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Sportwetten sind gut im Rennen. Sie verführen Menschen dazu, spielsüchtig zu werden, indem sie ihnen glauben machen, sie könnten durch Wetten „das große Geld machen“. Seit Jahren steigen die Umsätze in dieser Branche: Waren es 2012 noch 3,4 Mrd. so sind es im Jahr 2018 bereits insgesamt 8,8 Mrd., die in Deutschland verzockt wurden (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/557955/umfrage/wetteinsaetze-auf-dem-deutschen-sportwettenmarkt/). Immer dabei sind „Promis“, die sich nicht zu schade sind, ihren „guten Namen“ für dieses dubiose Geschäft herzugeben. So ritt z. B. Rudolf Podolski auf einem Elefanten (https://www.youtube.com/watch?v=qHODEwLft8Q), um für XTiP Sportwetten Reklame zu machen. Und Oliver Kahn ist auch immer dabei für Tipico-Sportwetten, der mit dem Werbeslogan wirbt: „Ihre Wette in sicheren Händen“. Er suggeriert Seriosität als Ex-Top-Torwart, so dass sich einige davon verführen lassen. Report Mainz hatte bereits 2017 diese Werbebranche kritisch unter die Lupe genommen und aufgezeigt, dass Menschen spielsüchtig werden und viel Geld verlieren können, wovor sogar Uli Borowka, ehemaliger Nationalspieler, der abhängig wurde, nicht gefeit war (https://www.youtube.com/watch?v=ZR8ht2jjjsg), der offen zugibt, süchtig geworden zu sein, aber inzwischen davon los gekommen ist und anderen spielsüchtigen Jugendlichen hilft.  Ich habe mir mal eine Video-Clip von Tipico-Sportwetten angesehen, der es in sich hat (https://www.youtube.com/watch?v=LCR4n6-bQ40): Ein Mann mit dunkler Hautfarbe starrt wie gebannt auf einen wie aus dem Nichts kommenden Bus mit Spielern des FC Bayern München, in dem man Manuel Neuer, Serge Gnabry und Jérôme Agyenim Boateng sitzen sieht, die relativ teilnahmslos auf den in den Bus wie hypnotisiert blickenden Mann sehen. Dann sieht man eine Häuserwand mit anscheinend lauter Fußballfans und einen Ausschnitt aus einer Kneipe mit ebenfalls begeisterten Gästen. Immer tippt einer auf sein Smartphone und gibt eine Wette ab - zu Gunsten von FC Bayern München. Danach sieht man noch ein paar Fußballer des FC Bayern, die durch einen sehr dunklen, unansehnlichen Tunnel laufen. Der ganze Werbespot hat auf mich einen eher abstoßenden Effekt erzielt, weil er Menschen zeigt, die sich wie in einem Trancezustand befinden und dann ihre Wetten abgeben. Die Menschen interagieren nicht miteinander und vor allem ist mir aufgefallen: es ist Nacht, deshalb dunkel und auch regnerisch, geradezu gespenstig. Vielleicht ist das symptomatisch für die ganze Branche der Sportwetten, die wohl gern im Dunkelfeld bleiben will, um ihre Geschäfte zu tätigen. Auch in den anderen Werbespots wird eine ähnliche Atmosphäre erzeugt - und oft dabei Oliver Kahn und Spieler des FC Bayern München. Ist das Zufall? Mit Sicherheit nicht! Hier fließt bestimmt viel Geld in die entsprechenden Kanäle, denn Tipico ist Sponsor des FC Bayern München, aber auch des HSV und RB Leipzig (https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/Sponsoring-Tipico-wird-Partner-der-Fussball-Bundesliga-163907). Im Jahr 2018 wurde Tipico sogar Sponsor der Deutschen Fußball-Liga und unterstützt damit die 1. und 2. Bundesliga (https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/Sponsoring-Tipico-wird-Partner-der-Fussball-Bundesliga-163907). Kann man darauf hoffen, dass irgendwann der Staat eingreifen wird? Wohl kaum, denn er verdient an der Spielsucht auch Geld. Das garantiert der „Glücksspielstaatsvertrag“. Im Jahr 2015 haben die Länder immerhin 240 Mio. aus der Sportwetten-Steuer eingenommen(https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/steuereinnahmen-wie-der-staat-an-illegalen-sportwetten-mitverdient-1.2957977). Hat derjenigen, der wettet dann wenigstens eine Gewinnchance. Vielleicht – aber der Staat gewinnt immer.  

 

© Büren, 03.11.2019, Günther Birkenstock

Als Leserbriefe gekennzeichnete Beiträge spiegeln nicht (unbedingt) die Meinung der Redaktion wider, sondern stellen die subjektive Meinung des Einsenders dar.

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