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Das Konservative als Lebenseinstellung ist irgendwie in Verruf gekommen. Es scheint eine Diktion zu bestehen, sich nur nicht als Konservativer zu bekennen, um nicht in Misskredit zu geraten. Gleichzeitig gilt alles, was politisch als links deklariert wird, als fortschrittlich und modern. Die Ampelregierung mit zwei dominierenden Parteien, die dem „linken Lager“ zugeordnet werden, scheint die linke Ideologie jetzt mit Brachialgewalt durchsetzen zu wollen. Was könnte das „konservative Lager“ dagegensetzen?

Merkmale einer linken Ideologie: Die politische Linke galt und gilt insbesondere heute als „in“. Wer sich als „Linker“ bekennt, wird gerne als ein dem System kritisch gegenüber stehender Mensch angesehen, der gerne eine besondere Art der Gerechtigkeit propagiert. Aber ist diese Auffassung gerechtfertigt?

  • Gleichmacherei statt Chancengleichheit: Die linke Ideologie neigt dazu, die eigentlich propagierte Chancengleichheit[1] zu einer Gleichmacherei verkommen zu lassen und damit zu pervertieren. Wer die Chancengerechtigkeit herstellen will, möchte, dass die Ausgangspositionen der Menschen am Anfang ihres Lebens so gestellt werden, dass jeder die Möglichkeit hat, seine eigenen Potentiale entfalten zu können. Dies bedeutet, dass die gesellschaftlichen Bedingungen für ein Lernen, für eine Entfaltung der Persönlichkeit im Rahmen einer bestmöglichen Entwicklung des Menschen geschaffen werden. Dazu gehört es z. B., dass es eine Schulmittelfreiheit gibt, also jedes Kind – unabhängig vom jeweiligen Geldbeutel der Eltern - die gleichen technischen Möglichkeiten bekommt, um überhaupt lernen zu können. Die Pervertierung dieses Grundsatzes besteht in der Gleichmacherei, in dem die Sache nicht von den Voraussetzungen, von den Hilfen bei dem Start ins Leben und bei der Begleitung während des individuellen Entwicklungsprozesses gedacht wird, sondern von dem Ergebnis her: Alle müssen am Ende gewissermaßen gleichzeitig am Ziel ankommen, wenn man das Leben als eine Art Wettlauf definiert. Dies bewirkt, dass, um bei diesem Vergleich zu bleiben, diejenigen gebremst werden, die besonders gut laufen können (ihnen werden sinnbildlich gesehen Gewichte auferlegt) und diejenigen, die mit dem Laufen Probleme haben, nach vorne gepusht werden, in denen man ihnen Abkürzungen erlaubt oder Hindernisse – die z. B. beim Hürdenlauf eingebaut sind – aus dem Weg räumt.
  • Leistung wird bestraft - Faulheit wird belohnt: Der Kommunismus hat weltweit deshalb verloren, weil das Leistungsprinzip pervertiert wurde. Das Leistungsprinzip wurde verteufelt, wonach jeder versuchen sollte, das Beste aus sich herauszuholen, um dann auch die Früchte der eigenen Bemühungen ernten zu können. Wenn am Ende des Lebenswettlaufes jeder zur  gleichen Zeit am Ziel ankommen soll, also jeder einfach unabhängig von seinen individuellen Leistungen die gleiche Belohnung erhält, wird das Leistungsprinzip ad absurdum geführt. Im „Woke-Wahn“[2] wird die ganze Sache noch pervertiert, in dem die anscheinend oder wirklich „Diskriminierten“ gewissermaßen Boni erhalten. Wer sich diskriminiert fühlt, kann sich an seinen „Antidiskriminierungsbeauftragten“ wenden, der dann dafür sorgt, dass er irgendwie nach vorne „gepusht“ wird. In einem mir noch in Erinnerung befindlichen Video[3] über eine fiktive Schulklasse wurden die Schüler belohnt durch eine automatisch bessere Bewertung ihrer individuellen Leistungen, die ein Diskriminierungsmerkmal (Hautfarbe = Nichtweiß, Herkunft = nicht einheimisch, Familie = alleinerziehende Mutter, „Patchworkfamilie“) vorweisen konnten. Die „normalen“ Schüler wurden dagegen bei der Notengebung benachteiligt. Die Förderung von Arbeitslosen mit „Vermittlungshemmnissen“ durch die Agenturen für Arbeit oder Jobcenter mittels Arbeitgeberzuschüssen begünstigt diese Personen und benachteiligt die „normalen Arbeitslosen“, die dann im Wettbewerb den Nachteil haben, dass die Arbeitgeber keine Gehaltszuschüsse erhalten. Der „Nachteilsausgleich“ entpuppt sich als ein Schwert, mit denen diejenigen benachteiligt werden, die kein „Diskriminierungsmerkmal“ vorweisen können. Das von der „Ampel-Regierung“ propagierte „Bürgergeld“[4], das das ALG II ablösen soll, begünstigt unabhängig von der individuellen Leistung diejenigen, die auch ohne sich anzustrengen gut leben wollen. Die Belastung der „oberen Einkommensschichten“ mit zusätzlichen Steuern, um die finanziellen Wohltaten zu finanzieren[5], ist eine Lieblingsforderung linker Ideologen.
  • Aufblähung des Staatsapparates: Die linken Ideologen schwärmen von einer ständigen Umverteilung von den angeblich „starken Schultern“ auf die „schwachen Schultern“. Dies begünstigt die Aufblähung des hierfür notwendigen Regulierungs- und Kontrollsystems. Die gerne propagierten „unbürokratischen“ Hilfen entpuppen sich als regelrechte Bürokratiemonster mit einem aufgeblähten Apparat von in den Verteilungspositionen sitzenden Beamten oder Angestellten des öffentlichen Dienstes. Die bereits bestehende progressive Staffelung des Einkommenssteuersatzes (je höher der Verdienst, desto höher ist der prozentual berechnete Steuersatz) und die Anhebung des steuerfreien Grundbetrages[6] bestraft diejenigen, die das Steuergeldaufkommen durch ihr höheres Einkommen erwirtschaften. Ein Heer von Steuerbeamten ist ständig damit beschäftigt, diese Steuern zu berechnen und einzutreiben. Die Ausweitung der Sozialgesetzgebung mit einer Vielzahl unübersichtlicher Vorschriften[7] hat ebenfalls ein Heer von Angestellten anwachsen lassen, die damit beschäftigt sind, die individuellen Sozialleistungen zu berechnen und auszuzahlen. Gleichzeitig müssen auch die Kontrollfunktionen verstärkt werden, um zu gewährleisten, dass die Sozialleistungen rechtmäßig verteilt werden, was zu einer weiteren Aufblähung führt. Das Aufblähen der Bürokratie mit all seinen negativen Facetten einer der Freiheit des Individuums zuwider laufenden Folge, hat bereits in den fünfziger Jahren der Soziologe C. Northcote Parkinson treffend beschrieben, was als „Parkinsonsches Gesetz“ [8] bezeichnet wurde. Die praktische Auswirkung kann man an der Aufblähung des Staatsapparates sehen, der sich nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 ständig vergrößert hat[9].
