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Es drängt sich bei mir der Verdacht auf, dass wir heute – zumindest in der „westlichen Welt“ -  in einer „speziellen Zeit“ leben, die sich durch verschiedene Merkmale kennzeichnen lassen kann. Ich will versuchen, diese Kennzeichen zu beschreiben.

  • Dekadenz: Was mir auffällt ist, dass der Niedergang unserer speziellen westlichen Kultur eine gewisse Ähnlichkeit mit Kulturen hat, die allesamt an etwas zugrunde gegangen sind, was als Dekadenz bezeichnet wird. Es ist klar: Eine stetige Höherentwicklung, sowohl technisch, sozial als auch kulturell, kommt unweigerlich zu einem Punkt des Stillstandes, weil für alles irgendwie Grenzen gesetzt sind. Diese Höhe irgendwie zu halten, zu konservieren, ist schwer, weil viele Menschen keine ausreichende Ausdauer haben, stets Höchstleistungen zu bringen. Alte Kulturen in Ägypten, Griechenland oder das Römische Reich gingen zu Grunde, weil irgendwann die Kraft zur Erhaltung und Erneuerung alter Strukturen nicht mehr da war. Der Niedergang von Kulturen ist aber heutzutage nicht die Hauptbedeutung des Begriffes Dekadenz (lat.: decadere – fallen, sinken[1]), sondern es wird damit eher gemeint der Verfall von Anstand und Moral, die sich in sozialschädlichem Verhalten und Verschwendung bemerkbar machen[2]. Wenn heutzutage, um ein aktuelles Beispiel zu nehmen, sich ein Christian Lindner auf der Insel Sylt eine super teure Hochzeit gönnt – während die Bevölkerung auf „harte Zeiten“ eingeschworen wird -, die auch noch zum Teil wegen der Sicherheitskräfte, die zur Beaufsichtigung dieses Events notwendig sind, auf Steuerzahlerkosten, also auf Kosten der Allgemeinheit, gefeiert wurde, dann ist das dekadent[3]. Hinzu kommt, dass die Kirche das Ereignis auch noch durch eine kirchliche Zeremonie abgesegnet hat, obwohl das Hochzeitspaar nicht mehr Mitglied der Kirche war[4]. Diese Hochzeit ist ein gutes Beispiel für dekadentes Verhalten, weil sie mehrere symbolträchtige Momente enthält, die für die Dekadenz allgemein maßgeblich sind:
    • Arroganz und Ignoranz: Wer eine solche Hochzeit feiert, ignoriert, dass andere Menschen nicht in der Lage sind, sich so etwas zu leisten. Man zelebriert vor den Augen der Öffentlichkeit: Seht her, ich kann mir das leisten, ich bin mir so wichtig, dass ich diesen Reichtum, eine solche teure Hochzeit zu feiern, auch noch öffentlich zeige. Damit werden alle Menschen vor den Kopf gestoßen, die hierzu nicht in der Lage sind. Diese Abgehobenheit ist ein Merkmal derer, die dekadent sind, weil sie glauben, es geschafft zu haben, ganz nach oben zukommen und dies gerne anderen zeigen.
    • Ausnutzen von Privilegien: Wer kann schon einen auf Staatskosten finanzierten Sicherheitsdienst beauftragen, wenn er nicht in der vergleichbaren Position eines Finanzministers ist? Das Ausnutzen des Privilegs, den Sicherheitsdienst auf Kosten der Allgemeinheit in Anspruch zu nehmen, ist ein wichtiges Merkmal der Dekadenz. Herrscher aller Zeiten und Arten haben die Privilegien für sich selbst genutzt, um sich Vorteile zu verschaffen – in den unteren[5] wie oberen Rängen.
    • Kombattanten: Dass hier die Kirche das Spiel mitgemacht hat, ist ein weiteres Zeichen der Dekadenz, denn der dekadente Machthaber findet immer Menschen und Institutionen, die mitmachen, weil sie hiervor profitieren. Dass die evangelische Kirche stets auf der Seite der Mächtigen ist und war, hat seinen guten Grund, denn der Staat treibt für sie die Kirchensteuer ein und hält sonstige Vergünstigungen für sie parat. Auch die Boulevardpresse fand Gefallen an der Hochzeit, hatte doch die „Bunte.de“ das Brautkleid von Franca Lehfeldt besonders gewürdigt („Tüll und Tränen“)[6]. Die dekadenten Herrscher konnten immer auf die willigen Kombattanten hoffen, die selbst von deren Verhalten profitierten.
    • Keine Skrupel: Dass Herr Lindner keine Skrupel hat, sich so zu verhalten, wundert niemand mehr. Wer es erreicht hat, Macht und Reichtum zu okkupieren, braucht sich anscheinend für nichts mehr zu schämen, denn er setzt seine eigenen Maßstäbe und lässt die Kritik an sich abprallen. Wer reich und mächtig ist, braucht sich anscheinend vor nichts mehr zu fürchten. Er gelangt quasi in einen Status der Immunität, die ihn vor Angriffen schützt, so dass er Konsequenzen seiner Skrupellosigkeit nicht befürchten muss.
