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Wofür lohnt es sich zu leben? Diese Frage, so scheint es mir, wagt keiner mehr zu stellen. Aber wenn wir leben, dann stellen sich doch automatisch die essentiellen Fragen, auf die es auch keine einfachen Antworten gibt! Die Erweiterung der Frage könnte auch lauten: Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Denn ohne Kampf, d. h. ohne einen Einsatz für oder gegen etwas ist es schwer etwas zu erreichen.

Tautologie des Lebens: Die etablierte Wissenschaft der Natur, die Biologie, kennt keine befriedigende Antwort auf die Frage nach dem Warum und auch nicht nach dem Wofür des Lebens. Die tautologische Begründung[1] für das Leben liegt in dem Leben selbst begründet, sie ist ein Selbstzweck. Der Song von Hernandez, „Born to be alive“, bringt es auf den Punkt: Wir werden geboren, um zu leben[2]. Viel besser – sicher etwas wortreicher  verbrämt - kann es auch die Biologie nicht erklären. Die Biologen stoßen dann an ihre Grenzen, wenn es eben an grenzwissenschaftliche Fragen geht: Woher kommt überhaupt das Leben? Wie konnte das Leben überhaupt entstehen? Was ist das Ziel des Lebens? Die Tiere, so sagt man im Allgemeinen, stellen diese Fragen nicht. Für sie, und im gewissen Sinne auch die Kinder, stellen sich diese essentiellen Fragen nicht, denn für sie gilt der Augenblick des Lebens, das momentane Glück, das sich von der Verwirklichung von Zielen her bestimmt, die direkt von biologischen Trieben gesteuert werden: Etwas Schmackhaftes zum Fressen finden, einen Geschlechtspartner zur Fortpflanzung finden, einen Rivalen hierfür aus dem Feld drängen oder einem Fressfeind entkommen.

