren Corona-Diktatur ist nahe Null - und nun auch noch der Ukraine-Krieg, der das alles toppt. Haben wir das verdient? Haben wir es selbst verschuldet, dass wir in diese Krise geraten sind? Die Analysen, die von vielen Zeitgenossen angestellt werden, sind bitter bis hin zu niederschmetternd. Überall also Hoffnungslosigkeit – oder gibt es doch noch einen Ausweg?

  • Lasst uns ein Apfelbäumchen pflanzen: Martin Luther wird der Spruch angedichtet: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“[1]. Hoimar von Ditfurth (1921 – 1989), eigentlich in „seinem früheren Leben“, als er sich noch nicht als Fachautor für naturwissenschaftliche und später mehr spirituelle Themen interessierte und hierüber eine Reihe von Bücher geschrieben hatte, ein Professor für Psychiatrie, schrieb in einem seiner letzten Bücher[2], dass die Menschheit kein Recht auf Überleben hätte, also nicht als eine besondere Spezies irgendwie „auserwählt“ sei, sondern genauso aussterben könne, wie zuvor andere Arten, wie z. B. die Saurier oder der Neandertaler. Er geht davon aus, dass die Evolution, die, wenn sie erfolgreich voranschreite, eine Weiterentwicklung bringen könne, die in der Lage wäre, den Menschen zu retten – vorausgesetzt, er löst die Probleme der Überbevölkerung, eines drohenden Atomkrieges (das Buch wurde in den 80iger Jahren geschrieben!) und des maßlosen Ressourcenverbrauchs. Die Entwicklung, so seine Argumentation, sei am Ende offen und könne zu einem besseren Menschen führen. Ditfurth, von Hause aus eigentlich ein „knallharter“ Naturwissenschaftler, ging in seinem vorausgegangen Buch[3] sogar einen Schritt weiter und eröffnete eine „Jenseitsperspektive“, die sich ebenfalls auf das Evolutionsprinzip stützt, wobei diese Evolution mit der Schöpfung im religiösen Sinne gleichgesetzt wird. Gott sei der Motor dieser Evolution, die aber insofern nach eigenen Gesetzen voranschreite, als Gott diese nur einmal gesetzt und dann den Dingen seinen Lauf gelassen habe. Mit diesen Gesetzen hatte Gott also die optimalen Voraussetzungen geschaffen, sieht man sich z. B. die so genannten Naturkonstanten (z. B. Lichtgeschwindigkeit, Gravitationsstärke[4]) an, die eine solide Grundlage für eine Entwicklung bieten. Somit könnte man aus dieser Möglichkeit (aber eben nicht Notwendigkeit, weil dies dem freien Willen widerspräche) der Fortentwicklung so etwas wie Hoffnung schöpfen. „Das Prinzip Hoffnung“ baut auf Tagträumen auf und verwandelt diese in konkrete gestalterische Ideen, die, wenn sie umgesetzt werden, zur Realität werden. Ernst Bloch (1885 – 1977), der noch vom Marxismus als eine Möglichkeit, den Menschen von der Unterjochung durch den Menschen zu befreien, geprägt war, sieht in der Hoffnung ein Überlebensprinzip, das essentiell ist. Utopien braucht der Mensch, um der Hoffnung Nahrung zu geben[5]. Wo bleiben aber diese Utopien? Sie sind tot wie alle guten Ideen, die jemals von Menschen gedacht und formuliert, aber auf den Mülleimer der Geschichte geworfen wurden. Warum sollten Menschen heute noch Apfelbäumchen pflanzen? Für wen? Denn ein Apfelbäumchen braucht eine Zeit, bis es wirklich Früchte bringt[6] und Zeit haben die Menschen heute anscheinend nicht mehr. Es fehlt ihnen sowohl ein Geschichts- als auch ein Zukunftsbewusstsein. Das „Tagesgeschäft“ verschlingt alles: Der Rückblick auf die Vergangenheit, um aus den Fehlern zu lernen und der Ausblick auf die Zukunft, um zu wissen, wohin die Reise gehen soll. Wo gibt es wirklich noch Ansätze planerischen Handelns im politischen Alltagsgeschäft? Dort ist doch nur noch ein Reagieren und nicht mehr ein Regieren als ein gestalterisches Handeln aufgrund von Ideen und Konzepten zu beobachten. Auch in der Wirtschaft scheint es kaum anders zu sein. Wir zehren heute noch von dem Ideenreichtum unserer Väter und Urgroßväter und von einer Marktwirtschaft, die der Entfaltung der menschlichen Potentiale diente. Die staatliche Planwirtschaft hat leider Einzug gehalten und unternehmerisches Handeln orientiert sich danach, wo Gelder aus öffentlichen Töpfen zu holen sind gemäß dem Spruch: Man muss einen Löffel haben, wenn es Brei regnet[7]. Dort wird dann investiert, egal ob es Sinn macht oder nicht. Leider ist ja der Staat eher zum Bremsklotz für die Unternehmen geworden, statt als Motor zu dienen[8].
