In den Kirchen wird oft davon gesprochen, dass wir die Natur als Gottes Schöpfung bewahren und schützen sollten. Am „Ökumenischen Tag der Schöpfung“, der am 04.09.2020 in Landau/Pfalz begangen werden soll, soll den Menschen bewusst gemacht werden, dass sie Teil der Schöpfung sind. Hierfür wurde dieses geplante Treffen unter das Motto „WEINklang“ gestellt, denn: „Wein ist dafür da, dass er des Menschen Herz erfreue, sagt schon der Psalmbeter vor mehr als 2000 Jahren. Papst Franziskus verbindet ihn mit Zärtlichkeit. In der jüdisch-christlichen Tradition ist der Wein das Zeichen von Gottes Zuwendung“ (https://www.oekumene-ack.de/themen/glaubenspraxis/oekumenischer-tag-der-schoepfung/2020/). Moment mal: Was hat der Wein mit der Schöpfung zu tun? Denn, der Alkohol, der beim Gärungsprozess entsteht, wäre dann auch ein Werk Gottes. Und wenn die Menschen davon abhängig und krank werden, wäre das auch noch in seinem Sinne? Angesichts dieses bevorstehenden Festtages kommt der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm in einem Interview ins Schwärmen: „Zumindest erlebe ich die Natur auch ganz gefühlsmäßig als Schöpfung Gottes….Und da sind mir die Schöpfungspsalmen aus der Bibel, etwa Psalm 104, in den Sinn gekommen. Die loben, wie wunderbar Gott alles gemacht hat.“ (https://www.evangelisch.de/inhalte/109345/05-09-2014/tag-der-schoepfung-wie-wunderbar-gott-alles-gemacht-hat).  Auch die Grünen in Hessen haben ein Herz für die Natur, die sie zwar nicht auf einen Akt göttlichen Tuns zurückführen, aber ihre Erklärung aus dem Jahr 2014 hat schon fast religiöse Züge: „Die Bewahrung der Schöpfung und der Schutz von Natur und Umwelt sind unsere Grundanliegen in der Verantwortung für kommende Generationen.“ (https://www.gruene-hessen.de/partei/koalitionsvertrag/umwelt-schuetzen-schoepfung-bewahren-c/). Diese quasi-religiöse Nähe resultiert vielleicht auch aus der Koalition mit der CDU: Man gleicht sich eben an.

