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Das Papsttum wird oft mit angeblichen Aussagen von Jesus  begründet, er habe Petrus und auch seinen Nachfolgern den entsprechenden Auftrag erteilt, eine Kirche zu errichten. Wollte Jesus überhaupt eine Kirche? Speziell der Vatikan beruft sich mit der Begründung des Papsttums auf die Stelle im Matthäus 16,18-20, wonach Petrus der Fels sei, auf den  Jesus seine Versammlung bauen wolle und er ihm die „Schlüsselgewalt“ gegeben habe, den Menschen den Einlass in den Himmel zu gewähren („Alles, was du auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein“). Hierauf beziehen sich auch diejenigen – oft auch scherzhaft formuliert -,  die immer davon sprechen, wenn sie sterben, da an der „Himmelspforte“ Petrus zu begegnen, der den Eingang bewache.

Die katholische Kirche stützt sich weiterhin auf die Behauptung, dass Petrus der „erste Papst“ gewesen sei, der damit diesen „heiligen Stuhl“ begründet habe (https://www.youtube.com/watch?v=B5nRYat9HG4). Petrus ist die latinisierte Form von πέτρος pétros (griechisch: 'Fels'), die Übersetzung des aramäischen Kephas, mit der Jesus den Petrus anspricht (https://de.wikipedia.org/wiki/Petrus_(Name)). Dieser Begriff ist aber nicht identisch mit dem Begriff des griechischen Wortes πέτρα  (petra), das die weibliche Form beinhaltet, und auf die sich Jesus bezieht: „und auf diese πέτρα  (petra) will ich meine Versammlung bauen“ (Matthäus 16, 18). Diese Petra ist also nicht mit Petros identisch. Was ist aber diese Petra? (https://www.youtube.com/watch?v=B5nRYat9HG4). Dies geht zum Beispiel aus der Schilderung von Jesus hervor, als er ausführt, dass derjenige, der seine Worte tut und hört einem Manne gleicht, der sein Haus auf einen Felsen (πέτρα=petra) gebaut hat (Matthäus 7, 24). Er bezieht sich dabei auf das, was er zuvor in seiner Bergpredigt (Matthäus 5-7), in der er die Grundzüge der von ihm verkündeten göttlichen Ordnung schildert.  ausgeführt hat. In der Textpassage, in der er von Petrus als dem Felsen spricht, bezieht er sich auf die von diesem zuvor getätigte Aussage von ihm, dass Jesus der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes sei (Matthäus 16, 16). Somit wird mit Petra als der feste Glauben an Jesus bezeichnet, weshalb Jesus ihn als Petros bezeichnet. Das griechische Wort Petros bezieht sich also nicht auf den Felsen, auf den die Kirche gebaut werden sollte, sondern darauf, dass er bekannt hat – inspiriert von Gott selbst („Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel“,  Matthäus 16,17) -  dass Jesus der Sohn des lebendigen Gottes sei. Der Behauptung der Kirche, dass Jesus Christus mit Petrus den Grundstein für ein Papsttum gelegt hat, ist somit im Kern widerlegt. Auch in der Apostelgeschichte finden sich keine Hinweise, dass Petrus eine Sonderrolle in der Weise zukommt, dass er als eine Art Oberhirte angesehen werden könnte. Jesus selbst war gegen jede Art von Hierarchie, denn er meinte, dass alle untereinander wie Brüder sein sollten und keiner das Recht habe, sich Rabbi (Lehrer) nennen zu lassen (Matthäus 23,8). Die außerbiblische Begründung, dass Petrus der erste Papst gewesen sei, kann auch nirgends gefunden werden. Somit gibt es keine Rechtfertigung für das Papsttum. Gibt es denn eine Rechtfertigung für die Priesterschaft? Folgt man dem, was Jesus selbst über die Schriftgelehrten gesagt hat – sie sind vergleichbar mit den Pfarrern und Priestern der heutigen Zeit –, dann kann man daraus schlussfolgern, dass er keine gute Meinung von ihnen hatte, denn er hielt ihnen vor, dass sie sich selbst erhöhten, in dem sie die vordersten Plätze bei jedem Festmahl einnehmen und gerne von anderen auf Straßen und Plätzen gegrüßt werden wollten (Markus 12, 37-40). Sie seien außerdem diejenigen, die anderen schwere Lasten aufbürdeten, aber selbst nicht bereit wären, diese zu tragen (Matthäus 23,4). Und schließlich waren es diese Schriftgelehrten, die wesentlich daran beteiligt waren, dass Jesus gekreuzigt wurde, denn diese ließen ihn verhaften und überantworteten ihn der römischen Gerichtsbarkeit und setzten Pilatus unter Druck, Jesus hinzurichten. Jesus Skepsis, man kann auch sagen feindliche Haltung, gegenüber dem Priestertum führte mit zu seinem Tod am Kreuz. Wie kann dann derselbe Jesus dann ein solches Priestertum gewollt haben? Aus diesem kann geschlossen werden: Das heutige Papsttum ist eine menschliche Erfindung und nicht ausreichend biblisch  begründet. Vor allem hat Jesus, dies kann man vor allem aus seiner Haltung gegenüber dem Priestertum in Palästina entnehmen, keinen vom Volk abgesonderten, privilegierten Klerus gewollt, der noch auf Kosten der Allgemeinheit lebt.

 

©Büren, 15.02.2020, Günther Birkenstock

Als Leserbriefe gekennzeichnete Beiträge spiegeln nicht (unbedingt) die Meinung der Redaktion wider, sondern stellen die subjektive Meinung des Einsenders dar.

 

 

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