  • Vergesellschaftung individueller Risiken: Diese Entwicklung führt zu einer Vergesellschaftung von Lebensrisiken, denen jedes Individuum in seinem Leben ausgesetzt ist. „Die Gesellschaft“ soll also die individuellen Benachteiligungen ausgleichen, die das Leben so mit sich bringt: Arbeitslosigkeit, Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Behinderung oder Armut. Es entwickelt sich daraus eine Anspruchshaltung der Individuen, die glauben, dass immer die Gemeinschaft verpflichtet sei, ihnen bei der Behebung der Probleme zu helfen. „Das ist mein Recht, darauf habe ich einen Anspruch“, ist der Satz, der dann als Appell an diejenigen gerichtet wird, die dann für die Behebung der Probleme zuständig sein sollen. Die Bemühungen um Selbsthilfe werden dann hintenan gestellt, weil ja die Gemeinschaft für zuständig erklärt wird.      
  • Verteilung, auch wenn nichts da ist: Linke Ideologen betätigen sich gern mit der Verteilung von Geldern, die sich nicht selbst erwirtschaften. Sie nehmen dabei billigend in Kauf, dass der Staat dafür Schulden macht und dadurch der Schuldenberg ständig anwächst. Dies liegt oft auch daran, dass sie – wie dies bei den Grünen häufig der Fall ist – selbst nie wirklich in einem regulären Beruf gearbeitet und somit erfahren haben, was es heißt, mit „eigener Hände Arbeit“ sein täglich Brot zu verdienen[10]. Sie hatten schon immer auf der sicheren Seite eines irgendwie mit öffentlichen Mitteln finanzierten Beschäftigungsverhältnisses gestanden und sind deshalb gegen Sparappelle resistent, haben sie doch nur gelernt, Geld auszugeben und nicht Einnahmen zu erwirtschaften.
  • Verbotskultur: Unter den Linken, insbesondere bei den Grünen, gibt es einen Hang zu einer Überbetonung der Bevormundung durch einen überbordenden Staat, der sich anmaßt, in alle Lebensbereiche einzugreifen. Die Neigung, alles mit Gesetzen zu regeln und dabei in eine Art „Überregulierung“ zu verfallen, ist der linken Ideologie geschuldet, denn wenn alle Menschen sich frei entfalten, dann können sie sich gar nicht uniform entwickeln, wodurch das Gleichmacherprinzip verletzt wird. Da alles, was angeblich irgendwie diskriminiert wird oder besser gesagt, sich als diskriminiert sieht, irgendwie geschützt werden soll, muss eine Fülle von so genannten Schutzvorschriften geschaffen werden, die einen Wust vor Gesetzen und anderen Rechtsnormen entstehen lassen. Selbst die Bäume müssen vor den Menschen geschützt werden, was gerade dazu führt, dass die Grünen dann auf eine Baumschutzsatzung drängen, um die Bäumer vor dem unerlaubten Fällen zu schützen[11]. Den Grünen wird nicht umsonst nachgesagt, eine Verbotspartei zu sein, haben sie sich doch immer wieder für die verschiedensten Gebote eingesetzt, die meistens irgendjemand (Minderheit) oder irgendetwas (Klima) schützen sollen[12]. Zu dieser Verbotskultur gehört auch eine Sprache, bei der eine linke Ideologie vorschreibt, welche Ausdrücke noch erlaubt und vor allem, welche Worte unter ein Sprech- oder Schreibverbot fallen. Eine Art Sprachpolizei („Cancel Culture“), sorgt dafür, dass dies auch eingehalten wird[13].
  • Kultureller „Mischmasch“: Wenn es nach dem Willen der Linken und Grünen ginge, würden die Nationalgrenzen geöffnet, um Menschen aus allen Ländern, in denen sie sich in ihren Rechten beeinträchtigt sehen, die Möglichkeit zu geben, nach Deutschland zu kommen. Da die Grünen keine Eigenleistung von den Einzelnen verlangen, da der Staat für alle sorgen soll, gelten die Migranten als den Linken verloren gegangenes ursprünglich von der Ausbeutung zu befreiendes Klientel, nämlich die „Arbeiterklasse“, das nun von ihnen wie auch immer befreit werden soll. Hierfür soll die Allgemeinheit ständig Opfer bringen, was ständig vehement gefordert wird. Diese nicht an irgendwelche Kriterien gebundene Migration ist die Idealvorstellung, die letztendlich auf eine „Einheitsgesellschaft“ ohne Unterschiede hinsichtlich Rasse (ein verpönter Begriffe), Herkunft, Religion oder Geschlecht (Geschlecht gibt es biologisch gesehen auch nicht, sondern ist nur gesellschaftlich bedingt) hinausläuft.
  • Genderideologie: Die Behauptung, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, wird so lange wiederholt, bis diese Auffassung sich durchsetzt. Durch eine willkürliche Selbstbestimmung hinsichtlich der Geschlechtszugehörigkeit, sollen nach den Plänen der Bundesregierung in einem geplanten Selbstbestimmungsgesetz angeblich das Leben der trans- und intersexuellen Menschen verbessert werden.[14] Auch hier geht es wieder – wie dies für die linke Ideologie typisch ist – um den Schutz von angeblich diskriminierten Menschen. Hierbei soll bereits ab Vollendung des 14. Lebensjahres der Jugendliche sein Geschlecht selbst bestimmen und Gerichte die Ablehnung der Sorgerechtsberechtigte durch einen gerichtlichen Entscheid ersetzen können. Die Wahl des Geschlechtes soll noch nicht einmal von geschlechtsangleichenden Maßnahmen abhängig gemacht werden, so dass jemand sich als Mann deklarieren könnte, obwohl er rein äußerlich eindeutig als Frau zu erkennen ist und umgekehrt. Wenn jemand das gewählte Geschlecht dann doch nicht gefällt, soll er es nach Ablauf eines Jahres wieder ändern können. Das Gesetz wird wahrscheinlich aber erst nächstes Jahr in die parlamentarische Beratung gehen.

Was kann als eine konservative Haltung bezeichnet werden? Welche entgegengesetzte Sichtwiese könnte auch auf die Politik Auswirkungen haben?

  • Fundamentale Unterschiede: Die konservative Haltung beruht auf einem grundsätzlich anderem Welt- und Menschenbild, die in unserem Kulturkreis auf dem christlichen Menschenbild beruht. Die Weltauffassung der Linken ist entweder rein materialistisch oder/und auch atheistisch. Selbst wenn die Existenz eines Gottes angenommen wird, verkörpert die linke Position eine „diabolische“ Variante, weil gewissermaßen alles "auf den Kopf gestellt" oder durcheinander gewirbelt wird. Das Diabolische[15] besteht in der Spaltung der (göttlichen) Einheit in ein Zuviel und ein Zuwenig, das diese Einheit zerstört. So kann z. B. der Mut als eine Tugend in die Zweiheit Feigheit oder Übermütigkeit gespalten werden[16]. Die goldene Mitte, die diese Extreme vereint, wäre der göttliche Weg. Der Konservative will dieser göttlichen Weisheit auf die Schliche kommen und versuchen, die Welt so zu interpretieren und auch danach versuchen zu leben. Er sucht das Licht und meidet die Finsternis oder den – wie es Risi nennt – Schatten, der immer nur ein Abglanz des ursprünglichen Lichts bedeuten kann. Gut wäre dann das, was dem göttlichen Willen entspricht, wozu sich Christen in ihrem „Vater unser“ bekennen, in dem sie darum bitten, dass sein – Gottes -Wille geschehe. Demnach bedarf es eigentlich keiner „Verbesserung“ der Welt, denn die ursprüngliche Ordnung ist per definitionem gut. Der Mensch hätte nur die Aufgabe, die Gesetze dieser Ordnung kennenzulernen, zu beachten und danach zu leben. Alle „Reformen“ würden dann darin bestehen, auf der Basis einer für gut befundenen göttlichen Ordnung, die Regeln des Zusammenlebens und der Erwirtschaftung und Verteilung der Güter unter Beachtung der ewig gültigen, absoluten Gesetze der Gerechtigkeit festzulegen. Wobei gerade bei der Verteilung der Güter darauf geachtet wird, dass das Gebot der christlichen Nächstenliebe[17] erfüllt wird.
  • Chancengleichheit: Die Chancengleichheit wird nur von den Voraussetzungen her definiert. Danach sollte jeder die Möglichkeit haben, seine individuellen Anlagen frei zu entfalten, ohne, dass er dabei daran gehindert wird, diese zu verwirklichen. Die Beschränkung besteht nur in der Beachtung der Nichtbeeinträchtigung anderer. Die Unterschiedlichkeit der Ausgangssituationen (unterschiedliche Begabung, unterschiedliche soziale Umgebung) wird nicht geleugnet, sondern versucht, dieser Unterschiedlichkeit in spezifischen Angeboten Rechnung zu tragen, indem z. B. einem Schüler mit einer geistigen Behinderung eine andere Form der Beschulung angeboten werden soll, als einem durchschnittlich begabten Schüler. Die Unterschiedlichkeit der Menschen im Aussehen, im Geschlecht, in den Begabungen, in den sozialen Umgebungen, in denen sie aufwachsen, wird akzeptiert und als ein Teil der so gedachten göttlichen Ordnung gesehen, wodurch auch die damit einhergehenden verschiedenen Entfaltungsmöglichkeiten definiert werden. Die natürlichen Unterschiede beruhen gewissermaßen auf der Matrix einer nicht als ungerecht angesehen Verteilung von Entfaltungsmöglichkeiten, bei der davon ausgegangen wird, dass diese Divergenzen Ausdruck einer dahinter stehenden gewollten göttlichen Ordnung ist. Ein Grundgedanke könnte der sein, dass dadurch etwa die Hilfsbereitschaft gelernt wird, indem die durch die Natur „Begünstigten“ den von der Natur aus „Benachteiligten“ weiterhelfen. Es ist also nicht das Ziel, dass alle gleichzeitig am Ziel ankommen, sondern die Menschen lernen, auf dem Weg zum Ziel denjenigen zu helfen, die es von Natur aus schwerer haben oder aus anderen Gründen in Schwierigkeiten geraten.
  • Leistung soll sich lohnen: Jeder soll gemäß seinen Möglichkeiten für das, was er leistet, auch entsprechend belohnt werden. Dies ist ein zutiefst göttliches Prinzip, was sehr deutlich in dem Gleichnis von Jesus von den „anvertrauten Talenten“ beschrieben wird, in dem ein Herr, der auf Reisen geht, seinen Knechten eine unterschiedliche Anzahl von Talenten übergibt[18]. Nach seiner Rückkehr erwartet er eine Abrechnung und belohnt diejenigen, die ihre Talente verdoppelt hatten und nahm dem das eine Talent ab, das dieser aus Angst vergraben hatte und gab es dem mit den meisten Talenten[19]. Es wird nach diesem Gleichnis klar, dass nur nach dem Verhältnis der gegebenen Talente[20] eine Vermehrung erwartet wurde (proportionale Verdoppelung), so dass von einem Knecht, der nur ein Talent erhalten hat, nach der Rückkehr des Herrn nicht zehn Talente erwartet wurde (sondern dementsprechend nur zwei). Die Belohnung des Fleißigen ist also gottgewollt und eine Belohnung ohne eigene Anstrengung ausgeschlossen. Helmut Kohl hat dies in seiner Antrittsrede als Bundeskanzler 1982 auch so gesagt, in dem er betonte: „Leistung muss sich wieder lohnen“[21].
  • „Schlanker Staat“: Der Staat darf sich nicht so weit aufblähen, dass er dadurch zum Hauptbeschäftiger eines Volkes wird. Die Beschränkung auf die „Kernaufgaben“ sollte ihm vorbehalten bleiben – aber eben nicht mehr: Äußere und Innere Sicherheit, Daseinsvorsorge (Energie, Rohstoffe, Nahrungsmittel, saubere Luft und sauberes Wasser), Bildung und soziale Sicherheit. Der Begriff des „schlanken Staates“ wurde in der Kohl-Ära unter der Ägide eines Sachverständigenrates „Schlanker Staat“ weitgehend mit geprägt und in Anlehnung eines „schlanken Managements“ entwickelt[22]. Ein Staat, der sich aus dem Leben seiner Mitbürger heraushält, ist das Gebot eines konservativ denkenden Menschen, der nicht daran glaubt, dass der Staat etwas besser leisten kann, als dies der einzelne Bürger für sich selbst oder in freiwilliger Gemeinschaft mit anderen tun kann. Der Staat, so wir es in der Corona-Krise erlebt haben, der sich allzu sehr in die Gesundheitsvorsorge des einzelnen Bürgers durch allerlei unnötige Rechtsvorschriften einmischt, entwickelt sich sehr schnell von einem fürsorglichen zu einem bevormundenden Staat.
  • Selbstverantwortung: Die linke Ideologie der Vergesellschaftung aller individueller Risiken ist deshalb zum Scheitern verurteilt, weil sie unweigerlich in einem totalitärem Staat führt, der sich ständig darum bemüht, alle Hürden beiseite zu räumen, aber dabei die Menschen zum Erlernen einer Unfähigkeit, die eigenen Probleme selbst zu lösen, erzieht. Das Konzept der „erlernten Hilflosigkeit“[23], die die Depression als eine auf negative Erfahrungen beruhende Überzeugung erklärt, bei der der Glaube an die Veränderbarkeit der eigenen (hilflosen) Lebenssituation verloren gegangen ist, könnte auf die Gesellschaft übertragen werden. Wenn der Staat überbordend glaubt, alle Bereiche des Lebens mit einer „gut gemeinten“ Fürsorge überziehen zu müssen, raubt er den Bürgern die Fähigkeit, die Probleme in Selbsthilfe zu lösen. Der frühere Präsident der USA John F. Kennedy hatte einmal die „Vollkaskomentalität“ seiner Bürger umgedreht und gefordert, dass diese zuerst fragen sollten, was sie für ihr Land tun könnten und nicht umgekehrt[24].
  • Es kann nur verteilt werden, was erwirtschaftet wurde: Jeder Staatsbürger wäre nach einem konservativen Denkmuster zunächst einmal für die Gegenleistung der von einem „schlanken Staat“ erbrachten Leistungen verpflichtet, die Abgaben und Steuern abzuführen, die er dafür benötigt – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die „auf Pump“ finanzierte Fiskalpolitik ist dann nicht mehr nötig, weil der Staat viel weniger benötigt als bei einem „fetten Staat“. Die Steuerlast wäre auf ein Minimum beschränkt und kein „fetter Beamten- und Angestelltenapparat“ müsste „durchgefüttert werden“, der sich von seiner eigentlichen Funktion, nämlich Diener der Bürger zu sein, schon längst verabschiedet hat[25]. Ein Staat, der seinen Bürgern vermittelt, dass er nur das wieder zurückgeben kann, was er einnimmt, lebt das vor, was jeder Mensch im Grunde beherzigt, sofern er konservativ denkt: Ich kann nur das ausgeben, was ich auch einnehme. Hier könnte man noch hinzufügen, dass auch eine Kreditaufnahme denkbar ist, sofern diese auch unter gegebenen Bedingungen rückzahlbar ist. Dasselbe sollte auch für den Staat gelten. Idealerweise würde ein konservativ denkender Mensch aber immer überlegen, ob nicht das Ansparen eines Geldbetrages möglich wäre. Dies könnte auch von einem Staat erwartet werden, dass er in guten Zeiten Rücklagen bildet, um diese dann in schlechten Zeiten ausgeben zu können[26].
  • Freiheit darf nur auf das Notwendigste beschränkt werden: Die Freiheit des Menschen ist das Fundament, auf dem der konservativ denkende Mensch sein Leben aufbaut. Diese Freiheit als hohes Rechtsgut darf nicht leichtfertig durch andere und schon gar nicht durch den Staat unnötig eingeschränkt werden. Die Corona-Krise hat gezeigt, wie schnell durch ein überbordendes System an Vorschriften ein Volk und eine Volkswirtschaft lahm gelegt werden kann, ohne dass hierfür die Notwendigkeit vorhanden war. Dieser Freiheitsgedanke, begrenzt durch das Gebot der Rücksichtnahme auf andere, beinhaltet auch immer die Möglichkeit des Scheiterns. Nur wer durch eine freie Entscheidung scheitert, kann auch daraus lernen. Dieser Freiheitsbegriff hat eine zutiefst religiöse Bedeutung, denn Gott lässt eben auch das „Böse“ und die Abweichung von ihm gegebenen „Gebote“ zu, die dann missverstanden werden,  wenn sie nur durch einen „blinden Gehorsam“ erzwungen werden sollen. Wenn von der Prämisse ausgegangen wird, dass die göttliche Schöpfung mitsamt der darauf beruhenden Prinzipien gut ist, resultiert daraus der Gedanke, dass göttliche Gesetze eine dienende Funktion haben: sie sollen diese Schöpfung vor ihrer Vernichtung bewahren. Die staatliche Ordnung hat deshalb die Freiheit des einzelnen vor dem Übergriff durch anderer Menschen oder Institutionen, aber auch durch den Staat selbst zu schützen. Wo er dies nicht mehr leistet, versagt der Staat.
  • Der Staat als Beschützer nach außen: Kein Mensch käme auf die Idee, sofern er noch bei Verstand ist, jeden, der an seine Tür klopft, in sein Haus zu lassen, um ihn dann zu verköstigen, anzukleiden und ihn umsonst wohnen zu lassen, wenn es hierfür keine absolute Notwendigkeit gibt. Genau das verlangen aber die linken Ideologen und fordern auch noch, dass hierzu der nötige Applaus gegeben wird. Die propagierte „Willkommenskultur“ wie sie unter Merkel noch voran getrieben wurde, widerspricht fundamental den zentralen Aufgaben eines Staats, seine Bürger nach außen hin zu schützen vor Menschen, die eben nicht alle friedliche Absichten haben. Die heute in unserem Land herrschenden Probleme rühren zum großen Teil von der unbegrenzten Migration, die herbeigeführt wurde, ohne dass der Staat vorher die Bevölkerung gefragt hätte, ob diese die Einwanderung auch will. Es ist die von linken Ideologen propagierte „Gleichmacherei“, die suggeriert, dass alle Menschen gleiche Absichten hätten und die Zuwanderung in ein fremdes Land als Chance für ihre eigene Entwicklung nutzen, indem sie auch bereit sind, sich auch der fremden Kultur anpassen. Stattdessen verlangen die linken Ideologen eine Anpassung der heimischen Bevölkerung an die Einwanderer.
  • Geschlechtlichkeit ist angeboren: Es entspringt der religiöser Überzeugung, dass der Mensch entweder als Frau oder als Mann auf die Welt kommt (1. Mose 27[27]). Die in der Genesis behauptete Zweiteilung des Menschen, eben in seine geteilte Geschlechtlichkeit, hat ihre tiefere Bedeutung darin, dass den Geschlechtern unterschiedliche Eigenschaften und damit Aufgaben in der göttlichen Ordnung zukommt. Selbst die „hermetischen Gesetze“ kennen das der Geschlechtlichkeit; dieser werden unterschiedliche Eigenschaften zugeordnet[28]. Es ist deshalb eine natürliche Unmöglichkeit, sein Geschlecht selbst zu bestimmen, sondern sie ist schon auf natürliche Weise festgelegt. Es gibt sicher auch auf der biologischen Ebene Abweichungen von der Norm, dass der Mensch und auch Tiere nicht immer klar in ihrer Geschlechtlichkeit identifiziert werden können[29], aber sie bleiben Ausnahmen von der Regel. Es ist fatal, wie dies Linksideologen versuchen, die Abweichung zur Regel zu machen. Außerdem ist auch bei der Homosexualität oft eine gegengeschlechtliche Orientierung selbst bei Schwulen oder Lesben zu erkennen, so dass auch für einen Außenstehenden beobachtbar ist, wer die weibliche oder männliche Rolle innehat. Das Grundprinzip der Geschlechtlichkeit als gegebenes (göttliches) Prinzip bleibt also immer erhalten.

Das konservative Prinzip dient der Erhaltung dessen, was gut ist, und lässt nur dann Veränderungen zu, wenn sie dem Menschen dienlich sind. Die dem Konservativen anhaftende Haltung des „Ewiggestrigen“ ist also verfehlt, weil in der konservativen Grundhaltung nur dann eine Rückwärtsbesinnung für  sinnvoll erachtet wird, wenn diese für das Verständnis der Gegenwart hilfreich ist. Konservativ zu sein bedeutet also: Nicht alles Neue sofort bejubeln und als fortschrittlich feiern, nur weil es eben modern ist. Im Gegenteil: Erst die Würdigung der Bemühungen derer, die uns vorausgegangen sind und eine gewisse Ordnung geschaffen haben, erleichtert es, Vergleiche anzustellen, ob die gefeierten „Reformen“ wirklich eine Verbesserung bringen.

Die Politiker, die dem „konservativen Lager“ zuzurechnen sind, sollten mehr Mut haben, sich hierzu zu bekennen und nicht dem linksgrünen Zeitgeist hinterherlaufen. Es ist oft nicht leicht, sich als Konservativer zu bekennen, denn oft stößt er dabei auf Ablehnung und Aggression, auch dann, wenn die involvierten Personen die eigenen Eltern sind, wie dies ein passendes Video hierzu zeigt[30].