Die Frage ist nur, ob die Auffassung, dass die Natur eine Schöpfung Gottes und damit auch „gut“ ist, einer kritischen Prüfung standhalten kann. Um es vorweg zu sagen: Ich kann diese Auffassung nicht teilen und meine, dass hier nur die halbe Wahrheit erzählt und die Natur unberechtigterweise glorifiziert wird. Sie kann bei näherer Betrachtung eigentlich nicht mehr so harmonisch eingeschätzt werden, wenn man die Augen vor folgenden Überlegungen und Tatsachen nicht verschließt: Das Überleben jeder Kreatur, sei es Pflanze oder Tier, ist daran gekoppelt, dass das zum Überleben notwendige Material zum Wachstum und zum Erhalt der eigenen Spezies der Umwelt entnommen wird. Diese „Entnahme“ geschieht aber nicht immer auf freiwilliger Basis, wie dies oft in der harmonisierenden Betrachtung der Natur angenommen wird, sondern dem geht oft das voraus, was Charles Darwin den „Überlebenskampf“ bezeichnet hat: Jeder Organismus versucht zu vermeiden, dass er selbst Opfer eines Angriffes wird (durch Tarnung, Flucht oder Kampf), welcher der Einverleibung durch andere vorausgeht, und gleichzeitig versucht er selbst dabei, die notwendigen Stoffe der Umwelt zu erobern und in seinen Körper zu implantieren, was aber das Töten des anderen voraussetzt. Heruntergekocht auf das Wesentliche bedeutet dies doch: Es geht ums Fressen oder gefressen werden. Lediglich die Pflanzen scheinen hier eine Ausnahme zu  bilden, wandeln sie dabei doch Kohlendioxid mit Hilfe von Sonnenlicht so um, dass dabei der Kohlenstoff zum eigenen Zellaufbau entnommen und der Sauerstoff für Tiere und Menschen frei gesetzt wird. Aber trotzdem geht dies nicht ohne Kampf ab. Die Würgefeige z. B., die dadurch entsteht, dass nach dem Genuss einer Feige der Same vom Tier ausgespuckt oder nach der Verdauung ausgeschieden wird und an einem Wirtsbaum hängen bleibt, um von dort aus zu wachsen, bringt den Wirtsbaum langsam um, in dem sie ihm nach und nach alle Lebenskraft entzieht, ohne selbst etwas Produktives zu leisten (https://www.guentherbirkenstock.de/neue-seite, siehe Evolution oder Schöpfung, was ist wahr?). Die fleischfressenden Pflanzen verzehren die eingefangen Insekten und Kleintiere auch mitleidlos, indem sie diese durch ihre Säfte auflösen. Auch der simple Kampf um das Sonnenlicht, bei dem die Bäume, die am höchsten wachsen, die besten Chancen haben, zeigt, dass der Daseinskampf nicht ohne Verluste bleibt, denn die niedrig wachsenden Sträucher und am Boden lebende Gräser haben geringere Chancen, das begehrte Licht einzufangen. Das Tierreich erscheint auch eher ein Schauplatz grausamer Kämpfe zu sein, den anscheinend nur ein sadistischer Gott konstruiert haben kann, als ein friedliches Paradies. Zu dieser Überlegung mag schon  Charles Darwin gekommen sein, als er die Grausamkeiten in der Natur gesehen hat und zu der Schlussfolgerung gelangte,  dass ein Gott diese grausame Welt nicht kreiert haben kann, so dass nur ein Zufallsprozess ohne Sinn und Verstand hierbei eine Rolle spielen konnte. So entstand wahrscheinlich seine Evolutionstheorie. Hier ein paar Beispiele der Grausamkeiten in der Natur: Schmeißfliegen z. B. scheuen sich nicht davor, lebende Tiere und auch Menschen anzugreifen, um auf ihrer Haut Eier abzulegen, aus denen dann die Maden schlüpfen, die sich dann subkutan in den Körper ihres jeweiligen Wirtes hineinfressen. Vor kurzem hatte ich ein schreckliches Video gefunden: Ein Hund war von den Maden der Tumbufliege befallen (https://www.youtube.com/watch?v=aiy8GJHlozA). Das ist eine besondere Art von Schmeißfliegen, die ihre Eier im Trockenen ablegen. Durch einen Hautkontakt können die ausschlüpfenden Maden in den Körper eindringen und dort subkutan ihre verheerende Wirkung auf den befallenen Wirt auslösen (https://de.wikipedia.org/wiki/Tumbufliege). Schlupfwespen bringen auf den Hinterleibern von Spinnen ein Ei an, aus dem dann eine Made schlüpft, die dann den Wirt bei lebendigem Leibe auffrisst. Die Schlange „Boa constrictor“ ist eine Würgeschlange, die ihre Opfer dadurch tötet, dass sie  durch Zusammenpressen des Körpersers bei einem ihrer Opfers einen Herz-Kreislauf-Stillstand verursacht (https://de.wikipedia.org/wiki/Abgottschlange). Das ist mit Sicherheit kein schöner Tod. Wenn Löwen ein Zebra oder einen Büffel erlegt haben, dann warten sie nicht mit dem Fressen ab, bis das erlegte Tier tot ist, sondern beginnen bereits mit ihrer Mahlzeit, wenn das Opfer noch am Leben ist, dabei beginnen sind oft mit den Innereien, da diese leichter zugänglich sind. Vieren, Bakterien und Pilze sind die wahren Meister des Tötens, denn sie kennen keine Rücksicht. Wenn sie die Chance haben, sich irgendwo zu vermehren, tun sie es. Vieren sind dabei ganz gemein, sie nisten ihre DNA in die Zelle ihres Wirtsorganismus ein und programmieren somit die eigene Erbinformation der Zelle um, so dass diese gezwungen wird, nur noch im Dienste der Vieren zu arbeiten und an deren Vermehrung mitzuwirken. Bakterien vermehren sich durch Teilung. Das ist einfach und effektiv und sichert ihr Überleben, solange genügend Nahrung vorhanden ist. Wenn wir kein funktionierendes Immunsystem hätten, in dem sich die Abwehrzellen selbst opfern, damit unser Organismus am Leben bleibt, würden wir in kürzester Zeit von diesen Mikroorganismen aufgefressen. Spätestens wenn wir sterben, ist das für diese Mikroorganismen so, als ob wir Weihnachten und Ostern auf einen Tag feiern würden: Sie können sich ungehindert vermehren und unseren Körper auffressen, bis nichts mehr vorhanden ist.

Interessant ist der Gedanke von Walter Veith, Zoologe aus Südafrika (https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Veith), der früher als Hochschullehrer in Südafrika die Evolutionslehre vertreten hat und später als Siebenten-Tags-Adventist auf die andere Seite gewechselt und Kreationist geworden ist, dass  durch den Sündenfall und dann noch einmal durch die Kopulation abgefallener Engel mit Menschenfrauen (1. Mose 6, 1-8), die die Sintflut ausgelöst hatte, (https://www.youtube.com/watch?v=D8IMeTcVBhA)  Änderungen eingetreten sind, die dazu beigetragen haben, dass aus einer Schöpfung, die einmal sehr gut war, eine Abfallwelt entstanden ist, in der die Lebewesen gelernt haben zu überleben, in dem sie sich gegenseitig umbringen. Vielleicht, so räsoniert er hierzu, war vor diesen beiden Katastrophen alles anders und besser. Als Hinweis, wie es vielleicht war und von Gott „gemeint war“, könnte das Beispiel von „Little Tyke“ dienen (http://www.vegetarismus.ch/vegepet/tyked.htm). Dieser Löwe wurde von dem Ehepaar Georges und Margaret Westbeau aufgezogen, weil er als Jungtier von seiner Mutter verstoßen wurde und unweigerlich umgekommen wäre. Er wurde zuerst mit Milch gefüttert, wie dies im Tierreich auch der Fall wäre. Als er aber größer wurde, versuchte das Ehepaar Westbeau ihm Fleisch zu geben, in dem sie zunächst einmal Blut unter die Milch mengten. Die Annahme dieses Mixgetränkes verweigerte „Little Tyke“, auch weigerte er sich später Fleisch in fester Form zu fressen. Er blieb zeitlebens „Vegetarier“ und beschützte sogar ein kleines Lamm als sein Lieblingstier. Tritt hier vielleicht die Grundidee Gottes, dass sich nämlich alle Geschöpfe ursprünglich vegetarisch ernähren sollten, zum Vorschein (1. Mose 1, 29-31)?

 

