Pin It

 

Leben wir in einem Land der Heuchler? Heuchelei scheint zu einem Volkssport geworden zu sein. Dieses Jahr ist mir das besonders aufgefallen mit der ausgebrochenen Klimahysterie und dem Einsatz von Kindern und Jugendlichen für das Klima. Mit Transparenten laufen sie durch das Land und ermahnen die Erwachsenen zum Handeln. Sie fordern aber nur von den Erwachsenen eine Änderung des Verhaltens zum Klimaschutz. Aber wie sieht es mit ihrem eigenen Beitrag hierzu aus? Da kneifen sie dann plötzlich, denn sie wollen auch nicht auf die Annehmlichkeiten durch unsere Technik verzichten, lassen sich  von ihren Eltern herumkutschieren (vielleicht gerade auch zu den Demos für „Fridays-for-Future“ – welch ein Hohn!), fliegen mit ihnen in den Urlaub und verbrauchen Ressourcen, in dem sie alle mit ihren Smartphones herumspielen. Würden diese Wohlstand-Kids auch an Samstagen demonstrieren statt an Freitagen? Wohl kaum, denn dann hätten sie ja kein schulfrei. Würden sie dann in den kalten Jahreszeiten auf hohe Temperaturen in den Klassenräumen verzichten und dort – wenn auch warm angezogen – bei niedrigeren Temperaturen sitzen? Ich glaube, diese Frage kann getrost mit Nein beantwortet werden. So nebenbei bemerkt: Ich hätte höchste Achtung vor dem Schuldirektor, der es wagen würde, die Anhänger von Greta Thunberg in einem separaten Klassenraum mit niedrigeren Temperaturen unterrichten zu lassen. Dann könnten sie es ja zeigen, wie ernst es ihnen ist mit dem Klimaschutz. Es ist eben einfacher, mit Transparenten durch die Gegend zu laufen und Forderungen aufzustellen, die das Klima retten sollen, als das eigene Verhalten zu ändern. Und wie sieht es aus mit denjenigen, die sich für Flüchtlinge einsetzen? Wohnen bei diesen Menschen zu Hause lauter Menschen aus Afrika oder aus dem Nahen Osten?  Nein! Wenn es christlich motiviert wäre, Menschen aus dem Mittelmeer zu retten, dann müsste jeder, der einen Flüchtling aus dem Meer rettet und auf das europäische Festland bringt, zumindest bereit sein, alle Folgekosten zu übernehmen. In dem Gleichnis vom „barmherzigen Samariter“ rettet der Samariter den ausgeraubten Mann nicht nur, indem er ihn auf seinem Reittier mitnimmt, sondern bringt ihn in eine Herberge, für deren Kosten er selbst (!) aufkommt und auch dem Wirt zusichert, dass er ihm noch mehr geben werde, wenn er zurückkommt (Matthäus 10, 35-37). Dass die Seenotretter sich bereit erklärt hätten, alle Folgekosten ihrer Lebensrettung zu übernehmen, ist mir nicht bekannt. Man erinnere sich: Als 2015 mit der ersten Flüchtlingswelle sich Deutsche dazu bereit erklärt hatten, Bürgschaften für diejenigen Flüchtlinge vor allem aus Syrien zu übernehmen, die Angehörige nach Deutschland holen wollten, aber die Jobcenter hierfür Bürgschaftserklärungen verlangten, waren viele diese Bürgen dann überrascht, als nun diese Bürgschaften eingefordert wurden und tatsächlich die Jobcenter Forderungsbescheide zustellten. Insgesamt über 21 Mio. EUR wurden damals bundesweit von den Bürgen zurückgefordert (https://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Fluechtlingsbuergen-Staat-verlangt-21-Millionen-Euro-zurueck). Das Geschrei war dann riesengroß und „selbstverständlich“ hatten sich dann eifrige Kirchenvertreter dafür stark gemacht, eine politische Lösung zu finden, was sich dann durch eine Einigung zwischen Bund und Länder zu dieser Frage anzudeuten schien (https://www.ekd.de/evangelische-kirche-begruesst-einigung-zu-fluechtlingsbuergen-42579.htm), wobei eine Einzelfallprüfung vorbehalten wurde. Hier zeigte sich das volle Ausmaß der Heuchelei: Vordergründig gaben sich einige als eifrige Helfer aus, wollten aber letztendlich nicht ernsthaft auch die Kosten der Aufnahme von Flüchtlinge übernehmen, sondern sie der Allgemeinheit aufbürden. Das gleiche Spiel wird bei der Seenotrettung betrieben. Auch sie halte ich insofern für Heuchelei, als sie zwar vordergründig der Rettung von Menschenleben dient, aber alle Folgekosten der Allgemeinheit überlässt zu tragen. Es ist konsequentes Handeln von diesen Seenotrettern zu fordern, wenn sie glaubwürdig sein wollen. Die Menschen aus dem Mittelmeer zu retten und dann andere kollektiv moralisch unter Druck zu setzen, ist dagegen nicht konsequent zu Ende gedacht. Um bei dem Gleichnis vom „barmherzigen