© beim Verfasser

 

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Chancengleichheit#cite_note-1: Chancengleichheit ist Bestandteil des Grundgesetzes, in dem im Art. 3 Abs. 3 diese so definiert wird: Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden

[2] https://perikles.tv/1699-der-woke-wahn

[3] Leider habe ich dieses Video im Internet nicht mehr gefunden.

[4] Der Bundesrechnungshof hatte die Pläne kritisiert, weil die Anrechnung von Vermögen gelockert und Regelverstöße kaum noch geahndet werden. Die „Ampel-Parteien“ haben eine Sachverständigenanhörung durch einen Vertreter des Bundesrechnungshofes im Sozialausschuss abgelehnt. https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/sozialpolitik-ampelkoalition-laesst-bundesrechnungshof-nicht-bei-buergergeld-anhoerung-auftreten/28756480.html

[5] Forderung nach einer Vermögenssteuer oder Erhöhung der Erbschaftssteuer steht vor allem in den Wahlprogrammen der SPD, der Linke oder den Grünen; https://www.ecovis.com/duesseldorf-koeln/blog/2021/09/23/erbschafts-vermoegenssteuer/ 

[6] Der Steuersatz erhöht sich von 14 % bis auf 45 %, der Grundfreibetrag – 0 % - beträgt aktuell 10.347 EUR jährlich; https://www.steuertipps.de/lexikon/p/progressiver-steuersatz

[7] Das Sozialgesetzbuch beinhaltet insgesamt 12 „Bücher“, das aus – ich habe es ausgerechnet – 2473 Paragraphen besteht; https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxiv/1.html.

[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Parkinsonsche_Gesetz 

[9] Im Jahr 2021 ist es zu einer weiteren Aufblähung der öffentlichen Verwaltung gekommen, so dass 11 % aller Erwerbstätigen im Staatsdienst sind, das sind 5,1 Mio. Menschen, nach der Wiedervereinigung waren es etwas mehr als 4 Mio. https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Oeffentlicher-Dienst/_inhalt.html

[10] Ricarda Lang und Omid Nouripour, die als Doppelspitze der Grünen gewählt wurden, gelten als Prototypen der ohne berufliche Erfahrung ausgestatteten Politiker, die sich dann anmaßen, über das Lebensschicksal von Erwerbstätigen entscheiden zu können. https://www.nzz.ch/meinung/der-andere-blick/ricarda-lang-und-omid-nouripour-politiker-ohne-berufsabschluss-ld.1667402

[11] In Paderborn waren es vor allem die Grünen, die auf die Einführung einer Baumschutzsatzung gedrängt haben. https://www.westfalen-blatt.de/owl/kreis-paderborn/paderborn/paderborner-stadtrat-beschliesst-neue-baumschutzsatzung-mit-anderungen-2637832?pid=true&npg; die Doppelbödigkeit der Moral der Grünen kommt vollends zur Geltung, wenn die in der Regierung stehenden Grünen in Hessen aber gleichzeitig das Fällen der Bäume im Reinhardswald, um dort Windkrafträder aufzustellen, propagieren. Ausgebremst wurden sie durch eine Haselmaus, deren Schutz, so das Verwaltungsgericht Kassel, durch die Fällung gefährdet wird.

