Pin It

Kann man bereits heute Lehren aus der Corona-Krise ziehen? Es zeichnen sich schon jetzt gewisse Leitlinien ab, die wie folgt beschrieben werden können:

  • Die Corona-Krise ist ein „Spaltpilz“: Nicht das Corona-Virus spaltet unsere Gesellschaft, sondern der Umgang damit. Ähnlich wie der Umgang mit den „Flüchtlingen“ die Geister scheidet, spaltet auch die Handhabung der angeblichen Gefahr durch dieses Virus Familien, Gruppen und die Gesellschaft schlechthin. In vielen Familien wird es jetzt Diskussionen geben, ob nun die getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie angemessen sind oder nicht und ob die Gefahr eher eine ist, die sich mehr in den Köpfen der Bürger abspielt als sie in der realen Welt existiert. Die Spaltung geht aber über die Familien hinaus in die gesellschaftliche Umgebung hinein. Alle, die nun die Vorsichtsmaßnahmen begrüßen sind diejenigen, die es bejahen, dass dieses Virus gefährlich ist und deshalb auch alles erlaubt ist, was von der Politik an Freiheitsbeschränkungen der Bevölkerung auferlegt wird. Diejenigen, die dies für übertrieben halten, werden attackiert und mit persönlichen Angriffen in die Enge getrieben.
  • Die Corona-Krise protegiert Linientreue: Es ist nicht nur die Spaltung der Gesellschaft in Befürworter und Gegner von einschneidenden Maßnahmen, die zu beobachten ist, sondern eine vielleicht für die Deutschen sehr typische Obrigkeitsgläubigkeit, die die Bundes- und Landesregierungen fast „freie Hand“ gewährt, Freiheitsrechte einzuschränken. Hier dominiert eindeutig die Exekutive gegenüber der Legislative und hebt somit zum Teil die Gewaltenteilung auf. Die Einschränkungen der Versammlungsfreiheit und das Kontaktverbot werden nicht nur billigend, sondern oft sogar lobend in Kauf genommen, um diese für eine „höhere Sache“ (Gesundheit) einzutauschen. Die „GroKo“, die sich im Abschwung in der Beliebtheitswerten befand, erfreut sich – insbesondere die Kanzlerin – wachsender Beliebtheit und Menschen, die bisher ihr kritisch gegenüberstanden, zeigen plötzlichen eine Sinneswandel und werden linientreue Anhänger der Regierungsparteien.
  • Die Corona-Krise befördert falsche Helden: In Krisenzeiten möchte die Mehrheit der Menschen jemand, der Führungsstärke zeigt. Dies zeigt sich auch diesmal: Es sind „starke“ Männer (und Frauen) gefragt, die mit Wagemut vorangehen – auch wenn dabei die Mär verbreitet wird, dass die Einschränkungen der Freiheit uns als Dank dafür die Gesundheit garantieren. Markus Söder, lange Zeit im Bayern-Land eher auf einem abgeschlagenen Platz in der Beliebtheitsskala der Deutschen, avanciert zum beliebtesten Politiker Deutschlands https://www.focus.de/politik/deutschland/kanzlerin-merkel-ueberholt-soeders-krisenmanagement-ueberzeugt-csu-chef-ist-erstmals-beliebtester-politiker_id_11803688.html). Nicht die Vorsichtigen und mit Zurückhaltung operierenden Politiker sind in Krisenzeiten gefragt, die vielleicht noch den Mut haben, die Virusgefahren zu relativieren, sondern diejenigen, die „auf die Pauke hauen“; das kommt bei dem „Durchschnittsbürger“ gut an. Dabei wird der Irrtum begangen, dass geglaubt wird: wer beliebt ist, tut auch das Richtige! Welch ein fataler Fehler! Helmut Schmidt z. B. hatte in der Zeit, als der so genannte „Nato-Doppel-Beschluss“ durchgesetzt werden musste, eine breite Mehrheit gegen sich, Tausende demonstrierten auf den Straßen; aber er war von der Richtigkeit seiner Haltung (die Bedrohung des Westens durch die einseitige Aufrüstung der UdSSR musste durch eine „Doppelstrategie“ – es musste ein Drohpotential aufgebaut werden, um dann die UdSSR zur Abrüstung zu zwingen – gekontert werden) überzeugt. Heute gibt es leider keine Politiker mehr, die den Mut haben, gegen den Mainstream zu schwimmen.