Samariter“ zu bleiben: Der Seenotretter verhält sich so, als ob der Samariter den überfallenen Mann zwar aus seiner misslichen Lage befreit, aber den Geretteten dann einfach bei dem Wirt abgegeben hätte mit der Bemerkung, er solle sich jetzt um die Versorgung des Geretteten kümmern. Was ist nun mit denjenigen, die es geschafft haben, nach Deutschland zu gelangen, sind diese vor allem bei denjenigen willkommen, die sich für die Einreise der Flüchtlinge nach Deutschland einsetzen? Gerade in der Mittelschicht und in der konservativen Oberschicht, aus denen oft die gutsituierten Menschen kommen, die sich für Flüchtlinge einsetzen, ist der Widerstand gegen die Einrichtung von Flüchtlingsunterkünften in ihrer Nähe am größten (https://www.zeit.de/2016/17/fluechtlingsunterkuenfte-hamburg-proteste-blankenese-oberschicht). Sie fürchten wohl einen Wertverlust ihrer Immobilien, wenn sich in der Nähe ihrer Villen dann das bunte Volk der Andersaussehenden, die sie zuvor an Bahnhöfen so willkommen hießen, niederlassen. Das ist pure Heuchelei! Und wie sieht es bei der Bundeskanzlerin aus, die ja im Jahr 2015 die Flüchtlingswelle eingeleitet hatte? Wäre sie denn bereit, Flüchtlinge bei sich aufzunehmen? Sie äußerte sich gegenüber der Bildzeitung im Oktober 2015 auf diese Frage folgendermaßen: „Auch wenn ich großen Respekt für die Menschen habe, die das tun, könnte ich mir das für mich derzeit nicht vorstellen.“ (https://www.welt.de/vermischtes/article147673892/Warum-Schweiger-keinen-Fluechtling-aufnehmen-kann.html). Die Kirchen – wie z. B. auf dem letzten evangelischen Kirchentag (https://www.deutschlandfunk.de/evangelische-kirche-zur-seenotrettung-kirchliches.886.de.html?dram:article_id=452951) formuliert  – können sich mehr als Geld und gute Worte vorstellen. Ja, dann müssten doch die Häuser oder Wohnungen der Kirchenvertreter, Pfarrer und Bischöfe mit Flüchtlingen gefüllt sein! Ist das der Fall? Auch da kann ich mal getrost behaupten: Nein. Denn wenn es anders wäre, hätten die Mainstreammedien längst schon darüber berichtet. Die Kirchenvertreter kommen mir vor wie die reinkarnierten Pharisäer und Schriftgelehrte vor ca. 2.000 Jahren, denen bereits Jesus Christus Heuchelei vorgeworfen hatte, indem er ihnen vorwarf, von anderen etwas zu verlangen, was sie selbst nicht bereit sind zu leisten (Matthäus 23,4). Man sieht: Heuchelei gab es schon immer, nur wagen es heutzutage nur wenige, so wie damals Jesus, die Heuchler zu entlarven und ihnen den Spiegel vorzuhalten. Heuchelei ist nur möglich, solange die Heuchler hierfür einen guten Nährboden finden. Und diesen finden sie leider zu genüge, denn die Heuchelei ist ein Markenzeichen der Menschen geworden, die mit ihrem „Gutmenschentum“ meinen, ihre Moralvorstellungen den anderen aufzwingen zu können. Sie beherrschen anscheinend die Szene, weil die Presse und eine Vielzahl von Politikern diese hofieren und als Helden der Neuzeit feiern. „Das so tun als ob“ ist das Hauptmerkmal der Heuchler, sie tun als ob sie fromm wären, weil sie sich gern öffentlich betend zeigen, obwohl sie insgeheim nichts davon halten, sie fordern die Rettung von Menschenleben, leisten hierfür aber selbst keinen eigenen Beitrag, sie fordern ein „buntes Deutschland“, wollen aber die Menschen, die diese Buntheit verkörpern, nicht in ihrer Nähe wohnen lassen, sie fordern eine Rettung des Weltklimas, fahren aber selbst mit dem Auto oder verreisen mit dem Flugzeug. Die Abgeordneten der Grünen etwa, die sich für die Belange des Klimaschutzes einsetzen, haben mehr Kilometer mit dem Flugzeug zurückgelegt als andere Abgeordnete (https://www.tagesspiegel.de/politik/buendnis-90-gruene-sind-spitzenflieger-abgeordnete-flogen-2018-gut-365-mal-um-die-erde/24891142.html) und konterkarieren mit diesem Verhalten ihre eigenen Forderungen. Aus Heinrich Heines Versepos „Deutschland. Ein Wintermärchen“ stammt hierzu passend der bekannte Vers: „Ich weiß, sie tranken heimlich Wein und predigten öffentlich Wasser.“ (https://de.wiktionary.org/wiki/Wasser_predigen_und_Wein_trinken))   

© Büren, 06.11.2019,    Günther Birkenstock

Als Leserbriefe gekennzeichnete Beiträge spiegeln nicht (unbedingt) die Meinung der Redaktion wider, sondern stellen die subjektive Meinung des Einsenders dar.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren