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In Deutschland ist nach meinem Eindruck der moralische Verfall auf allen Gebieten des gesellschaftlichen und politischen Lebens zu beobachten. Stehen wir vor so etwas wie einem „Blackout“, d. h. dass es ab einem bestimmten Punkt des Niedergangs eigentlich nicht mehr weitergeht?   

Anspruch an eine moralische Gesellschaft: Moral scheint anscheinend außer Mode gekommen zu sein. Sie wird nur noch für „Sonntagsreden“ bemüht, ohne dass hierbei anscheinend jemand es ernst damit meint. Der „moralische Blackout“, ein Ausdruck, der im ursprünglichen Sinne beschreibt, was passiert, wenn die Stromversorgung zusammenbricht[1], geschieht durch das Abschneiden zu der eigentlichen Lebensgrundlage unseres Lebens, die in der Fundierung durch die Akzeptanz eines göttlichen Willens geschieht, der wiederum die Grundlage einer gesellschaftlichen Ordnung sein sollte. Die Frage, der ich zunächst einmal nachgehen möchte ist, ob es so etwas wie Gütekriterien für eine moralisch handelnde Gesellschaft geben könnte.

  • Moral als von der Person unabhängig existierend: Wir stehen bei der Moral eigentlich vor dem Problem, dass wir sie als etwas Abstraktes ansehen müssten, das von individuellen Bedürfnissen unabhängig existiert, die aber in konkreten Fällen aber tatsächlich anwendbar sein muss. Wer moralisch handeln will, muss gewissermaßen das Kunststück fertig bringen, so zu tun, als gäbe es unabhängig von seiner eigenen Person bestehende Werte und daraus abgeleitete Normen, die ein ideales Verhalten beschreiben und letztendlich auch bedingen. Moral wäre dann etwas, was nicht unbedingt dem eigenen Nutzen dient, sondern der Erfüllung übergeordneter Gütekriterien zur Geltung verhilft. Der Eigennutz, der eigene Vorteil in einer Konfliktsituation, darf nicht ausschlaggebend für ein moralisches Urteil sein, sondern nur die moralischen Grundsätze.
  • Moral – mehr als nur ein Konsens oder Mehrheitsbeschluss: In so genannten demokratischen Entscheidungsprozesses wird häufig so getan, als wäre etwas in Ordnung, wenn sich die Menschen, die Entscheidungen fällen, sich einig sind oder sich zumindest eine Mehrheit für eine bestimmte Variante einer Entscheidung bildet. Das würde aber dem o. g. Grundsatz widersprechen, dass es unabhängig von menschlichem Eigennutz bestehende Grundsätze gibt, denen sich auch eine Mehrheit unterordnen müsste. Es kann nicht sein, dass man per Konsens etwa wieder die Todesstrafe einführt, nur weil alle dafür sind oder zumindest die Mehrheit sich dafür ausgesprochen hat. Es kann nicht sein, dass Folter als Mittel von Untersuchungsbehörden angewandt wird, nur weil damit ein möglicher Täter überführt oder ein schlimmes Übel für andere Menschen vielleicht abgewandt werden kann. Jeder spürt intuitiv, dass so etwas nicht in Ordnung wäre. Es widerspricht grundsätzlicher Abwägungen über eine fundamentale Einstellung zum Leben und zur Achtung des Einzelnen und seiner Würde.
  • Moral als Achtung des Lebens: Wer die Gesundheit, die Freiheit, die Würde eines Menschen nicht bei seinen Handlungen beachtet, verletzt die fundamentalen Grundsätze einer auf der Achtung des Lebens sich stützenden Werteordnung. Das Leben zu achten heißt: Alles, was das Leben gefährdet, ist abzuwehren und jeder einzelne einer Gesellschaft ist aufgefordert, das Lebensrecht zu schützen vor Gefahren, die das Leben schädigen könnte. Das Leben ist als ein grundsätzliches Rechtsgut für jedermann anzunehmen, unabhängig von seiner gesellschaftlichen Stellung, seiner Ansichten und Einstellungen. Das Schutzbedürfnis von Menschen, aber auch Tieren, ist ein aus diesem Grundsatz heraus abgeleitetes Erfordernis.
  • Moral als Geschenk Gottes: Atheistisch denkende Menschen ist es nicht vermittelbar, dass Moral eine Kreation sein könnte, die nicht von ihnen selbst, sondern von Gott kommt. Gott als Gesetzgeber, als jemand, der seine Vorstellungen von einer gerechten Welt geschaffen hat, macht aber Sinn, weil dann alles andere auch stimmig wäre. Denn warum sollte er Menschen erschaffen und sie dann einfach ihrem Schicksal überlassen. Warum sollte er nicht dann überlegt haben, wie die von ihm geschaffenen Wesen am besten zusammenleben? Moral wurde deshalb notwendig, weil Gott sich selbst durch seine Schöpfung gewissermaßen in Teilbewusstseinsentitäten aufgespalten hat. Diese Aufspaltung war aus seiner Sicht notwendig, um vom reinen Sein – als ein vor sich hin existieren – zu konkreten Erfahrungen zu gelangen, um die Auswirkungen der Aktion und Reaktion zu erleben[2]. Wer nur allein für sich selbst lebt, braucht auf niemand anders Rücksicht nehmen als auf sich selbst. Aber sobald verschiedene Individuen vorhanden sind, beginnt das Problem der Vereinzelung, der Distanzierung, des sich Auseinanderentwickelns. Die Individuation bedingt gewissermaßen die Notwendigkeit einer Moral, um diesen Prozess zu steuern, zu regulieren und einzugreifen, wenn etwas aus dem Ruder läuft, wenn also die einzelnen Bewusstseinsentitäten sich nicht mehr einig sind, weil sie sich in verschiedene Richtungen orientieren und entwickeln. Denn dann entstehen unterschiedliche Interessen und Absichten, die sich dann in konkreten Verhaltensweisen zeigen. Niemand würde sich selbst schädigen[3], aber voneinander unterschiedene Individuen wären dazu in der Lage. Und da Gottes Wille nicht war, dass alles, was er erschaffen hat, sich selbst schädigt, sondern erhalten bleibt, wurde die Notwendigkeit einer Moral geboren. Seine Vorstellungen hat er den Menschen nach monotheistischen Auffassungen, die sich in alten Schriften wie etwa der Bibel finden lassen, offenbart. Diese „Offenbarungen“ wurden von den Menschen zur Kenntnis genommen und festgehalten. Eine dieser Offenbarungen wurden Mose in den so genannten „10 Geboten“ geliefert, die dem Führer der Israeliten vermittelt wurden[4]. Nach der Neuoffenbarung gegenüber Neale Donald Walsch sind diese aber nicht als „Gebote“, sondern als „Verpflichtungen“ zu sehen: „Ihr werdet wissen, dass ihr den Weg zu Gott genommen habt, und ihr werden wissen, dass ihr Gott gefunden habt, denn es wird diese Zeichen, diese Hinweise, diese Veränderungen in euch geben“[5]: Der Mensch könnte gar nicht anders, als Gott zu lieben (1. Gebot), seinen Namen nicht zu missbrauchen (2. Gebot), ihm zuliebe nicht nur einen Tag heilig zu halten (3. Gebot), und in dem Bewusstsein, „Gotteskinder“ zu sein, auch folgerichtig nicht anders, als Vater und Mutter zu ehren, weil sie geholfen haben, in diese Welt zu gelangen (4. Gebot). Er könnte nichts mutwillig töten, weil das Bewusstsein vorhanden wäre, dass kein Leben wirklich beendet werden kann, da alles Leben ewig existiert (5. Gebot), nicht die Reinheit der Liebe entweihen (6. Gebot), nichts stehlen (7. Gebot), nicht lügen (8. Gebot), nicht die Gefährten eines anderen begehren, weil jeder des anderen Lebensgefährte wäre (9. Gebot) und nicht seine Güter haben wollen (10. Gebot). „Das sind eure Freiheiten, nicht eure Beschränkungen. Das sind meine Verpflichtungen, nicht meine Gebote. Denn Gott kommandiert nicht herum, was von ihm erschaffen worden ist – Gott sagt Gottes Kindern nur: Auf diese Weise werdet ihr wissen, dass ihr nach Hause kommt.“[6] Nach dieser Lesart der „10 Gebote“ handelt es also nicht um etwas, was eingehalten werden muss, „um in den Himmel zu kommen“, sondern um auf dem Weg zu Gott sich fast wie von selbst erschließende Einsichten über Zusagen Gottes, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Indizien für einen moralischen Verfall in Deutschland: Nun will ich der Frage nachgehen, ob es Anzeichen dafür gibt, dass es in Deutschland moralisch gesehen bergab geht.

  • Moral als Waffe: Moral und Verstand sollten sich nicht gegenseitig ausschließen, aber wo die Ratio versagt, wird dann gerne zur Waffe der Moral gegriffen, um in den Kampf um die so genannten „richtigen Lösungen“ für gesellschaftliche Probleme zu einer vermeintlich angemessenen Entscheidung zu gelangen. Hierbei geht es nicht um die Moral, von der hier die Rede ist, sondern um die einseitige, sich auf den eigenen Standpunkt beziehende Moral, die aber mit einem Allgemeinheitsanspruch formuliert wird. Ideologen gebrauchen die Moral, um sich als die „echten Demokraten“ oder als die „seriösen Wissenschaftler“ zu präsentieren und gebrauchen hierbei Propaganda als ein Mittel der Indoktrination derer, die sich nicht selbstverständlich ihrer eigenen Meinung anschließen, um sie dann auszugrenzen, wenn sie es nicht tun[7]. Wer dem eigenen moralischen Anspruch nicht genügt, wird diskriminiert und als unglaubwürdig dargestellt. Die AfD gilt nach Meinung dieser „echten demokratischen Parteien“ als die moralisch minderwertige Partei, weil sie z. B. der bedingungslosen Zuwanderung als eine „moralische Verpflichtung“ nicht zustimmt. Wer nicht will, dass Menschen aus dem Mittelmeer, die versuchen auf diese Weise nach Europa zu gelangen, einfach nach der Rettung auf dem Weg in das „gelobte Land“, möglichst auch nach Deutschland gebracht werden, wird moralisierend in etwa so entgegnet: „Ach, dann wollen Sie, dass diese Menschen im Meer ertrinken.“ Die „seriösen Wissenschaftler“ diffamieren alle anderen Wissenschaftler, die z. B. nicht der Agenda der Klimawandel-Gläubigen folgen wollen und auch nur kritische Fragen stellen. Die moralische Keule, dass diese die echte Gefahr des Klimawandels unterschätzen und damit Schuld am Untergang der Menschheit sind, wird benutzt, um sie mundtot zu machen. Auf diese Weise wird ein kritischer Diskurs vermieden. 
  • Missachtung des Selbstbestimmungsrechts: Die gesamte Corona-Politik basiert auf eine Art Missachtung des Selbstbestimmungsrechts der Bürger. Die eigene Sicht der Dinge wird dazu benutzt, um den Menschen vorzuschreiben, wie sie mit dieser Gefahr durch dieses Virus umzugehen haben. Während es auf anderen Gebieten des täglichen Lebens den Menschen erlaubt ist, sich durch falsche Ernährung oder durch Zuführung von Drogen ihre Gesundheit zu ruinieren, gefährliche Sportarten zu betreiben oder einfach durch Sorglosigkeit ihr Leben und das von anderen Menschen gefährden, indem sie ungeschützten Geschlechtsverkehr mit jedermann ausführen, maßen sich Politiker an, den Menschen im Hinblick auf den Corona-Virus endlose Vorschriften zu machen. Gerade die Debatte zur Einführung der Impfpflicht zeigt, wie weit die Missachtung des Selbstbestimmungsrechts geht, in dem selbst der Ethikrat hierzu rät[8]. Dass die Grünen – hier besonders die Vorsitzende Ricarda Lang – gerade vehemente Verfechter einer allgemeinen Impfpflicht sind, wundert kaum noch[9]. Der Anspruch, es „besser zu wissen“, dass die Impfung tatsächlich in der Lage ist, sowohl vor Infektion zu schützen als auch zu verhindern, dass die Viren weiter gegeben werden, wird kategorisch behauptet und als unumstößliche Wahrheit dargestellt. Die Missachtung der eigenen Autonomie als ein grundlegender Bestandteil einer moralischen Grundordnung zeigt, dass hier eine Grenze überschritten wird, die zur Verletzung eines moralisch begründeten Selbstbestimmungsanspruches führt.
  • Aktive Beteiligung am Ukrainekrieg: Während die Pazifisten bei der Diskussion um die Lieferung von Waffen in die Ukraine viel zu kurz kommen, sind diejenigen, die sich gerne als „Waffenexperten“ darstellen und glauben, mit noch mehr Waffenlieferungen einen Beitrag zur Lösung des Konfliktes leisten zu können, in der Mehrheit. Es muss deutlich gesagt werden: Selbst mit Panzerabwehrraketen werden nicht nur Panzer zerstört, sondern auch Soldaten getötet, die in den Panzern sitzen. Deshalb ist die Unterscheidung zwischen Verteidigungs- und Angriffswaffen scheinheilig, denn mit beiden werden Menschen getötet. Dass auch hier die katholische Kirche ihren Segen gibt und die Lieferung von Waffen an die Ukraine befürwortet[10], zeigt den tiefen Fall der Amtskirche, die um des eigenen Überlebens willen „mit den Wölfen heult“[11].
  • Härte gegen andere – Nachsicht gegen sich selbst: Wer von anderen etwas verlangt, muss dies auch für sich selbst gelten lassen. Die Doppelmoral, die aus der Heuchelei resultiert, für sich selbst „Sonderrechte“ zu proklamieren, während man bei anderen ein „hartes Durchgreifen“ fordert, ist ein weiteres Zeichen moralischen Verfalls. Jesus hatte dies mit dem Hinweis in seiner Bergpredigt verdeutlicht, in dem er sagte, dass niemand über andere richten solle, denn auch das Maß, das er bei anderen anlege, auch für ihn angewandt werden würde[12]. Die Härte, mit der unsere Staatsorgane gegen Corona-Kritiker vorgehen, versagt regelmäßig bei den Inhabern der staatlichen Gewalten, die ungeschoren davonkommen[13]. Verbrecherisch anmutende Gewinne durch Provisionen, die bei den „Maskendeals“ erzielt wurden, bleiben weitgehend ungesühnt[14]. Die Verschwendung von Steuergeldern findet keine Beachtung durch die Staatsanwaltschaften, die Steuerschuldner werden dagegen aber mit aller Härte in den wirtschaftlichen Ruin getrieben.