[12] https://www.oli.net/alle-verbote-der-gruenen/; Oli hat insgesamt ca. 50 Verbote gefunden: https://www.youtube.com/watch?v=C8K21AjXAoo 

[13] https://perikles.tv/1617-cancel-culture-die-moderne-zensur

[14] https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/gleichgeschlechtliche-lebensweisen-geschlechtsidentitaet/fragen-und-antworten-zum-selbstbestimmungsgesetz-199332

[15] Die genaue Wortanalyse, abgeleitet aus dem Griechischen „diabállein“ bedeutet entzweien oder auseinanderwerfen, was sich aus der Vorsilbe „di“ (auseinander) und „bállein“ (werfen) ergibt. https://www.dwds.de/wb/diabolisch  

[16] Armin Risi: Licht wirft keinen Schatten, Gowinda Verlag 2004, S. 73

[17] https://perikles.tv/1659-was-ist-naechstenliebe

[18] Das Himmelreich ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten.

[19] https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichnis_von_den_anvertrauten_Talenten

[20] Talent war eine altbabylonische Maßeinheit, in der z. B. Silber abgewogen wurde. Die Wortverwandtschaft mit unserem deutschen Wort Talent als eine Art Begabung ist von daher nicht rein zufällig, sondern rührt daher. https://de.wikipedia.org/wiki/Talent_(Einheit)  

[21] https://www.fachportal-paedagogik.de/literatur/vollanzeige.html?FId=1042524

[22] https://de.wikipedia.org/wiki/Schlanker_Staat#cite_note-:4-9

[23] Von dem amerikanischen Psychologen Seligmann entwickeltes Konzept: https://de.wikipedia.org/wiki/Erlernte_Hilflosigkeit

[24] https://de.wikipedia.org/wiki/Amtsantrittsrede_von_John_F._Kennedy: “And so, my fellow Americans: ask not what your country can do for you — ask what you can do for your country.”

[25] Friedrich II („Friedrich der Große“) sah sich noch als der erste Diener des Staates – davon sind unsere Staatsdiener weit entfernt; https://friedrich-ii-der-grosse.de/erster-diener-des-staates/

[26] Es gab in Deutschland schon bessere Zeiten, in denen dies praktiziert wurde: Der erste Finanzminister, Fritz Schäffler (1888 – 1967), hatte 8 Mrd. EUR (heutiger Wert 35 Mrd. EUR)angespart. Der so entstandene Haushaltsüberschuss wurde als „Juliusturm“ bezeichnet. https://www.sgipt.org/politpsy/finanz/juliust.htm  

[27] https://www.bibleserver.com/search/LUT/Mann%20und%20Frau

[28] Das 7. Prinzip der Geschlechtlichkeit: Geschlecht ist in allem; alles hat sein männliches und sein weibliches Prinzip in sich; Geschlecht offenbart sich auf allen Plänen. https://anthrowiki.at/Kybalion

[29] Geschlechtsidentitätsstörungen ist der medizinische Fachterminus hierfür, hierunter fällt z. B. der Transsexualismus; https://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtsidentit%C3%A4tsst%C3%B6rung  – es gibt auch Chromosomenanomalien (mehr als ein Geschlechtshormon oder das Fehlen eines Geschlechtshormons), die Schwierigkeiten in der eindeutigen Geschlechtszuweisung machen: https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/gesundheitsprobleme-von-kindern/chromosom-und-genanomalien/%C3%BCberblick-%C3%BCber-anomalien-der-geschlechtschromosomen

[30] https://www.youtube.com/watch?v=JpIc9erLa68 In dem Video der Hauptstadtpatrioten wird die Verlogenheit der angeblichen Toleranz am Ende sehr schnell entlarvt, als sich der Sohn gegenüber den Eltern als Konservativer „outet“: Lieber wäre es denen, wenn er schwul statt konservativ wäre.

 

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