  • Überleben um jeden Preis: Das Überleben scheint der inhärente Selbstzweck des Lebens zu sein. Und dieses hängt davon ab, dass die für ein Lebewesen vorhandenen oder beschaffbaren Ressourcen für die eigene Absicherung oder für die des Nachwuchses und der Art genutzt werden. Es scheint eine Art Diktat zu bestehen: Überlebe! Die Strategien dieses Überlebens gehen nicht selten zu Lasten anderer, wenn man sich z. B. das Vorgehen von Parasiten ansieht, die sich an einen Wirt anheften oder sich in ihm einnisten, um dort den Wirt als Lebensgrundlage „auszubeuten“, denn sie schaffen selbst nichts, sondern profitieren alleine von dem Erfolg des Wirts. Kennen Sie Rücksicht? Nein, denn das Elend des Wirtes, der an dem Befall leidet, nehmen sie in billigend in Kauf. Hunde, die beliebten Vierbeiner der Menschen, können von unzähligen Schmarotzern befallen sein[3]. Giardien, das sind z. B. einzellige Parasiten, die sich an der Dünndarmwand eines Hundes anheften und sich dort von dem ernähren, was der Hund frisst, können zu Durchfall und als Folge des Befalls auch zu einer Schwächung und Gewichtsabnahme führen. Welchen Zweck haben diese Einzeller? Keinen, außer dem selbst zu überleben. Aber nicht nur Parasiten schädigen andere Lebewesen, sondern in dem normalen Überlebenskampf ist ständig die Schädigung eines anderen als Überlebensprinzip eingebaut.  Ein Wald besteht aus einer Unzahl von Lebewesen, die alle dieses Biotop als Lebensraum benutzen. Die Vielfalt der Pflanzen wird dann deutlich, wenn durch einen Waldbrand die großen Bäume vernichtet wurden und die in den unteren Regionen auf einen solchen Moment lauernden kleinwüchsigen Pflanzen die Gunst der Stunde nutzen. Explosionsartig vermehren sich aufgrund der im Erdboden schlummernden Samenkörner selten gewordene Pflanzen und auch Tiere, die ansonsten andernorts schlechtere Überlebenschancen haben. Im Jahr 2003 gab es im schweizerischen Wallis einen Waldbrand und Forscher haben herausgefunden, dass schweizweit bedrohte Vogelarten, wie z. B. der Gartenrotschwanz, dort ideale Aufwuchsbedingungen (Insekten konnten z. B. auf dem weggebrannten Boden besser entdeckt werden) vorgefunden hatten. Durch das reinigende Feuer wurden die dominierenden Arten zurückgedrängt, so dass konkurrenzschwächere Arten eine bessere Überlebenschance htten[4]. Unterbindet der Mensch diese Brände, kommt es zu einem größeren Schwund der Artenvielfalt. Die Natur findet selbst also selbst immer wieder durch Brände und andere Naturkatastrophen zu einem Ausgleich zugunsten einer Artenvielfalt. Das Überleben wird – ohne Eingriffe des Menschen – aus Sicht der Natur durch ein selbstreguliertes System gesichert. Wir brauchen also gar keinen Naturschutz, sondern die Natur sorgt für sich selbst und müsste nur vor dem Menschen geschützt werden.
  • Böse Natur? Obwohl die Natur normalerweise für das Überleben einer möglichst großen Vielzahl von Lebewesen sorgt, kommt doch der Verdacht auf, dass die Natur in sich zwiegespalten ist: gute und böse Kreaturen. Wir würden z. B. Rehe, Hirsche und Feldhasen für gute Tiere halten, aber Schlangen, Skorpione, Spinnen und Haie eher auf der bösen Seite sehen. Warum ist das so? Es scheint so etwas wie das „natürliche Böse“ zu geben, das uns hier entgegentritt, das auf Zerstörung und Vernichtung anderer Lebewesen gerichtet ist. Während die einen Tiere friedlich vor sich hin leben – zu denen wahrscheinlich die Pflanzenfresser zu rechnen sein werden – sind andere – Fleischfresser - nur darauf aus, stumpfsinnig vor sich hin zu leben, bis sie durch ihren Hunger zum neuen Töten aktiv werden[5]. Aber auch diese Fleischfresser sind zum Töten verdammt, werden sie doch durch einen Parasitenbefall gezwungen, wieder für neue Nahrung zu sorgen, um sich und diese Schmarotzer zu ernähren. So gesehen wäre die Natur gekennzeichnet durch ein ständiges Fressen und Gefressenwerden. Die Zweispaltigkeit der Natur kommt in dem Gleichnis von Jesus über den Weizen und das Unkraut (Matthäus 13, 24-30) gut zur Geltung, denn er sieht darin das Unkraut als den von Satan angerichteten Schaden an. Zum Glück erklärt Jesus seinen Jüngern selbst dieses Gleichnis (Matthäus 13, 26-42), indem er ihnen verdeutlicht, dass der Samen des Bösen von dem Teufel und seinen Helfern („Söhne des Bösen“) gesät wurde[6]. Die theologische Begründung für das Böse in der Natur, die nach der Schöpfung als sehr gut angesehen wurde (1. Mose 1,10), liegt also darin begründet, dass sie durch die Einsaat des Bösen geschädigt wurde. Es ist fatal, die Natur als die Schöpfung Gottes zu glorifizieren und krampfhaft zu versuchen, nur das Gute in der Natur zu entdecken, weil damit die Realität verfehlt wird[7]. Durch die Einsaat des "Unkrautes" (im metaphysischen Sinn) entstanden also die Tiere und Pflanzen, die in ihrer Art eine nur auf die Sicherung der eigenen Existenz gerichtete Lebensweise an den Tag legen, wobei sie die Schädigung anderer Lebewesen nicht nur billigend in Kauf nehmen, sondern diese auch noch befördern. Nach der Forschung der „Spiritual Science Research Foundation“ können aber auch Tiere und Pflanzen von bösartigen jenseitigen Wesen besetzt sein. Die geschehe z. B. dadurch, dass sich schädliche Insekten wie Kakerlaken, Milben, Ratten und andere Schädlinge rasant vermehren oder Bakterien und Nagetiere gegen Pestizide immun werden[8]. Außerdem scheint ein hoher Befall von Häusern mit schädlichen Insekten und Spinnen von negativen Wesen gesteuert zu werden. Dagegen waren Fliegen, die die Räume des „Heiligen Dr. Athavale“ besuchten, in nur zwei Stunden gestorben, obwohl sie normalerweise zwischen 15 und 30 Tagen leben können, so als ob sie in dieser spirituell reinen Atmosphäre nicht überleben könnten. Fliegen gehören zu den Tieren, die über 100 verschiedene Krankheitserreger beherbergen können, die zu Typhus, Ruhr, Cholera oder Malaria führen. Sie können deshalb zu den „unreinen Tieren“ gerechnet werden[9].  Diese „Boshaftigkeit in der Natur“ ist von dem „natürlich Bösen“ dadurch zu unterscheiden, dass hier die negativen jenseitigen Kräfte am Werke sind, die diese Kreaturen der Natur als Werkzeuge benutzen, um Schaden anzurichten, der über das natürliche Bedürfnis des Überlebens hinausgeht. Selbst das Corona-Virus könnte ein als von negativen Geistwesen gesteuertes Lebewesen angesehen werden, das von so genannten „Mantriks“ geschaffen oder besetzt wird, um dann durch eine Infektion bei Menschen und Tieren große Schäden anzurichten[10]. Die Natur scheint also etwas widerzuspiegeln, was als dualistisches Prinzip[11] die Welt in Gänze durchdringt.

