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Dieser Artikel wurde bereits im Jahr 2019 als Leserbrief verfasst, aber von mir noch einmal überarbeitet.

Es gibt die alltäglichen Nervensägen, die uns manchmal das Leben verderben können. Sie bevölkern unsere Welt und sorgen dafür, dass es uns nicht zu gut geht. Sie sind die „kleinen Sargnägel“, die uns allmählich ins Grab treiben. Ihnen ist gemeinsam, dass sie an unseren Nerven zerren wie ungezogene Kinder, die keine Rücksicht kennen. Und jetzt kommt eine – sehr subjektive – Auswahl:

  • Der Besserwisser[1]: Wie das Wort schon sagt, ist dieser Menschentypus immer besser informiert, hat für alles eine Antwort, ist um keine Ausrede verlegen und neigt leider dazu, das Besser-informiert-Sein auch den anderen spüren zu lassen. Lehrerhaft meint er, die anderen über alles informieren zu müssen, von dem er glaubt, dass er darüber besser Bescheid weiß. Frage nie einen Besserwisser nach einem Rat, denn dann ist er nicht mehr zu bremsen und „fängt bei Adam und Eva an“, dir alles bis ins Kleinste zu erläutern, ohne dabei im Geringsten irgendwelche Ermüdungserscheinungen zu zeigen. Am schlimmsten ist noch derjenige, die ungefragt ihre Weisheiten unters Volk bringen, so als ob die Welt gerade auf seine geistigen Ergüsse gewartet hätte.  Zwischenfragen sollten nicht gestellt werden. Denn entweder ignoriert er sie oder er benutzt sie,  die Belehrungen des Fragestellers noch weiter auszubauen zu einem fast nicht enden wollenden Strom von angeblichen Weisheiten.
  • Der Rechthaber: Der Rechthaber ist ein Besserwisser, aber nicht jeder Besserwisser ist ein Rechthaber. Der Unterschied ist der, dass der Rechthaber nicht wirklich alles besser weiß – er bildet es sich nur ein. Es ist der Glaube, alles besser zu wissen plus die Arroganz, dieses vermeintliche Besserwissen – das in Wirklichkeit nicht unbedingt vorhanden sein muss – stets „bis aufs Messer“ zu verteidigen. Falls es jemand wagt, die Überzeugungen des Rechthabers infrage zu stellen, wird er rasch und mit barschem Ton mit allen möglichen Begründungen zurückgewiesen. Ein Eingehen auf die Argumente des anderen ist für den Rechthaber völlig abwegig. Er hält es gerade noch aus, sich die Gedanken des anderen anzuhören, aber eine Auseinandersetzung mit diesen liegt außerhalb seines Vorstellungsbereiches. Der Rechthaber hat insofern einen gewissen „Zwangscharakter“, als er verbissen an seinen Glaubenssätzen festhält, auch wenn die Fakten dagegensprechen. Kompromisse gibt es bei ihm nicht. Die Rechthaberei dient der Aufrechterhaltung eines überhöhten Selbstwertgefühls, das vor allem Kennzeichen eines Narzissten ist, für den jede Kritik eine „narzisstische Kränkung“ ist. Deshalb wird man von einem Rechthaber niemals den Satz hören: „Ich habe mich geirrt“. Denn das Irren ist zwar menschlich, da er sich aber quasi für etwas „Übermenschliches“ hält – gewissermaßen gottgleich –, kommt eine Korrektur seiner Ansichten nicht in Betracht. Das Nervige ist, dass ein echtes Gespräch im Sinne eines vorbehaltlosen Gedankenaustausches oder ein auf wissenschaftlicher Ebene notwendiger Diskurs mit einem Rechthaber nicht stattfinden kann. Der  Rechthaber in der Politik ist fatal, denn dort hat er auch noch die Macht, seine Glaubensüberzeugungen durchzusetzen. Wenn der Rechthaber Glück hat, kann er Staatsanwalt werden, denn in dieser Rolle des Anklägers fühlt sich der Rechthaber immer wohl, weil die Rechthaberei gewissermaßen zum Berufsethos gehört.  
  • Der Bevormunder: Er hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Besserwisser. Nur ist er noch einen Grad schlimmer hinsichtlich des Belehrungsdrangs des Nicht-Informierten. Er meint immer dem anderen – und das auch noch ungefragt – Vorschriften machen zu müssen, wie er ein bestimmtes Problem lösen soll. „Mach bloß nicht den Fehler….Wenn du damit zu tun hast, dann achte darauf….usw.“, sind seine meistens einleitenden Sätze, denen dann Anweisungen der verschiedensten Art angehängt werden. Widerspruch ist sinnlos, den duldet er auf keinen Fall. Außerdem will er immer das letzte Wort haben. Er beendet also das Gespräch und das manchmal mit dem Satz: „Hast du das jetzt verstanden?“ Man sollte dann auf jeden Fall verständnisvoll nicken, sonst fängt er gleich wieder von vorne an. Und wehe, man hat nicht auf seine gut gemeinten Ratschläge gehört, dann kommt bestimmt  der Kommentar: „Das habe ich doch gleich gesagt…warum hast du nicht auf mich gehört…“. Am besten: Ja keine Fehler zugeben und alles leugnen. Wenn der Bevormunder es nur angeblich, wie der Besserwisser, einfach nur besser wüsste, nein, er glaubt neben seinem Belehrungsdrang auch noch dem Drang, das Leben des anderen bestimmen zu können, folgen zu müssen. Die Schauspielerin Inge Meisel spielte meistens diese bevormundenden „Supermütter“, die glaubten, ihren Kindern bis ins Erwachsenenalter hinein auch noch Vorschriften machen zu können, wie sie zu leben haben bis dahin, dass sie dabei auch noch manipulativ in das Leben eingriffen. Eine Horrorvorstellung für mündige Menschen sind diese Bevormunder!
  • Der „Dummdreiste“: Bei dieser Wortneuschöpfung tritt die Dummheit und die Dreistigkeit in einer unheilvollen Kombination auf. Die Dummheit ist umfassender zu verstehen, als dies allgemein üblich ist. Sie besteht aus einer intellektuellen Minderbegabung, einer formalen niedrigen  Bildung und einer  mangelnden Herzensbildung. Gerade die traditionell als Herzensbildung bezeichnete Klugheit besteht wiederum im Sinne von Esther Vilar („Der betörende Glanz der Dummheit“) aus einer Kombination von Einfühlungsvermögen und Phantasie oder Vorstellungskraft. Die unzureichende Herzensbildung bewirkt eine ungenügende Fähigkeit, sich in die Lage eines anderen hineinzuversetzen, zu ahnen, was dieser fühlt und denkt. Bei der Dreistigkeit handelt es sich um eine Art Frechheit, sich selbst stets im Mittelpunkt stehend zu sehen und immer das Recht zu haben, sich das größte Stück eines Kuchens nehmen zu können. Sie bewirkt, dass jemand glaubt, ein Recht auf eine Sonderbehandlung zu haben, die es ihm erlaubt, dass alles Vordrängen und in den Vordergrund spielen ihm zusteht. Er glaubt, dass er das Recht darauf hat, dass seine wirklichen oder vermeintlichen Rechte stets ungehindert verwirklicht werden. Dem dreisten Menschen fehlt es an einer Art „vornehmen Zurückhaltung“, so dass er oft unverhohlen seine Wünsche und Bedürfnisse zu Markte trägt, ohne dabei auf allgemeine Anstandsregeln zu achten. Der „Dummdreiste“ kommt deshalb penetrant daher und fällt durch seine unreflektierte Selbstgefälligkeit unangenehm auf. Die mangelnde Selbstdistanz, seine unzureichende Selbstreflektion bewirken eine kaum zu ertragende Arroganz, die im krassen Gegensatz zu seinen wirklichen Fähigkeiten steht.
  • Der Unverschämte: Der Unverschämte, wie dies das Wort schon sagt, kennt keine Scham. Er tritt stets mit einer gewissen Anspruchshaltung auf, worin er dem „Dummdreisten“ sehr ähnlich ist, und fordert für sich immer das Beste, das Größte, das - er formuliert das gerne mit einer gewissen Selbstverständlichkeit - was ihm doch zusteht. Warum sollte er sich schon dafür schämen, dass er dies alles für sich einfordert? Dabei fällt er aber, was er selbst nicht merkt, weit hinter dem zurück, was er dafür leistet oder bereit ist zu geben. Die Unangemessenheit zwischen dem, was er leistet, was er bereit ist zu geben, und dem, was er für sich selbst einfordert, für das er sich eigentlich schämen müsste, steht außerhalb seiner Betrachtung. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Unverschämten oft in „Spitzenämtern“ der Wirtschaft und Politik zu finden sind, wo sie mit ihrer Schamlosigkeit gut vorankommen. Dort streichen sie sich als Abgeordnete ungeniert höhere Diäten ein, genehmigen sich als Vorstandsmitglieder eines Konzerns Bonuszahlungen, wobei sie keine Scham empfinden, diese Vorteile für sich in Anspruch zu nehmen, obwohl sie eigentlich nur für ihre reine Anwesenheit im Plenarsaal bezahlt werden, ohne, dass sie hierfür etwas leisten zu müssen, oder die Unternehmensführung einer Kapitalgesellschaft gar keine Gewinne erwirtschaftet hat. Aber nicht nur in der höheren Positionen der Gesellschaft findet man diese Schamlosen, sondern auch ganz unten. Es wird gerne von den „verschämten Armen“ gesprochen, die es nicht wagen, bei Ämtern Sozialleistungen zu beantragen, weil sie sich dafür schämen. Es gibt aber auch die „unverschämten Armen“, die mit dem Gesetz und den passenden Gerichtsurteilen unterm Arm bei den Sozialleistungsträgern ihre Anträge stellen. „Das ist mein Recht, das steht mir zu“, ist einer ihrer Lieblingssätze, die sie als Begründung für ihre Anspruchshaltung vorbringen. Dabei werden sie aber kleinlaut, wenn es darum geht, dafür eine Gegenleistung zu erbringen, etwa eine Arbeitsstelle, bei der eine schwere Arbeit eingefordert wird, anzunehmen. Was dem Unverschämten fehlt ist die Rücksichtnahme auf andere, weil er nur seine eigenen Interessen im Auge hat. Ist es nicht unverschämt, wenn auf der einen Seite Bürger kaum noch die hohen Mieten zahlen müssen, weil es an einem bezahlbaren Wohnraum mangelt, während auf der anderen Seite ein Bundeskanzler Olaf Scholz die von seiner Vorgängerin eingeleitete Erweiterung des Bundeskanzleramtes vorantreibt, was dem Steuerzahler mehrere Mio. Euro kosten wird? Der Schamlose kennt nur sich selbst und seine eigenen Interessen und keine Rücksicht auf andere. Während der Gegenpol zum Schamlosen, der Bescheide, sich mit dem zufrieden gibt, was das Leben ihm schenkt, kennt der Schamlose keine Grenzen, keine Anstandsregeln, wenn es um die eigenen Bedürfnisse geht, sondern nur eine nicht durch eine Gegenleistung gerechtfertigte Maßlosigkeit.
  • Der Fanatiker: Der Fanatiker hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Besserwisser und dem Bevormunder, nur ist der Unterschied, dass er in seinem Auftreten, in seinen Glaubensüberzeugungen und in der Wahl seiner Mittel völlig radikal ist. Da es für ihn nur die von ihm für wahr gehaltene Sicht der Wirklichkeit gibt, lässt er keine anderen Argumente gelten. Fakten prüfen? Fehlanzeige! Alles ist eine Frage des rechten Glaubens. Und er ist im Besitz dieses richtigen Glaubens. Deshalb gilt für ihn der Grundsatz: Willst du nicht meiner Meinung sein, dann schlag ich dir den Schädel ein. Das muss nicht unbedingt wortwörtlich genommen werden, aber es ist Vorsicht geboten, sich mit einem Fanatiker anzulegen, denn gerade in Glaubensfragen ist er äußerst empfindlich. Es ist bekannt, dass ein religiöser Fanatiker, wie z. ein radikaler Moslem, auch vor der Tötung nicht zurückschreckt, selbst wenn er selbst dabei sterben würde. Der missionarische Eifer, mit dem er dabei vorgeht, bedingt einen weiteren Grundsatz: Der Zweck heiligt die Mittel. Da sein Blick auf die Wirklichkeit verengt ist auf die nach ihm nur eine gültige Interpretation der Wahrheit, muss nach seiner Auffassung alles dem Erreichen eines von ihm gesteckten Zieles untergeordnet werden. So genannte Klima-Aktivisten kleben sich auf stark befahrene Straßen und behindern damit den Verkehr. Dem hehren Ziel der Rettung der Welt vor dem Untergang durch den Klimawandel werden alle anderen Interessen untergeordnet: Verkehrsteilnehmer können ruhig zu spät zur Arbeit kommen, sonstige wichtige Termine versäumen oder Rettungsfahrzeuge mit Verletzen oder Kranken müssen notfalls auf eine rasche ärztliche Behandlung  verzichten, weil deren Interessen der Weltrettung selbstverständlich untergeordnet werden. Da sie sich als die „letzte Generation“ ansehen, setzen sie alles auf eine Karte: Klimarettung, koste es was es wolle!
  • Der Intolerante: Die Toleranz ist so etwas wie eine Kardinaltugend der Demokratie. Sie gebietet es, die Meinung des anderen zu dulden, auch wenn sie diametral gegen die eigene steht. Die Duldsamkeit geht sogar so weit, es auszuhalten, das Urteil des anderen über die eigene Person zu ertragen. Wenn der andere also nicht nur eine andere Meinung hat, sondern dieser sich über die eigene Person kritisch äußert und sich – aus eigener Sicht – anmaßt, zu urteilen, dann braucht es eben Geduld, dies hinzunehmen. Die Toleranz gebietet also eine zivile Auseinandersetzung, die nicht rein destruktiv ist, wobei es darauf ankommt, dass die Beziehung so stabil sein muss, die Unterschiedlichkeit in den Standpunkten, Meinungen und Urteilen auszuhalten. Diese Stabilität der Beziehungen im Mikrobereich (Partnerschaft, Freundschaft) oder Makrobereich (politischer Raum, soziale Netzwerke, Publizistik) wird durch die Toleranz nicht gefährdet, sondern sie ist gleichsam der demokratische, feste Boden, auf dem die Meinungsverschiedenheiten, die verbalen oder schriftlichen Auseinandersetzungen erfolgen. Der Intolerante hält von alle dem nichts. Er kehrt alles ins Gegenteil um und sieht sofort die Beziehung zu einem Menschen in Gefahr, wenn dieser sich anmaßt, eine andere Meinung zu vertreten oder sich sogar ein Urteil über die eigene Person zu erlauben. Er geht sofort in den Abwehrmodus und glaubt, sich selbst angegriffen zu sehen, fühlt sich sofort beleidigt und stellt die Beziehung zur Disposition. Im öffentlichen Raum wird der Intolerante den anderen entweder verbal oder schriftlich versuchen niederzumachen, wobei es bezeichnend ist, dass er dabei nicht auf die Argumente eingeht, sondern nur dem anderen schlechte Absichten unterstellt oder ihn persönlich angreift und böse Eigenschaften attestiert.
  • Der Hetzer: Der Hetzer ist immer intolerant, aber nicht jeder Intolerante ist ein Hetzer. Es kommt also noch etwas hinzu, was einen Intoleranten zu einem Hetzer macht. Grundvoraussetzung für eine Hetze ist die undemokratische Unart der Intoleranz, also die Meinung eines anderen oder sein eigenes Urteil nicht gelten zu lassen. Hinzu kommt nicht nur die Selbstverteidigung als Reaktion, sondern der meistens unfaire Angriff auf den anderen. Die Wortverwandtschaft zur Hatz, also die Technik einer Jagd, bei der eine Meute Hunde eingesetzt wird, um das zu bejagende Wildtier zur Strecke zu bringen, kommt nicht von ungefähr. Wie bei einer Jagd werden die Hetzer den anderen versuchen in die Enge zu treiben, sodass dieser keinen Ausweg mehr weiß, erschöpft aufgibt, sich dann selbst schädigt oder regelrecht zu Tode gehetzt wird. Es kommt in der heutigen Zeit tatsächlich nicht selten vor, dass sich z. B. ein Schüler in den sozialen Netzwerken einer Hetze ausgesetzt sieht, die bis zur Selbsttötung führt. Der Tod muss nicht physisch eintreten, sondern es gibt auch den sozialen Tod (totale Isolation durch Ausgrenzung) oder wirtschaftlichen Tod (ökonomischer Ruin), in den jemand durch eine Hetze getrieben wird. Die Hetze ist in der Regel eine Art gemeinschaftlicher Akt des Angriffs auf einen anderen, wobei die Meute der Hetzer sich quasi verbünden und sich auf einen wirklichen oder vermeintlichen Gegner stürzen, „um ihn fertig zu machen“. Es ist ein feiger Akt, weil die Hetzer hierbei auch gerne anonym bleiben und aus der scheinbar sicheren Meute heraus auf den Gejagten losgehen. In den sozialen Netzwerken ist die Gefahr sehr groß, weil dort die Anonymität sehr gut herstellbar ist, jeder sich also an der Hetze beteiligen kann, ohne sofort entdeckt zu werden. Aber auch in der öffentlichen Debatte oder in den Printmedien findet man die Hetze, bei der sich die Mehrheit, die im demokratischen Sinne intolerant ist, in einer oft zu beobachtenden kaskadenartigen Steigerung  „auf eine Person einschießen“. Hier gibt es nicht so leicht die Anonymität als Deckmantel, sondern es ist die tatsächliche oder vermeintliche Gemeinschaftlichkeit der Hetzer, die hier dem einzelnen die Sicherheit gibt, sich für die eigene Person gefahrlos an der Hetze zu beteiligen.Eine Unterart der Hetze ist die Volksverhetzung, die nicht straffrei möglich ist, bei der andere (Volksgemeinschaft) gegen eine Untergruppe von Personen aufgehetzt wird. Die Volksverhetzung wurde z.B. in der Corona-Krise von Politikern, Standesvertretern, „Prominenten“ und anderen betrieben, die im öffentlichen Raum dazu aufforderten, die "Ungeimpften" wegen ihrer angeblichen mangelnden Solidarität auszugrenzen.
  • Der (totale) Ignorant: Während die vorher genannten Typen ein Interesse an der Welt haben, sie als eine Bühne verstehen, auf der sie agieren können, sie als Schauplatz sehen, auf dem sie dominieren, andere bekämpfen, besiegen, beschimpfen oder in anderer Weise niedermachen können, interessiert sich der Ignorant nicht dafür, diese Bühne überhaupt zu betreten. Wenn er sie betritt, versucht er sich am besten ganz hinten zu verstecken, damit er nicht wahrgenommen wird, aber vor allem er auch nichts mitbekommt, was vorne geschieht. Er wird nicht mitspielen wollen; wenn er zum Mitspielen genötigt wird, begnügt er sich einfach mit einer Statistenrolle, in der er nichts tun muss, außer irgendwo herumzustehen. Er geht durch die Welt mit einem „Schlafzimmerblick“, so dass er sie nur so weit erkennt, wie dies unbedingt nötig ist. Wäre er Robinson Crusoe, dann bliebe an der Stelle des Strandes, an dem er angespült würde. Die Insel erkunden? Fehlanzeige! Wird er von anderen auf etwas aufmerksam gemacht, das vielleicht von allgemeinen Interesse wäre, wird er sicher antworten: „Was geht mich das an“. Stößt man ihn auf Missstände, die andere empören, wird er sicher sagen: „Da kann man sowieso nichts machen.“ Stellt man ihn vor eine Wahl, sich für das eine oder andere zu entscheiden, wird er sicher sagen: „Das ist mir egal“. Wie ein Alkoholiker in einer Bar, der nur auf sein Getränk achtet, während um ihn herum eine Schlägerei im Gange ist oder vielleicht gerade ein Raubüberfall stattfindet, ist der Ignorant völlig gleichgültig nur mit sich selbst beschäftigt und auch dann nur mit dem, was unmittelbar wichtig ist. Der Ignorant kennt deshalb auch keinen Lebensplan, der ihn zielgerichtet voranschreiten ließe, sondern er tappt plan- und ziellos durch die Welt, die ihn überhaupt nicht interessiert. Er nervt mit seiner penetranten Gleichgültigkeit, die jede Begeisterung eines anderen sofort abkühlen lässt. Er wirkt wie ein Bremsklotz, der ständig die Wucht des Antriebes der Räder bremst, weil die Bremse nicht losgelassen wurde. Wenn das Interesse an ihm durch andere dadurch nachlässt und er dann allein dasteht, sieht er sich in seiner Annahme bestätigt, dass es sich nicht lohnt, sich in dieser Welt irgendwo zu engagieren.
  • Der (spezielle) Ignorant: Dieser spezielle Typ des Ignoranten hat die gleichen Eigenschaften, nur mit dem Unterschied, dass er nicht völlig von der Welt abgeschieden ist, sondern dass sich sein Wahrnehmungsfeld verengt hat. Er hat sich imaginäre Scheuklappen aufgesetzt, so dass er nur das wahrnimmt, was ihn interessiert, was für ihn wichtig ist und was vor allem mit seinen Vorstellungen, seiner Sicht der Welt, sofern er überhaupt eine eigene Meinung hiervon hat, übereinstimmt. Alles, was mit seiner – sehr beschränkten – Weltsicht nicht übereinstimmt, wird eben ignoriert, also mehr oder weniger bewusst ausgeklammert, nicht zur Kenntnis genommen. Wenn er sich tatsächlich in den Austausch mit der Welt begibt, wird er stets auf seiner Meinung beharren und diese vehement verteidigen. Alle Informationen, die seine Sichtweise infrage stellen, werden abgewertet und als unglaubwürdig angesehen. Insofern ist er auch intolerant, also unduldsam gegenüber der Meinung anderer und ähnelt dem Intoleranten; wenn er nach außen sehr aktiv agiert, ist er auch dem Fanatiker sehr ähnlich. Der (spezielle) Ignorant ist kein umgänglicher Mensch und nervt mit seiner „Dickköpfigkeit“, die er selbst so nicht sieht und sie vielleicht als Standfestigkeit interpretiert.  Er moralisiert, wo es nichts zu moralisieren gibt, benutzt diese ihm eigene Moral als Keule, die er auf die niederschwingt, die mit einer anderen Meinung an ihn herantreten, in dem er diesen „unmoralisches“ Verhalten vorwirft. Er vermeidet dadurch die Auseinandersetzung auf der Sachebene und erschlägt seine Gegner mit seiner sehr eigenen Moralität. Diesen (speziellen) Ignoranten trifft man z. B. unter den „Gutmenschen“ an, die die Moral für sich gepachtet haben, die sich aber als Scheinmoral entlarvt, wenn er „beim Wort genommen“ wird, etwa wenn man von diesem das einfordert (z. B. Flüchtling bei sich aufzunehmen), was er von anderen moralisch verlangt zu tun.          
  • Der Alleskönner: Oft handwerklich gut drauf, kann er alles, vom Dichtungsring in der Wasserleitung einbauen bis hin zu Computerproblemen. Sein Lieblingssatz ist: „Das ist doch ganz easy, da brauchst du doch nur…“. „Ja, ja“, antwortet man am besten gleich und tut so, als hätte man es verstanden. Denn der Alleskönner kann es überhaupt nicht verstehen, warum man nicht in der Lage ist, so eine Kleinigkeit hinzukriegen, denn man braucht ja nur dieses oder jenes tun, was doch eigentlich ganz einfach ist. Die Überheblichkeit des Alleskönners ist schwer zu ertragen, weil die unwillkürlichen Vergleiche mit dem eigenen Kenntnisstand und Vermögen, ein Problem zu lösen, unweigerlich negativ ausfallen. Er hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Rechthaber, da er wie dieser glaubt, immer mit dem, was er kann, auch richtig zu liegen, nur ist er deshalb leichter zu ertragen, da er tatsächlich vielleicht auch jemand helfen kann, ein konkretes Problem zu lösen, was dem Rechthaber fern liegt.
  • Der Drängler: Er ist derjenige, der nicht warten kann. Weil er ja so beschäftigt ist, hat er selbstverständlich keine Zeit. Sei es im Supermarkt oder auf der Autobahn, immer ist er der Auffassung, dass er stets vorne sein muss. „Ach, kann ich mal schnell an ihnen vorbei, ich brauche nur…“, ist eine gängige Formulierung. Auf der Autobahn hängt er am Vordermann und deutet durch Lichthupe und dichtes Auffahren an: Ich will vorbei. Wenn er Widerstand spürt, wird er leicht bis hochgradig unangenehm und neigt dabei zur groben Beleidigung: „Mensch, haben sie nicht gehört? Sind sie taub? Ich habe ihnen doch gesagt, dass ich es eilig habe, mein Gott, können sie nicht mal zur Seite gehen!“ Wenn man es nicht auf eine Schlägerei ankommen lassen will, geht man tatsächlich besser zur Seite.
  • Der Streber: Jeder hatte einen solchen Typen in seiner Schulklasse. Er will immer die besten Noten schreiben, ist beim Lehrer auch sehr beliebt, weil er sich bei Fragen fleißig meldet, ist immer beim „Klassenspiegel“ der oder einer der Besten. Für seine Eltern ist er das Aushängeschild erfolgreichen eigenen sozialen Aufstiegs. Das ändert sich auch nicht später im Berufsleben, weil er dort immer meint, durch Bestleistungen glänzen zu müssen. Beim Chef ist er beliebt und wird nicht selten als vorbildlich erwähnt. Hohe Leistungsmotivation gepaart mit dem Hang zur Sucht nach Anerkennung sind seine Markenzeichen; die moderne Bezeichnung für ihn ist vielleicht der Workaholic. Die Strebsamkeit bezieht sich aber nicht auf eine objektive Verbesserung, die anderen zugutekommt, sondern nur darauf, sich selbst ins rechte Licht zu setzen.   
  • Der Angeber: Er ist wie der Besserwisser immer über alles informiert und hat stets von allem das Beste. Mittelklassiges kommt für ihn nicht in Frage: Für ihn kann immer nur das Beste gerade gut genug sein. Er hat eine unbändige Anspruchshaltung gegenüber der Welt, die für ihn immer das Beste bereithalten muss, denn er ist eben auch der Beste, dem nichts anderes zusteht. Damit nicht genug, denn er muss seine eigenen Leistungen in den Himmel loben und zur Schau stellen. Prahlend und selbstlobend – „ich will mich ja nicht loben, aber das habe ich erstklassig gemacht“ – verkündet er seine Werke oder preist seine Besitztümer – „das ist das Beste, was es auf dem Markt gibt“ – an, denn er muss immer oben auf sein. Es ist zu empfehlen, stets freundlich und verständnisvoll zu nicken, denn eine Missachtung seiner Herrlichkeit kann er nicht vertragen. Die mediale Vermarktung über das Internet erleichtert seine Aufschneiderei, die stets sehr penetrant nach Eigenlob riecht.
  • Der Geizhals: Geiz hat zwei Seiten: Jemand will alles für sich haben, es gewissermaßen in sich einverleiben oder in seinen Machtbereich bringen – orale Seite – oder jemand will nichts hergeben, was sein Besitztum schmälern könnte – anale Seite. Der Geizige gleicht also einem Fass, das nach oben offen ist, um möglichst viel aufnehmen zu können, aber ohne einen Abfluss. Geiz ist die Sucht nach realem Besitz an sichtbaren Dingen wie Haus, Ländereien, aber auch Menschen, über die er verfügen kann oder Rechte an Besitztümern wie Aktien oder andere Wertpapiere. Dagobert Duck – die Comic-Ente aus der Feder von Walt Disney – schwamm in seinem Safe voll von Geld. Der Reiche „schwimmt im Geld“ wird auch umgangssprachlich gesagt, wenn jemand Vermögen im Überfluss hat. Der Überfluss ist das, was ihn reizt, der ins Groteske reichen kann, denn was soll jemand schon mit einem Vermögen anfangen, das in die Milliarden geht. Aber halt: Reichtum und Macht liegen oft dicht beieinander, denn das Geld gilt als universelles Mittel zur Einflussnahme auf andere, da viele bestechlich sind und sich durch einen Geldspender gerne beeinflussen lassen. Der Geize nervt uns deshalb, weil er nicht einmal – obwohl er es sich leisten könnte – einem anderen den kleinsten Cent gönnt, denn alles, was andere haben, würde er gerne selbst haben und nichts, was er selbst hat, kann er freiwillig abgeben, weil es ihm dann angeblich fehlt. Er sieht den Reichtum als eine Erweiterung seiner Person an, die ihn größer erscheinen lässt, als er selbst ist.
  • Der Miesmacher: Dieser Menschentyp ist deshalb unangenehm, weil er an allem und jedem etwas auszusetzen hat. Die Miesmacherei bezieht sich entweder auf nicht-persönliche Zustände und Begebenheiten oder auf bestimmte oder unbestimmte Personen. Der apersonale Miesmachertyp findet das Wetter immer schlecht und wenn es wirklich sonnig und warm ist, wird er bestimmt schon argwöhnen, dass das Wetter sicher bald umschlagen wird. Er hat ein durch eine imaginäre rußgefärbte Brille immer den Eindruck von der Welt, dass diese im Grunde genommen verdorben und nicht mehr zu retten sei. Viele Sätze beginnen bestimmt mit den Worten: „Ich warne…“. Und dann kommen die vorausgesagten schlimmen Ereignisse der Zukunft, die unweigerlich eintreten, wenn nicht – ja wenn man nicht auf ihn hört. Selbst wenn es keine objektiven Probleme gäbe: er fände bestimmt welche. Er sieht also immer „das Haar in der Suppe“ – obwohl die Suppe sehr gut schmecken könnte. Der personale Typ kann an keinem etwas gut finden. Wenn sich jemand um andere kümmert, sich um sie Sorgen macht, also hilfsbereit ist, dann leidet er aus Sicht des Miesmachers bestimmt am „Helfersyndrom“. Diesen Begriff hat er irgendwo gelesen, kennt aber sicher nicht seine wahren Hintergründe, sondern er benutzt ihn nur als Etikett, um es jemand anzuheften, damit er ihn mies machen kann. Es wird stets unterstellt, dass bei dieser Hilfsbereitschaft bestimmt ein Hintergedanke im Spiel ist oder aber dass diese einen pathologische Note hat. Von anderen Menschen hält er allgemein nicht viel und neigt in der Übertreibung der Miesmacherei zu einem ätzenden Zynismus. Für ihn gibt es keine guten Menschen, denn der einzige der gut ist, ist er selbst.
  • Der Intrigant: Er ist ein Meister der Ränkeschmiede. Was andere erst hinterher durchschauen, hat er von vornherein gut geplant und eingefädelt, ohne dass die anderen es bemerken. Er kann wunderbar den einen gegen den anderen ausspielen, so dass die Aufgehetzten zu seinem Amüsement aufeinander losgehen. Damit hat er sein Ziel erreicht, ohne selbst als Kontrahent in Erscheinung zu treten, hat er es geschafft, dass die Streithähne sich in die Wolle kriegen. Er hat selbstverständlich nie etwas gesagt oder selten etwas auch so gemeint. „Das habe ich doch gar nicht so gemeint…Das hast du ganz falsch verstanden“, sind seine gängigen Formulierungen. Er scheut, damit seine böse Absicht nicht erkannt wird, deshalb etwas Schriftliches zu hinterlassen, denn Gesagtes kann man leichter dementieren und unterstellen, die anderen hätten es nicht verstanden. Am besten geht man diesem Typ ganz aus dem Weg, denn er hinterlässt immer bei seinen Mitmenschen einen Schaden, sehr zu seinem Amüsement.  
  • Der Undankbare: Die Dankbarkeit ist die Tugend des Nichtvergessens; nicht zu vergessen, was jemand einem anderen Gutes getan hat, ist die Grundvoraussetzung von Vertrauen. Vertrauen kann nur entstehen, wenn trotz der Wirrnisse und Widrigkeiten des Lebens und trotz der Enttäuschungen, eine zugesagte und versprochene Treue eingehhalten wird. Der Undankbare kennt dies alles nicht. Er „fällt dem anderen in den Rücken“, wenn es zu seinem Vorteil gereicht, er kennt keine Rücksicht auf andere, sondern sein Egoismus dominiert. Er „beißt die Hand, die ihn gefüttert hat“, weil er sich nicht erinnern will, dass die Güte des anderen, seine Großzügigkeit und seine Hilfsbereitschaft ihm geholfen haben, sein Leben zu meistern. Der Undankbare erkennt nicht, dass diese ihm erbrachten Gaben eine Gegenleistung verlangt: Dem Gebenden irgendwann etwas von dem zurückzugeben, was er selbst erhalten hat. Die Ausgewogenheit des Gebens und Nehmens sind im fremd, weil er nur gerne der Nehmende ist.
  • Der Verräter: Der Verräter ist die Untreue in Person. Während noch der Undankbare durch seine Untätigkeit oder mangelnde Bereitschaft zu einer Gegenleistung dem anderen zeigt, dass das in ihn gelegte Vertrauen ihm nichts bedeutet, legt der Verräter noch eins drauf: Er handelt aktiv, in dem er den Freund, den Gefährten, also denjenigen, der ihm Gutes getan hat, an seine Feinde ausliefert. Der Vorteil des Verrats für den Verräter ist neben der versprochenen Gegenleistung (Geld, Vorteile) die kurzweilige Steigerung im Ansehen der Feinde, die aber ihn eigentlich nur als williges Werkzeug für ihre intriganten Spiele sehen. Der Denunziant ist zwar bei der Obrigkeit beliebt, weil er ihnen die Arbeit erleichtert, die Herrschaft zu behalten. Aber der Verräter isoliert sich nicht nur von seinen Freunden, die ihm vertraut haben, sondern auch im Hinblick auf diejenigen, die den Verräter für ihre eigenen Zwecke missbrauchen, denn diese lieben den Verrat, aber nicht den Verräter. Deshalb ist der Ansehensgewinn nur kurzweilig und er wird selbst von den Feinden des Verratenen verachtet. Der Verräter unterminiert die Grundfesten einer verlässlichen Welt, in der dann irgendwann jeder des anderen Feind sein kann.
  • Die Schlafmütze: Er ist einer, der nicht durch sein Tun, sondern durch sein Nicht-Tun die anderen nervt. Ständig hat er etwas vergessen, sei es einen Termin oder die Abgabe einer wichtigen Arbeit, hält Verabredungen nicht ein, an die er sich dann nicht erinnern kann („hast du das wirklich gesagt, daran kann ich mich gar nicht erinnern“), bringt nicht das mit, worum man ihn gebeten hat („ach, das habe ich gerade vergessen, tut mir leid“) oder kommt zu Gesprächsterminen mit Sicherheit zu spät, weil ihm gerade etwas dazwischen gekommen ist. Die Bummelei ist sein Steckenpferd und er prahlt vielleicht auch noch damit („ich musste mich in meinem ganzen Leben noch nicht beeilen“) oder verbrämt es philosophisch („zu meinem eigenen Tod komme ich immer noch rechtzeitig“). Man sollte ihn nicht aufwecken, wenn er gerade verträumt in die Gegend schaut, denn er hat jetzt bestimmt ganz wichtige Gedanken, bei denen man ihn nicht stören sollte.
  • Der Mitläufer: Der Mitläufer ist der „Bestangepasste“ in Reinformat. Er ist die Krone der Evolution nach Darwins Verständnis, denn wer an seine Umwelt am besten angepasst ist, hat die besten Überlebenschancen. Diese „Anpasserei“ geht aber so weit, dass dabei alle Glaubensüberzeugungen – wenn überhaupt welche vorhanden sind – über Bord geworfen werden. Es geht dem Mitläufer nur darum, möglichst nicht anzuecken, nicht unangenehm aufzufallen, immer im Gleichschritt mit der Mehrheit zu gehen. Dabei will er immer zwei Ziele erreichen: Er will immer dazugehören, denn das Außenseiterdasein wäre ihm unerträglich. Er ist dabei stets darauf bedacht, die Anerkennung der anderen, die die gleiche Meinung vertreten, einzuheimsen. Dieser Drang nach Würdigung und Anerkennung ist das zweite Ziel, das er dabei  verfolgt, denn sein Selbstbewusstsein braucht immer die „Fütterung“ durch andere, damit es aufrechterhalten bleibt, sonst schrumpft es auf die wirkliche Größe zurück – und das wäre für ihn unerträglich. Warum, wenn er doch so gut angepasst ist, nervt er dann? Weil er mit seiner Lebensart gerne dabei ist, andere, die nicht der Mehrheitsmeinung sind, auszugrenzen, schlecht zu machen in der Anmaßung, mit der Mehrheit diese Andersdenken als „Schädlinge“ bekämpfen zu müssen. Er ist somit ein willkommener „Parteisoldat“ oder Denunziant eines totalitären Systems. 
  • Der Feigling: Wer mitläuft mit dem Hauptstrom der Meinungen in einer Gesellschaft, der von oben angeordneten Weisungen durch Gesetze und Verordnungen folgt, ist auch ein Feigling, weil er nicht den Mut aufbringt, gegen den Strom zu schwimmen. „Nur Tote schwimmen mit dem Strom“, so heißt ein altes chinesisches Sprichwort. Gemeint ist hier im übertragenen Sinne „geistig tot“ zu sein, abgestumpft, gleichgültig, ohne Mut, sich zu seiner eigenen Meinung zu bekennen. Seit den Experimenten von Asch (3 Vergleichslinien werden mit einer Referenzlinie in einer Gruppe verglichen und nur eine kann mit dieser übereinstimmen; es werden von mit dem Versuchsleiter vertraute Versuchspersonen absichtlich falsche Angaben gemacht und getestet, ob die reale Versuchsperson sich dem Druck der Gruppenmeinung beugt) und Milgram (eine Versuchsperson soll eine dem Versuchsleiter vertraute Testperson für falsche Antworten in einem als „Lernexperiment“ ausgegebenen Verfahren für falsche Antworten sich steigernde Stromstöße geben), weiß man, dass die entscheidenden Faktoren für die Meinungsanpassung der Gruppen- und Autoritätsdruck sind. Hinzu kommt noch in Medienzeiten der Druck durch Massenmedien, und soziale Netzwerke, die die Meinungsbildung in eine Richtung vorantreiben und Abweichler „medial fertigmachen“. Auch die staatliche Gewalt kann mit restriktiven Gesetzen und unbarmherzig vorgehenden Behörden und willfährigen Gerichten, die im Sinne der mächtigen gesetzgeberischen und ausführenden Gewalt urteilen, den Druck auf den Bürger erzeugen und Konformität erzwingen. Wer sich diesem Druck nicht beugt, kann existentiell vernichtet werden. Der Feigling scheut dieses Risiko, er knickt ein und passt sich an, will nicht für sich selbst ein Risiko übernehmen, sondern dieses lieber von sich abwenden, um nicht ausgegrenzt und vernichtet zu werden. Er zahlt die Rundfunkgebühren brav, lässt sich eine oder gar mehrere Corona-„Impfungen“ geben, teilt mit aus, wenn Abweichler vom Mainstream fertig gemacht werden sollen und bleibt sogar sicherheitshalber in der Kirche, weil er glaubt, dass die Sakramente für das ewige Leben helfen. Feige sind die Journalisten, die nicht den Mut haben, die Wahrheit zu schreiben, weil sie Angst um ihren Job haben. Feige sind die „Wegsehenden“, die tätliche Gewalt in Innenstädten, in Parks und anderen öffentlichen Plötzen ignorieren, weil sie „nichts damit zu tun haben wollen“. Feige sind die Lehrer, die bei den Corona-Maßnahmen mitmachen und Schüler mit Masken- und Testzwang quälen, weil sie sich mit der Schulleitung oder der Kultusbürokratie nicht anlegen und ihren Beamtenstatus lieber behalten wollen. Die Sicherung der eigenen Existenz geht dem Feigen immer vor – dafür opfert er seine eigene Würde, seine Selbstachtung und verleugnet damit sein wahres Ich und wird zur Marionette von anderen, die über ihn bestimmen, ohne dass er dies leider selbst richtig merkt.  
  • Der Gesinnungslump: Während der Mitläufer etwas dümmlich daher kommt, so als ob er gedankenlos alles mitmacht, „was angesagt ist“, nur um dabei zu sein, setzt der Gesinnungslump noch eins drauf: Er passt seine Einstellungen und Überzeugungen der jeweiligen Situation, der Meinung der anderen, einer politischen oder sonstigen Führung so an, dass er dadurch keine Nachteile hat. Er ändert seine Meinungen, seine Überzeugungen so oft und beliebig mit dem Ziel, dass er dabei gut wegkommt. Er ist korrupt im weitesten Sinne, d. h. er lässt sich für die Annahme von Vorteilen – und die Vermeidung von Nachteilen – bestechen durch Geld, Anerkennung, Macht und was sonst noch so diese Welt an Annehmlichkeiten zu bieten hat. Er ist „wie die Fahne im Wind“, die sich je nach Windrichtung in die entsprechende Richtung dreht. Moralische Überzeugungen sind für ihn nur unter dem Nützlichkeitsaspekt zu beurteilen, deshalb ist er ein perfekter Utilitarist, d. h. dass er keinen Grundfesten von Grundsätzen folgt, sondern nur nach Nützlichkeitsüberlegungen handelt. Insofern ist er ein sehr moderner Zeitgenosse, als der Utilitarismus eine heute weit verbreitete philosophische Denkrichtung ist. Das Gedankenexperiment des so genannten Weichensteller-Dilemmas (kann ein Zug durch Umstellen einer Weiche so umgeleitet werden, dass dadurch weniger Menschen getötet werden, als wenn man ihn ungehindert auf eine größere Anzahl von Personen auffahren lässt?) entspringt den Gehirnen dieser diabolischen Philosophen. Erhält dieser Menschentyp Macht, ist er deshalb gefährlich, weil Menschenleben für ihn nur zählbare Faktoren in einer kühlen opportunistischen Betrachtungsweise sind, die geopfert werden können, wenn es nützlich ist, um bestimmte Ziele zu erreichen. Wie bei einem Schachspiel opfert er den Bauer, um die wertvollere Dame oder gar den König zu retten. Dieses „Bauernopfer“ ist eine beliebte Strategie der Politiker, die ihren eigenen Kopf retten, indem sie einen Beamten entlassen, der ihm gefährlich werden kann, weil er zu viel weiß oder weil damit seine eigene Fehlerhaftigkeit unentdeckt bleibt oder zumindest kaschiert wird und das Publikum zufrieden ist.
