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Schlesien und Süd-Polen im September 2019

Willkommen in Polen, sagte der Busfahrer durchs Mikrofon als wir die Grenze in der nähe der Niederschlesischen Stadt Görlitz überquerten. Die Landschaft unterscheidet sich kaum. Weite Ebene, ein paar Windräder, die schnurgerade Autobahn. Nur die Verkehrsschilder deuteten darauf hin, dass wir uns im Nachbarland befanden.

Unsere Fahrt ging zunächst nach Breslau, auf polnisch Wroclaw. Zur rechten Seite das Riesengebirge, sagenumwoben, vom Dunst verblasst. Der hohe Skytower zeigte schon am Stadtrand an; die alte Hauptstadt der schlesischen Provinz ist eine moderne Stadt geworden. Breite Straßen, schicke Kaufhäuser, aber auch kleine Familienhäuser.

Der letzte Krieg hatte auch hier seine Spuren hinterlassen, aber die polnischen Bewohner haben sich des Erbes angenommen und die alten Patrizierhäuser rund um das gut erhaltene Rathaus zu neuem Glanz erstrahlen lassen. Auch die mächtige Jahrhunderthalle hat standgehalten und ist eines der Wahrzeichen Breslaus.  Überall wird Geschichte und Gegenwart lebendig. Unsere Stadtführerin erklärte uns, dass viele Namen und Plätze nach dem Krieg einfach auf polnisch umbenannt wurden. Das Andenken an frühere Gelehrte und Künstler der Stadt solle weiterhin erhalten bleiben und das war auch unser Eindruck.

Weiter ging die Fahrt durch das Oppelner Land. Hier hat sich bis heute eine deutsche Minderheit durch alle Zeiten seine Heimat erhalten. Etwas abseits auf unserer Route nach Süden lag die Stadt Czestochowa, zu deutsch Tschenstochau. Für jeden gläubigen Christen Polens ist dieser Wallfahrtsort ein Muss. Seit Jahrhunderten bewahrt die Festungsanlage Jasna Göra, das Paulinerkoster, das Bild der Schwarzen Madonna auf. Dem Bild werden heilige Kräfte nachgesagt. Und vielleicht ist etwas daran; die Festung selbst wurde in keinem der mittelalterlichen Kriege eingenommen.

Über Gleiwitz und Kattowitz  ging es am Annaberg vorbei. Er ist ein Symbol für den vielfachen Wechseln der schlesischen Herrscher.  

Schlesien und polnisch? Für manch einen mag dieses befremdlich klingen. Tatsächlich hat das Land in den letzten 1000 Jahren mehrfach die Herrscher gewechselt. Es gehörte polnischen Herzogen und Königen. Schweden und Austria hatten ihre Hand im Spiel bevor es Mitte des 18 Jh. an Preussen ging. 

Die größte Stadt im Süd-Westen ist Krakau  (Krakow). Der riesige Marktplatz mit den großen sog. Tuchhallen und der Marienkirche laden zum Verweilen ein. Viele Künstler und Touristen aus aller Welt sitzen in den Cafés rings herum und beobachten die bunten Pferdekutschen mit denen in Tracht gehüllten Kutschern nebst jungen Mädels.

Was kaum jemand weiß: Auch Krakau, welches schon außerhalb der Schlesischen Provinz liegt, hat ein Stück deutsche Geschichte. Die Stadt war lange die Hauptstadt des Polnischen Königreiches und mußte im 13 Jh. dem Ansturm der Mongolen mit seinen Goldenen Horden standhalten. Nach deren Abzug wurde die Stadt nach Magdeburger Stadtrecht wieder aufgebaut. Bis heute ist das schachbrettartige Straßenmuster der Altstadt erhalten.

Hinter Krakau wurde die Landschaft hügeliger und es kündigten sich die Gipfel der Hohen Tatra an. Ein Nationalpark durch deren Berge die Grenze zur Slowakei verläuft.

Hier leben die ‚Goralen’. Eine Art kleines Bergvolk, welches sich durch viele Generationen und dem Wandel der Zeit seine Identität und Traditionen beibehalten hat.

Zakopane ist für viele der Tourismusort schlecht hin. Im Sommer geht der Wandersmann durch die Berge, als Wintersportzentrum ist er Anlaufpunkt für viele Skifahrer. Auf der modernen Skisprunganlage kommt einmal im Jahr die Weltelite zusammen.

Unser Resümé war ganz klar: Schlesien und Südpolen brauchen sich nicht zu verstecken. Es ist alles schön sauber und es gibt auch leckere und deftige Mahlzeiten.  

Viele fragen sich vielleicht, könnte Schlesien nicht doch wieder zu Deutschland gehören oder, hätte es bloß diesen Krieg nicht gegeben...?! Aber Städte wie eben Breslau und Krakau sind nicht (mehr) nur polnisch und unerreichbar. Krakau steht als altertümliche und auch moderne Stadt in Europa in einer Reihe mit Dresden, Wien oder Florenz.  Das Land ist, wie schon zur Zeiten des Mittelalter, mitten in Europa angekommen.

 

Blick auf Zakop und Hohe Tatra                                                                      Jahrhunderthasse

 

Kutsche Krakau                                                                                            Magdalenenkirche Breslau

 

Marienkirche Krakau                                                                                     Marktpl Breslau

 

Oberschlesisches Industriegebiet                                                                  Oppeln

 

Rathaus Breslau                                                                                          Schloss Wawel in Kraukau

 

Strassenansicht Krakau                                                                               Tuchhallen Krakau

© Bildrechte: Perikles.Tv

 

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