  • Moralischer Verfall: Der moralische Verfall wurde schon immer behauptet und zwar stets von der älteren gegenüber der jüngeren Generation, das ist nicht neu. Was vielleicht sich zu früheren Zeiten geändert hat, ist die Generalität, mit der dieser Verfall zu beobachten ist. Es sind nicht nur die stets in früheren Zeiten beanstandeten sexuellen Großzügigkeiten (z. B. sex. Verkehr vor der Ehe) oder Abartigkeiten (sex. Verkehr mit Gleichgeschlechtlichen, Tieren, Toten…), sondern die „Verwahrlosung“ der Sitten, Anstandsregeln, Höflichkeitsformen bis hin zu roher Gewalt und Ausnutzung privilegierter Stellungen für Vorteilsnahme auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens. Die Zunahme der rohen Gewalt in Form von Mobbing an Schulen und auf öffentlichen Plätzen, die weitgehend ignoriert wird[7], zeigt, dass den Jugendlichen die positiven Vorbilder und eine konsequente Pädagogik fehlen. Wegschauen dort, wo Unrecht geschieht, aus Angst vor Schwierigkeiten, Autoritätsverlust – Autorität im positiven Sinne verstanden als eine Orientierungsgröße – und eine auf Eigennutz gerichtete Unterlassungskultur fördern den moralischen Verfall einer Gesellschaft. Nicht, dass Böses jeden Tag geschieht ist schlimm genug, sondern das Unterlassen des Einschreitens mutiger Bürger, der staatlichen Organe, die für die „öffentliche Sicherheit und Ordnung“ zuständig sind, der Journalisten, die den Mut nicht aufbringen, die wahren Sachverhalte zu schildern und stattdessen die Unrechtstaten irgendwie verharmlosen oder entschuldigen. Wenn Journalisten sich davor scheuen zu benennen, dass Ausländer, Asylanten oder Menschen mit „Migrationshintergrund“ Straftaten begehen und die Täter als „Gruppe junger Männer“ bezeichnen, weil dies der links-grüne Mainstreamjournalismus verlangt, dann begehen sie eine Unterlassung durch Unterdrückung der Wahrheit. Statt dass die Sicherheitsbehörden verstärkt gegen kriminelle Clans mit weit verzweigten Geschäften im Drogen- und Prostitutionsmilieu vorgehen, werden lieber die Bürger kriminalisiert, die sich gegen überbordende Maßnahmen im Corona-Krisen-Modus wenden. Die Unterlassung des Staates, gegen die vorzugehen, die wirklich unsere Werteordnung nicht nur infrage stellen, sondern diese radikal zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen, um straffrei zu bleiben, ist eine Wurzel des moralischen Verfalls einer Gesellschaft. Denn wenn Unrecht nicht mehr konsequent verfolgt und bestraft wird, dann fragen sich diejenigen, die anständig bleiben: Warum soll ich es nicht genauso machen, wie diejenigen, die immer irgendwie straflos davonkommen?
  • Kollektivismus vor Individualismus: Das Individuum könnte als die Krönung einer demokratischen Ordnung bezeichnet werden, denn es bildet sich in einem Klima, in dem die Freiheit der Entfaltung der Persönlichkeit im Vordergrund steht und jeder seine für ihn eigentümlichen Begabungen entfalten und er nach seinen individuellen Vorstellung leben kann, solange er damit keine anderen beeinträchtigt. In unserer Zeit ist eine zunehmende Dominanz der Kollektivierung im Gange, die sich in mehreren Merkmalen zeigt:
    • Gleichförmigkeit statt Pluralität: Auf allen Gebieten scheint sich eine Art Gleichmacherei und Gleichförmigkeit in der Kleidung, bei den Gewohnheiten und den Meinungen breit zu machen, die einer Vielfältigkeit entgegenläuft. Junge Frauen scheinen hier besonders in puncto Mode diesem Trend zu verfallen, es allen gleich zu tun. Die Modediktatur wird bereitwillig bis hin zur sklavischen Befolgung der über die Modemacher und Peer-Groups diktierten Art sich zu kleiden durchgesetzt. Es herrscht eine gewisse Uniformierung in der Kleidersprache vor, die mir insbesondere deshalb auffällt, weil mir die feminine Art der Kleidung aus meiner Jugendzeit (50iger bis 60iger Jahre) noch gut in Erinnerung ist, die konträr zu der heutigen „vermännlichten“ Bekleidungsart der weiblichen Jugend verlief. Wenn sich heute ein Teenager wie in den 50iger Jahren anziehen würde, wäre er nicht mehr „In“. Was beispielhaft für die „junge Mode“ gilt, steht stellvertretend für alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Die Gleichförmigkeit in den Meinungen ist inzwischen deshalb so erschreckend, weil sie in der Gesellschaft in allen Bereichen stark verbreitet ist. Die Vielfalt der Publikationen im Printbereich täuscht nur über die zu beobachtende Gleichmacherei hinweg, die sich der Vielfalt der Meinungen anscheinend sehr wirksam entgegenstellt. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der eigentlich für eine objektive Vielfalt sorgen müsste, fördert aufgrund sich in mehreren Jahren entwickelter Machtstrukturen nicht diese Pluralität, sondern die Einseitigkeit, Parteilichkeit und verzerrte Darstellung der Wirklichkeit. Dies zu ändern und wieder zu einer möglichst den journalistischen Grundsätzen verpflichtenden objektiven und neutralen Berichterstattung, Kommentierung und entsprechender Analysen zurückzukommen ist gerade das Ziel der Initiative „Leuchtturm ARD“[8]. Der „Woke-Wahn“ zeigt diese Vereinheitlichung auch und gerade in der jungen Generation, die einer diktatorischen Gleichmacherei ähnelt[9].
    • Intoleranz statt Toleranz: Diejenigen in der Gesellschaft, die gerne von Toleranz sprechen, sind i. d. R. am intolerantesten. Gerade in dem grün-linken Milieu herrscht nur eine scheinbare Toleranz vor, die sich aber in ihr Gegenteil verkehrt, sobald nicht die Meinung derer vertreten werden, die die gängigen Narrative teilen: Ungeregelter Zuzug aus dem Ausland schafft eine Pluralität in der Gesellschaft. Es muss alles getan werden, um den Klimawandel zu stoppen, auch wenn dadurch andere zu Schaden kommen. Es gibt nicht nur zwei Geschlechter, sondern eine unbegrenzte Variation der Geschlechtlichkeit. Jeder muss das Recht haben, sein Geschlecht selbst zu bestimmen. Jede Frau sollte ihre Schwangerschaft nach eigenem Gutdünken abbrechen können. Wer diese „modernen Märchen“ nicht rückhaltlos bejaht, wird gnadenlos bekämpft.
    • Gnadenlosigkeit statt Großzügigkeit: Die Intoleranz hat einen gewissen Grad der Totalität erreicht, die dazu führt, dass gnadenlos diejenigen verfolgt werden, die sich dem Einheitsbrei der diktierten Meinungen nicht anpassen wollen. Dies geschieht von „oben nach unten“ durch staatliche Gewalt, wobei die Gleichschaltung so weit geht, dass die Korrektivwirkung etwa der Judikative gegenüber der Exekutive – wie dies leider oft in der Corona-Zeit deutlich wurde – weitgehend verloren gegangen ist. Wer in unserem Staat über Macht verfügt, kann relativ sicher sein, dass er von der Justiz nicht behelligt wird. Während die Spitzen der politischen Elite – Olaf Scholz entzieht sich z. B. bisher erfolgreich der Verfolgung seiner Untaten als Hamburger Bürgermeister bei der Unterschätzung der Gefahren bei „G20-Gipfel-Treffen[10] oder in der „Cum-ex-Affäre“ (Staatsanwaltschaft Hamburg sieht keinen Verdacht[11]) -  unbehelligt bleiben, wird ein Oliver Janich von den Strafverfolgungsbehörden sogar auf den Philippinen wegen angeblicher strafrelevanter Hetze verhaftet[12]. Aber auch abweichendes Verhalten wird in von gesellschaftlichen Trends beherrschten Szenen auf der „horizontalen Ebene“ eigentlich gleichberechtigter Bürger durch Ausgrenzung nicht geduldet. So durfte z. B. die weiße Musikerin Ronja Maltzahn bei einer „Fridays-for-Future“-Demonstration im März 2022 wegen ihrer Frisur („Dreadlocks“) nicht auftreten, weil diese Frisur nur als Symbol der Bürgerrechtsbewegung schwarzer Menschen gesehen werde und deshalb einem Menschen mit weißer Hautfarbe nicht zustehe[13].    
    • Glattgeschliffene Einheitsware statt scharfkantige Persönlichkeiten: Die Gleichmacher unserer Gesellschaft, wie etwa die Parteiapparate, die Bürokratien unserer staatlichen und privaten Institutionen, die Peer-Groups oder die Medien wirken wie Mühlsteine, die alle scharfkantigen Steine abschleifen, bis sie rundgeschliffene Steine geworden sind, die reibungslos funktionieren. Wer in Parteiapparaten oder in den vielfältigen Bürokratien „Karriere machen“ oder in den sozialen Netzwerken oder in den mannigfaltigen privaten Organisationen verbleiben und nicht wegen abweichender Meinungen „herausfliegen“ will, muss sich dem Mainstream anpassen. Als z. B. der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki sich dafür ausgesprochen hatte, die Pipeline „Nordstream II“ in Betrieb zu nehmen, wurde er von der Meute der Gleichmacher in der eigenen Partei und auch den Mainstream-Medien heftig kritisiert[14]. Vorbei scheint die Zeit der scharfkantigen Persönlichkeiten wie die eines Franz-Josef Strauß oder die eines Willy Brandt zu sein, die sich eben nicht angepasst haben, sondern den Mut hatten, eigene Akzente aufgrund eigener Überzeugungen zu setzen. Die aneckenden Persönlichkeiten, die sich diesem Druck entgegenstellen, werden leider immer weniger.
  • Künstliche Probleme und Scheinprobleme: Die Diversität[15] gilt als ein typisches Modewort, mit dem die gewünschte „Vielfalt“ einer Gesellschaft beschrieben und auch eingefordert wird. Die modernen Zeiten gelten als besonders tolerant hinsichtlich dieser gesellschaftlichen Vielfältigkeit, die aber künstlich geschaffen wurde, weil der Zuzug von Menschen unterschiedlicher Nationalität, Rasse (ein Begriff, der heute verpönt ist), Religionszugehörigkeit, Bildungsniveau sowie beruflicher Kenntnisse nicht nur zugelassen, sondern sogar gezielt gefördert wurde. Die Vielfalt der Geschlechter, die ebenfalls durch propagandistische Verbreitung dieser Art der Diversität vorangetrieben wird, ist künstlich durch eine Übertreibung der Vielfalt als Problem aufgebläht worden, weil die angeblich intolerante Gesellschaft diese nicht zulässt. Die Gendersprache soll dieser Vielfalt gerecht werden, obwohl die Mehrheit der Bevölkerung mit der alten nicht-gendergerechten Sprache gut gelebt hatte und diese deshalb ablehnt[16]. Dieser „Genderwahn“ ist ein künstlich aufgeblähtes Phänomen, das die Ratlosigkeit der links-grünen „Leitkultur“ offenbart, der das eigentliche Klientel, nämlich die „Besitzlosen“ die „Ausgebeuteten“ abhandengekommen ist. Sie brauchen für die „Zwangsbeglückung“ angeblich ausgegrenzte Menschen, um ihrer Daseinsberechtigung Genüge zu tun. Sie schaffen mit der angeblich proklamierten Ausgrenzung von „diversen“ Menschen (Ausländer, Migranten, sexuelle „Diverse“) ein künstliches Problem, das zuvor nur Personen interessiert hat, die etwa als Sozialarbeiter mit diesen Personengruppen zu tun hatten. Ein typisches Scheinproblem ist das des so genannten Klimawandels, das durch die grüne Agenda vorangetrieben wird. Selbst wenn bestimmte Regionen der Welt durch die Erhöhung der Temperaturen unbewohnbar werden sollten, wird ignoriert, dass es bereits jetzt nur schwer zu bewohnende Gebiete auf der Erde gibt (Kälteregionen in Sibirien, Antarktis), die aber von dem Klimawandel profitieren könnten. Nicht der Klimawandel ist das Problem, sondern die mangelnde Anpassung der Menschen an die sich verändernden Klimaverhältnisse. Die Umsiedlung von Menschen in Küstenregionen könnte irgendwann notwendig sein. Aber dies stellt nur eine neue Herausforderung der in diesen Gebieten lebenden Menschen dar. Nicht der Klimawandel muss bekämpft werden, was ungeahnte negative Folgen hätte für unseren Wohlstand, auf den die meisten nicht verzichten wollen, denn es müssten ganze Industriezweige eingemottet (Schwerindustrie und chemische Industrie mit hohem Energieverbrauch, Luftverehr, Straßenverkehr) werden, sondern erkannt werden, dass die Klimaänderungen als Herausforderung für die möglichst nutzbringende Anpassung zu sehen sind. Der – nicht von allen Wissenschaftlern so gesehene – Klimawandel muss nicht mit allen Mitteln bekämpft, sondern die Anpassung der Menschen an die Veränderungen durch Entwicklung neuer Technologien forciert werden. Der Nutzen der Schaffung künstlicher Probleme und die Aufblähung von Scheinproblemen liegt für die Macher dieser Szenarien darin, dass sie sich scheinbar als Retter aufspielen können und sich damit als unverzichtbar erklären. Der Eigennutz steht also im Vordergrund und nicht die Lösung realer Probleme. Die Corona-Krise offenbarte dasselbe Schema: Es wurde ein Virus zum gemeingefährlichen Feind erklärt und damit die Daseinsberechtigung von Ministern, der untergeordneten Verwaltungen, Herstellern von Impfpräparaten, Masken, Impfzentren und Untersuchungslaboren abgesichert. Statt sich mit dem Problem des Abbaus von Krankenhauskapazitäten zu beschäftigen, mit dem realen Pflegenotstand, der unabhängig vom Corona-Problemen besteht, wird eine Armada von Schein-Problemlösern geschaffen, die aber statt das Problem zu lösen, es durch die Corona-Maßnahmen noch verschärfen. Real existierende Probleme wie die Verschmutzung der Meere, die durch den Raubbau an der Natur durch die Gewinnung von Rohstoffen geschaffene Umweltzerstörung, die Mangelernährung von breiten Bevölkerungsschichten in der Welt, wären anzugehen, anstatt mit unproduktiven Konferenzen, die sich mit dem Klimawandel beschäftigen, die Zeit tot zu schlagen.  
  • Über die Köpfe der Menschen hinweg: Die Menschen sind von ihrer Art her nicht geschaffen für nationale oder supernationale, übermächtige, kaum durchschaubare Institutionen, die sich in unserer modernen Welt gebildet und ein Netzwerk von Machtstrukturen geschaffen haben, die sich von der Bevölkerung immer weiter entfernten. Jeder hat das Bedürfnis in unmittelbaren Kontakten Konflikte mit anderen zu lösen und gemeinsam Probleme anzugehen. Stattdessen sind die gesamten Kompetenzen den Bürgern genommen und auf staatliche Institutionen übertragenen worden, die den Anspruch erheben, die Lösung der Probleme für die Bürger zu übernehmen. Die Rückkoppelung von Erfolgen oder Misserfolgen durch einen Report gegenüber den Auftraggebern, nämlich den Bürgern, wird immer weiter verkompliziert und ihrer Unmittelbarkeit beraubt. Denn nun haben sich zwischen diesen geschaffenen Institutionen und den Bürgern Reporter, Journalisten, Bücherschreiber, Experten und andere „Schlauberger“ geschoben, die nun stellvertretend hier tätig werden, um die Beobachtung und Kontrolle sowie den Bericht an das neugierige Publikum zu übernehmen, um die Informationsansprüche zu befriedigen. Dadurch entstand ein neues Problem, denn wer sagt uns denn, ob diese nun wirklich ihre Aufgabe erfüllen und nicht im eigenen Interesse handeln oder/und sich nicht auf die Seite dieser mächtigen Institutionen geschlagen haben. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass die Medienvertreter ihre objektive und neutrale Position weitgehend aufgegeben und sich – mit einigen Ausnahmen - auf die Seite der übermächtigen staatlichen Institutionen geschlagen haben. Es entstand eine Politik, die „über die Köpfe der Menschen hinweg“ Entscheidungen treffen, deren Konsequenzen sie selbst kaum oder nur am Rande betreffen. So haben die so genannten „Lockdown-Maßnahmen“ in Corona-Zeiten sehr vielen Menschen die Existenzgrundlage geraubt, während die Entscheidungsträger dank ihres Beamtenstatus oder der Vorzüge durch eine Angestelltenposition im öffentlichen Dienst nicht davon betroffen waren, denn ihre Lohnbezüge liefen ungehindert weiter, egal wie sinnvoll oder sinnlos die Entscheidungen waren. Es fehlte ein direktes Feedback zwischen Entscheidungsträgern und der von den Maßnahmen Betroffenen. Die wachsende Entfremdung zwischen Bevölkerung und Vertreter der mächtigen Institutionen rührt von unterschiedlichen Biographien und Erfahrungswelten her. Wer in der Politik i. w. S. etwas werden will, muss rechtzeitig die richtigen Weichen stellen, und sich früh für Parteien und politische Arbeit in den verschiedensten Gremien interessieren. Dadurch entgehen ihm aber wichtige Erfahrungen im Bereich des normalen erwerbstätigen Menschen. Viele Politiker haben nur Schulbank, Lehrsäle, Seminarräume oder Anwaltskanzleien von innen gesehen und kennen weder einen normalen Betrieb mit allen Existenznöten noch einen Landwirtschaftshof. Trotzdem maßen sie sich an, das Schicksal der Menschen, die dort arbeiten, durch Gesetze zu bestimmen. Die Bauernproteste in den Niederlanden zeigen deutlich, wie weit die Kluft zwischen ideologisch verblendeten Staatsvertretern und Bauern geworden ist. Die Stickoxide und Ammoniak sollen bis 2030 um 50 % aufgrund einer Stickstoffverordnung gesenkt werden. Die Landwirte fühlen sich im Stich gelassen und sehen ihre Existenzen gefährdet[17]. Der Stickstoff wird vor allem als Dünger verwendet, um die Erträge durch Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit zu verbessern[18]. Die EU-Nitrat-Richtlinie[19] wurde von der niederländischen Regierung umgesetzt. Nach dieser EU-Verordnung soll durch die Verringerung der Stickstoffüberschüsse die Ausbildung von Nitraten, die in das Grundwasser und als Ammoniak und Lachgas, die in die Luft gelangen, reduziert werden[20]; beides soll schädliche Wirkungen auf das Ökosystem haben (Übersauerung der Böden mit Beeinträchtigung des Pflanzenwachstums durch Abnahme des pH-Wertes[21], Nährstoffanreicherung in Oberflächengewässer, Treibhauseffekt des Lachgases). Für die hier angelegte Betrachtungsweise des Umgangs ist es jetzt entscheidend, dass die Beschlüsse der Europäischen Union gewissermaßen „von oben herab“ gefällt wurden, so dass die betroffenen Landwirte keinen Einfluss auf diese Entscheidungen hatten. Selbst die nationalen Gremien haben auf die Entscheidungen der Gesetzgebung in der Europäischen Union durch Ministerrat und Europäisches Parlament kaum noch Einfluss, so dass eine einseitige Abhängigkeit entsteht, die zu Ungunsten der Nationalstaaten und ihrer Bürger geht. Die nicht der staatlichen Macht unterstehenden Weltorganisationen wie z. B. die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die in Fragen so genannter Pandemien aber weitgehende Entscheidungen treffen können, sind für die Bürger faktisch unerreichbar, aber sollen dennoch weiter ausgebaut werden[22]. Die Ohnmacht der normalen Bürger gegenüber diesen übernationalen Institutionen scheint also aufgrund einer weiteren Delegation von Entscheidungen von „unten nach oben“ sich noch zu verstärken.
  • Wachsendes Interesse am Spirituellen: Es zeigt sich, dass eine Gegenbewegung in Gang gekommen ist, die sich an dem wachsenden Interesse an Themen zeigt, die abseits des so genannten „Mainstream“ liegen. Die Menschen wenden sich immer mehr ab von den institutionalisierten Formen der Religionsausübung, was sich an der wachsenden Zahl von Kirchenaustritten zeigt, so dass nunmehr die Anzahl der Bevölkerung an den „Amtskirchen“ von über 70 % im Jahr 1990 auf unter 50 % im Jahr 2021 gesunken ist[23]. Eingesetzt hat diese Entwicklung vielleicht schon viel früher, spätestens als der Film „Der Exorzist“[24] (Besessenheit eines Mädchens durch einen Dämon) den neuzeitlichen Menschen aufzeigte, dass jenseits unserer sichtbaren Welt noch eine für uns unsichtbare Welt existiert, die Einfluss auf unser Leben nimmt. Die Filmindustrie war schon immer bereit, die in der Gesellschaft nicht offen, sondern latent behandelten Themen aufzugreifen, etwa in dem Film „Ghost, Nachricht von Sam“[25], in dem die Fortexistenz des Menschen nach dem Tod und seine Einflussnahme auf Lebende im Diesseits thematisiert wurde. Engel werden auf die Erde geschickt, um Menschen in Not zu helfen (Schutzengel), davon zeugen viele Berichte von Menschen, die in Notsituationen die Präsenz solcher Wesen gespürt haben wollen[26] und die Filmindustrie setzte diese Idee in Filmen[27] und vielen Serien[28] um, die sich mit dem Thema der jenseitigen Hilfe durch Engel befassen. Dass nicht nur gute Mächte wie Engel einen Einfluss ausüben wollen, sondern auch Wesen, die der dunklen Seite zugerechnet werden, konnte bereits in dem Film „Rosemaries Baby“[29] aus den Siebzigern gesehen werden, als Satan – unter Mithilfe eines willigen Ehemannes, dem eine Schauspielkarriere versprochen wurde und einer Sekte von Satansanhängern – eine Inkarnation eines von ihm gezeugten Kindes versuchte. Die Idee der versuchten Inkarnation jenseitiger boshafter Wesen in unserer Welt war immer wieder Thema vieler Filme[30]. Auch der eher neuzeitliche Film „Constantine“ mit Keanu Reeves in der Hauptrolle aus dem Jahr 2005 thematisiert den Einfluss der jenseitigen Welt auf die irdische Welt mit den uralten Themen von Schuld und Sühne und soll begreiflich machen, dass wir nicht von dieser geistigen Welt unbeeinflusst leben, sondern stets in dem Brennpunkt sich kreuzender Kraftlinien stehen[31]. Der „ewige Kampf zwischen Gut und Böse“, das suggeriert die Filmindustrie und das glauben viele Menschen, die sich mit geistigen Themen wie dem Leben nach dem Tod, mit der Existenz von Engeln und Dämonen oder der Einflussnahme von Außerirdischen (Ufologie) auf die Erde befassen, ist immer noch im vollen Gange und geht vielleicht einem Höhepunkt entgegen[32]. Viele Menschen wenden sich ab von einer Medizin, die immer mehr von kommerziellen Interessen geprägt wird hin zu geistigen Heilern, Homöopathen, Heilpraktikern und anderen, die erkannt haben, dass die Heilung immer auch ein geistiger Vorgang ist, in dem nach einem idealen Vorbild eines „Astralköpers“[33] sich auf der materiellen Ebene der Körper stets neu strukturieren kann. Bei der Visualisierung als Heilmethode[34] – etwa in der Krebstherapie –, geht man daran, den inneren Heilungsprozess anzustoßen, um eine Reprogrammierung von Krebszellen zu normalen Zellen zu erreichen. Selbst die Heilung eines simplen Knochenbruchs stellt einen geistigen Vorgang dar, denn die Körperzellen versuchen „von selbst“ den Idealzustand des heilen Knochens wieder herzustellen. Also nicht der Arzt heilt, sondern es sind die Selbstheilungskräfte – für spirituell denkende Menschen die guten Kräfte jenseits unserer wahrnehmbaren Welt -, die zur Wiederherstellung der Gesundheit führen[35]. Das wachsende Misstrauen vieler Menschen gegenüber den übermächtigen Institutionen, die vorgeben, zu unserem Wohle zu handeln, führt sie oftmals zu dem Versuch, ihr Leben und das anderer Menschen besser durch die Hinwendung zur geistigen Welt zu verstehen. Idealerweise wenden diese sich nicht ab von unserer realen Welt, sondern versuchen, diese auf dem Hintergrund einer spirituellen Sichtweise anders zu interpretieren, zu bewerten und schließlich – und das ist das Entscheidende – in dieser Welt auch anders zu agieren. Dass der physische Tod nicht das Ende unserer Existenz bedeuten kann, erscheint eine konsequente Schlussfolgerung aus der Befassung mit diesen Themen zu sein. Der „Selbstmord“ kann niemals die Probleme lösen, sondern sie nur in die Zukunft verschieben, weil sie im nächsten Leben wieder präsentiert werden, so die Auffassung derer, die an Reinkarnation glauben. Die Einsicht, dass wir über den eigenen Tod hinaus für unsere Taten verantwortlich sind, schafft ein anderes Selbstverständnis von dem, wie wir moralisch korrekt handeln sollten. Es steht dann nicht das eigene Ich, die zu erringenden Vorteile und Genüsse im Vordergrund, sondern der Schutz der Lebewesen, die unseren Weg kreuzen, was auch auf die fast unwichtig erscheinenden Handlungen des Alltages Einfluss nimmt[36].

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt ein altes Sprichwort und diese stirbt dann nicht, wenn wir uns von dem Zeitgeist einer materialistischen Weltsicht[37] nicht allzu sehr beeinflussen lassen. Wir werden diese Welt, so wie sie sich uns präsentiert, nur begrenzt ändern können, weil die Macht uns hierzu oftmals fehlt. Aber sollten wir sie überhaupt ändern? Der Traum von einer „besseren Welt“ wurde allzu oft zum Albtraum einer totalitären Ordnung, weil der Versuch, die eigenen Vorstellungen durchzusetzen, oft schlichtweg in einer Diktatur endete.

     

© beim Verfasser     

 

 

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Dekadenz

[2] https://www.prüfung-ratgeber.de/2019/01/was-bedeutet-dekadent-erklaerung/

[3] https://www.infranken.de/ueberregional/deutschland/wie-viel-geld-hat-uns-lindners-protz-hochzeit-auf-sylt-gekostet-bundesregierung-nimmt-stellung-art-5504964

[4] https://www.ekd.de/lindner-kirchlicher-segen-bei-hochzeit-war-mir-wichtig-74203.htm

[5] Ein mir bekannter inzwischen 92-jähriger Mann, der noch das Leben im Dorf kennengelernt hat, erzählte mir passend hierzu die Geschichte, dass die Wege asphaltiert wurden, die zu dem Haus und Hof des Bürgermeisters des Ortes führten, während andere Wege nur weiterhin schlecht begehbar waren.