  • Verlust der Weitsicht: Was unserer Zeit fehlt ist eine Langzeitperspektive. Wie bereits erläutert, fehlt in unserer Zeit ein Bewusstsein für längere Zeiträume und in der Kurzatmigkeit des Alltagsgeschäftes wird die Perspektivlosigkeit immer offensichtlicher. Das „Jumping“ im Journalismus, das ich als eine der „Sieben Todsünden“ dieses Wirtschafszweiges bezeichnet habe[9], ist auch in der Politik nicht übersehbar. Die Corona-Krise steht nun aktuell nicht mehr im Mittelpunkt, sondern der Ukraine-Krieg. Wie aber bei der Corona-Politik, die von Plan-und Konzeptlosigkeit geprägt war, was zu schweren Verwerfungen in der Gesellschaft geführt hat, ist es auch in der Ukraine-Politik nicht besser. Auch hier sind die Politiker eher die Getriebenen ihrer eigenen Ziellosigkeit, als dass sie in der Lage wären, eine planvolle und durchdachte Konzeption vorzulegen. Der allmächtige Drang zum Konsens ist auch ein Ergebnis dieser Planlosigkeit, weil die Einigung auf eine Haltung gegenüber Putin als Schuldigen des Krieges zu einer scheinbaren Gewissheit führt, das richtige zu tun. Die Osterweiterung der NATO als einen Hauptgrund für das Eingreifen Putins zu verstehen[10], liegt außerhalb der geschichtslosen Betrachtungsweise des Geschehens. Statt dass deutsche Politiker aufgrund der Erfahrungen in zwei Kriegen (Jugoslawien-Krieg, Afghanistan-Krieg) gelernt hätten, dass es besser wäre, sich nicht noch einmal in einen bewaffnenden Konflikt hineinziehen zu lassen, beginnen sie durch eine verdeckte Kriegsbeteiligung mittels Lieferung von Waffen[11] oder das Zur-Verfügung-stellen von finanziellen Mitteln in eine quasi kriegerische Auseinandersetzung hineinzuschliddern. Auch hier wird nicht rational, sondern mit zweifelhaften moralischen Argumenten[12] diese Vorgehensweise gerechtfertigt. Nicht die Rationalität wird angewandt, sondern der „moralische Hammer“ herausgeholt, der da lautet: Wer jetzt gegen Waffenlieferungen ist, schlägt sich auf die Seite des Aggressors (Putin). Ein fremder Konflikt wird zum eigenen gemacht, in dem behauptet wird, dass wir jetzt auch Ukrainer seien[13]. Dieses „Wir“ wird allzu schnell gebraucht, um eine Scheinsolidarität zu erzeugen, denn wer hier nicht sagt, dass er zu diesem imaginären großen „Wir“ gehören will, wird sehr schnell zum „Volksverräter“. Auch die bei den maßgeblichen Politikern in Vergessenheit geratene „Flüchtlingskrise 2015“ scheint darauf hinzudeuten, dass ein mangelndes Geschichtsbewusstsein vorliegt. Damals kamen zahlreiche nicht registrierte Asylsuchende nach Deutschland, weil Merkel unschöne Bilder an der Grenze vermeiden wollte[14]. Der legendäre Satz „Wir schaffen das“[15] hätte eigentlich lauten müssen: „Ihr schafft das“. Denn Frau Merkel hat dem Volk die Lösung von Problemen aufgebürdet, die sie verursachte. Statt aus den Fehlern zu lernen, werden nun wieder Menschen in unser Land gelassen, die nicht unbedingt aus dem Krisengebiet kommen, sondern sich unter die Flüchtlinge „schmuggeln“[16]. Außerdem wird gar nicht die Frage zugelassen, ob Deutschland überhaupt zur Aufnahme verpflichtet ist und ob dieser erneute Zustrom von Menschen mit unklarer Perspektive Probleme in Deutschland verursacht, die