  • Der „Systemler“: Ein System könnte als eine durch formale oder auch nicht-formale Regeln funktionierende Einrichtung bezeichnet werden, die eine selbsterhaltene Funktion erfüllt oder die wiederum als Teil eines Gesamtsystems in einem Verbund dieses stützt und erhält. Menschen in einem solchen System könnten als „Systemler“ bezeichnet werden, wenn sie in ihm perfekt funktionieren und mit ihrem an die Regeln des Systems angepassten Verhalten zu ihrem Erhalt beitragen. Als Gegenleistung erhalten sie Sicherheit, Status, Ansehen, Geld oder Macht. Indem Menschen genau so funktionieren, dass sie mit ihrem Verhalten das System stützen und am Leben halten, werden sie zu perfekten Rädchen eines reibungslos funktionierenden Getriebes. Wie in dem Film „Matrix“, in dem der Agent Smith das System der perfekt simulierten Schein-Wirklichkeit verteidigt, so verteidigen und erhalten die „Systemler“ das System, in dem und von dem sie leben. Sind diese „Systemler“ Frauen, wird auch verächtlich von „Systemhuren“ gesprochen, wenn sie gleichsam wie eine Prostituierte, die gegen Geld einem Mann den Geschlechtsverkehr gewährt,  etwa in einer Rundfunkanstalt als Nachrichtensprecherin, Kommentatorin oder Moderatorin genau die Fragen einem Interviewpartner stellt, genau die Kommentare gibt, die von ihr erwartet werden, genau die Gesprächspartner in einer Talkshow bloßstellt, die fertiggemacht werden sollen. Dabei stützt die „Systemhure“ das System, in dem sie arbeitet und trägt mit ihrem systemtreuen Verhalten dazu bei, dass z. B.  das System der Rundfunkanstalt dem Machterhalt der Regierung und der sie stützenden politischen Parteien, also dem Gesamtsystem des herrschenden politischen Establishments dient. Der „Systemler“ gibt als Preis für seine Annehmlichkeiten seine individuellen Einstellungen, sein eigenes Denken und seine eigene Meinung auf. Er opfert sogar dafür sein Gewissen, sofern er noch eines hat. In einem totalitären System identifiziert er sich mit diesem und ist sein williger Diener, wodurch auch etwas Schädliches und Böses entstehen kann. Hanna Arendt hat dies als die „Banalität des Bösen“ bezeichnet, wenn solche „Systemler“ ohne Gewissensbisse zu empfinden z. B. Menschen töten. So gesehen ist ein „Systemler“ nicht nur eine Nervensäge, sondern ein Nerventöter im wahrsten Sinne des Wortes.
  • Der Streitsüchtige: Die Wortgefechte, bei denen die Fetzen fliegen, sind sein Spezialgebiet. Er sucht geradezu die Auseinandersetzung, geht keiner aus dem Weg, sondern gibt sofort kontra, wenn man ihn in irgendeiner Weise in seinen Ansichten zu korrigieren versucht. Ähnlich wie der Besserwisser glaubt er auch immer bestens informiert zu sein, Widerspruch duldet er nicht. Er hört auch gar nicht richtig zu, sondern sieht nur in dem, was der andere sagt, einen Anhaltspunkt, um sofort zu widersprechen. Nur sein Standpunkt ist der allgemeingültige. Das, was andere sagen, interessiert ihn auch gar nicht, denn er will nur in die Auseinandersetzung gehen, um Recht zu behalten. Fehler gibt er nie zu, denn was er tut und sagt ist immer richtig. Wenn er verbal unterlegen ist, wird es gefährlich, denn dann kann es passieren, dass er auch mal zulangt und den anderen tätlich angreift. Da er unbelehrbar ist, kann nur die Devise lauten: Wenn möglich aus dem Weg gehen und nicht reizen.
  • Der Nörgler: Man könnte denken, der Nörgler wäre eine Miniaturausgabe des Streitsüchtigen. Aber der Nörgler sucht gar keinen Streit, er vermeidet ihn geschickt dadurch, dass er dem Gegner mit kleinen Nadelstichen zu Leibe rückt. In Verbalien sind dies die kleinen, fast unscheinbaren Äußerungen, die nur bei näherem Hinsehen als Angriffe zu deuten sind. Die Worte fallen oft fast beiläufig, es wird nur angedeutet, nicht hart kritisiert. Eine offene Auseinandersetzung scheut er, weil er weiß, dass er da unterlegen sein könnte. Er dementiert dann sehr schnell, will das Gesagte nicht so gemeint haben und versucht auf diese Weise dem offenen Streit aus dem Wege zu gehen. Strategisch gesehen praktiziert er eine Zermürbungstaktik, in dem er dem Gegner oft „Nebelkerzen“ vor die Füße wirft und bei einer eingeforderten Stellungnahme zu seinen „Sticheleien“ mehr oder weniger geschickt „herumeiert“.
  • Der Nachtragende: Bei allem Streit gibt es auch irgendwann entweder das endgültige Aus einer Beziehung oder eine Versöhnung – nicht so bei dem Nachtragenden. Denn bei ihm bleibt bei jedem Konflikt  alles am Ende offen. Er will sich die Optionen sichern, entweder eine Beziehung doch noch zu beenden oder sie zu retten. Wenn er sie beenden will, dann möchte er auf jeden Fall die besseren Karten haben. Deshalb führt er genau Buch und hat ein ausgezeichnetes Gedächtnis über alle Missetaten des anderen, die er wie ein Buchhalter genau festhält. Dafür hat er einen wichtigen Grund: Rache! Irgendwann kommt die Stunde, bei der er zurückschlagen kann und dann werden die Sünden des anderen aufgetischt, die dieser schon längst vergessen hat: „Du hast damals mir gesagt…, du hast mich damals betrogen…, du hast meine Bedürfnisse völlig übergangen…, du hast mich öffentlich bloßgestellt, indem du…, du hast mich damals beleidigt, indem  du…“. So könnte man die Reihe fast endlos fortsetzen. Dabei hat er die gespeicherten Daten über die Vergehen des anderen so sicher gespeichert wie ein Computer, sogar mit Wortlaut, Datum und Umstände. Der Groll, der wochen-, monate- oder gar jahrelang geradezu gepflegt wurde, trifft den anderen unmittelbar und heftig, so dass dieser völlig überfordert ist, angemessen zu reagieren. Die Taktik des Nachtragenden baut stets auf das schlechte Gedächtnis des anderen, das durchaus so vorhanden ist, denn dieser hat die vorgehaltenen Ereignisse schon längst in den Mülleimer seines Gedächtnis-Datenspeichers geworfen und kann sie nicht mehr reaktivieren; deshalb ist er dem Nachtragenden hoffnungslos unterlegen. Will der Nachtragende die Beziehung doch noch retten, dann muss der andere dafür einen hohen Preis zahlen: Er muss sich schuldig bekennen, Reue und Besserung geloben. Damit ist der Nachtragende auf der Siegerstraße und hat den anderen möglicherweise für den Rest seines Lebens in der Hand. Will der Nachtragende wirklich eine gute Beziehung? Nein, es geht ihm eigentlich um die Ausübung von Macht!  
  • Der Dramatiker: Er sieht das ganze Leben als ein Drama an. Blickt er in die Vergangenheit, dann meint er immer, dass es so hätte kommen müssen, wobei er sich gerne als der erfüllte Prophet ansieht, der die dramatischen Entwicklungen hatte kommen sehen („das konnte man doch voraussehen“, „das war nicht anders zu erwarten“). Für die Zukunft erwartet er auch nichts Gutes, denn der dramatische Verlauf der Ereignisse ist stets irgendwie vorprogrammiert. Alle Ereignisse werden gleichsam als negative Orakel für eine drohende Katastrophe angesehen. Dies bezieht sich auf Beziehungen von Menschen, die er stets schicksalhaft miteinander verbunden sieht, so als ob alle Personen in geheimnisvollen Verbindungen stehen und gemeinsam an den diversen „Beziehungsdramen“ gestrickt haben. Aber auch die allgemeinen gesellschaftlichen Verhältnisse sieht er stets als problematisch an, denn Normalität gibt es für ihn eigentlich nicht. Da die Zukunftserwartung meistens düster eingefärbt („rußgeschwärzte Brille“) ist, wirkt er auch etwas hoffnungslos und kann sich nicht vorstellen, dass sich etwas überraschend zum Guten wenden kann. Die Bedeutungsschwere des Daseins ist für den Dramatiker das Lebenselixier, das für ihn unverzichtbar ist – alles andere wäre für ihn nur oberflächlich und ohne tiefere Bedeutung. Etwas Positives hat diese Sichtweise schon: Man wird mit ihm durchaus philosophisch gesehen ernsthafte Gespräche führen können.