[6] https://www.focus.de/kultur/stars/zwischen-tuell-und-traenen-stars-ueber-franca-lehfeldts-hochzeitskleid-frauen-wie-sie-tragen-keine-prinzessinnenkleider-das-sagen-die-brautkleid-experten_id_113755404.html

[7] https://www.youtube.com/watch?v=rGYBQOqxVBc

[8] https://www.youtube.com/watch?v=EW3asNJdoHs, https://leuchtturmard.de/  

[9] https://perikles.tv/1699-der-woke-wahn

[10] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/olaf-scholz-auftritt-im-g20-sonderausschuss-in-hamburg-a-1177299.html

[11] https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/kriminalitaet/id_100039680/cum-ex-affaere-staatsanwaltschaft-sieht-keinen-verdacht-gegen-olaf-scholz.html

[12] https://www.derstandard.de/story/2000138399328/hass-im-netz-einflussreicher-verschwoerungsideologe-oliver-janich-festgenommen

[13] https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/fridays-for-future-laedt-musikerin-wegen-dreadlocks-von-demo-aus-17904467.html

[14] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/kubicki-nordstream-101.html

[15] https://de.wikipedia.org/wiki/Diversit%C3%A4t_(Soziologie)

[16] https://www.focus.de/politik/deutschland/keine-mehrheit-fuer-verbot-mehrheit-der-deutschen-lehnt-gendersprache-ab-nicht-mal-gruene-sind-dafuer_id_13323472.html

[17] https://www.agrarheute.com/politik/bauernproteste-politik-haag-total-durchgedreht-595753

[18] https://www.agrarheute.com/tag/stickstoff

[19] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?qid=1535375331975&uri=CELEX:31991L0676

[20] https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/stickstoffeintrag-aus-der-landwirtschaft#umweltwirkungen-der-stickstoffuberschusse

[21] https://www.umweltbundesamt.de/service/glossar/v?tag=Versauerung#alphabar

[22] https://www.consilium.europa.eu/de/policies/coronavirus/pandemic-treaty/

[23] https://www.kirchenaustritt.de/statistik/religionszugehoerigkeit

[24] https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Exorzist

[25] https://de.wikipedia.org/wiki/Ghost_%E2%80%93_Nachricht_von_Sam

[26] Z. B. in dem Buch „Der Engelreigen“ von dem verstorbenen Parapsychologen Rudolf Passian (1924 – 2018); https://www.weltbild.de/artikel/buch/der-engelreigen_15748053-1

[27] https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Engel_auf_Erden_(Film)

[28] Monica, Tess und Andrew sind die von Gott auf die Erde gesandte Wesen, die in der Serie „Ein Hauch von Himmel“ den Menschen helfen; https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Hauch_von_Himme. Ich kann mich erinnern, dass diese hohen Geistwesen als Menschen „verkleidet“ immer eine bestimmte Mission hatten, nämlich jemand beizustehen, der in Schwierigkeiten war, so dass sie als Engel nicht Erscheinung traten. Erst am Ende gaben sie ihre wahre Identität bekannt und erläuterten, dass sie von Gott als Helfer geschickt wurden. Vielleicht ist es auch wirklich so, dass Engel unter uns unerkannt leben, die dann „Erdengel“ genannt werden: https://erdenengel.de/author/infocoaching-up-de/  

[29] https://de.wikipedia.org/wiki/Rosemaries_Baby

[30] Beispiel: Das Omen; https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Omen_(1976)

[31] https://de.wikipedia.org/wiki/Constantine_(Film)

[32] https://perikles.tv/1666-leben-wir-in-der-endzeit

[33] https://wiki.yoga-vidya.de/Astralk%C3%B6rper

[34] https://www.curado.de/gelenkte-imagination-visualisierung-krebs-6036

[35] Ein gutes Beispiel für geistige Heilung ist der nach dem Krieg lebende Geistheiler Bruno Gröning; https://www.bruno-groening.org/de. Mehr zum Thema Wunder: https://perikles.tv/philosophie-und-religion/1408-gibt-es-wunder 

[36] Hierzu ein kurzes Erlebnis: Als ich neulich mit dem Fahrrad unterwegs war, sah ich einen hilflosen Jungvogel auf der Straße, den ich aufhob und an den Straßenrand setzte, um ihn vor dem Überfahren zu bewahren, wobei ich die heranfahrenden Autofahrer durch Handzeichen zum Anhalten aufforderte.

[37] https://perikles.tv/1665-die-macht-des-zeitgeistes

 

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