Leben als Aufgabe oder seiner selbst willen: Die Natur scheint eine für sich selbst und aus sich selbst heraus bestehende Existenzform zu sein, die ein nicht über sich selbst hinaus weisendes Ziel anzusteuern scheint, das dem reinen Überleben dient. Der Mensch, im Bewusstsein seiner Entstehung (Geburt) und seines Endes (Tod) lebend, will anscheinend über diese Form des Daseins hinauswachsen. Die gesamte Metaphysik, die aus dem Bewusstsein der eigenen Beschränkung erwächst, könnte als Versuch gesehen werden, durch das Postulat einer über Geburt und Tod hinausgehende Bestimmung, das irdische Gefängnis gewissermaßen zu sprengen. So gesehen wird das Leben in einen größeren Bezugsrahmen gestellt, dessen Fixpunkte nicht in der wahrnehmbaren Welt liegen. Das Leben wäre dann als eine Aufgabe zu sehen, die es zu bewältigen gilt, als eine Herausforderung, um über die irdische Daseinsform hinauszuwachsen. Aber wenn die Diesseitsbeschränkungen aufgehoben werden, erwächst daraus die Notwendigkeit, die Fixpunkte irgendwie zu definieren, die dem Leben einen „höheren Zweck“ zuweisen. Das Leben als Aufgabe zu definieren, die über ein reines Leben seiner selbst willen hinaus weist, wäre ein hilfreicher und mithin notwendiger Schritt zur Beantwortung der Frage, wozu wir überhaupt leben sollen. Man könnte auch sagen: Je mehr der Mensch sein Leben als einen Versuch versteht, sich selbst zu transzendieren, sein Leben als eine in den Dienst einer über ihn selbst hinausweisenden Sache zu sehen, wird er sich dadurch gleichsam von der Welt distanzieren, in der er gegenwärtig lebt. Umgekehrt: Menschen, die in dieser für uns wahrnehmbaren Welt anscheinend erfolgreich sind, sich so zu sagen „gut angepasst“ haben, könnten dann eher auch dieser Welt als zugehörig angesehen werden, die eben leider nicht nur von guten Kräften gesteuert wird. Ihnen dürfte es nur um das eigene Überleben gehen, das, wenn es gut gelingen soll, sich parasitär durch das Abschöpfen der Energien von anderen bemerkbar macht. Wie sieht dieses Leben der „Erfolgreichen“ aus?

  • Leben als Parasit: Es gibt Menschen in unserer Gesellschaft, die es bevorzugen, nicht selbst durch „eigene Hände Arbeit“ etwas zu schaffen, sondern von der Ausbeutung der anderen zu leben, die „sich abrackern“. An anderer Stelle hatte ich bereits über diese gesellschaftlichen Parasiten geschrieben[12] und will deshalb nur das Wesentliche zusammenfassen: Ihre Nutzlosigkeit versuchen sie durch ein aufwändiges Gebaren, durch eine Überbetonung der eigenen Wichtigkeit zu kaschieren. Dabei leben sie nur, um andere für sich arbeiten zu lassen, halten aber gerne die Hände auf, wenn es um die Ernte der verrichteten Arbeit der Ausgebeuteten geht. Sie leben egoistisch nur nach ihren eigenen Vorstellungen und Wünschen und haben kein wirkliches Interesse an anderen. Bestimmte Institutionen und Personentypen rechne ich in besonderer Weise zu diese Schmarotzern wie z. B. die Kirchen, die Parteien, die Staatsoberhäupter und allen anderen, die sich gleichsam wie Blutegel oder Stechmücken, die das Blut ihrer Wirte in der Natur aussagen, die Säfte der durch fleißige Menschen hervorgebrachten Früchte ernten wollen.
  • Leben ohne Skrupel: Wer erfolgreich sein will, darf keine Skrupel haben. Denn jeder, der sich ein Stück aus dem Kuchen herausschneidet, muss wissen, dass je größer dieses Stück ist, desto weniger andere von dem Kuchen abbekommen werden. Das Leben als Selbstzweck orientiert sich allein an dem eigenen Wohlergehen. Es erscheint deshalb die Frage nicht unberechtigt, ob diese Menschen nicht deshalb länger leben, weil sie sich selbst stets geschont haben, allen Konflikten aus dem Wege gegangen sind und nicht davor zurückgeschreckt haben, deshalb andere in Schwierigkeiten zu bringen. Es ist für mich nicht überraschend, dass z. B. Personen wie die Königin Elisabeth II doch weit über 90 Jahre alt wurde[13] und Milliardär Georg Soros[14] bereits 92 Jahre alt ist. Sie werden vielleicht nicht so schnell krank, weil ihnen „keine Laus über die Leber läuft“, weil sich nicht für andere „den Kopf zerbrechen“, sich „nicht das Herz schwer machen“ um der Sorge anderer willen. Das Leben ohne Gewissensbisse, weil das Gewissen bereits zur Seite gedrängt wurde, scheint ein „ruhiges Leben“ zu ermöglichen, weil die eigene „Herzenskälte“ – wie dies dem Peter Munk in dem Märchen vom kalten Herz versprochen wurde – eine angenehme Kühle vermittelt.
  • Leben ohne Unrechtsbewusstsein: Der erfolgreiche Egoist kennt auch kein Unrechtsbewusstsein. Diejenigen, die während der Corona-Krise bei der Verunglimpfung, bei der Ausgrenzung, bei der Diffamierung und Herabsetzung derer mitgemacht haben, die sich nicht dem Diktat der Herrschenden beugen wollten, empfinden keine Reue für das Unrecht, was sie anderen angetan haben, sondern versuchen eine „Täter-Opfer-Umkehr“. Erst die Aufarbeitung der begangen Verbrechen – die Volksverhetzung wäre eines dieser eigentlich zu ahndenden Vergehen – könnte ein öffentliches Bewusstsein schaffen, dass hier grobes Unrecht geschehen ist[15]. Wenn angesichts der Energiekrise in Deutschland Existenzkrisen durch zu hohe Energiepreise herbeigeführt werden, gibt es keine Einsichten in die eigene Verantwortung hierfür durch die amtierenden Politiker wie z. B. Robert Habeck, die nur ihre eigenen Interessen im Auge haben.
  • Leben ohne Opferbereitschaft: Das Opfer für andere bringen schadet dem eigenen Überleben. Wer nur an sein eigenes Überleben denkt, wird sich hüten, für andere Opfer zu bringen, sondern diese nur von „allen“ (mit Ausnahme der eigenen Person) fordern. Der „Gutmensch“[16] ist ein Prototyp des egoistischen Moralisten, der gerne die Opferbereitschaft der Allgemeinheit einfordert, aber selbst keinen eigenen Beitrag leistet. Die Raffgier der Reichen mitsamt den an ihnen hängenden Profiteure (Journalisten der Boulevardpresse und „Hofberichterstatter“, sich an reiche Männer heftende Frauen) ist ein typisches Symptom der „Erfolgreichen“, die nicht daran denken, etwas freiwillig und ohne „Hintergedanken“ an andere abzugeben.
  • Leben mit Herrschaftsanspruch: Die Erfolgreichen sind diejenigen, die eben nur ihr eigenes Überleben – möglichst auf Kosten anderer – kennen. Aber darüber hinaus streben sie an, weil Reichtum alleine ihnen nicht genügt, die Herrschaft über andere zu erlangen. Überspitzt formuliert hieße dies: Jeder, der in unserer Welt versucht, „nach oben“ zu gelangen, strebt eine irgendwie definierte Herrschaft an, um dadurch seinen Willen gegenüber anderen durchsetzen zu können. Die Machtbefugnisse über andere zu haben und diese ausüben zu können, wurde auch in der Corona-Krise zum deutlichen Prüfzeichen für den Charakter der Menschen: Wer mitgemacht hat, hatte Vorteile, wurde nicht vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, wurde nicht als „asozial“ gebrandmarkt, sondern konnte seinerseits sich auf der Seite „der Richtigen“ wähnen und andere nötigen, sich eine gentechnisch veränderndes Serum spritzen zu lassen, konnte sie aus einem Raum befördern oder sogar bei der einrichtungsbezogenen Impfpflicht ungeimpften Arbeitnehmern verbieten, ein Altenheim zu betreten, wodurch sie effektiv arbeitslos wurden.

Leben für einen höheren Zweck: Der über die eigene Existenz hinausweisende Bezug des Lebens kann nur darin bestehen, sich selbst nicht als den Mittelpunkt aller Bemühungen zu stellen, sondern den Blick über den Tellerrand zu richten auf die Fixpunkte eines Lebens, gesehen aus einer Metaebene:

  • Dienen anstatt Herrschen: Das Dienen, das diametral gegen das Herrschen steht[17], könnte den Weg in die richtige Richtung weisen. Wer dient, will nicht seinen Willen anderen aufzwingen, sondern gibt jedem und allen die Freiheit, nach eigenen Vorstellungen zu leben. Er will das anderen geben, was sie brauchen, um sich weiter entwickeln zu können. Er sieht sich als Katalysator für die Verbesserung des Lebens als solches. Wer dient, stellt seine Fähigkeiten, sein Wissen, seine ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen in den Dienst anderer. Nicht das Leben auf Kosten anderer, sondern das Leben als Ermöglichung des Lebens anderer ist sein Ziel.
  • Hoffnung auf höhere Zwecke: Der höhere Zweck liegt in der Hoffnung begründet, dass das Leben mehr ist als nur das reine Existieren. Für den religiösen Menschen liegt diese Hoffnung in Gott begründet, der der Grund für die Existenz ist, der auch das Ziel markiert, auf das hin gelebt wird. Das Leben an einen höheren Zweck zu binden bedeutet gleichsam eine Aufwertung dessen, was durch die Verwirklichung der entsprechenden Ziele erreicht werden soll. Dies heißt nicht, dass „der Zweck die Mittel heiligt“, sondern der über die eigenen Wünsche hinausgehende externe Bezug des Lebens ermöglicht erst die rechte Einstellung zu dem, was an Mitteln hierfür eingesetzt wird.
  • Das Leben als Opfergang: Im extremen Fall wird die Verwirklichung der externen Zwecke zum Opfergang, was diametral entgegen zu der Einstellung der Menschen steht, die in der Ausschöpfung aller Möglichkeiten zur „Selbstverwirklichung“ ihren Daseinsgrund sehen. Die egoistische, auf Selbstbereicherung, Selbsterhöhung, bis hin zur Beherrschung anderer Menschen und der Welt schlechthin gerichtete Daseinsweise, steht im Gegensatz zu der Lebensweise, die Opfer nicht ausschließt, wenn sie der Verwirklichung der höheren Zwecke dienlich ist. Wer anderen von dem etwas gibt, was er selbst nicht braucht, aber dem anderen damit weiterhilft, z. B. in Form eines bestimmten Geldbetrages, bringt eben ein solches Opfer. Wer sich körperlich sogar in Gefahr bringt, um anderen aus einer gefährlichen Lebenssituation zu retten, opfert damit etwas, was zu Lasten seiner Gesundheit gehen könnte. Das Opfer ist dabei an die über die eigene Person hinausgehende Sichtweise, die eigene Person vielleicht sogar gefährdende Lebensweise gebunden.
  • Erfüllung des göttlichen Plans: Es steht noch die Frage im Raum, welchem Zweck die Opfer dienen sollen. Es kann eigentlich nur dem dienen, dass damit Gottes Wille erfüllt werden soll. Diese Sichtweise ist aufgrund der auf Selbstbestimmung gerichteten Daseinsform des modernen Menschen sehr gewöhnungsbedürftig[18]. Aber es bleibt keine andere Lösung als diese, das eigene Leben, die eigenen Bestrebungen mit der Vielzahl von Bedürfnissen „zu vergessen“ und auf die „innere Stimme“ zu hören, die uns eigentlich sicher leitet und die uns den richtigen Weg weist. Diese „innere Stimme“ korrespondiert idealerweise mit dem Willen Gottes, der es besser weiß, was für uns gut ist. Wie viele Menschen sind enttäuscht, wenn ihre Gebete nicht erhört werden[19], aber sie vergessen, dass ihre egoistischen Wünsche nicht immer dem Plan Gottes, mit seinem Willen übereinstimmen. Das ist verdammt schwere Kost, aber aus meiner Sicht die einzige richtige Lösung für das Problem, eine angemessene Antwort auf die Frage zu finden, wozu wir überhaupt leben. Wir befinden uns, um eine Analogie zu benutzen, in der Rolle einer Ameise, die nicht genau in einem Ameisenstaat weiß, was sie zu tun hat, die aber dann richtig liegt, wenn sie ihren „Instinkten“ folgt und die ihnen obliegenden Aufgaben erfüllt. Wir erfüllen auch vielleicht wie diese Ameisen eine Aufgabe im Leben, ohne dass es uns voll bewusst ist, welches Ziel damit erreicht werden soll. Nicht umsonst hat Jesus deshalb davon gesprochen, dass wir so ahnungslos wie die Kinder werden sollen, um ins Himmelreich zu gelangen (Matthäus 18,3), denn dieses kindliche Zutrauen zur höheren Führung eines Gottes erlaubt und ermöglicht uns die richtigen Schritte zu gehen. Es gibt einige Indizien, die darauf hindeuten, dass wir auf den richtigen Weg sind, wenn wir den eigenen Willen unter den Gottes stellen:
    • Vaterunser: Im Vaterunser (Matthäus 6, 9-13), das von Jesus übermittelt wurde, wird ausdrücklich dies so formuliert, wenn es heißt, dass sein Wille wie im Himmel, so auch auf Erden geschehen soll.
    • Jesus vor dem Tod: Jesus konnte wohl aufgrund seiner Hellsichtigkeit seinen eigenen qualvollen Tod voraussehen und wollte ihn in seinem Gebet am Ölberg noch einmal abwenden. Aber statt zu fliehen, stellte er in dem Vertrauen, dass sein Vater („Abba“) es besser weiß, seinen Willen unter den Gottes (Lukas 22, 42[20]). Das Rätsel des Todes von Jesus kann nur dann halbwegs verstanden werden, wenn dieser Tod in einen größeren Rahmen gestellt wird und die über das irdische Leiden hinausweisenden Bezüge gesehen werden[21].
    • Ausschlagung des Angebotes der Weltherrschaft durch Jesus: Es ist bekannt, dass Jesus in der Wüste von Satan die irdischen Reichen gezeigt wurden mit dem Angebot, die Herrschaft hierüber zu erlangen, wenn er sich vor ihm niederwerfe und ihn anbete. In dem Lukasevangelium wird hierzu noch angemerkt, dass diese Reiche Satan überlassen seien, er somit der Herr der diesseitigen Welt ist (Lukas 4, 6[22]). Jesus wollte nie eine Art Herrschaft, weil jeder Herrschaft die Ausübung einer Macht beinhaltet, wobei immer die Gefahr besteht, anderen den eigenen Willen aufzuzwingen. Jesus könnte als eine Art Anarchist bezeichnet werden, dem jede Form der Herrschaft suspekt war[23]. Für ihn galt als einzige Autorität diejenige, die von Gott selbst ausgeht, die es zu beachten gilt und keine menschlichen Herrschaftssysteme.  

Ist die Lösung gefunden für die Frage danach, für was wir leben? Mir scheint die Aufgabenstellung ungeheuer schwer, so dass nur ansatzweise eine Antwort gefunden wurde, die da lautet: Wir sind gehalten, wenn wir unserem Leben über das reine Existieren hinaus einen Sinn verleihen wollen, uns so weit zurückzunehmen, dass die Impulse aus einer göttlichen Welt einen Zugang zu uns finden. Die monotheistische Fehldeutung, dass hier ein einziger Gott hierfür zuständig sei, sollte nicht getan, sondern angenommen werden, dass die Inspiration aus Regionen außerhalb unserer materiellen Ebene erfolgt, die dem göttlichen Licht zugewandt ist. Das wäre angesichts der zahlreichen jenseitigen Durchgaben, die inzwischen durch viele Medien vermittelt wurden, der Realität näher kommend. Auf Basis einer umfassenderen Sichtweise der Welt, die eine jenseitige Daseinsform einschließt, gelingt es eher, dem Geheimnis des Lebens auf die Schliche zu kommen.  