noch nicht zu übersehen sind[17]. Auch hier wird die „moralische Keule“ geschwungen, statt rationalen Argumenten eine angemessene Geltungsberechtigung zu geben. Vor allem sind die zunehmenden Probleme auf dem Wohnungsmarkt, die hauptsächlich in Ballungsräumen vorherrschen, zu befürchten. Im Jahr 2015 kippte die Stimmung von „Refugees welcome“ sehr schnell um, als die Probleme der ungehinderten Zuwanderung nicht mehr zu verdecken waren. Auch die Wirtschaftssanktionen zeugen von einer gewissen Kopf- und Perspektivlosigkeit, weil die Rückschläge der Sanktion für die heimische Wirtschaft und Gesellschaft wieder einmal nicht bedacht wurden. Wie bei der Bewältigung der Corona-Krise, bei der nur durch Fokussierung auf die Bewältigung des Infektionsgeschehens durch unlogische und nicht ausreichend begründete „Lockdown-Maßnahmen“ zahlreiche Kollateralschäden verursacht wurden, wird auch in der Ukraine-Krise nur einseitig und kurzfristig gedacht und nicht überlegt, dass diese Sanktionen auch das eigene Land schädigen können, weil sich z. B. die Gefahr des „Black-out“ erhöht[18]. Auch hier dienen wieder moralische statt rationale Argumente, wenn etwa der pensionierte Bundespräsident Gauck meint: „Wir können auch einmal frieren für die Freiheit. Und wir können auch einmal ein paar Jahre ertragen, dass wir weniger an Lebensglück und Lebensfreude haben.“[19]. Dass moralische und rationale Argumente sich nicht zwangsläufig gegenseitig ausschließen, habe ich an anderer Stelle bereits aufgezeigt[20]. Vor allem betrifft es diejenigen Politiker, die solche Forderungen stellen, nicht direkt selbst, leben sie doch meistens gut auf Kosten der Allgemeinheit in sicheren Verhältnissen. Ihre Wortbekundungen sind also nichts mehr als reine Heuchelei.
  • Fenster öffnen: Die Krux unserer Zeit liegt in der Dominanz des materialistischen Weltbildes, das uns glauben macht, dass die für uns wahrnehmbare Welt die einzig existierende Wirklichkeit sei. Das Fenster der Hoffnung könnte nur dann sich öffnen, wenn wir uns nicht weiter der Jenseitsperspektive verschließen. Hoimar von Ditfurths Jenseitsperspektive ist auch eine materialistische, weil sich die Hypothese einer evolutionären Fortentwicklung auf naturalistischen Annahmen stützt. Dies greift letztendlich zu kurz, weil auch die Evolutionstheorie nicht unumstritten ist und ihre Schwächen hat[21]. Wir können nur im übertragenen Sinne Apfelbäumchen pflanzen, wenn wir von einem spirituellen Weltbild ausgehen[22], das geprägt ist von der Idee, dass hinter unserer sichtbaren Welt eine nicht-sichtbare Welt existiert, in die wir involviert sind. Das „Eingettetsein“ in eine in sich sinnvolle Welt erscheint mir als eine logische Schlussfolgerung aus den Indizien ableitbar, dass wir den physischen Tod überleben[23]. Wenn wir die Angst vor dem Tod überwinden, dann überwinden wir alle Ängste, denn dann kann uns weder ein Krieg noch ein „Killervirus“ letztendlich beeindrucken. Mit der „Kleingläubgigkeit“ hatte auch Jesus zu kämpfen, wenn er mit seinen Jüngern in gefährlichen Lebenssituationen unterwegs war (Matthäus 8, 26[24]). Es ist eine menschliche Schwäche, sich nur um das tägliche Überleben zu kümmern, das ihn an vielem festhalten lässt, was für einen an einem Leben nach dem Tod glaubenden Menschen nicht mehr beeinflussen kann. Die Perspektiverweiterung über den Rand des Todes hinaus eröffnet eine Weltsicht, die zu mehr Gelassenheit und Zuversicht führt, die von echter Hoffnung geprägt ist. Was ich als „heilige Trias“ bezeichne, nämlich die logische Verbindung von einer gleichzeitigen Existenz Gottes, des Überlebens des Todes und des Sinn des Lebens, gibt erst die wirkliche Weitsicht, die die vielen Absurditäten unserer Welt leichter ertragen lässt.

