Pin It

Was haben Coke und Woke gemeinsam? Beides kommt aus den USA – und beides ist untauglich oder unnütz, wenn nicht sogar schädlich. Also: Nicht alles, was aus den USA kommt, sollten wir gut finden und deshalb diesem von dort gesetzten Trend hinterherlaufen – und trotzdem wird es getan. Was steckt hinter diesem Begriff? Warum ist er ein neuer Spaltpilz?   

Woke – eine neue (?) moralische Kategorie: Woke, aus dem afroamerikanischen Sprachgebrauch kommend, heißt so viel wie aufgewacht, abgeleitet von dem Partizip Perfekt „to woke“, was so viel heißt erwacht sein[1]. Wer oder was ist dann woke? Hier ein paar Merkmale:

  • Alles – nur nicht normal: Wer woke sein will oder glaubt es zu sein, ist alles andere als normal. Die Normalität gilt schon als abartig und deshalb als verdächtig. Wer sich nur als Frau oder Mann fühlt und auch noch die normale Sexualität – begehren einer Person des anderen Geschlechts – praktiziert, kann nicht woke sein. Zumindest sollte man bisexuell sein, am besten sogar homosexuell, dann ist man woke. Die „LGBTQ-Bewegung“ (Lesben, Gay, Bisexuell, Transgender, Queer) ist ein Ausdruck dieser vehement formulierten Andersartigkeit, wobei die Regenbogenflagge als Symbol hierfür herhalten muss[2]. Die normale Familie (Vater, Mutter, Kind) ist „out“, denn man muss zumindest aus einer Patchworkfamilie (neudeutsch für „Stieffamilie“[3]) stammen. Am besten ist es noch, wenn einer der Ehepartner – wenn überhaupt noch verheiratet – ein Farbiger ist, dann ist man woke. Zu der breiten Masse der „Normalos“ zu gehören ist auf keinen Fall woke, denn man muss zu irgendeiner vermeintlichen ausgegrenzten Minderheit gehören: Farbiger, Lesbe, Schwuler, Transgender, Ausländer oder Migrant.
  • Wahn als Normalität: Es wird dann das Nicht-Normale zum Normalen erklärt und zur Norm erhoben. Wie bei einem Menschen, der im psychiatrischen Sinne an einem Wahn leidet – z. B. Verfolgungswahn – errichtet der „Woke“ eine perfekte Welt des Anormalen, die vehement verteidigt wird. Argumente gegen seine Sicht der Welt lässt er nicht gelten und werden deshalb strikt verworfen – oder gerade als Bestätigung der eigenen Ansichten gesehen („Das ist ja gerade was ich sage, Eure Intoleranz, in dem Ihr behauptet, dass der Normale einfach normal ist, gebiert ja ständig die Ausgrenzung von Minderheiten“). Der Klimaaktivist wird stets keine Argumente gelten lassen, die seinen Glauben an den gefährlichen Klimawandel erschüttern könnte und fest an die Axiome dieses zum perfekten Wahngebäudes ausgebauten Glaubens verteidigen: Der Mensch ist an dem Klimawandel durch den Ausstoß von Kohlendioxid schuld, der Klimawandel ist die größte Herausforderung für die Menschheit, wer hier nicht mitmacht, ihn zu bekämpfen, gilt als Menschheitsgefährder.
  • Faschistoid: Der woke Mensch wird anderen stets, wenn er sich nicht zum Woke-Sein bekennt, vorwerfen, dass er mit der Ausgrenzung von Minderheiten faschistisch sei. Seine vermeintliche Intoleranz führe zu einer Diskriminierung derer, die nicht normal seien und wolle diese zwingen, sich der Norm anzupassen. Die folgerichtige Denkart dieser Argumentation ist, dass sie das wird, was sie anderen vorwirft: faschistoid. Denn wenn der Weiße ausgegrenzt wird, weil er aufgrund seiner Hautfarbe kein Verständnis haben könne für Menschen einer anderen Hautfarbe[4], dann ist das faschistisch. Die vermeintlich Ausgegrenzten werden selbst zu Ausgrenzern, indem sie andere an den „Pranger stellen“[5], d. h. ihnen eine Intoleranz und Ignoranz vorwerfen. Diese Umgangsart, die auch als „Cancel culture“[6] bekannt gewordene Praxis, führt zu einer öffentlichen – in sozialen Netzwerken oder Presse – Zurschaustellung der angeblichen Diskriminierung, indem diese Personen wiederum diskriminiert wird. Wer nicht woke sein will, wird zum Feind erklärt und bekämpft und somit eine intolerante und totalitäre Herrschaftsform praktiziert, wie sie für den Faschismus[7] typisch ist.