  • Eigene Person wichtiger als Gemeinverpflichtung: Politiker verkommen oft als Selbstdarsteller ohne Gewissen, bei denen die eigene Person immer im Vordergrund steht und eine Rücktrittsforderung oftmals ungeachtet verpufft, denn der Machterhalt mit der Sicherung der Existenz geht vor der Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft. Jüngstes Beispiel hierzu ist der dienstliche Flug der Verteidigungsministerin Christine Lambrecht mit ihrem Sohn nach Sylt[15], bei dem ein Hubschrauber der Bundeswehr genutzt wurde, um anschließend in der Nähe – und das ist der Verdacht – Urlaub machen zu können. Es ist nicht wenig überraschend, dass es ihr vor allem um die Selbstverteidigung geht und nicht so sehr um die verletzten Rechtsempfindungen der normalen Bürger, die über keine vergleichbaren Privilegien verfügen. Auch der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann denkt nach seinen zahlreichen „Entgleisungen“ („Herrenwitze“, Entwendung des gewonnen Pokals der Frankfurter Eintracht, Korruptionsvorwürfe und Vorteilsnahme) nicht an Rücktritt[16]. Der so genannte „Push-Rücktritt“ – Rücktritt wegen Pannen und Versäumnissen in der Amtsausübung – ist ein seltenes Phänomen. Von den zwischen 1949 und 2017 erfolgten 266 Amtsbeendigungen als Bundesminister erfolgten nur 22 aufgrund von Amtsverfehlungen („Push-Rücktritt“), was einem Anteil von nur 8,3 % entspricht[17]. Wer einmal fest im Sattel der Macht sitzt, fällt also nicht so leicht herunter. Die Handhabungen, jemand aus dem Amt zu befördern, sind auch rechtlich gesehen gering, denn nach Art 64 GG werden Bundesminister lediglich aufgrund des Vorschlages des Bundeskanzlers vom Bundespräsidenten ernannt und entlassen[18]. Andere Entlassungsgründe gibt es nicht, die mit der Stellung eines normalen Arbeitnehmers vergleichbar wären, dessen Arbeitsverhältnis von Arbeitgeberseite aus aufgrund von Verfehlungen gekündigt werden kann.
  • Anpassung an die Mehrheitsmeinung: Die Corona-Krise hat deutlich die Charaktere gezeigt, bei denen die eigene Existenzsicherung vor der Einhaltung moralischer Grundsätze gestellt wird. Die Anpassung an das Narrativ der Regierung sicherte ihnen ihre Existenz und bescherte ihnen ein scheinbar ruhiges Leben in der Sicherheit, nicht durch eine abweichende Meinung aufzufallen. Diejenigen, die sich der Wahrheit verpflichtet sahen und den Mut hatten, gegen den Strom zu schwimmen, hatten nicht selten die „ganze Härte des Rechtsstaates“ zu spüren bekommen. Die Auffälligkeit, mit der alle staatlichen Organe „an einem Strang ziehen“, wodurch die Gewaltenteilung quasi aufgehoben wird [19]und die Kontrollen durch die Gerichte spärlich ausfallen, bis dahin, dass das Bundesverfassungsgericht seine Reputation als unabhängiges Rechtsorgan aufs Spiel setzt[20], veranlasst mich zu dem Urteil, dass hier grob moralisch bedenklich gehandelt wird. Mehrheitsmeinung oder Meinungsübereinstimmung kann und darf nicht Maßstab für ein moralisch einwandfreies Verhalten sein. Dies trifft auch für die „schreibende Zunft“ der Journalisten zu, die sich mehrheitlich dem Corona-Narrativ der Regierung angeschlossen haben und sich scheuen, „heiße Eisen“ (mangelnde Wirkungsweise der „Impfstoffe“, Kollateralschäden der Maßnahmen, Impfschäden) anzupacken[21].
  • Selbst Gott spielen: „Ihr werdet sein wie Gott“ ist das Versprechen der „Schlange“ im Garten Eden[22] an die Menschen, weil sie dann erkennen würden, wenn sie von dem Frucht der Erkenntnis essen, was gut und böse ist. Dieser Wunsch nach der Allmacht, sich von irgendwelchen göttlichen Diktaten zu befreien, ist so alt wie die Menschheit selbst. Dieser Bibelpassage hatte Erich Fromm in seinem Buch mit dem gleichnamigen Titel seine volle Aufmerksamkeit geschenkt und versucht darzustellen, dass dies eigentlich eine Chance war, sich der Eigenverantwortung bewusst zu werden und sich aus der göttlichen Allmacht zu befreien[23]. Aber ob dies wirklich eine Befreiung darstellt, ist die große Frage. Selbst Gott zu spielen, war schon der Urtraum von Luzifer, der als Erzengel die erste Rebellion gegen die göttliche Ordnung aus Gründen des Hochmutes im Himmel eingeleitet hatte und damit, folgt man der Bibel, gescheitert ist („Höllensturz“[24]). Wenn Politiker nun glauben, die Gesetze so definieren zu können, dass damit eine von Gott gegebene Ordnung infrage gestellt oder sogar zerstört werden kann, entsteht für mich die Frage: verhalten sie sich da nicht  im höchsten Maße unmoralisch? Gerade die „Ampelregierung“ maßt sich hier an, den Menschen das Recht zu geben, ihr Geschlecht selbst zu bestimmen, die vorhandenen Geschlechtsunterschiede nur als gesellschaftliche Konventionen darstellen[25], selbst zu bestimmen, welches Leben lebenswert ist oder nicht, in dem die Abtreibungskriterien gelockert und die Werbung für Abtreibung betrieben werden können soll[26]. Hier werden eindeutig „rote Linien“[27] überschritten, die eigentlich nicht überschritten werden dürfen. Denn die Achtung des Lebens sollte das oberste Gebot auch der menschlichen Ordnung sein und nicht die Hilfe bei seiner Zerstörung.

Moralischer Blackout schon da? Reichen die Indizien für einen moralischen Verfall bereits aus, um zu dem Urteil zu kommen, dass wir schon diesen Blackout beobachten können? Nein, denn hierbei vergessen wir die ehrlichen Menschen, die dagegen halten: Diejenigen, die sich nicht unkritisch der Mehrheitsmeinung anschließen, die den Mut haben, dagegen anzugehen und denen die Aufrechterhaltung einer moralischen Ordnung und das Bekennen zu dieser wichtiger ist als ihre eigene Existenz. Als Beispiel soll hier nur Gunnar Kaiser genannt werden, der stets ein kritischer Begleiter der Corona-Maßnahmen war und aus Gewissensgründen seinen Lehrerberuf und damit seine sichere Existenz aufs Spiel gesetzt hat, aber – das kommt für mich eigentlich nicht überraschend – an Krebs erkrankt ist[28]. Es ist nicht selten, dass Menschen, für die die Verpflichtung des Einhaltens von moralischen Grundsätzen wichtiger ist, als die eigene Person, schwer erkranken. Ich denke hierbei auch an den leider zu früh verstorbenen Journalisten Udo Ulfkotte (1960 – 2017), der ebenfalls zu den unbeugsamen Journalisten zählte, der die Käuflichkeit seiner eigenen Zunft anprangerte, aber wahrscheinlich aufgrund des großen Stresses, dem er dadurch ausgesetzt war, bereits mit 56 Jahren an einem Herzinfarkt starb[29]. Es geht nicht nur um das Aufrechterhalten einer moralischen Ordnung, sondern um die Treue gegenüber dem Schöpfer, von dem alles abhängt und der unser eigentlicher Überlebenshelfer im metaphysischen Sinne ist. Gott selbst, gegenüber dem wir eine Verpflichtung haben, so zu leben, dass wir seiner würdig sind, indem wir die kreierte Ordnung versuchen zu bewahren und mit ihm an der Schaffung einer gerechten Welt zu arbeiten, missachten wir durch die Verletzung seiner uns gegebenen moralischen Grundsätze.

 

© beim Verfasser

 

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Blackout

[2] Neale Donald Walsch, Gespräche mit Gott; Arkana, 2009, S. 40 ff.: Hier offenbart Gott dem Schreibmedium N. D. Walsch den Grund, warum er überhaupt etwas erschaffen hat: Es geht um die konkrete Erfahrung dessen zu erleben, was geschaffen wurde. So bleibt etwa die Liebe nur ein abstrakter Begriff, solange sie nicht konkret selbst erfahren wurde.

[3] Der Einwand, dass bei einem Suizid eine solche Selbstschädigung vorliegt, trifft nicht zu, da dieser i.d.R. das Resultat des Zusammenlebens mit anderen ist, das zu Zurücksetzungen, Verletzungen, Isolierung und Ausgrenzung und damit zur Verzweiflung des einzelnen führt. Bei einem „demonstrativen Selbstmord“ soll den Mitmenschen ihre Unmenschlichkeit vorgehalten werden, die nicht immer sachlich begründet sein muss. Es bleibt nur der Grund, dass aus Krankheitsgründen die Selbsttötung unternommen werden kann; aber auch da liegt oft ein Versagen der Gemeinschaft in Form einer mangelnden Hilfe und Unterstützung vor.

[4] Eine zusammenfassende Betrachtung zu den 10 Geboten und ob diese heute noch gültig sind, findet man in einem Artikel von mir mit dem Titel: „Sind die 10 Gebote heute noch gültig?" https://www.guentherbirkenstock.de/neue-seite

[5] Neale Donald Walsch, a.a.O., S. 121ff.

[6] Neale Donald Walsch, a.a.O. S. 123

[7] https://perikles.tv/1651-ein-plaedoyer-fuer-die-vernunft

[8] https://www.focus.de/gesundheit/coronavirus/wolfram-henn-im-interview-ethikrat-professor-warum-wir-die-impfpflicht-brauchen-um-corona-zu-besiegen_id_41675008.html

[9] https://www.focus.de/politik/deutschland/analyse-von-ulrich-reitz-ricarda-lang-und-kubicki-kommen-der-wahrheit-ueber-die-impfpflicht-am-naechsten_id_44257047.html

[10] https://www.sueddeutsche.de/politik/bischoefe-katholisch-waffenlieferung-ukraine-1.5545250

[11] Mehr zum Gebot der Neutralität im Ukraine-Konflikt hier: https://perikles.tv/1676-kann-deutschland-im-ukraine-konflikt-neutral-bleiben

[12] https://bibeltext.com/matthew/7-2.htm: Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet. 2Denn mit welcherlei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden.

[13] Mehr zu Beispielen hierzu in: https://perikles.tv/1697-leben-wir-in-deutschland-in-einem-unrechtsstaat

[14] https://www.tagesschau.de/thema/maskenaff%C3%A4re/ ; https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/maskenaffaere-abgeordnete-101.html

[15] https://www.merkur.de/politik/spd-lambrecht-sohn-helikopter-flug-verteidigungsministerin-urlaub-sylt-instagram-zr-91537796.html

[16] https://www.youtube.com/watch?v=dKW7FzkRCGI

[17] https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/245588/wege-ins-amt-und-wieder-hinaus-selektion-und-deselektion-von-bundesministern/

[18] https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_64.html

[19] https://perikles.tv/1693-haben-wir-zu-viel-staatliche-gewalt

[20] Prof. Christian Rieck analysiert auf spieltheoretischer Ebene das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur „einrichtungsbezogenen Impfpflicht“ und kritisiert die Nichtbeachtung der Impfnebenwirkungen, die billigend in Kauf genommen werden und führt aus, dass es mit diesem Urteil seine in früheren Urteilen erworbene Reputation selbst durch dieses Urteil, das sich auf dem Niveau eines Provinzgerichtes bewege, zerstört habe; https://www.youtube.com/watch?v=JJ2kPYniubU

[21] Hierzu gibt es tatsächlich eine rühmliche Ausnahme, in dem z. B. BILD.de den Mut hatte, dem impfkritischen Arzt Dr. Gunter Frank die Möglichkeit zu geben, seine Vorbehalte gegen die „Impfung“ gegen die Meinung des Impfbefürworters und Vorsitzenden der Bundesärztekammer, Prof. Montgomery, vorzutragen; gut kommentiert von Philip Hopf; https://www.youtube.com/watch?v=XWuyfCqdgcI

[22] 1. Mose 3.5-6: Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben; sondern Gott weiß, daß, welches Tages ihr davon eßt, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist; https://bibeltext.com/genesis/3-5.htm

[23] Erich Fromm: Ihr werdet sein wie Gott, Rowohlt 1983

[24] https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6llensturz

[25] Hierzu mehr in der Analyse des Wahlprogramms: https://perikles.tv/1657-die-ampel-steht-nur-worauf

[26] https://www.tagesschau.de/inland/werbeverbot-abtreibungen-bundestag-101.html

[27] Olaf Scholz hat in der so genannten „Pandemie“-Bekämpfung dafür plädiert, dass es keine „roten Linien“ geben dürfe – dies könnte auch als Paradigma für eine gewissenlose Politik verstanden werden, die auch für andere Felder gültig sein könnte: https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-scholz-pandemie-ungeimpfte-100.html

[28] https://widerstand2020.wirfuerduesseldorf.de/gunnar-kaiser-krebserkrankung-und-chemotherapie/

[29] https://de.wikipedia.org/wiki/Udo_Ulfkotte

 

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