© beim Verfasser

 

[1] Tautologie ist die Definition eines Begriffes durch etwas, was bereits im Begriff – vielleicht mit anderen Worten – vorkommt, also ein so  genannter Zirkelschluss, wie z. B. ich existiere um zu leben; https://de.wikipedia.org/wiki/Idem_per_idem .

[2] https://www.cevirce.com/de/ubersetzer/patrick-hernandez-born-to-be-alive-englisch-songtext-deutsch-uebersetzung.html

[3] https://www.zooplus.de/magazin/hund/hundegesundheit-pflege/zecken-floehe

[4] https://www.unibe.ch/aktuell/medien/media_relations/medienmitteilungen/2019/medienmitteilungen_2019/waldbraende_schaffen_lebensraum_fuer_tiere_und_pflanzen/index_ger.html

[5] https://www.akademie-rs.de/fileadmin/user_upload/download_archive/religion-oeffentlichkeit/20140804_petersen_boese-natur.pdf

[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichnis_vom_Unkraut_unter_dem_Weizen

[7] https://perikles.tv/leserbriefe/1288-glorifizierung-der-natur

[8] https://www.spiritualresearchfoundation.org/de/besessene-b%C3%A4ume-tiere-pflanzen

[9] https://www.spiritualresearchfoundation.org/de/spirituelle-forschung/spirituelle-phaenomene/fliegen-insekten-sterben-im-spirituellen-forschungszentrum/

[10] https://www.spiritualresearchfoundation.org/de/spirituelle-forschung/globale-probleme/coronavirus-spiritueller-schutz-durch-heil-chants/

[11] Beim Dualismus handelt es sich um Gegensätze, die nicht gleichwertig sind, die sich gegenseitig ausschließen – im Unterschied zur Polarität, bei der wir uns auf der gleichen Dimension befinden, auf der es nur unterschiedliche Ausprägungsgrade desselben gibt, die sich jeweils notwendigerweise ergänzen; mehr hierzu: https://perikles.tv/leserbriefe/867-dienen-oder-herrschen-goettlich-gewollte-oder-satanische-verhaltens-modi  

[12] https://perikles.tv/1695-gesellschaftliche-parasiten

[13] Geboren 21.04.1926, gestorben 08.09.2022, also 96Jahre alt https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=elisabeth+ii

[14] Geb. 1930, also auch schon über 92 Jahre alt; https://de.wikipedia.org/wiki/George_Soros

[15] Marcus Klöckner und Jens Wernicke haben in ihrem Buch „Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen“ die Untaten der Täter und ihrer Mitstreiter schonungslos aufgezeigt und verlangen zu recht ein Bestrafung dieser Personen; https://www.rubikon.news/artikel/verbrecher-seid-ihr

[16] https://perikles.tv/component/search/?searchword=gutmensch&searchphrase=all&Itemid=121

[17] https://perikles.tv/leserbriefe/867-dienen-oder-herrschen-goettlich-gewollte-oder-satanische-verhaltens-modi

[18] https://perikles.tv/1654-der-mensch-denkt-gott-lenkt

[19] https://perikles.tv/philosophie-und-religion/1346-warum-das-beten-nicht-helfen-kann

[20] https://bibeltext.com/luke/22-42.htm

[21] https://perikles.tv/philosophie-und-religion/1493-ist-jesus-fuer-unsere-suenden-gestorben Der Kreuzestod mit seiner hohen Symbolkraft könnte ein Grund gewesen sein, den physischen Tod hinzunehmen.

[22] https://de.wikipedia.org/wiki/Versuchung_Jesu

[23] Christlicher Anarchismus beruht auf der Bergpredigt mit einem radikal pazifistischen und gewaltfreien Ansatz: https://de.wikipedia.org/wiki/Christlicher_Anarchismus

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