Aus alldem ziehe ich die Schlussfolgerung, dass die einstmals gute Schöpfung, in der das Töten nicht stattfand, von negativen Wesen im Jenseits (Sündenfall, Kopulation von „Göttersöhnen“ mit irdischen Frauen) verändert wurde, die dafür gesorgt haben, dass sich die Menschen, Tiere und Pflanzen negativ verändert haben.  Aber vielleicht hat diese negative Beeinflussung nicht mit diesen beiden Akten geendet, sondern setzt sich noch bis in unsere heutige Zeit fort. In dem Forschungszentrum der „Spirituell Sciene Research Foundation“ hat man festgestellt, dass Spinnen, Fliegen und andere Insekten sterben, wenn sie in das Zimmer des Dr. Athavale gelangen, dem ein hohes spirituelles Niveau zugesprochen wird (https://www.spiritualresearchfoundation.org/de/spirituelle-forschung/spirituelle-phaenomene/fliegen-insekten-sterben-im-spirituellen-forschungszentrum/). Man geht nach den Forschungen dieser Vereinigung davon aus, dass es daran liegt, dass diese Spinnen und Insekten von negativen Kräften gesteuert werden und in „heiligen“ Räumen ihre Macht verlieren, so dass dann diese Tieren sterben. Ansonsten hat man auch massiven Befall durch diese Gliederfüßler in Räumen von Menschen beobachtet, die dadurch unbewohnbar wurden. Und letztendlich ist es ja auch bezeichnend, dass sehr viele Infektionskrankheiten von Insekten, insbesondere von Fliegen, auf den Menschen übertragen werden. Nicht umsonst nennt man doch auch den Beelzebub als den „Herrn der Fliegen“. Ich kann mich auch gut an die Filmszene aus dem Film „Amityville Horror“  erinnern, in dem der Raum, der als Zentrum des Schreckens galt, voll von Fliegen war (https://www.youtube.com/watch?v=adFRKm9ezw4).  Walter Veith hatte in einem seiner Videos (https://www.youtube.com/watch?v=mBDyOAlGcNI&list=PLjfLxyxVTljFX0PxBAdaOspyxUxP6fUHu&index=1) auch ausgeführt, dass es für ihn nicht überraschend sei, dass die Tiere, die sich vegetarisch ernähren (z. B. ein Reh) von ästhetischen Standpunkt aus gesehen ansehnlicher sind als Tiere (z. B. Hyänen, Geier), die sich vorwiegend von Aas ernähren. Gemäß dem hermetischen Grundsatz der Entsprechung („wie oben so unten, wie innen so außen“) könnte sich bereits in der äußeren Form der innere Wert eines Lebewesens im spirituellen Sinne ausdrücken.

Die Natur ist also nur bedingt eine göttliche Kreation, weil sie durch negative Wesen aus dem Jenseits verfälscht und verdorben wurde und weiter verdorben wird. So könnte meine Schlussfolgerung lauten. Diese Auffassung wird auch annähernd in ähnlicher Weise von den Gnostikern vertreten, die sich außerhalb der christlichen Großkirche im römischen Kaiserreich entwickelt hatten und die Auffassung vertraten, dass unsere Welt von einem „niederen Gott“ (Demiurg) geschaffen wurde (https://de.wikipedia.org/wiki/Demiurg).

Sollten die Menschen sich also die Natur als Vorbild nehmen? Nein, denn in der Natur gilt nur das „Gesetz des Stärkeren“ und es gibt keine Gerechtigkeit. Der Löwe frisst z. B. Jungtiere, kranke und alte Tiere zuerst, weil sie eine leichtere Beute darstellen. Ist das fair? Nein, denn diese Tiere müssten doch gerade unter einem besonderen Schutz stehen, da sie doch schwächer als die anderen sind. Aber das Streben nach dem eigenen Überleben widersetzt sich jedem moralischen Anspruch, den wir hingegen als Menschen an unser Verhalten stellen. Der zivilisierte Mensch stellt Kinder, Kranke und Alte unter einen besonderen Schutz. Dieser Schutz dient nur bedingt dem eigenen Überleben, denn nur Kinder sichern die Zukunft der Gattung Mensch, nicht aber kranke und alte Menschen. Für jene zu sorgen und  sie zu pflegen, die krank, alt und schwach geworden sind,  dient nicht der Arterhaltung, sondern ist im Naturprozess eine „Energieverschwendung“, aber in moralischer Hinsicht ein Gewinn, denn der Mensch zeigt damit, dass er nicht nur ein Teil dieser Welt ist, sondern auch jener Welt, die auf ihn nach seinem Tod wartet (https://perikles.tv/index.php/leserbriefe/1283-das-materialistische-und-das-spirituelle-weltbild-und-die-folgen-fuer-die-politik). Das Motto kann also nicht lauten „ Zurück zur Natur“, wie das Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778) gefordert hatte, sondern die Natur muss überwunden werden, in dem die Menschen moralischen Gesetzen folgen, die nicht primär dem Überleben dienen, sondern der eigenen Vervollkommnung, um ein würdiger Teil des göttlichen Reiches werden zu können.

 

© Büren, 24.01.2020, Günther Birkenstock