  • Die Corona-Krise befördert Überwachungsstaat und Totalitarismus: Die fast unkritische Inkaufnahme von Einschränkungen der Meinungsfreiheit führt in der letzten Konsequenz zu einem Überwachungsstaat gefährlichsten Ausmaßes, was z. B. die von Jens Spahn angestoßene Idee zeigt, die Besitzer von Handys stärker zu überwachen, um deren Kontakte herauszubekommen, damit ein möglicher Infektionsweg weiter zurückverfolgt werden kann. Die Sozialministerin des Landes Sachsen, Petra Köpping (SPD), liebäugelte schon mit der Zwangseinweisung von Quarantäne-Verweigerern in die geschlossene Psychiatrie, wurde aber dann wieder (vorläufig) ausgebremst, weil dies doch zu viele „an schlimmsten DDR-Zeiten erinnert“ hatte (https://www.tagesstimme.com/2020/04/11/sachsen-will-quarantaene-verweigerer-wegsperren/) – kein Wunder, war doch die jetzige Sozialministerin von 1986 – 1989 Mitglied der SED (https://de.wikipedia.org/wiki/Petra_K%C3%B6pping). Auch die die Idee der Überwachung der Bevölkerung mittels Drohnen scheint eine gern gesehene Option zu sein. In Dortmund und in Düsseldorf sollen z. B. so genannte Quadrokopter eingesetzt worden sein, um  „zur Information über die Gesundheitsgefahren bei Nichteinhalten des Kontaktverbots“ zu operieren. Die Drohnen waren dafür mit Lautsprechern ausgestattet und kreisten über Personengruppen „an beliebten Treffpunkten“. Diese wurden anschließend zum „Verlassen der Plätze aufgefordert. (https://netzpolitik.org/2020/landespolizeien-setzen-drohnen-ein/). Die Bevölkerung ist aufgrund der „Gehirnwäsche“ durch die Dauerberieselung inzwischen „weichgeklopft“, einen Ausbau des Überwachungsstaates zu befürworten. Selbsternannte Moralapostel, die sogar auf der Straße und Geschäften Menschen, die bestimmte Wohlverhaltensmaßnahmen nicht beherzigen, reglementieren, schwingen sich zu „Hilfspolizisten“ auf, um das zu erledigen, was sonst staatlichen Ordnungskräften vorbehalten ist. Das  Denunzieren von Menschen, die staatliche Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie nicht einhalten, wird von Politikern oft geradezu eingefordert. Es scheint so zu sein, dass im „vorauseilenden Gehorsam“ bestimmte linientreue Staatsangehörige nur darauf warten, wieder als Blockwarte fungieren zu können. Der Totalitarismus offenbart sich in zweifacher Hinsicht: Einmal in dem Anspruch, dass das Thema „Pandemie durch Corona-Virus“ allbeherrschend wird und sich dem alle anderen relevanten Themen unterordnen müssen (neudeutsch: Hype genannt) und zum anderen in der Absicht, daraus einen Herrschaftsanspruch abzuleiten, wonach sich sowohl Mediziner, Krankenhauspersonal, öffentlicher Lehrbetrieb, Wirtschaftsbetriebe, Journalisten und vor allem die gesamte Bevölkerung danach richten müssen, was aber nur wenige sogenannte „Experten“ für richtig halten und Politiker entscheiden. Die Totalität staatlichen Handelns offenbart sich auch darin, wie in einem Eiltempo Gesetzesvorlagen in den Parlamenten „durchgewunken“ werden, ohne dass sie im Plenum beraten werden; hier wird de facto die Gewaltenteilung aufgehoben, die zwischen Exekutive und der Legislative normalerweise herrschen sollte. Auch werden freiheitseinschränkende Maßnahmen nur auf dem Verordnungswege von der Exekutive beschlossen, ohne die Parlamente zu beteiligen.
  • Die Corona-Krise deckt die Mängel des Gesundheitswesens auf: Es wurden staatliche Vorsorgemaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung durch Krankenhausschließungen, vor allem auf dem flachen Land, gefährdet. Die Privatisierung auf diesem Gebiet hat bewirkt, dass vorwiegend auf dem Hintergrund von Rentabilitätsberechnungen für Notfälle und Notzeiten notwendige Krankenhausbetten nicht im ausreichenden Maße vorgehalten wurden. Die personelle Unterbesetzung und schlechte Bezahlung der Pflegekräfte tut ihr übriges. Jetzt dämmert es auch allmählich den Politikern, dass hier ein Zusammenhang zwischen der schlechten Bezahlung und der Unterbesetzung im Pflegebereich bestehen könnte. Die oft zu hörenden Argumente von politischer Seite, dass die getroffenen Maßnahmen zur Freiheitseinschränkung notwendig waren, um das Gesundheitssystem nicht zu überfordern, offenbaren diesen offensichtlichen Notstand.
