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Wieder einmal steht unser jährliches Hermannstreffen an - Grund genug, einmal in kurzem Gedenken an den ehrwürdigen Namensgeber innezuhalten.
 
Ohne in stumpfe, missbräuchliche Heldenverehrung oder gar Kriegsverherrlichung abzudriften, ist es gerade in einem sogenannten "postheroischen" Zeitalter zuweilen angebracht, sich einmal auf jene "Wenigen" zu besinnen, denen die "Vielen" ihre Sicherheit und ihren Frieden oftmals überhaupt erst verdanken - eben den echten Helden, die bereit sind und waren, sich selbst für ihre Lieben, Anvertrauten und Schutzbefohlenen aufzuopfern. Wobei dieses auch früher stets den jeweiligen Zeitumständen und ihren konkreten Notlagen und gegebenen Möglichkeiten unterlag und durchaus nicht immer mit gewalttätigen Mitteln geschehen musste.
Gerade jedoch, wenn dieses Gedenken vernachlässigt wird, geraten wir in Gefahr, dass sich Geschichte wiederholt und die Unfreiheit ihr Haupt erhebt... 
 
Der nur mit seinem lateinischen Namen in den römischen Quellentexten überlieferte "Arminius"  - später im Mittelalter mit dem deutschen Behelfsnamen "Hermann" benannt und unter anderem von Martin Luther gefeiert und publik gemacht - war derjenige, der es als einer von ganz wenigen antiken Freiheitskämpfern geschafft hat, dem seinerzeit gefürchteten und allmächtig erscheinenden IMPERIUM ROMANUM nicht nur zeitweise zu trotzen, sondern die angriffslustigen Legionen und unterdrückerischen Herrschaftsstrukturen dauerhaft aus dem rechtsrheinischen Raum zu vertreiben und somit den Völkern seiner Stammeskoalition die dauerhafte Freiheit von brutaler, gewalttätiger Fremdbestimmung zurück zu geben.
 
LIBERATOR HAUD DUBIE GERMANIAE - "Ohne Zweifel der Befreier Germaniens und noch heute von den Barbaren in ihren Liedern besungen" - so ehrten ihn Jahrzehnte später sogar die Nachkommen seiner römischen Gegner; hier treffend formuliert durch die Feder Tacitus´, des bekanntesten römischen Historikers der folgenden frühkaiserzeitlichen Epoche.
 
Als solcher müsste er eigentlich partei- und ideologieübergreifend - gerade auch für die Linke  - als zeitloses Vorbild für alle Arten von Freiheitskämpfern geehrt werden.
Und weder die spätere Instrumentalisierung durch neuzeitliche politische Systeme wie das Deutsche Kaiserreich und auch durch das verbrecherische NSDAP - Regime noch ebenso wenig die darauffolgende weitgehende Stigmatisierung und Ignoranz dieses Themas können den Wesenskern dieser wahren (!) Geschichte auslöschen:
Ein absolut unterschätztes, diskriminiertes, schon niedergeworfen geglaubtes und unterdrücktes Volk erhebt sich noch einmal  - mit allen Nachteilen auf seiner Seite; in Technologie, Herrschaftssystem, Militärwesen, Kampfkraft und anfänglich wohl auch massiv an Zahl den unbesiegbar erscheinenden Legionen unterlegen, setzen die freiwilligen Gefolgsleute des Arminius alles auf eine Karte - und siegen gegen alle Wahrscheinlichkeit in der sog. `Schlacht im Teutoburger Wald´.
Und nicht nur das, in den folgenden erneuten römisch-germanischen Unterwerfungskriegen schaffen sie es, allen neuen Eroberungsversuche abzuwehren und das Imperium dauerhaft aus ihren angestammten Gebieten zu verbannen. Wie genau Arminius und seine Getreuen das geschafft haben, wird wohl auf ewig ein spannender Forschungsgegenstand bleiben - und ebenso auch ein Mythos, der Menschen in unterdrückter, unterlegener Position Kraft und Hoffnung geben kann.
 
Als einen solchen mutigen, inspirierenden, für seine Ideale und seine ihm anvertrauten Menschen das letzte, größte Risiko eingehenden Menschen sollten wir Arminius weiter ehren und ebenso an seiner Seite alle großen Namen der Freiheitskämpfer aus Antike, Mittelalter und Neuzeit, hier sei nur stellvertretend eine kleine Auswahl von Menschen genannt, die bis heute von ihren Völkern aus denselben Gründen geehrt werden:
 
I. (Antike)
 
- Viriathus (Portugal) - die Lusitanier gegen Rom
 
- Mithridates von Pontus - Provinz `Asia´ gegen Rom - Gebiete der heutigen Türkei
 
- Judas Makkabäus ("der Hammer") - erkämpfte kurzzeitig die Freiheit Iudaeas gegen die Seleukiden
 
- Ambiorix (Belgien)
 
- Vercingetorix (Gallien gegen Rom /später in Frankreich ähnlich wie Arminius in D geehrt) - aus "Asterix reichlich bekannt....
 
- Simon Bar Kochba ("der Sternensohn" - Iudaea) - letzter Aufstand gegen Rom - danach Beginn der Diaspora des jüd. Volkes
 
- Boudicca - Königin der kelt. Icener /Britannien gegen die Römer)
 
- Calgacus - (Caledonia gegen die Römer)
 
- Spartacus - (Anführer des bekanntesten Sklavenaufstandes der röm. Geschichte)
 
II. (Mittelalter)
 
- Widukind - Herzog der Sachsen, widersetzte sich Jahrzehnte dem übermächtigen Frankenreich -
 
- Jeanne d´Arc - bis heute DIE französische Nationalheldin
 
- William Wallace ("Braveheart"/ Guardian of Scotland) 
 
- Robert the Bruce  - gegen die Engländer siegreicher "King of Scots"
 
- Sultan Saladin - Rückeroberer Jerusalems für die muslimische Welt - Held Syriens und des vorderarabischen Raumes gegen die Kreuzzügler des
                           mittelalterlichen Papsttums 
 
- Werner Stauffacher und die ersten Eidgenossen von Uri, Schwyz und Unterwalden
 
- Thomas Münzer und Huldrych (Ulrich) Zwyngli - Die Anführer der Bauernkriege - (bereits frühe Neuzeit)
 
- Martin Luther schließlich, der große, gewaltlose Reformator des Christentums
 
 
III. (Neuzeit)
 
- John Locke, J.J. Rosseau, Montesquieu,I. Kant, u.a. europäische Denker der Aufklärer, u.a. besonders für die Prinzipien von Volkssouveränität und
   Gewaltenteilung bekannt
 
- Graf Mirabeau - gewaltloser (!) Reformator der Französichen Revolution, auf ihn geht maßgeblich die Abschaffung der Ständeprivilegien zurück...
 
- Francisco Castanos - spanischer Freiheitskämpfer gegen Napoleon
 
- Freiherr vom Stein -  Reformator Preußens, reorganisierte den preuß. Staat, ermöglichte den Wiederaufstieg gegen und nach Napoleon
 
- Die aus dem sog. "Wilden Westen" bekannten Freiheitskämpfer der nordamerik. Indianer - Chief Joseph, Crazy Horse, Sitting Bull, Geronimo und und
   und... ihr Kampf mag vergeblich gewesen sein, aber sie geben uns bis heute Inspiration und Stoff für Mythen und Legenden, leben somit weiter...
 
- Mahatma (sanskrit. "die große Seele") Gandhi - erfolgreicher und gewaltloser Freiheitsheld Indiens, entwickelte das Prinzip des gewaltlosen Widerstands  
   zur weitgehenden Perfektion; erstritt maßgeblich für Indien die Unabhängigkeit vom British Empire
 
- Eamon de Valera und Michael Collins - Freiheitshelden Irlands, erkämpften maßgeblich die Unabhängigkeit vom Empire 
 
- Martin Luther King - Kämpfer gegen den fortdauernden diskriminierenden und gewalttätigen Rassismus in Teilen der USA in den 1960er Jahren
 
- Ahmad `Schah´ Massoud - Nationalheld Afghanistan, maßgeblicher Kämpfer und Organisator gegen die Invasion der Sowjetunion  
 
- Nguyen Giáp ("Napoleon des Ostens") und Ho Chí Minh (umstritten) - ambivalent bewertet wg. ihrer kommunistischen Ideolgie, aber unzweifelhaft die
    Befreier ihres Landes vom westlichen (franz. u US-amerik.) Kolonuialismus und Imperialismus
 
 
- ... Die Liste ließe sich beliebig verlängern - lasst uns ihnen allen bewahren ein ehrendes Gedenken, denn sie alle erhoben sich gegen echte Not und Unterdrückung, nicht aus übermütiger Streit- oder Kampfeslust.
 
Und mögen wir jetzt wachsam sein, damit es uns nicht ergehe wie ihnen und ihren Leidensgenossen, denn wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf!
 
 
© Siegfried Göbel, Studienrat
 
Als Leserbriefe gekennzeichnete Beiträge spiegeln nicht (unbedingt) die Meinung der Redaktion wider, sondern stellen die subjektive Meinung des Einsenders dar.

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