  • Der Beschwichtiger: Er ist gewissermaßen der Gegenpart des Dramatikers. Denn nichts ist für ihn wirklich schlimm. In Beziehungsangelegenheiten neigt er dazu, alle Unebenheiten, die durch Konflikte zwischen Menschen entstehen, als harmlos anzusehen („das kommt überall vor“, „es gibt überall mal Streit“). Wirklich dramatische Ereignisse werden gleich relativiert („es hätte noch schlimmer kommen können“, „es gibt wirklich schlimmeres“) und dadurch verharmlost. Im Gegensatz zum Dramatiker sieht er keine Wolken am Himmel, die auf ein nahendes Gewitter hinweisen und glaubt, dass auch in der Zukunft alles gut gehen wird – weil auch nach seiner Meinung in der Vergangenheit alles gut gegangen ist (Kölner Spruch: „Et is noch immer jot jejange“). Ernsthaft denkende Menschen fühlen sich bei ihm nicht selten für voll genommen, denn  für den Beschwichtiger ist es wichtig, dass alles harmonisch abläuft, keine noch so schlechte Nachricht ihn zum Pessimismus animiert, sondern alles wieder in die harmonische Ausgangsstellung zurückkehrt. Dabei neigt er gerne dazu, ernsthafte Probleme „unter den Teppich zu kehren“, damit für ihn (!) die Welt heil bleibt. Er geht also mit einer „rosaroten Brille“ durch die Welt und übersieht dabei die wirklichen Probleme. Er wirkt dadurch in seinen Beziehungen und in seiner Sichtweise der Welt etwas oberflächlich, so dass ernsthafte Gespräche mit ihm kaum zu führen sind. Er ist deshalb nicht für Problem- oder Konfliktlösungen geeignet, weil  sie für ihn gar nicht existieren. Wer also wirklich Schwierigkeiten hat, sollte sich also nur nicht an den Beschwichtiger wenden, denn außer Beschwichtigungsformeln hat er nichts drauf.
  • Der Oberflächliche: Der Dramatiker sieht die Welt in düsteren Farben, der Beschwichtiger hat eine rosarote Brille auf und der Oberflächliche? Dieser Typ hat überhaupt keine ernstzunehmende Einstellung zur Welt, zu sich selbst und zu den Grundfragen des Lebens wie z. B. was der Sinn des Lebens sein könnte. Er ist ein Künstler der Vermeidung: Er vermeidet jedes ernsthafte Gespräch, geht über alles leicht hinweg, was irgendwie schwierig sein könnte und leugnet schlichtweg jede Art von Tiefgründigkeit des Lebens überhaupt. Für ihn ist allenfalls das Leben, wenn es gut läuft, wie eine nicht enden wollende Party, wie ein Supermarkt, wo man nichts bezahlen muss, wie ein Fußballspiel, in dem immer die Heimmannschaft gewinnt. Er schwimmt immer auf der Oberfläche eines Ozeans des Lebens und macht sich keinerlei Gedanken, dass in der Tiefe vielleicht das Grauen warten könnte. Für ihn ist alles „easy“, eben mit Leichtigkeit zu sehen, ohne sich ernsthaft über irgendetwas Gedanken machen zu müssen. Für ihn ist das Leben vergleichbar einem Gleiten auf der Glätte eines  mühelosen Existierens, in dem es kein Muss, kein Sollen und keine Verpflichtung zu irgendetwas gibt. Angst vor dem Tod? Fehlanzeige, denn den hat er gänzlich aus seinem Gedächtnis gestrichen. Ihm genügt eben der Augenblick, der frei ist von Kummer, Schmerz, Zukunftssorgen, frei von irgendwelchen Moralvorstellungen, die das Leben nur aus seiner Sicht unnötig schwer machen. Er ist der ideale Konsument unserer Zeit, der gerne als Modell für die Werbung benutzt wird, wobei den Menschen die Leichtigkeit des Seins in Form eines ständigen Konsumierens von Gütern und Dienstleistungen als erstrebenswert verkauft wird. Ist er irgendwie zu beneiden? Vielleicht – aber wehe, wenn er wirklich mal mit ernsthaften Problemen, über die er nicht leicht hinweggehen kann, konfrontiert wird, dann ist das Versagen vorprogrammiert. 
  • Der Naivling: Der Naivling nervt jeden, der noch ein bisschen Verstand hat, der noch wagt, etwas gegen den Strom zu schwimmen, der nicht alles glaubt, was ihm so an Nachrichten aufgetischt wird, in dem er ständig mit einer kindlichen Leichtgläubigkeit „alles für bare Münze nimmt“, was über die offiziellen Stellen ihm an Weisheiten vermittelt wird („aber das hat doch in der Zeitung gestanden“, „da s hatten die doch gestern im ZDF in den Nachrichten gesagt“), der dabei wie der Oberflächliche nicht wagt, nachzufragen oder etwas zu hinterfragen. Er ist ein zum kritischen Umgang mit dem, was wir gemeinhin als „das Böse“ nennen, nicht fähig. Mit seiner unkritischen Leichtgläubigkeit, gepaart mit einer penetrant wirkenden unreflektierten Hilfsbereitschaft – Standardsatz: „Ich wollte doch nur helfen“ – zerstört er jeden kritischen Umgang mit Bösewichten und ist ein tödlicher Blindgänger, wenn es darum geht, gegen ein irgendwie geartetes Unrecht anzugehen. Mit der Entschuldigung – „ach, die haben es doch nur gut gemeint“ – nimmt er jedem den Wind aus den Segeln, der es wagt, gegen ungerechtfertigte Autoritäten, gegen ausbeuterische Verhältnisse oder gegen Missstände jedweder Art anzugehen. Er untergräbt die Wucht eines Frontalangriffs gegen jede Form des Bösen mit seinem Glauben, dass es dieses Böse gar nicht geben kann und dass es das Beste ist, jedem erst einmal gute Absichten zu unterstellen. Er ist deshalb auch sehr leichte Beute für Scharlatane jeder Art, für staatliche Propaganda, die nur in eine bestimmte Richtung geht oder für die Verführung zum unrechten Tun, wenn es von dem geheimen Verführer nur gut genug als Gemeinnützigkeit getarnt angepriesen wird. 
  • Der Absahner: Er meint, er wäre etwas Besonderes und hätte deshalb von allem immer die „Sahnehäubchen“ verdient. Der Absahner gleicht einem Zuschauer, der vor einer Theke steht und wartet, bis die Leckereien an ihm vorbeiziehen, auf die er es abgesehen hat. Er ist ein Kenner von allem, was es in der Welt gibt, das bei ihm einen Genuss auslöst oder zu seinem Vorteil gereicht. Genießen ist neben der Vorteilsmitnahme oder die schiere Habsucht das Hauptmotiv seines Handelns. Dafür tut er alles. Er steht auch mal Schlange, wenn es irgendwo „Schnäppchen“ gibt, ist sich auch für die unverschämt wirkende Schnorrerei nicht zu schade. Hauptsache, er erreicht sein Ziel. Geschickt kaschiert er seine Gier als „wirtschaftliches Handeln“, notfalls verweist er darauf, dass das doch heute alle machen: Wo für einen etwas herausspringt, gleich zupacken, ohne lange zu überlegen. Dabei macht er sich die Hände nicht schmutzig, denn sich dafür abmühen, kommt für ihn nicht infrage. Er wartet wie eine Spinne geschickt ab, ob ein Opfer an ihm vorbeizieht. Dann schlägt er zu und lässt es erst wieder los, wenn er es ausgesaugt hat. Er ist wie ein Parasit, der selbst nichts Produktives zu Wege bringt, sondern ständig auf der Suche nach einem Wirt ist, der ihn aushält. Wenn der Wirt nicht ergiebig ist oder ausgesaugt ist, sucht er sich ein neues Opfer.
  • Der Ausbeuter: Während es der Absahner auf die „speziellen Angebote“ abgesehen hat, ist der Ausbeuter ein reiner Parasit, der selbst nichts leistet, sondern nur von den Leistungen anderer profitieren will. In der Schule ist er der „Abschreiber“, der sich gerne neben den Klassenbesten setzt, um zu versuchen, bei Klassenarbeiten bei diesem „abzuspicken“. Wenn er irgendwann es tatsächlich schafft, einen Beruf zu lernen, wird er immer gerne für Teamarbeit plädieren, damit er von den Bemühungen der anderen profitieren kann. Er täuscht gerne eine emsige Geschäftigkeit vor, so dass jeder denken soll, dass er tatsächlich etwas bemüht ist beizutragen, dabei ist aber alles nur Show ohne wirkliche Substanz. Wenn er es schafft – meistens durch Protektion, günstige Umstände, niemals durch Leistung – nach oben zu gelangen, wird er gerne „die Puppen tanzen lassen“, also gerne zusehen, wie er es schafft, andere für sich arbeiten zu lassen. Er verkauft dann die Leistungen anderer gerne als seine eigenen und rühmt sich selbst gerne selbst dabei, „schmückt sich mit fremden Federn“, ohne dabei Scham oder Reue zu empfinden. Er wird sicher, wenn er dabei erwischt wird oder diese Unart aufgedeckt werden sollte, sein Verhalten rechtfertigen und etwa ausführen, dass er ja die Verantwortung getragen hätte oder er derjenige war, der am besten geeignet wäre, die Sache darzustellen. Er ist dabei ein Meister der Selbstdarstellung und schafft es nicht selten, andere dadurch zu blenden. Er hat dabei eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Angeber, nur dass es bei ihm nicht primär um die Selbstdarstellung, sondern eben um die Ausbeutung anderer ankommt, die er schmarotzerhaft aussaugt und dann achtlos wegwirft, wenn sie ihm nichts mehr geben können.
  • Der Bürokrat: Mir fiel kein besserer Begriff ein, der aber für mich fast für alles steht, was ich verachte: Kleinkariertheit gepaart mit Arroganz, Blindheit für die Bedürfnisse anderer Menschen gepaart mit roboterhafter Paragraphengläubigkeit. Der Bürokrat ist der gewöhnlich tatsächlich in einem Raum sitzende, stets etwas gelangweilt dreinblickende Mensch mit dem Charme einer ausgeleerten Konservendose, die kein Mensch mehr interessiert, weil der Inhalt schon längst verzehrt ist. Er ist umgeben von Aktenbergen, die für ihn Fetischcharakter haben, weil sie für ihn der anscheinend einzige Lebensinhalt darstellen. Das Böse stellen wir uns lieber imposant vor, grausig anzusehen oder zumindest furchteinflößend. Der Bürokrat ist oberflächlich gesehen fast das Gegenteil, sieht man vielleicht von dem Aussehen ab, das auch einmal unserem ästhetischen Empfinden zuwider laufen kann. Ohne mit der Wimper zu zucken schickt er Bescheide des Amtes heraus, die anderen Menschen die Lebensgrundlage entziehen, unterschreibt aber diese Briefe seelenruhig „Mit freundlichen Grüßen“. Er scheut davor zurück, jede Art von Verantwortung für sein Verhalten zu übernehmen und beruft sich gerne auf die Sachzwänge, die sich aus der Rechts- und Aktenlage ergeben und die ihm keine andere Wahl lassen. Er stellt für mich das Böse in Reinkultur dar, weil es sich maskiert in scheinbarer Höflichkeit gepaart mit hinterlistiger Gemeinheit, die die Seelenlosigkeit des Bürokraten offenbart, weil jedes Mitempfinden geleugnet wird und die Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid von anderen Menschen triumphiert.
  • Der „Arschkriecher“: Dem Bürokraten wohnt eine gewisse Unterwürfigkeit inne, doch der „Arschkriecher“ – in Anführungszeichen gesetzt, weil doch der Ausdruck etwas provokant ist – toppt die Devotheit und entwickelt sie zur Reinkultur. Sie dient nur dem Zweck, dass er damit sich bei einem Vorgesetzten, bei einem Parteiführer, bei einem Regierungschef beliebt machen will. Er scheut deshalb davor zurück, diesen zu kritisieren, sondern wird ihm stets nach dem Munde reden, um ihm zu schmeicheln. Er hinterlässt dabei immer eine „Schleimspur“, die ihn klar zu erkennen gibt. Schon durch seine Körperhaltung – leicht gebückt gehend mit vielleicht einem Blick nach oben wendend – signalisiert er seine Unterwürfigkeit. Er passt sich stets der Meinung der Obrigkeit an und verspricht sich damit Aufstiegschancen, denn irgendwann will er auch mal ganz oben sein oder zumindest in der Hierarchie eines bürokratischen Apparates aufsteigen. Eine eigene Meinung hat er nicht, denn die passt er immer an, so dass er nicht aneckt. Er ist konturlos, ohne feste Aussagen zu irgendetwas machend, ohne ein klares Persönlichkeitsprofil. Man weiß nie bei ihm, woran man ist und ein gesundes Misstrauen ist im Umgang mit ihm empfehlenswert. Er „verpfeift“ schon als junger Mensch seine Mitschüler beim Lehrer, um sich bei ihm beliebt zu machen – später sind es seine Arbeitskollegen, die er beim Chef anschwärzt.
  • Der Machtversessene: Der Machtversessene ist das passende Pendent zum „Arschkriecher“, denn er ermöglicht diesem das gewünschte devote Verhalten. Macht bedeutet für den Machtversessenen, seine Bedürfnisse rücksichtslos durchsetzen zu können, dabei gleichzeitig ein komfortables Leben führen zu können, weil auch Macht die Herrschaft über die Ressourcen ermöglicht. Macht zu haben bedeutet auch gleichzeitig, dass jemand seinen Willen anderen aufzwingen kann.  Dieses verleiht dem Mächtigen ein Gefühl der Überlegenheit, der Erhabenheit über andere, die er gerne herabwürdigt, um sich dabei besser zu fühlen. Macht steht im Widerspruch zum Freiheitsgedanken, nämlich der Möglichkeit von Individuen, nach eigenen Vorstellungen zu leben, weil von dem Mächtigen Zwang ausgeübt werden kann, die diese Freiheit begrenzt oder sogar gänzlich aufhebt. Wer darauf versessen ist, mächtig sein zu können, glaubt etwas Besseres als andere zu sein, über besondere Fähigkeiten zu verfügen, diese Macht ausüben zu können. Die Machtversessenheit kann in der Extremform zu Sadismus als einem wesentlichen Merkmal eines Psychopathen führen, der einen Genuss daran empfindet, andere quälen zu können, ohne hierfür zur Verantwortung gezogen zu werden. Mehr noch: In totalitären Systemen ist der Machtversessene ein willkommenes Mitglied einer Partei, einer Regierung und dieser unterworfenen oder angepassten Institutionen, die es auf darauf abgesehen haben, andere Menschen, ja ein ganzes Volk zu versklaven. Die Machtversessenen werden in einem totalitären System auch noch für ihr angepasstes Verhalten mit sozialem Aufstieg, Reichtum und Verehrung belohnt, wodurch das Wertesystem eines jeden rechtschaffend denkenden Menschen auf den Kopf gestellt wird.  
  • Der Frömmler: Wer seine Frömmigkeit durch öffentliche Zurschaustellung auslebt, gilt für mich schon suspekt, denn wer wirklich fromm ist, benötigt kein Publikum dazu, denn er hat den Glauben an Gott und muss dies nicht nach außen zeigen; seine guten Werke bleiben im Verborgenen. Der Frömmler legt es aber darauf an, dass seine Frömmigkeit von allen gesehen wird. Er genießt dabei die Bewunderung durch andere, die ihn für fromm halten. Man findet ihn als „aktiven Christen“ in den Kirchengemeinden, der regelmäßig an allen Veranstaltungen des Gemeindelebens teilnimmt, nach einer Funktion im Kirchenvorstand strebt und der es genießt, während einer heiligen Messe etwas vorzubeten oder vorzusingen. Ihm kommt es immer darauf an, dass die anderen ihn hierbei als einen vorbildlichen religiösen Menschen bewundern. Er wirkt gerne bei Benefizveranstaltungen mit, sammelt eifrig für einen neuen Glockenturm und legt Wert darauf, dass, wenn er etwas spendet, dies auch öffentlich bekannt wird. Manchmal gibt er auch an, in einer besonders engen Beziehung zu Gott zu stehen und von ihm Inspirationen oder Anweisungen zu erhalten. Kurzum: Er hält sich für etwas Besonderes, für ihn ist der fromme Schein wichtiger als das dahinterstehende wirkliche fromme Sein.  
  • Der Heuchler: Jeder Frömmler ist ein Heuchler, aber nicht jeder Heuchler ein Frömmler. Es gibt auch die nicht-religiöse Heuchelei. Die Heuchelei ist eine universelle Einstellung desjenigen, der in zweifacher Weise ein „doppeltes Spiel“ betreibt: Erstens tut er nicht das, was er vorgibt zu tun und zweitens legt er für sich selbst andere Maßstäbe an als für die Allgemeinheit. Der kategorische Imperativ nach Kant sieht vor, dass der eigene Maßstab nur dann einen glaubwürdigen moralischen Anspruch dokumentiert, wenn er auch für die Allgemeinheit Gültigkeit haben kann. Oder anders gesagt: Das, was man vorgibt, das jeder tun solle, muss auch für die eigene Person gelten. Wenn also ein Politiker den Anspruch erhebt, dass die Bürger Energie sparen sollen, dann ist es Heuchelei, wenn er selbst dann mit einer schweren, spritfressenden Limousine von einem Chauffeur durch die Gegend gefahren wird und er zu Konferenzen mit einem Privatjet fliegt. Die Doppelmoral, für sich andere Maßstäbe anzulegen, als für die Allgemeinheit, ist deshalb moralisch verwerflich, weil Moral eben einen Allgemeinanspruch hat, der keine oder nur gut begründete Ausnahmen kennt – und die Ausnahme darf nicht den subjektiven Bedürfnissen dienen. Der „Gutmensch“ ist der perfekte Heuchler, weil er stets von der Allgemeinheit eine Opferbereitschaft fordert (z. B. zu Gunsten von Flüchtlingen, die nach Deutschland wollen, um hier zu leben, in dem ihnen Unterkunft und Verpflegung sowie ärztliche  Behandlung zugutekommen), die er selbst nicht an den Tag legt (er nimmt selbst keinen Flüchtling bei sich auf und zahlt auch nicht für die Kosten).
  • Der Herzlose: Das Herz gilt in materialistisch denkenden Zeiten nur als eine Pumpe, die gedankenlos einfach ausgewechselt werden kann. Dabei ist das „Volkswissen“ der einfachen Leute schon jahrhundertelang weiter: Das Herz stellt die Zentralstelle dessen dar, was die Mitmenschlichkeit ausmacht. In dem Hauff-Märchen „Das kalte Herz“ lässt sich der Köhlerjunge Peter Munk anstelle seines Herzens einen kalten Stein einsetzen, so dass er gewissenlos nur noch seine egoistischen Wünsche verwirklichen kann. Für ihn ist es nur noch wichtig reich zu sein, Berühmtheit zu erlangen und Macht zu haben. Wer herzlos ist, braucht sich nicht mehr um andere kümmern, er ist dieser Last entledigt, weil ihn das Leben von in Not geratenen Kreaturen – Menschen, Tiere, Pflanzen – nicht mehr interessiert.  Die Herzlosigkeit lässt jedes Mitgefühl erkalten  und es leichter leben, weil jedes Einfühlungsvermögen fehlt. Der Herzlose ist somit ein rücksichtsloser Egoist, der vor allem durch das Unterlassen seine Herzenskälte demonstriert. Es lässt ihn, kalt, wenn er einen Bettler sieht („selber schuld“), wenn ein Tier unter der Führung eines Menschen leidet („es ist ja nur ein Tier“) oder wenn die Pflanzen in einer Wohnung durch Wassermangel langsam vertrocknen („nutzloses Kraut“). Er fügt im schlimmsten Fall aber auch anderen Leid zu, wenn es der Durchsetzung seiner egoistischen Wünsche dient und wird zum Psychopathen, der als die Spitze der Herzlosigkeit gilt, denn dieser empfindet nicht nur kein Mitleid, sondern sogar Freude an dem Leid anderer. Der Herzlose verliert aber für den Preis eines Lebens, das nur der Durchsetzung eigener Wünsche dient, seinen wichtigsten Schatz: die Sehnsucht nach dem Guten, den Glauben an die absolute Gerechtigkeit und an die Geborgenheit einer von Gott gehaltenen Welt.   
  • Der Funktionär: Diesen Menschentyp findet man überall dort, wo sich Menschen in Vereinen, in Parteien, in Gewerkschaften, Interessenverbänden wie z. B. Sportbund oder Arbeitgeberverbänden organisieren, um dadurch ihre Interessen besser durchsetzen zu können. Dazu benötigt man den Menschentyp des Funktionärs, der, wie das Wort schon sagt, bestimmte Aufgaben in diesen Organisationen übernimmt. Er funktioniert so zu sagen so, wie man es von ihm erwartet: Er setzt sich ein für die Belange der Institution, für die er tätig ist. Das ist sicher auch so in Ordnung. Nur geht dabei einher eine gewisse „Scheuklappenmentalität“, denn alles, was nun außerhalb der eigenen Organisation an Meinungen vertreten wird, gilt von vornherein als unakzeptabel, weil es eben nicht aus den eigenen Reihen kommt. Dafür gibt es ein internes Belohnungssystem: Je stärker er diese Denkweise praktiziert und je einseitiger er nur die Interessen der eigenen Institution vertritt, desto höher ist sein Ansehen und auch, wenn er dafür bezahlt wird, seine Entlohnung. Der Funktionär ist dabei dann am erfolgreichsten, wenn er jede kritische Distanz zu der von ihm gewählten Funktion verliert, damit gewissermaßen verschmilzt. Es fällt ihm dabei nicht auf, dass er eigentlich nur eine Rolle spielt und dabei seine Person, geschweige denn seine eigene Wesensart als unverwechselbare Persönlichkeit völlig unwichtig wird, dass er, wenn er eben nicht mehr richtig funktioniert, eigentlich auswechselbar ist. Der Prototyp dieses Funktionärs ist der Apparatschik, der sich immer in den Dienst der Partei stellt, dort ein mehr oder weniger hohes Ansehen erwerben kann, bis er irgendwann durch jemand anderes ausgetauscht wird.
  • Der Menschenverächter: Die Verachtung ist eine der negativsten Formen des Betrachtens des Charakters von Menschen. Die Negation speist sich aus der Negierung aller positiven Aspekte, indem diese gar nicht in Betracht gezogen werden, sondern das Augenmerk nur auf die schlechten Eigenschaften gerichtet wird. Der Verachtende betrachtet den anderen gar nicht als einen ebenbürtigen Partner, dem eine notwendige Aufmerksamkeit zuteilwerden müsste, um eine gewisse Wertschätzung auszudrücken, sondern er sieht den anderen gar nicht als einen Träger positiver Eigenschaften an, so dass er ihn verachten kann. Hierbei begibt er sich quasi in die Rolle des Pathologen. Wie dieser spezialisierte Mediziner, der krankes Körpergewebe seziert und unter einem Mikroskop untersucht, richtet er sein Augenmerk ausschließlich auf aus seiner Sicht krankhafte, abartige Aspekte des Menschseins. Er ist auch gleichzeitig ein Zyniker, weil er jede Hoffnung aufgegeben hat, irgendetwas Positives bei seiner Untersuchung zu entdecken. Der Zyniker hat sich angewidert von den Menschen abgewandt, betrachtet sie gewissermaßen nur noch aus einer höheren Warte aus und hat lediglich noch Hohn und Spott für sie übrig. Hierbei spielt er sich gerne als Richter auf, der sich anmaßt beurteilen zu können, was gut und schlecht ist. Der Menschenverächter ist auch ein ausgewiesener Pessimist, der jeden Versuch, etwas Positives zu entdecken, aufgegeben hat. Er vereinigt somit die Eigenschaften des Pathologen, Zynikers, Richters und Pessimisten in einer Person, wobei diese Kombination ihn zu mehr als nur einer Nervensäge macht: sie macht ihn zum Menschenfeind schlechthin.
  • Der Rücksichtslose: Rücksicht zu nehmen gehört zu den Tugenden in einem Gemeinwesen, die uns helfen, miteinander besser klar zu kommen. Wer Rücksicht walten lässt, verbindet sein Handeln oder Unterlassen mit der Bezugnahme auf den anderen, indem er sich vergegenwärtigt, ob und wie sein Verhalten diesem schaden könnte. Er geht also vorsichtig zu Werke und versucht gedanklich die Auswirkungen seines Verhaltens auf die Mitmenschen zu antizipieren. Die mögliche Vorwegnahme der Folgen seiner Taten erlauben dem Rücksichtsvollen die Einschätzung, ob er zur Handlung schreiten soll oder nicht, ob er jemand helfen sollte oder ob es besser wäre, nichts zu tun. Er macht sich dabei klar, dass eine Hilfe auch die Kehrseite der Bevormundung beinhalten kann, wenn sie zu penetrant daherkommt und die Autonomiebedürfnisse des anderen negiert. Dabei lässt er sich von moralischen Grundvorstellungen leiten, die darauf aufbauen, in der Welt so zu agieren, dass – als Mindestvoraussetzung – kein Schaden angerichtet wird, im besten Falle der Nutzen für den anderen, sein Wohlergehen vermehrt wird. Der Rücksichtslose kehrt dies alles ins Gegenteil um: Er antizipiert nicht die Folgen seines Tuns oder Unterlassen, hat keine moralischen Grundsätze, mit Ausnahme von dem Prinzip, dass er zumindest immer für sich selbst das Beste verlangt – koste was es wolle. Wenn er tatsächlich einmal einem anderen hilft, dann geht es ihm dabei darum, sich selbst als den großen Retter darzustellen, seine angeblichen Qualitäten zur Schau zu stellen. Alle vorgenannten Typen, die hier aufgeführt wurden, haben diese Rücksichtslosigkeit im Gepäck, die in der harmlosen Form noch als Gedankenlosigkeit bezeichnet werden kann, etwa bei dem Bürokraten, dem das Schicksal anderer egal ist, denn ihm geht es nur um die Beachtung der Vorschriften. Die Rücksichtnahme erfordert zumindest ein gedankliches in die Lage des anderen hineinversetzen, um verstehen zu können, wie sich das eigene Verhalten auswirkt, dazu fehlt dem Rücksichtslosen die Bereitschaft und auch die Fähigkeit. Im schlimmsten Falle geht die Rücksichtslosigkeit so weit, dass dem anderen mehr oder bewusst geschadet wird, entweder um des eigenen Vorteils willen oder aus reiner Freude an dem Ausleben zerstörerischer Absichten.
  • Der Humorlose: Alle vorgenannten Typen könnte etwas verbinden, was mit Humorlosigkeit bezeichnet werden kann. So gesehen ist dieser Typ der Nervensägen nicht so sehr ein Sondertyp. Das Humorlose ist gewissermaßen das gemeinsame Merkmal aller hier vorgestellten Sondertypen. Das liegt an der entlarvenden Wirkung des Humors auf alle Nervensägen, denn der Humor gilt schon immer als die Waffe der Entrechteten, derer, denen die Macht genommen wird und die sich aber das Recht noch herausnehmen, über die Mächtigen zu lachen, ihnen die Masken herunterzureißen. Der Humorlose ist somit ein ständig auf sich bedachter Mensch, der besonders darauf achtet, dass seine Würde, seine Erhabenheit, seine geglaubte Überlegenheit über andere stets zur Geltung kommt. Er ist deshalb dann an dieser Schwachstelle angreifbar, weil er oft nicht merkt, wie er sich mit seiner Aufgeblasenheit und Wichtigtuerei lächerlich macht, etwa dann, wenn er als Frömmler mit nach oben gerichteten Augen so tut, als ob er in diesem Augenblick einen Gotteskontakt herstellen könne. Dem Humorlosen fehlt die nötige Selbstdistanz, die kritische Selbstreflektion, um zu erkennen, dass er eigentlich nicht so bedeutsam ist, wie er sich nach außen gesehen darstellt und wie er innerlich glaubt zu sein. Derjenige, der Humor hat, ist deshalb nicht ohne Ernsthaftigkeit unterwegs, sondern im Gegenteil durch seinen Humor stets auf Selbstdistanz bedacht, so dass er quasi aus der Metaebene heraus einen besseren Blick auf die Wirklichkeit hat. Diese kritische Selbstdistanz geht dem Humorlosen völlig ab. Der Humorlose ist deshalb ein in sich gefangener Mensch, der in seinem Inseldasein glaubt, der Nabel der Welt zu sein und nicht in der Lage ist, sich mit einem zwinkernden Auge völlig neutral zu beäugen. Der Dramatiker wird mit seiner Humorlosigkeit stets die Katastrophen voraussehen, während der Humorvolle immer noch in einer völlig aussichtslosen Lage einer Situation eine heitere Note abgewinnen kann (Humorist ist, wenn man trotzdem lacht). So gesehen fehlt dem Humorlosen die notwendige Gelassenheit, über den Dingen zu stehen, weil er sich allzu sehr als ein Teil dieser Welt sieht. Der Humor hat deshalb etwas Göttliches, weil damit die kritische Distanz zur Welt und damit auch Transzendenz hergestellt wird.   
  •  Mischtypen: Klar, diese Menschentypen gibt es nicht in Reinkultur. Man könnte sagen: Ein jeder hat auch etwas von diesen Typen in sich selbst, wobei diese nicht so ausgeprägt sein müssen, wie sie hier beschrieben sind. Das bedeutet, dass wahrscheinlich jeder eine gewisse Mixtur dieser „Nervensägen“ in sich hat, die ihn auch selbst nerven können. Es gibt auch den Mischtypus, der zwei oder drei dieser Typen miteinander kombiniert. Eine Kombination könnte die des Frömmlers mit dem des Funktionärs sein, der dann z. B. als Kirchentagspräsident auftaucht. Die Kombination des Strebers mit dem Bürokraten taucht oft in Organisationen auf, in denen die kritiklose Anpassung an das jeweilige System durch sozialen Aufstieg belohnt wird. Je autokratischer die Strukturen sind, desto mehr zahlt sich eine solche Kombination aus. Die Kombination aus Angeber und Geizhals ist auch eine unangenehme Mischung, weil der zur Schau gestellte Reichtum deshalb abstoßend wirkt, da bewusst diejenigen vor den Kopf gestoßen werden, die nicht über Reichtümer verfügen. Auch eine Dreierkombination ist denkbar. So könnte ich mir die Kombination des Strebers, Angebers und Intriganten als eine ziemlich gefährliche Mischung vorstellen, die deshalb brisant ist, weil sich die negativen Eigenschaften noch gegenseitig verstärken: Schon als Schüler war er immer einer der Besten, hat auch stets im Berufsleben danach gestrebt, nach oben zu kommen und scheut sich auch nicht auf dem Weg in die oberen Etagen einer Organisation durch intrigantes Verhalten unliebsame Konkurrenten auf die Seite zu räumen. Wenn er dann damit Erfolg hat, brüstet er sich zu allem Überfluss auch noch mit seinen angeblichen Leistungen und Reichtümern.

 

Die Nervensägen sind die lästigen Plagegeister des Alltages, die Mücken oder Fliegen gleichen, die uns auch auf die Nerven gehen, denen wir aber nur schwer entkommen können. Wir können sowohl die lästigen Insekten als auch die Nervensägen vielleicht verscheuchen, aber sie kommen immer wieder. Sie sind unangenehm bis hin sogar schädlich. Nervensägen haben aber etwas Gutes: Wir fühlen uns dann jedenfalls besser als diese Plagegeister. Oder sind wir dann vielleicht schon selbst wieder wie eine dieser Nervensägen? Kommen auch die Nervensägen in den Himmel? Gott bewahre uns davor!

 

© beim Verfasser

 

[1] Der Einfachheit halber sind die folgenden Typen im Maskulinum geschrieben. Die Ausführungen gelten entsprechend für beide Geschlechter und „Diverse“.

 

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