Wollen wir also ein Apfelbäumchen pflanzen? Ja, unbedingt, denn wir können nur dann die Zuversicht haben, dass dieses Bäumchen irgendwann Früchte tragen und Insekten, Vögeln und Menschen Leben und Lebensfreude geben kann, wenn wir es auch tun.         

  

© beim Verfasser

 

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Luthers_Apfelb%C3%A4umchen

[2] So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen. Es ist so weit. https://de.wikipedia.org/wiki/So_la%C3%9Ft_uns_denn_ein_Apfelb%C3%A4umchen_pflanzen

[3] Wir sind nicht nur von dieser Welt; https://de.wikipedia.org/wiki/Wir_sind_nicht_nur_von_dieser_Welt

[4] https://praxistipps.focus.de/was-sind-naturkonstanten-einfach-erklaert_96637

[5] https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/das-prinzip-hoffnung/4049

[6] https://www.stern.de/noch-fragen/wir-haben-uns-im-letzten-jahr-einen-apfelbaum-zugelegt-wie-lange-dauert-es-in-etwa-bis-der-das-erste-mal-essbare-fruechte-traegt-1000483321.html: Die neueren Sorten tragen bereits nach 5 Jahren, die älteren brauchen 10 Jahre.

[7] https://www.mundmische.de/bedeutung/21228-Wenn_es_vom_Himmel_Brei_regnet_muss_man_einen_Loeffel_haben

[8] https://perikles.tv/arbeit-und-wirtschaft/1368-der-staat-als-risikofaktor-fuer-die-wirtschaft

[9] https://perikles.tv/philosophie-und-religion/1482-die-sieben-todsuenden-des-modernen-journalismus

[10] https://perikles.tv/1676-kann-deutschland-im-ukraine-konflikt-neutral-bleiben;

[11] https://www.tagesschau.de/inland/waffenlieferung-ukraine-101.html

[12] https://www.spiegel.de/kultur/krieg-in-der-ukraine-gut-gemeint-in-die-katastrophe-a-2400d6aa-5c0d-4c93-b1ad-620bed2b9eed

[13] Markus Söder: „Jetzt sind wir alle Ukrainer“; https://www.br.de/nachrichten/bayern/soeder-bei-friedensdemo-jetzt-sind-wir-alle-ukrainer,Syx72RQ. Diese Floskel erinnert sehr an die Schlagzeile „Wir sind Papst“ der BILD-Zeitung, als Joseph Ratzinger zum Papst gewählt wurde; https://de.wikipedia.org/wiki/Wir_sind_Papst!  

[14] https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-09/fluechtlinge-bamf-zahlen-nicht-registrierte-fluechtlinge?page=41 Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge rechnete 2015 mit 290.000 unregistrierten Flüchtlingen.

[15] https://de.wikipedia.org/wiki/Wir_schaffen_das

[16] https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/aufnahmezusagen-illegale-migration/

[17] https://www.dw.com/de/eu-will-unbegrenzt-ukraine-fl%C3%BCchtlinge-aufnehmen/a-60937897, Ursula von der Leyen: "Jeder wird mit offenen Armen empfangen, der vor Putins Bomben fliehen muss."  

[18] https://auf1.tv/nachrichten-auf1/wegen-russland-sanktionen-blackout-gefahr-so-gross-wie-noch-nie

[19] https://rp-online.de/panorama/fernsehen/joachim-gauck-bei-maischberger-wir-koennen-auch-einmal-frieren-fuer-die-freiheit_aid-67007441

[20] https://perikles.tv/1651-ein-plaedoyer-fuer-die-vernunft

[21] https://cdn.website-editor.net/fe35026c78fc4ba9a5a55b7f2f4caf1a/files/uploaded/Evolution%2520oder%2520Sch%25C3%25B6pfung.pdf

[22] https://perikles.tv/leserbriefe/1283-das-materialistische-und-das-spirituelle-weltbild-und-die-folgen-fuer-die-politik

[23] https://perikles.tv/philosophie-und-religion/1589-gibt-es-ein-leben-nach-dem-tod

[24] https://bibeltext.com/matthew/8-26.htm

 

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