  • Die Corona-Krise befördert eine zahme Presse und einen willfährigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Die gebetsmühlenartige Wiederholung immer derselben Nachrichten und Thesen wird fast einheitlich von Organen der Presse und im Fernsehen widergegeben, ohne dass hierbei diese kritisch hinterfragt werden. Der Vorwurf der „Hofberichterstattung“ trifft hier genau zu. So etwas wurde im „Dritten Reich“ als „Gleichschaltung“ bezeichnet. Wo bleibt da der Mut der Redaktionen, einmal gegen den Strom zu schwimmen? Zeitschriften wie z. B. das Compact-Magazin oder Junge Freiheit bilden da rühmliche Ausnahmen von dem sonstigen „Mainstream-Journalismus“. Im Fernsehen tauchen auch immer dieselben Wissenschaftler auf, die dem gängigen Bild des gefährlichen Corona-Virus folgen.
  • Die Corona-Krise bewirkt eine Verarmung des öffentlichen Raumes: Die Aufforderung, zu Hause zu bleiben, wird weitgehend befolgt und so wirken die Innenstädte oft menschenleer und verlassen, erwecken eher den Eindruck von „Geisterstädten“ wie in manchen Wild-West-Filmen, in denen nach einem Boom des Wachstums die Menschen aus Städten weggezogen sind, weil wichtige Wirtschaftszweige, etwa wenn bestimmte Goldminen ausgebeutet waren, zusammenbrachen. Der wichtige Teil unseres Lebens, der geprägt war vom Leben in Vereinen, Treffen in Gaststätten und Cafés oder nur das Flanieren in Fußgängerzonen, um da oder dort einfach dem Treiben der Menschen zuzusehen, fällt plötzlich weg. Selbst das flüchtige Gespräch aufgrund des Kontaktverbotes entfällt und führt mit der Minimalisierung der Kontakte auf das Notwendigste zu einer Verarmung des Lebens im öffentlichen Raum.
  • Die Corona-Krise bewirkt einen Rückzug ins Private: Parallel zur Verarmung des öffentlichen Raumes begünstigt die Corona-Krise auch den Rückzug der Menschen aus der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Der Rückzug ins Private, für viele oft der Ausweg aus einer Gesellschaft, die immer inhumaner erscheint, bleibt für die Normalbürger, die in der gegenwärtigen künstlich erzeugten Krise keine „Funktionsträger“ (Politiker, Virologen, Gesundheitspersonal) sind, nur noch der kleine private Bereich übrig, in dem man sich so gut es geht einrichtet. Der Kontakt „nach draußen“ beschränkt sich auf den Konsum der Massenmedien, die immer weiter an der Katastrophenschraube drehen oder mit billigen Unterhaltssendungen die Menschen bei „gute Laune“ halten wollen. Echte Diskussionen finden nur noch virtuell in den sozialen Netzwerken und Medien statt, wo auch tatsächlich noch kontrovers debattiert wird.
  • Die Corona-Krise bewirkt eine pessimistische Grundstimmung: Die Dauerbeschallung und visuelle Überflutung durch die Katastrophenmeldungen zur Corona-Epidemie führen zu einer negativen Einschätzung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lage. Viele geplante Investitionen, die noch bei positiv eingestellter Lebensauffassung durchgeführt worden wären, werden zurückgestellt und erst einmal abgewartet. Die Zukunftserwartung ist negativ von Ängsten bestimmt, was nicht nur die Investitionsbereitschaft, sondern auch die Konsumfreude sinken lassen wird. Es ist zu befürchten, dass aufgrund dieser pessimistischen Grundstimmung eine negative Spirale nach unten in Gang kommen wird (Deflation), die dann nur noch schwer aufzuhalten ist. Es ist auch nicht auszuschließen, dass die pessimistische Grundstimmung zu einer vermehrten Häufung psychischer Erkrankungen führen wird. Auch ist zu befürchten, dass sie in eine aggressive Stimmung umschlagen kann, was insbesondere auch durch die Tatsache gefördert werden könnte, dass die Menschen jetzt in der häuslichen Umgebung häufiger und länger zusammenleben.

Es ist zu hoffen, dass irgendwann wieder die Vernunft zurückkehren wird und die wenigen Mutigen in unserer Gesellschaft sich nicht von dem negativen Trend anstecken lassen werden.

 

© Büren, 15.04.2020, Günther Birkenstock 

 

 

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren