Neale Donald Walsch gilt als einer der Großen der „Neuoffenbarungen“ Gottes. Ich habe schon einiges über ihn gelesen und mir kürzlich die Trilogie „Gespräche mit Gott“ (Arkana Verlag, 2009) gekauft. Dieses Machwerk hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich: Es wird darin postuliert, dass er bei diesen Werken die Antworten auf seine Fragen höchstpersönlich von Gott diktiert bekommen hat. Aber stimmt das wirklich?

Eine der Grundüberzeugungen des christlichen Glaubens ist es, dass Jesus für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist. Ist diese Überzeugung glaubwürdig oder nur Fiktion? Für die Kirchen hängt von der Beantwortung dieser Frage viel ab, denn ihre „Daseinsberechtigung“ hängt an der positiven Beantwortung dieser Frage. Ihr Credo besteht doch darin, dass sie durch ihr Handeln in dieser Welt diese Glaubensgewissheit immer wieder vermittelt und den Gläubigen die Hoffnung gibt, dass ihr Leben im Hinblick auf ein erwartetes Jenseits abgesichert ist. Sie ist aber nicht nur der Vermittler der Hoffnung, sondern gibt auch vor, dass durch die „heiligen Sakramente“ die Teilhabe an den durch den Kreuzestod ausgelösten Heilsversprechen ermöglicht wird. Um das Ergebnis vorab zu sagen: Ich halte diesen Glauben nicht für überzeugend und damit auch die Daseinsberechtigung der Kirche für unbegründet. Gehen wir der Sache auf den Grund:

 

Von Leonard Löwe aus dem neusten Band "Gedankenspiele 15"

  1. August 2020

 

Entsprechend hat das rechts-konservative politische Lager keine eigentliche Ideologie.

Die rechts-Konservativen erkennen schlicht die Existenz und das Funktionieren des Marktes an, sehen als absolut und unverhandelbaren Grundwert die Freiheit und wollen die Fortentwicklung des Landes durch die Mitbestimmung der Bevölkerung in Form von demokratischen Wahlen. Sie existieren auf Basis des absolut unverhandelbaren Grundwerts des Menschen: Freiheit.

Die Moral ist in Verruf gekommen. Viel zu oft wurde sie missbraucht, um unliebsame Kritiker los zu werden. Die jeweils herrschenden Eliten haben sie gebraucht, um die „breite Masse“ in Schach zu halten, Angst und Schrecken wurden bemüht, um sie zu kontrollieren. Also scheinen viele zu denken: Warum brauchen wir dann noch Moral? Ist das nicht „ein alter Hut“? Moral war noch nie so wertvoll wie heute – um es im Stil eines bekannten Werbeslogans zu sagen (weiterlesen). Warum ist das so? Hier meine Antworten:  

Es wird immer wieder gesagt, wenn, wie dies jetzt bei den Corona-Demonstrationen der Fall war, Polizisten hart und ausnehmend brutal gegen die Demonstranten vorgehen, dass diese nicht anders gekonnt hätten, da ihnen das so befohlen wurde. Es wird auch behauptet, dass der Soldat, der auf den berühmten Auslöser für das Öffnen der Klappen an seinem Flugzeug drückt, um die schwere Bombenlast auf Städte und Menschen zu werfen, auch dieser nicht anders konnte, weil er nur auf Befehl gehandelt hätte. Hat der Mann, der über Hiroshima die Atombombe abgeworfen hatte, Schuld an dem Elend vieler Menschen oder war er frei von Schuld, da er nur aufgrund eines Befehls gehandelt hat? Viele neigen dazu, die Befehlsempfänger in Schutz zu nehmen und zu sagen, sie konnten nicht anders handeln, die Befehlshaber träfen die Schuld. Falsch! Diese Ausrede lasse ich nicht gelten. Hier meine Gründe:

Die gegenwärtige Corona-Krise offenbart nicht nur die Spaltung in Deutschland in Befürworter und Gegner des Regierungskurses zur Bekämpfung des Covid19-Virus, sondern auch das Problem, mit dem sich Menschen beschäftigen, wenn sie versuchen, den gegenwärtigen „Glaubenskrieg“ für sich selbst in ihre Weltsicht richtig einzuordnen: Wer hat nun recht? Wer ist im „Besitz der Wahrheit“? Es ist aber nicht das erste Mal, dass Menschen in diese tiefe Vertrauenskrise geraten und sich fragen: Wem kann man noch vertrauen?

Die Kirchen haben es verstanden, den Gläubigen zu suggerieren: Wenn ihr bei uns (zahlende) Mitglieder seid, könnt ihr euch „auf der sicheren Seite“ wähnen, wenn ihr nach dem Tod beim „jüngsten Gericht“ vor Gott stehen werdet, wir geben euch hierzu ein sicheres Geleit, in dem wir euch mit den „heiligen Sakramenten“ versehen. Davon steht aber – was unsere Staats-Kirchen nicht gerne hören wollen – nichts in den Evangelien. Sowohl z. B. im Matthäus-Evangelium (Matthäus 25, 40) als auch in Offenbarung des Johannes (Offenbarung 20, 12) geht es ausschließlich um gute Werke, um in das Himmelreich einzugehen. Und Jakobus, der Bruder von Jesus, hatte es auch klar formuliert, dass der Glaube ohne gute Werke tot ist (Jakobus 2, 16-17). Aber was sind gute Werke?

Das Mittelalter war die Hochburg des Höllenglaubens. Tausende sind am Ende ihres Lebens, auch wenn sie zeitlebens nichts mit Gott und Glauben zu tun haben wollten, noch schnell in die Arme der scheinbar rettenden Kirche mit dem Sakrament der „letzten Ölung“ geflüchtet, haben ihr Vermögen der Kirche vermacht in der Hoffnung, dass durch diesen Akt ihre Seele gerettet würde und ihnen die Hölle erspart bleibt. Ist etwas dran an der Hölle oder sind das alles nur Hirngespinste?

Die Welt, in der wir leben, scheint eher der Hölle zu ähneln als dem Paradies. In ihr herrschen diejenigen, die keine Skrupel haben, nur egoistisch ihre eigenen Ziele verfolgen und rücksichtslos ihre Bedürfnisse durchsetzen. Die Anständigen und an der Not anderer Interessierten, sich für deren Belange einsetzende Menschen scheinen oft das Nachsehen zu haben. Viele glauben, wenn sie zu Gott beten, könne er ihnen helfen, würde ihnen beistehen und sich für sie einsetzen und als „verlängerter Arm“ für sie wirken. Die Realität sieht aber nicht immer so wunschgemäß aus, viele sind enttäuscht, fühlen sich von Gott im Stich gelassen. Ist da etwas dran?

Wer hat nicht schon den Ausdruck gehört: Nach mir die Sintflut. Damit ist gemeint, dass das, was nach einem individuellen Leben kommen sollte (an Katastrophen), einen nicht mehr interessiere. Positiv könnte man auch diese Lebensweisheit formulieren: Man sollte sich auf „das Hier und Jetzt“ konzentrieren, um das zu tun, was möglich ist. Man könnte es auch negativ formulieren: Was interessiert mich, was nach mir mit dieser Welt passiert – meinetwegen kann sie ruhig untergehen. Diese „Lebensweisheit“ beruht auf einem materialistischen Weltbild, das heutzutage zu dominieren scheint (weiterlesen) und das uns zu einer Lebensweise führt, die keine Verantwortlichkeit einfordert, sondern sich auf die Verwirklichung eigener Wünsche konzentriert. Aber könnte nicht alles ganz anders sein? Könnte die Vorstellung von der Wirklichkeit, die von materialistisch denkenden Menschen getragen wird, die nur von Egoismus und Kurzsichtigkeit geprägt ist, völlig falsch sein? Ich will es vorweg sagen: Sie ist völlig falsch.

Seit 2018 besitze ich ein E-Bike, also ein Fahrrad, das beim Antritt mit einem Elektromotor unterstützt wird. Das erleichtert die beschwerlichen Anstiege an manchen Bergen, an denen ich vorher, mit meinem alten Fahrrad, kapitulieren musste und nach dem Motto „wer sein Rad liebt, der schiebt“ abgestiegen war, um dann den Berg per pedes zu überwinden. Könnte man, so denke ich bei mir, dem Fahrradfahren eine philosophische Note abgewinnen, könnte es eine nicht nur praktische Komponente, sondern darüber hinaus eine Bedeutung haben?

Das Glück ist ein flüchtiges Gut. Ich will versuchen, die besondere Art der Flüchtigkeit dessen, was viele anstreben und als Glück bezeichnen, zu charakterisieren:

Eine Koinzidenz bezeichnete C. G. Jung (Weggefährte von Sigmund Freud) das Zusammentreffen von Ereignissen, Situationen oder Begegnungen,  für deren Zustandekommen es aber keine ursächlichen Bedingungen gibt. Sie verdichten sich zu einem Gesamtbild, das sinnvoll erscheint. Von einer besonderen Art der Koinzidenzen um das Bild von Jesus soll hier berichtet werden:

Die Skepsis gegenüber der Religion ist gewachsen, vor allem gegen die institutionalisierte Religion. Dies wurde mir in der gegenwärtigen Corona-Krise sehr deutlich, als die beiden Kirchen auf der Seite des mächtigen Staates waren und ihre Gläubigen im Stich gelassen haben. Anpassung an das System, in dem und von dem diese institutionalisierte Religion lebt, ist ein Grund, die Frage zu stellen: Brauchen wir überhaupt Religion? Ich will vor allem die Gründe anführen, die gegen eine Fortsetzung dieser traditionellen Vorstellung einer von festen Glaubensdogmen, Ritualen und Machtstrukturen geprägten Religion sprechen:

In der gegenwärtigen Corona-Krise gibt es Menschen, die daran glauben, dass durch Gebete der Corona-Virus besiegt werden kann. Deshalb wurde sogar zu einem Weltgebetstag aufgerufen, bei dem alle Vertreter der verschiedensten Religionen aufgerufen wurden, dafür zu beten, dass Gott eingreift und dem Mensch im Kampf gegen den Corona-Virus hilft (weiterlesen). Ich hatte bereits an anderer Stelle herausgestellt, dass die Vorstellung, wir könnten durch Gebete Gott dazu bringen, in unser Weltgeschehen einzugreifen, auf einem zumindest aus meiner Sicht falschen Gottesbild beruht (weiterlesen).

Es herrscht nach meinem Eindruck eine Stimmung in unserem Land, die so miserabel ist, dass ich mich frage: Warum kommt es, dass anscheinend diejenigen immer siegen, die nichts Gutes im Schilde führen? Warum kommen die stets ungeschoren davon, die großen Schaden in unserer Welt anrichten, ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden? Warum gibt es die vielen Mitläufer, die sich einfach auf die Seite der Sieger schlagen, ohne nach der Qualität der Moralität der Handlungen zu fragen, denen sie hinterherlaufen? Warum obsiegt anscheinend immer das, was wir das Böse nennen? Und andererseits: Warum müssen diejenigen, die mit wohlwollender Gesinnung dem anderen Gutes tun wollen, oft unsägliches Leid ertragen?

Seit der Corona-Krise finden in den Kirchen keine Gottesdienste mehr statt. Nun wollen die Kirchen ein Konzept vorlegen, nachdem sie und andere Glaubensgemeinschaften wieder diese Gottesdienste abhalten wollen – unter strengen Auflagen des Abstandsgebotes und der Hygiene, was bedeutet, dass auch keine Gesänge mehr stattfinden können. Abgesehen von dem Bedürfnis vieler Kirchenanhänger, an gemeinsamen Gottesdiensten teilzunehmen, stellt sich für mich die Frage: Dienen Gottesdienste Gott?

Im Jahr 2020 werden die Christen in Deutschland wegen der Corona-Krise die Auferstehung von Jesus an Ostern nicht feiern können. Selbst wenn dieses Jahr die Auferstehung von Jesus Christus nicht gefeiert werden kann, bleibt immer die Frage bestehen: Ist das, was in den Evangelien berichtet wird, wahr oder nicht? Es gibt gute Gründe dafür, dass die Evangelien wahr sind. Zunächst einmal soll aber noch der Frage nachgegangen werden, ob es außerbiblische Zeugnisse von Jesus gibt. Hier ein Liste der wichtigsten Männer, also nicht-biblischer Hinweise auf das Leben und auch Sterben von Jesus:  (https://www.youtube.com/watch?v=bmikAXC-vZg) :

  • Flavius Josephus (37 – 100 n.Chr.): Er war römisch-jüdischer Geschichtsschreiber, der die zeitgenössischen Berichte und Zeugnisse seiner Zeit dokumentierte. Hier ein Text-Auszug aus den „Altertümern“ (Testimonium Flavinum), der folgende Passage enthält (http://www.k-l-j.de/flavius_josephus.htm): „Um diese Zeit (= während der Zeit des Aufstandes gegen Pilatus, der mit Hilfe der Tempelgelder eine Wasserleitung nach Jerusalem bauen lassen wollte) lebte Jesus, ein weiser Mann, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten und der Lehrer aller jener Menschen, die mit Freuden bereit sind, die Wahrheit zu empfangen. So zog er viele Juden und auch viele Griechen an sich. Er war der Messias. Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch diejenigen, die ihn von Anfang an geliebt hatten, ihm nicht untreu, wie gottgesandte Propheten dies und tausend andere wunderbare Dinge von ihm vorher verkündet hatten. Und noch bis auf den heutigen Tag besteht der Stamm der Christen, wie sie sich nach ihm nannten, fort.“
    Jüdische Altertümer, 18,63f.
  • Tacitus (58 – 120 n. Chr.): Er war römischer Historiker und Senator. Er schrieb in seinen „Annalen“ folgendes: „Um also dieses Gerücht niederzuschlagen, schob Nero die Schuld auf andere und belegte mit den ausgesuchtesten Strafen jene Menschen, die das Volk wegen ihrer Schandtaten hasste und Chrestianos nannte. Ihr Namensgeber, Christus, war unter der Regierung des Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden…“ (https://www.begruendet-glauben.org/articles/mederacke-2018-10-antike-quellen-die-jesus-ausser-christlich-belegen/).
  • Lukian von Samosata (120 – 180 n. Chr.): Er war Satiriker und Grieche und schrieb über Jesus: „Übrigens verehrten diese Leute den bekannten Magus, der in Palästina deswegen gekreuzigt wurde, weil er diese neuen Mysterien in die Welt eingeführt hatte … Denn diese armen Leute haben sich in den Kopf gesetzt, dass sie mit Leib und Seele unsterblich werden, und in alle Ewigkeit leben würden:“ (https://www.begruendet-glauben.org/articles/mederacke-2018-10-antike-quellen-die-jesus-ausser-christlich-belegen/).
  • Sextus Julius Afriacnus (170 – 240): Er berichtet über ein Werk, das von Thallus, in dem von einer Sonnenfinsternis berichtet wurde zum dem Zeitpunkt, als Jesus starb, so dass angenommen werden kann, dass er sich mit den synoptischen Evangelien, die über den Tod von Jesus berichtet haben, auseinandergesetzt hatte (https://www.begruendet-glauben.org/articles/mederacke-2018-10-antike-quellen-die-jesus-ausser-christlich-belegen/).

 

Es gibt also außerbiblische Zeugnisse, die zeigen, dass auch andere als die frühen Christen, Jesus kannten, über seine Kreuzigung und sogar seine Auferstehung berichteten.

 

Für die Auferstehung von Jesus kann man mehrere Indizien anführen, die darlegen können, dass Jesus am Kreuz gestorben und tatsächlich auferstanden ist (https://www.guentherbirkenstock.de/neue-seite, zu Download gehen: https://cdn.website-editor.net/fe35026c78fc4ba9a5a55b7f2f4caf1a/files/uploaded/Auferstehung%2520Jesus.pdf) :  

 

  • Turiner Grabtuch: Das so genannte Turiner Grabtuch ist ein aus einem Art Leinenstoff bestehendes Tuch mit den Ausmaßen von 110cm x 436 cm, das einen Mann darstellt, der durch eine Kreuzigung ums Leben gekommen war. Dieses Grabtuch wurde lange Zeit als Fälschung gehalten und die Entstehung auf die Zeit von 1260 – 1390 datiert. Allerdings hatte bei der Radiokarbonmethode (Zerfall des C14-Kohlenstoffatoms) es eine Kontamination mit einem jüngeren Stoff gegeben, die zunächst nicht aufgefallen war. Der untersuchte Stoffteil war nach einem Brand mit einem Faden neueren Datums ausgebessert worden, was zu einer falschen Datierung geführt hat. Für die Behauptung, dass das Turiner Grabtuch tatsächlich die Abbildung von Jesus sein könnte, spricht, dass eine im Jahr 692 hergestellte Münze dem Abbild des Kopfes auf dem Grabtuch sehr ähnlich ist, dass die Darstellung der Wundmale an den Händen der anzunehmenden Tatsache von einer Durchbohrung der Handwurzel und nicht der Handteller entspricht und dass Pflanzenpollen im Gewebe gefunden wurden, die es nur in Palästina gab. Weiterhin zeigen die Wundspuren auf dem Grabtuch Details der Geißelung, der Dornenkrone, der durch Schläge verursachten Schäden im Gesicht und der Durchbohrung der Seite durch den Speer eines Soldaten, wie es in den Evangelien beschrieben wurde. Andere Textilproben zeigen, dass die Fasern aus dem Nahen Osten stammten, wie sie auch zur der Zeit von Jesus verwendet wurden. Auch die Art des Gewebes (Fischgrätmuster) entspricht dem der damaligen Zeit. Es konnte auch bisher nicht erklärt werden, wie der Abdruck des gesamten Körpers entstanden sein kann (es sind eben nicht nur Blutspuren zu erkennen, sondern auch die gesamten Körperstruktur). Ein Bemalen mit Pinsel und Farbe scheidet aus, da das Bildnis hierfür keine Anhaltspunkte bietet. Es scheint eine Art Strahlung stattgefunden zu haben, die zu dem Abbild geführt hat. Zu dieser Schlussfolgerung kam der Diplomingenieur Joachim Andrew Sacco aus Beverly Hills in einem Gespräch mit Christoph Caspari: „Es haben sich nur die Vorder- und die Rückseite des Körpers abgebildet. Die Seitenansicht fehlt. Sollte aber eine Kraft vom Körper ausgegangen sein, müßte sie überhallhin strahlen. So war klar: Die Schwerkraft mußte eine Rolle gespielt haben. Ein anderer Schlüssel war die Lage der Blutspuren im Vergleich zu den Wunden auf dem Bild. Je näher sie zum Zentrum des Bildes sind, umso näher sind sie auch zu den Wunden, und umgekehrt. Und noch etwas: Das Bild ist nur ganz schwach eingeprägt, nur auf den ganz obersten Fasern gibt es Veränderungen. Sie reichen nie tiefer als einige Mikron. Dank neuester Einsichten der Quantenmechanik konnte man eine Modellvorstellung über das Geschehen entwickeln, die mit allen erwähnten Beobachtungen in Einklang gebracht werden kann….Gemäß dieser Theorie hätte sich im Körper eine extrem unwahrscheinliche, aber aufgrund der physikalischen Gesetze denkbare Konfiguration der subatomaren Teilchen vollzogen, wodurch sich all diese Beobachtungen erklären lassen“ (https://armin-risi.ch/Artikel/Theologie/Ging-Jesus-nach-Indien.php).

 

  • Glaubwürdigkeit des Neuen Testaments: Die Evangelien sind keine mythischen Erzählungen, sondern dem Charakter nach eher mit Tatsachenberichten zu vergleichen, was sich aus dem Detailreichtum, der Benennung von konkreten Orten des Geschehens und der agierenden Personen ergibt. Den Urchristen waren die Autoren der Evangelien durchaus bekannt: Lukas war Arzt und Weggefährte von Paulus und benutzte die Aussagen von Augenzeugen (Lk. 1, 2). Johannes war selbst Jünger von Jesus, er war Augenzeuge der Kreuzigung von Jesus (Joh. 19, 35. Markus war ein Schüler (Zuhörer) von dem Jünger Petrus, der in Rom das Evangelium gepredigt hatte und der gebeten wurde, alles aufzuschreiben, was Petrus berichtet hatte. Matthäus war selbst Jünger von Jesus und als der Steuereintreiber Levi bekannt (Mk. 2,14, Mat. 9,9). Die Evangelien wurden relativ zeitnah zum Zeitpunkt der Kreuzigung und Auferstehung verfasst (40 – 90 n. Chr.) und es gibt zahlreiche Handschriften und Handschriftenteile der Evangelien, die alle mit dem heutigen Texten weitgehend übereinstimmen.
  • Tatsächlicher Tod und leeres Grab: Gelegentlich wird die These vertreten, Jesus sei gar nicht am Kreuz gestorben, sondern nur scheintot gewesen, habe sich dann im Grab erholt und wäre danach aus dem Grab geflüchtet. Populärster Vertreter dieser Theorie ist Elmar Gruber mit seinem Buch „Jesus lebte in Indien“ (https://www.amazon.de/Jesus-lebte-Indien-geheimes-Kreuzigung/dp/3548354904). Danach seien die Verletzungen, die er erlitten hat, nicht lebensbedrohlich gewesen, er habe in einem komatösen Zustand die Kreuzigung überlebt und wäre dann nach Indien geflüchtet, wo er in Kaschmir gestorben sei, dort (in Srinagar) befände sich auch sein Grab. Dagegen spricht, dass es zur damaligen Zeit keine Zweifel gab, dass Jesus tatsächlich gestorben war. Außerdem wäre es rätselhaft, wie ein so geschwächter Mann ohne Nahrung bis zum Ostersonntag überleben und den schweren Rollstein, der den Eingang der Grabeshöhle verlegte, aus eigener Kraft hätte beseitigen können. Matthäus berichtet, dass das Grab auf Drängen der Priester und Pharisäer auf Anordnung von Pilatus von römischen Soldaten bewacht wurde wegen der eigenen Prophezeiung von Jesus, er würde nach 3 Tagen auferstehen (Mt. 27,62-64). Das Grab wurde nicht nur von Soldaten überwacht, sondern zusätzlich versiegelt (Mt. 27,66). Der Siegelbruch wurde von Römern mit dem Kreuzestod bestraft. Ebenso wurde mit dem Tod die Flucht oder das Einschlafen bestraft. Es wurde nie bestritten, dass das Grab leer war. Die Soldaten berichteten den führenden Priestern die Vorkommnisse; sie wurden bestochen („sie gaben den Soldaten eine ansehnliche Summe Geld“) und sollten erzählen, „seine Jünger seien in der Nacht gekommen, während ihr schlieft und hätten den Leichnam gestohlen“(Mt. 28,11-12). Auch die Gegner von Jesus waren also überzeugt davon, dass das Grab leer war.
  • Erste Zeugen waren Frauen: Das Zeugnis von Frauen war in der antiken Welt nichts wert. Hätten also Geschichtsfälscher gewollt, dass die Auferstehung von glaubwürdigen Zeugen bekundet wurde, hätte man Männer das leere Grab entdecken lassen.
  • Jesus erschien den Jüngern: Es gibt zahlreiche Berichte von dem Erscheinen Jesus gegenüber den Jüngern. Die Berichte sind glaubwürdig, weil sie sehr viele Details enthalten. Sie vermitteln auch den Eindruck, dass der Leib von Jesus ein anderer war, als der, den er vor der Kreuzigung hatte, denn er konnte vor den Jüngern erscheinen und wieder verschwinden, ohne dass Jesus hierbei sichtbar durch eine Tür geschritten war. Dieser Körper musste also die Fähigkeit der De- und Rematerialisierung gehabt haben. Paulus bezeugt in 1. Brief an die Korinther, dass Jesus, nachdem ihn am 3. Tag „Gott von den Toten auferweckt“ hat, sich Petrus gezeigt hat und dann „dem ganzen Kreis der Zwölf. Später zeigte er sich mehr als 500 und seinen Nachfolgern auf einmal. Einige sind inzwischen gestorben, aber die meisten leben noch.“(1. Kor. 15,3-6). Der Brief wurde sehr früh geschrieben (ca. 55 nach Chr., d.h. 25 Jahre nach Tod von Jesus; die anderen Evangelien frühestens 70 Jahre nach Christus verfasst) und stellt somit ältestes „Glaubensbekenntnis“ dar.
  • Veränderung der Jüngerschaft. Alle Apostel waren zeitlebens bei der Version geblieben, dass Jesus tatsächlich auferstanden war und widerriefen diese Version auch angesichts des bevorstehenden qualvollen Todes nicht. Bis auf Johannes sind sie alle eines gewaltsamen Todes gestorben. Die Aussage von Pinchas Lapide (jüdischer Neutestamentler), entnommen Vortrag von Dr. Jürgen Spieß (https://www.youtube.com/watch?v=W8-Wy3e2iNM) beschreibt passend hierzu die Situation und das Verhalten der Jünger: „Wenn diese aufgescheuchte, verängstigte Apostelschar, die eben dabei war, alles wegzuwerfen, um in heller Verzweiflung nach Galiläa zu flüchten, wenn diese Bauern, Hirten und Fischer, die ihren Meister verrieten, verleugneten und dann kläglich versagten, plötzlich über Nacht sich in eine selbstsichere und heilsbewusste, überzeugte Missionsgemeinschaft verwandeln konnte, die viel erfolgreicher nach Ostern als vor Ostern wirkte, so genügt keine Vision oder Halluzination, um solch einen revolutionären Umschlag zu erklären. Eine solche Glaubensbewegung nur durch Autosuggestion oder Selbstbetrug in Gang zu setzen wäre ein weitaus größeres Wunder als die Auferstehung selbst. Rein logisch analysiert ist also die Auferstehung das kleinere Übel als diejenigen, die eine rationale Erklärung für die weltweiten Konsequenzen jenes Osterglaubens zu suchen. Das eigentliche Wunder ist das zum Glauben kommen jener Jesuanischer Glaubensschar, das sich – wie alle Wunder – aller exakten Beschreibungen oder mathematischen Beweisführungen entzieht. Die nachösterliche Verwandlung der Jünger schließt ebenfalls die Möglichkeit einer leiblichen Auferstehung keineswegs aus.“

 

Es gibt also sehr viele gute Gründe, den Evangelien zu vertrauen und anzunehmen, dass Jesus, wie es im Neuen Testament steht, tatsächlich am Ostersonntag auferstanden ist.

©Büren, 13.04.2020, Günther Birkenstock

 

Angesichts der gegenwärtigen Corona-Krise werden auch wieder Stimmen laut, die zum Beten auffordern (https://www.kirche-und-leben.de/artikel/corona-christen-weltweit-beten-vaterunser-mit-dem-papst/). Vor allem das gemeinsame Gebet soll Gott auffordern, den Menschen in dieser Krise zu helfen. Aber ist das sinnvoll? In allen Religionen gibt es die Empfehlung, durch Gebet mit Gott in Kontakt zu treten. Das Gebet soll ein „Eingangstor“ zur Kontaktaufnahme mit Gott öffnen. Die Frage ist doch: Wie kann tatsächlich ein Gott dieses Gebet hören und beantworten? Viele werden sofort sagen, dass dies ein Geheimnis Gottes wäre, wie er dies tut. Aber diese Antwort ist nicht befriedigend. In Diskussionen mit Gläubigen trifft man immer auf eine Mauer, wenn man mit rationalen Argumenten kommt und dann wird oft entgegnet, dass man mit vernünftigen Gedanken allein dem Geheimnis des Gebetes nicht auf die Schliche kommen könne.  Hier nun die rationalen Argumente, die ein Gebet für unglaubwürdig erscheinen lassen:

  • Gebete sind einseitig: Gläubige behaupten immer, dass Gebete erhört würden, dass man mit Hilfe des Gebetes diesen Kontakt mit Gott herstellen könne und auch dann eine Antwort bekomme – allerdings nicht so, wie bei einem normalen Gespräch mit einem Menschen, sondern durch Hinweise, die man später erfährt, durch eigenartige Zufälle, menschliche Begegnungen oder schicksalhafte Fügungen. Die Wahrheit ist aber doch eher: Wer ein Gebet zu Gott richtet, erhält keine direkte Antwort. Das Gebet ist immer einseitig, denn es redet – entweder nur in Gedanken oder verbal – immer nur einer: das ist der Mensch. Er meint, dass er erhört würde, dass nur die Antworten oft erst später erfolgten, so, als ob Gott eine gewisse Zeit brauche, um sich über das Gedanken zu machen, was der Mensch gesagt hatte.
  • Gebete sind egozentrisch: Die meisten, die zu Gott beten, haben die Absicht, Gott um die Erfüllung eigener Wünsche zu bitten, also etwas so zu fügen, dass das, was jemand selbst nicht schafft, durch Gott geschehen solle. Gott soll also der „Erfüllungsgehilfe“ sein für die eigenen Wünsche. Sicher gibt es auch verständliche Gründe, etwa der Wunsch wieder gesund zu werden, wenn man krank ist, aber es sind auch oft „oberflächliche“ Bedürfnisse die in einem Wunsch formuliert werden. Aber warum sollte dann ein allmächtiger Gott, diese Wünsche erfüllen?
  • Gebete brächten Gott in ein Dilemma. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Gott auf einen in einem Gebet geäußerten Wunsch reagieren könnte: Er erfüllt die Wünsche und befriedigt damit die in dem Wunsch geäußerte Bitte oder er lehnt den Wunsch ab. Im ersten Fall, wenn z. B. tatsächlich eine Genesung eintreten würde nach einem geäußerten Wunsch nach Wiederherstellung der Gesundheit, dann wäre der Betende Gott dankbar; geschieht nichts, dann wird der Mensch auf Gott wütend sein. Die Frage ist doch, warum sollte Gott in dem einen Fall die Wünsche erfüllen und in dem anderen die Erfüllung verweigern? Wäre da nicht Willkür Tür und Tor geöffnet? Gott würde in die Rolle eines Herrschers gedrängt, dem man ständig in eine Dilemma-Situation bringen würde: Denn wie er auch entscheidet, er brächte sich in die Situation eines Herrschers, von dem das Schicksal von Menschen abhängig gemacht würde, so dass die einen ihm wegen der Erfüllung der Bitten huldigen, die anderen aus Wut verfluchen würden.
  • Gebete fördern magisches Denken: Wenn dann diese eigenartigen Zufälle eintreten, dass später scheinbar die geäußerten Wünsche in Erfüllung gehen, dann glauben viele, dass dies auf die Gebete zurückgeführt werden könne. Es wird dann eine gedankliche Verbindung hergestellt zwischen dem Gebet und den später erfolgten Ereignissen und eine zauberhafte Wirkung vermutet. Das ist magisches Denken. Magisches Denken hat insofern etwas mit Macht zu tun, als wir durch Ausübung magischer Rituale und auch Gebete versuchen, die Wirklichkeit in unserem Sinne zu manipulieren. Wir stellen dabei gedanklich eine Verbindung her zwischen Aktion (Beten) und beobachteter Reaktion (Eintritt des Erfolges), die aber in Wirklichkeit gar nicht existiert. Wir können leider nicht die Zeit zurückdrehen und ausprobieren, ob tatsächlich auch ohne das Beten dieselben Ereignisse eingetreten wären. Zumindest kann man aber keine direkte Ursache-Wirkungskette herstellen, so wie z. B. beim Werfen eines Pfeiles auf eine Zielscheibe: Hier ist klar, dass ich umso besser ins Ziel treffe, je genauer ich das Ziel anvisiere und je besser ich meine Bewegungen entsprechend koordiniere. Es ist klar, dass die Wirkung (Treffen) auf die vorausgegangene Handlung zurückgeführt werden kann. Bei der Herstellung der Verbindung zwischen Gebet und einer beobachteten Heilung besteht diese Beziehung nur gedanklich bzw. in unserer Vorstellungswelt, nicht aber in der Realität. Selbst wenn eine Verbesserung der Gesundheit eintritt, muss dies nicht auf eine übernatürliche Kraft eines allmächtigen Gottes zurückgeführt werden. Aus der psychosomatischen Medizin ist der Zusammenhang zwischen dem festen Glauben an die eigene Heilung und dem Erfolg von medizinischen Maßnahmen durchaus bekannt, was meistens als Placebo-Effekt bezeichnet wird. Auch ist bekannt, dass die umgekehrte Wirkung ebenfalls funktioniert: Schon die Diagnose „Krebs“ kann einen solch negativen Effekte auf die Psyche haben, dass die Widerstandskraft rapide sinkt und eine Heilung erschwert wird, was i.d.R. als Nocebo-Effekt (https://de.wikipedia.org/wiki/Nocebo-Effekt) genannt wird.
  • Gebete erzeugen Ungerechtigkeit: Nehmen wir an, jemand bittet inständig um die Gesundheit für sich oder auch für Angehörige. Diese Wünsche werden erfüllt und tatsächlich kann eine Krankheit besiegt werden. Ein anderer richtet genauso sein Gebet an Gott mit der Bitte um Gesundheit – aber der Wunsch wird nicht erfüllt. Wie würden wir dann über Gott denken? Er ist ein ungerechter Gott, denn wie kann er den einen Menschen zur Gesundheit verhelfen und dem anderen nicht, obwohl beide doch in gleicher Weise gebetet haben? Wäre dies dann nicht ein ungerechter Gott? Hier manövrieren wir Gott in die Rolle einer Mutter oder eines Vater, die von Kindern solange mit quengelnden Bitten traktiert werden, bis diese entnervt aufgeben, und um Ruhe zu haben den Bitten nachgeben.
  • Gebete als Unterwerfungsgeste: Im von Jesus übermittelten Gebet („Vaterunser“) heißt es, dass Gottes Wille geschehe und nicht der eigene (Matthäus 6, 10). Der Mensch soll also seinen eigenen Willen dem von Gott unterordnen. Jesus selbst hatte dies ja auch kurz vor seinem Tod so formuliert, indem er seinen Vater gebeten hatte, dass ihm der bevorstehende Tod und die damit verbundenen Qualen erspart bleiben sollten. Aber er beendete sein Gebet, in dem er seinen Wunsch dem Willen seines Vaters unterordnete (Matthäus 26, 39). Diese Unterwerfungsaufforderung rührt von der Idee her: Gott weiß besser Bescheid, was für den Menschen gut ist und was nicht. Dieses „Vater-Kind-Verhältnis“ ist der Grundgedanke, der sich durch das gesamte Evangelium zieht, denn Jesus spricht oft von dem „Vater“ aramäisch: Abba), den er selbst oft anrief und der angerufen werden solle. Dieses „patriarchale Gottesbild“ ist typisch für monotheistischen Religionen, die durch eine mächtige „Vaterfigur“ geprägt ist: Dieser mächtige Vater erfüllt Wünsche, wenn man ihm im Gebet darum bittet – oder auch nicht. Und die Menschen sind von ihm und seinem Willen abhängig. Jesus hat damals in dieser patriarchalischen Welt gelebt und musste – das ist meine Hypothese – die in dieser Gesellschaft bekannten Bilder vom Vater und seine Beziehung zu ihm verwenden, um verstanden zu werden. Er hat also mit Sicherheit mehr gewusst, als er den Menschen vermitteln konnte (Johannes 16,12) und war genötigt, dieses Wissen auf das Niveau der damals lebenden Menschen „heruntertransformieren“.
  • Gebete spiegeln ein autoritäres Gottesbild wider: Aus dem Unterwerfungsgedanken, der sich nicht nur in Worten ausdrückt („nicht mein Wille geschehe, sondern der deine“), sondern auch in der Körperhaltung und Gestik (beugen, knien, von unten nach oben schauend) lässt erkennen, dass Gott als unumstößlicher Herrscher („über Himmel und Erde“) angesehen wird. Auf ihn werden alle Allmachtphantasien projiziert, der aus einem Abhängigkeitsverhältnis resultiert und in dem der Mensch den vermeintlich angenommenen Willen Gottes versucht zu erfüllen, um nicht den Zorn Gotte auf sich zu ziehen. Gerade im Alten Testament wird dieser Gott als zürnender und rächender Gott dargestellt, der sogar die ganze Menschheit durch die Sintflut ausgerottet haben soll.