  • Individualität – Fehlanzeige: Nicht der individuelle Mensch mit seiner facettenreichen Vielfalt ist das erklärte Ziel des woken Menschen, sondern der nach vorgefertigten Kategorien eingeteilte Mensch. Der „alte, weiße Mann“ wird von vornherein als verdächtig dargestellt, weil er die „alte Welt“ des Patriarchats verkörpert. Stereotypes Denken und die Zuordnung bestimmter Merkmale zu einem Individuum nur aufgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Personengruppe führt zu einer Vorverurteilung dieses Menschen. Selbst wenn er tolerant gegenüber Minderheiten wäre, würde das einem zu dieser Kategorie gehörenden Mannes nichts nutzen, weil er undifferenziert, nur aufgrund der Zugehörigkeit zu dieser Personengruppe, als intolerant gilt.
  • Unkonstruktiv: Die Welt zu verbessern ist nicht das Ziel. Woke Menschen findet man deshalb selten in Berufen oder bei Aktivitäten, bei denen tatsächlich durch persönlichen Einsatz etwas für diejenigen erreicht wird, für die man sich einsetzt. Anstatt sich also wirklich durch eigene Anstrengungen für die Verbesserung der Lebenssituation der angeblich ausgegrenzten Minderheiten einzusetzen, wird lediglich die Anklage erhoben und die vermeintlich Bösewichte an den Pranger gestellt. Der Klimaaktivist klebt sich auf der Straße fest, um dadurch gegen Klimawandel zu protestieren und behindert dadurch andere, ihrer Arbeit nachzugehen, indem die Autofahrer an der Weiterfahrt gehindert werden[8]. Juristisch stellt dies eine Nötigung dar, aber das stört die Aktivisten nicht, die die hohen Ziele ihrer Ideologie den schnöden Zielen des Menschen, der seinen Alltagsgeschäften nachgehen will, überordnen. Die Störung, die Provokation, gilt als erlaubtes Mittel zur Durchsetzung der angeblich wertvolleren Absichten.
  • Laut, militant und intolerant: Es ist schon angeklungen: der woke Mensch macht gerne laut auf sich aufmerksam. Mit Fahnen und Transparenten durch die Gegend laufen – möglichst gemeinschaftlich – und mit Parolen die teils neugierige oder auch gleichgültige Masse der „Normalos“ zu provozieren ist das, was gerne praktiziert wird. Dabei wird nicht die Diskussion gesucht, sondern durch Lautstärke und militantes Auftreten die eigene Agenda vorangetrieben. Toleranz gegenüber Andersdenken? Fehlanzeige, denn tolerant zu sein ist gleichzusetzen mit schwach zu sein. Wer woke ist, der wurde ja die ganze Zeit von intoleranten Mitmenschen ausgegrenzt, also warum sollte man jetzt umgekehrt tolerant sein. Der vegan sich ernährende Mensch gilt als derjenige, der sich für woke hält und jeden, der immer noch Fleisch ist, als barbarischen Tierschlächter ansieht. Die Intoleranz, die angeblich ertragen werden musste, wird jetzt umgedreht: Die Diskriminierenden werden jetzt diskriminiert, das ist die konsequenter Retourkutsche. Die Pläne der „Ampelregierung“ im Hinblick auf das Recht, das eigene Geschlecht bestimmen zu können, zeigt die Vehemenz, mit der auch mit staatlicher Hilfe der Normalität der Kampf angesagt wird, wozu das Transsexuellengesetz abgeschafft werden soll[9].
  • Ausdruck eines Kulturkampfes: Das Woke-Sein kann auch als ein Angriff auf alles angesehen werden, was man als das „christliche Abendland“ bezeichnen kann. Das so genannt christliche Menschenbild fußt auf einem monotheistischen Ansatz, wonach Gott als der Schöpfer auch den Menschen nach seinem Bilde geschaffen hat, und zwar als Mann und Frau (1. Mose 1,27[10]). Giuseppe Gracia sieht sogar die Woke-Bewegung eingebettet in eine Art Kulturkampf, wodurch der Versuch unternommen werden soll, uns der christlich-jüdischen Wurzeln zu berauben und durch eine neue Kultur zu ersetzen, die keine moralischen Grenzen mehr kennt[11]. Dass dabei unsere erkämpfte individuelle Freiheit verloren geht, soll dabei billigend in Kauf genommen werden. Über diesen Kulturkampf diskutierten auch Tichy mit seinen Gästen Bettina Röhl und Pauline Schwarz[12], in der der Autor Gracia diese Entwicklung auf dem Versuch zurückführt, im Wege eines reinen Konstruktivismus den Menschen gewissermaßen neu zu konstruieren bar jeder natur- oder gar gottgewollten Vorbedingungen. Dass diese Art des Konstruktivismus nicht neu ist, betonte die Publizistin Bettina Röhl, Tochter von der links-radikalen und späteren Terroristen Ulrike Meinhof[13], die dies auf den alten Kommunismus zurückführt, der dann in der 68-Bewegung mündete, wodurch alles, was uns vertraut war – Ehe, Familie, vertraute Beziehungen – zerstört werden solle.

Die schweigende Mehrheit: Der Woke-Wahn ist eine Bewegung, der die breite Öffentlichkeit nichts oder zu wenig entgegensetz, was ihn aufhalten könnte. Ähnlich wie bei der vehement vorangetriebenen Corona-Diktatur, die von Staats wegen mit Unterstützung der gleichgeschalteten Presse installiert wurde, dominiert auch hier eine Minderheit eine schweigende Mehrheit, die sich nicht wehrt. Vielleicht sollte wirklich diese schweigende Mehrheit im guten Sinne „woke“ werden, also aufwachen, um sich dieser negativen Entwicklung entgegenzustellen. Die guten Sitten, die sich in der bürgerlichen Welt durch eine lange Tradition gebildet haben und die darauf beruhen, rücksichtsvoll, tolerant und nicht militant zu sein, führen zu einer falschen Duldsamkeit gegenüber einer militant auftretenden Minderheit, die in ihrer Rücksichtslosigkeit keine Grenzen kennt und der es mit Hilfe willfähriger Multiplikatoren in Politik und Gesellschaft gelingt, ihre Agenda der Mehrheitsgesellschaft aufzuzwingen. Die schweigende Mehrheit des braven bürgerlichen Lagers macht sich damit mitschuldig an der Zerstörung von dem, was durch fast jahrhundertelange harte Arbeit an einer möglichst freiheitlichen Gesellschaft aufgebaut wurde.

Können wir den Woke-Wahn stoppen? Ja, aber wir müssen endlich uns gegen diese Art des Terrorismus wehren, bevor es zu spät ist und mit Hilfe der staatlichen Gewalt uns unsere Errungenschaften kaputt gemacht werden.

  

© beim Verfasser

 

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Woke

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/LGBT

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Stieffamilie

[4] Die Studierendenvertretung (nicht: Studentenvertretung) der Humboldt-Universität in Berlin hatte im Jahr 2021 eine Beratungsstelle für antirassistische Diskriminierung ausgeschrieben, in dem weiße Menschen gebeten wurden, von einer Bewerbung abzusehen. https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2021/08/stellenanzeige-nicht-weisse-bewerber-studierendenvertretung-hu-b.html  

[5] https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.cancel-culture-mhsd.94d7459f-6f15-4323-bc6c-c6b758105099.html

[6] https://perikles.tv/1617-cancel-culture-die-moderne-zensur

[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Faschismus

[8] https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_92195148/dresden-klimaaktivisten-kleben-sich-auf-strasse-fest-polizeieinsatz.html

[9] https://www.zeit.de/politik/deutschland/2021-11/ampel-koalition-gesellschaftspolitik-schwangerschaftsabbruch-selbstbestimmungsgesetz/seite-2

[10] https://www.bibleserver.com/search/LUT/Mann%20und%20Frau

[11] https://www.fontis-shop.de/products/die-utopia-methode: Die Utopia-Methode. Der neue Kampf gegen Christentum und Freiheit.

[12] https://www.youtube.com/watch?v=CCie4cQ4r2Q

[13] https://de.wikipedia.org/wiki/Bettina_R%C3%B6hl

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren