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Politiker scheinen eine eigene Spezies zu sein – sie unterscheiden sich von denen, für die sie zumindest vorgeben tätig zu sein: von den Normalbürgern. Sie sind nicht alle gleich, sondern es gibt sicher ein paar unterschiedliche Typen, die sich nicht immer strikt unterscheiden, aber in ihren Grundzügen verschieden sind. Selbstverständlich gibt es auch „Mischtypen“, die verschiedene Merkmale der im Folgenden beschriebenen Typen auf sich vereinigen. Ihnen zur Seite stehen aber auch andere, die sie in ihrer Arbeit unterstützen und ihnen „den Rücken frei halten“.  

  • Absoluter Herrscher[1]: Die zeitgeschichtliche Epoche des Absolutismus war geprägt von diesem Typus des Politikers, der seine Herrschaft uneingeschränkt verstand, nämlich so, dass kein Widerspruch geduldet wurde. Wer es wagte, den Herrscher zu korrigieren, riskierte „Kopf und Kragen“. Diesen Absolutheitsanspruch gibt es de jure nicht mehr, aber nichts desto trotz gibt es sie noch, diese Alleinherrscher. Die Allwissenheit anscheinend gepachtet, nehmen auch diese neuzeitlichen absoluten Herrscher für sich in Anspruch, immer im Besitz der Wahrheit zu sein. Die Unbelehrbarkeit, Überheblichkeit und mangelnde Empathie gepaart mit einer verräterischen Mimik und Gestik wie verächtliche oder „tödliche“ Blicke, aber auch maskenhafte Gleichförmigkeit der Gesichtszüge (z. B. wie bei Olaf Scholz zu sehen) und wegwerfende Handbewegungen sowie zum Teil unnatürlich wirkenden Manierismen mit immer wieder kehrenden Bewegungen und Zeichen (z. B. Merkels „Raute“) sind Kennzeichen dieser absoluten Herrscher. Herrschaft bedeutet alles, was „das Herz begehrt“, wobei gerade diese Politiker, die einen solchen Absolutheitsanspruch vertreten, gar kein Herz haben. Sie funktionieren nach einem unpersönlich wirkenden Programm, dessen Ziele und Methoden nicht hinterfragt werden, denn dieses würde ihren Nimbus der „Unfehlbarkeit“ zerstören. Deshalb findet man gerade Narzissten häufiger unter Politikern mit diesem Absolutheitsanspruch hinsichtlich ihrer Herrschaftsausübung.
  • Parteisoldat: Der Parteisoldat ist der treue Gefolgsmann des absoluten Herrschers auf der Parteiebene. Er hat kein eigenes Profil, keine eigene Meinung, keine Herrschaftsansprüche, keine festen Überzeugungen, sondern nur die Eigenschaft, die man im Militär von einem Soldaten erwartet: Treue Gefolgschaft. Er hofiert den absoluten Herrscher und redet ihm nach dem Mund, wirkt wie ein bestellter Claqueur, wenn er der Ansprache des Parteivorsitzenden zuhört. Er klebt brav zu Wahlzeiten die Plakate auf, trägt die Utensilien durch die Gegend, die für Info-Stände gebraucht werden, verteilt Partei-Fähnchen an die Zuhörer, Luftballons mit dem Parteiabzeichen an die Kinder und ist zufrieden, wenn er dabei war. Das Dabeisein ist für ihn alles, was er haben möchte, denn dann fühlt er sich im Kreise seiner Parteikollegen heimisch. Die Partei ist für ihn wie eine zweite Heimat, die er auch vehement verteidigt gegen jede Angriffe von außen. Er sieht deshalb die Welt auch nur mit dieser eingeschränkten Sicht eines braven Parteisoldaten und wird alles verteidigen, was seine Parteiführung verkündet. Nicht selten werden diese Parteisoldaten bereits von „Kindesbeinen“ an durch ihre Eltern in die Partei eingeführt, so dass eine vergleichende Betrachtung der Wirklichkeit ohne die „Parteibrille“ gar nicht mehr stattfindet.
  • Hinterbänkler: Der Hinterbänkler ist das Pendent zum Parteisoldaten auf der parlamentarischen Ebene. Er stimmt immer so ab, wie es die Fraktionsvorsitzenden vorgeben. Er orientiert sich voll und ganz an der vorgegebenen Parteilinie. Er will nicht im Rampenlicht stehen, sondern ist zufrieden, einen sicheren Sitz im Parlament zu haben und ohne etwas Großartiges zu leisten dafür ein staatliches Salär zu erhalten. Er applaudiert den Rednern seiner Partei und achtet streng darauf, dass nur sein Applaus bei den eigenen Parteigenossen erfolgt. Mit Zwischen- oder Buhrufen werden allenfalls die Reden der Parteigegner bedacht. Vor Abstimmungen zu Gesetzen braucht er sich nicht mit der Materie beschäftigen, sondern es reicht ihm, wenn der Fraktionszwang ihm die Marschrichtung vorgibt. Deshalb ist es ihm eher unangenehm, wenn es tatsächlich zur Aufhebung des Fraktionszwangs kommt und aufgrund namentlicher Abstimmung klar erkannt werden kann, ob er nun für oder gegen ein Gesetz gestimmt hat.
  • Parteistratege: Er gehört zu so etwas wie der „grauen Eminenz“, die eher im Hintergrund arbeitet und sich zu Fragen Gedanken machen, wie eine Partei es schaffen kann, die Ziele zu erreichen, die für einen Politiker wichtig sind: Erreichen einer Machtposition und das Halten an der Macht. Der Parteistratege will gar nicht in Erscheinung treten, sondern nur durch seine Ideen erreichen, dass andere, die prominenter, fotogener, telegener, also beim Publikum besser ankommen als er es je könnte, in die von der Partei gewünschte Richtung gebracht und gewinnen können. Er sitzt entweder alleine oder mit anderen wenigen Parteistrategen zusammen und bringt die Gedanken zu Papier, die dann irgendwann in die Tat umgesetzt werden. Manchmal werden sie zu „Königsmachern“ oder „Königsmördern“, je nachdem ob sie jemand protegieren können oder wollen. Als ein solcher Parteistratege könnte Herbert Wehner gelten, der die SPD durch seine Ideen maßgeblich geprägt hatte, aber nie im Vordergrund stand. Er war auch einer von denen, die an dem Kanzlersturz von Willy Brandt beteiligt waren.
  • Moralist: Die Moralisten neigen dazu, der Politik als ein moralisches Image zu geben, ohne wirklich moralisch zu sein. Das klingt widersprüchlich, ist es aber nicht, denn genauso wie der "Gutmensch" nur scheinbar gut ist ohne es zu sein, so ist auch der Moralist unter den Politikern nur augenscheinlich moralisch, ohne wirklich von eigenen Interessen unabhängigen Prinzipien zu folgen. Die Moral dient dann dem Machterhalt oder dem Durchsetzen eigener Ziele. In der Antidiskrimierungsdebatte tauchen diese Moralisten gerne auf und geben sich als Verfechter einer Moral, die es verbiete, andersfarbige Menschen wegen ihres Aussehens zu benachteiligen. Dies dient aber nicht der Geltendmachung einer nicht-persönlichen, über dem einzelnen Menschen stehenden Moral, sondern der Durchsetzung einer ideologisch begründeten „Gleichmacherei“ aller Menschen. Es wird so getan, als ob alle Menschen gleich seien – auch wenn sie es nicht sind – hinsichtlich ihrer Hautfarbe, des Geschlechts, der angeborenen Begabungsunterschiede oder der Interessen und individuellen Ziele. Ihnen geht es um die Durchsetzung der Idee „alle Menschen sind gleich“ – auch wenn die Realität etwas ganz anderes widergibt.
  • Pragmatiker: Der Pragmatiker ist nur scheinbar vom Moralisten verschieden. Er orientiert sich zwar nach dem, was politisch durchsetzbar erscheint – ohne dabei auf moralische Grundsätze zu achten, die jenseits seiner eigenen Interessenlage zu verorten wären –, aber er hat immer dabei seine eigenen Interessen im Auge, ähnlich wie der Moralist. Eine typische pragmatische Politikerin ohne jede Überzeugung war Angela Merkel, die ihre Meinungen je nach politisch-gesellschaftlicher Strömung veränderte und zwar nur mit dem Ziel, dadurch an der Macht zu bleiben. Wie der Moralist ist also auch der Pragmatiker nur an der Durchsetzung eigener Bedürfnisse interessiert. Der Pragmatismus dient nur als Hilfsmittel hierzu.
  • Populist: Der Populist hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Pragmatiker. Aber während der Pragmatiker sich nicht unbedingt um die Meinung der Bevölkerung kümmert und diese in seiner Strategie nur dann berücksichtigt, wenn sie seiner eben pragmatischen Zielsetzung dienlich ist, schaut der Populist vornehmlich auf die Meinung des Publikums. Er versucht gewissermaßen sich dem Trend der Meinungen anzupassen, um nicht anzuecken. Die Populisten hatten im letzten Wahlkampf das Sagen, weil sie alle dem von den Grünen vorgegebenen Meinungsdiktat im Hinblick auf den Klimawandel nacheiferten, möglichst schnell aus der Erzeugung von Energie aus dem Verbrennen von Kohle auszusteigen. Es kommt dem Populisten darauf an, wenn es ihm schon nicht gelingt, ein eigenes Thema mit seinen Thesen zu besetzen, sich dem allgemeinen Trend anzupassen, um dadurch in der vermeintlichen Gunst der Wähler gut anzukommen. Zum Populismus gehört es aber auch, geschickt die kritischen Punkte zu vermeiden, die zu Kontroversen führen könnten. Deshalb sehen die populistischen Politiker davon ab, z. B. Migrationsprobleme oder Risiken der mRNA-„Impfstoffe“ anzusprechen und bei direkten Fragen zu diesen Themen mit geschickten Redemanövern sich mit klaren Meinungen zu positionieren, die nicht opportun sind. Dieser Art Populismus wird noch durch die Meinungsforschungsinstitute verstärkt, die durch Befragung von vermeintlich repräsentativen Teilen der Bevölkerung die Einstellungen zu aktuellen politischen Themen erfassen. Der Populist liest diese Umfragen und richtet seine Statements nach deren Ergebnissen. Die Beliebigkeit der Meinungen entspricht dem Grad der vermeintlichen Beliebtheit beim Wählerpublikum.
  • Hintergrundhelfer: Jeder Politiker braucht Menschen, die die mühsame Detailarbeit für sie erledigen. Es gibt sie in den Parteien, die dem Politiker, der im Rampenlicht steht und die großen Reden hält oder Interviews gibt, das Redemanuskript schreiben. Es sind die Mitarbeiter, die als Anhängsel und als Teil der Ministerialbürokratie nicht direkt ein politisches Amt ausüben, aber für den Politiker die mühsame Puzzle-Arbeit erledigen, die Gesetzestexte zu formulieren. Die Grundzüge der Gesetze werden diesen Beamten vorgegeben, die sich daran setzen, die juristischen Fallstricke zu konstruieren, wo es dienlich ist oder zu vermeiden, wo es dem Gesetzesvorhaben schaden könnte. Sie sind diejenigen, die in den Corona-Zeiten die Menschen mit Verordnungen traktiert hatten, die kaum noch zu verstehen waren – aber den Politikern dienten, ihre Agenda umzusetzen. Sie laufen in dem politischen System mit, ohne direkt aufzufallen oder auch Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen, denn sie können in dem gewaltigen System der ministerialen Bürokratie untertauchen. Der bürokratische Mitläufer ist typischerweise ohne Gewissen und Moral, ohne jeden eigenen individuellen Anspruch an sich selbst und das was er tut. Er ist ein Diener der Mächtigen und profitiert in einer Günstlingswirtschaft von der Protektion des in Erscheinung tretenden Politikers. Ihm ist z. B. das Schicksal von Menschen egal, die von in den Verordnungen zur Corona-Politik vorgesehenen „Lockdown“-Maßnahmen betroffen sind. Ohne diese Helfer der im Vordergrund stehenden Politiker käme kaum jemand in die Positionen oder könnte sich in diesen halten, in die er sich dank dieser im Hintergrund agierenden Personen manövriert hat.  

Gibt es keine positiven Typen in der Politik? Entweder gehen sie gar nicht erst in die Politik oder werden sehr schnell wieder herausgekickt, sei es durch soziales Mobbing der eigenen Parteikollegen oder durch die Wähler selbst, weil diese dem geschmeidigen (aber verlogenen) Politiker den Vorzug geben oder sie werden schlichtweg ermordet (z. B. John F. Kennedy), wenn sie zu unbequem geworden sind.

© beim Verfasser

 

[1] Hinweis zum Gendergaga: Alle im Maskulinum beschriebene Typen gelten selbstverständlich auch für Frauen und „Sonstige“.

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