Am Schluss noch etwas Tröstliches: Selbst wenn Gebete als irrational angesehen werden können, bleibt noch die Frage, was sollten wir stattdessen tun? Wenn der monotheistische Gott als eine menschliche Projektion angenommen werden kann, bedeutet dies nicht, dass es ihn nicht gibt – nur nicht so, wie wir uns dies vorstellen! Gott in dieser monotheistischen Projektion bleibt immer ein unvollkommener und damit auch falsch verstandener Gott, weil ihm dann auch all die menschlichen „Unarten“ angehängt werden, die den Menschen nun mal eigen sind: Eifersucht (weil wir ihn nicht als das Wichtigste in unserem Leben ansehen, ist er sauer – 2. Mose 20,5) oder Zorn (weil wir seine Gebote übertreten haben, werden wir bestraft). Deshalb stellt der Monotheismus eine Sackgasse dar (https://www.guentherbirkenstock.de/monotheismus-gefaellig-nein-danke). Dieser „kleinkarierte“ Gott soll nach menschlicher Vorstellung auch gefälligst, wenn wir alles tun, was er will, dann wenigstens unsere Wünsche erfüllen! Wenn wir dieses Gottesbild über Bord werfen, wird damit aber Gott nicht obsolet, er kann aber dann nicht mehr durch Gebete in eine Dilemma-Situation gebracht werden oder ungerecht, weil er einigen hilft und anderen nicht. Dieses Gottesbild entstammt eben einer patriarchalen Gesellschaft, die für unsere abendländische Kultur typisch ist. Auch dann, wenn Gott als „Mutter“ verehrt würde, wie dies in matriarchalischen Kulturen typisch ist, änderte sich nichts prinzipiell, weil dies nur zu anderen, auch wieder menschlichen Projektionen führte, die wir mit einer treu sorgenden Mutter verbinden. Die Ablehnung eines dieser Gottesbilder führt aber nicht zwangsläufig zu einem Atheismus, sondern zu einer vielleicht reiferen Art der Gottessicht, die unserem fortschreitenden Bewusstsein entspricht.

Ich jedenfalls lasse mich auf das Abenteuer ein, mich nicht auf festgefahrene Gottesbilder zu verlassen, sondern habe Mut, den mühsamen Weg ins Ungewisse zu gehen, auch notfalls ohne Gebete auf den Lippen. Leider ist dieser Weg nicht angstfrei zu gehen und das Pfeifen (Beten) im Wald nicht unbedingt hilfreich. Was hilft aber dann?

  • Verstand: Wir können uns auf unseren Verstand verlassen. Nehmen wir tatsächlich an, Gott hat den Menschen erschaffen, warum sollte er ihn als ein einfältiges Wesen kreiert haben, das ständig ihn um seinen Rat (in Form eines Gebete) fragt? Bei dem Gebrauch des Verstandes habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Denken nicht immer nur bewusst, sondern auch unbewusst erfolgt. Wenn ich mit einem Problem einschlafe, ist es manchmal auch so, dass ich am nächsten Tag die Lösung weiß – also hat mein Verstand nachts unbewusst das Problem gelöst. Dieser Verstand ist also nicht nur das „krampfhafte“ Nachdenken, sondern besteht auch im dem Zulassen des intuitiven Denkens.
  • Gottvertrauen: Das mag jetzt komisch klingen, denn warum sollte man auf Gott vertrauen, auch wenn das direkte Beten als sinnlos eingestuft wird? Jesus hat es selbst so formuliert, in dem er es als überflüssig erklärte, viele Worte zu machen, denn Gott wisse schon vorher, was für uns gut ist (Matthäus 6,8). Ist also doch Gott irgendwie immer im Spiel? Hier könnte ein Analogie helfen: Jede Körperzelle hat eine eigene Intelligenz, kann also selbst Entscheidungen treffen und ist nicht ein blinder Erfüllungsgehilfe eines genetischen Programms. Hierauf hat insbesondere der Zellbiologe Bruce Lipton hingewiesen, etwa in seinem Buch „Intelligente Zellen“ (https://www.amazon.de/gp/product/3867283079/ref=dbs_a_def_rwt_bibl_vppi_i0). Aber die Zellen sind nicht völlig unabhängig voneinander, sondern gehorchen einem „Oberboss“, und dieser ist unsere eigene Persönlichkeit, d. h. wir steuern meistens unbewusst, manchmal aber auch bewusst (ein Yogi kann z. B. die Körpertemperatur bewusst regeln, seine Atmung oder auch den Herzschlag verlangsamen usw.) die Funktionen unseres Körpers. Ähnlich stelle ich es mir vor, wenn es Gott gibt: Er steuert unser Leben so, dass alle Wesen in seiner Welt so leben, dass sie in einem gemeinsamen Miteinander gut funktionieren. Deshalb können wir uns auf uns selbst verlassen und auch auf den Chef, der alles im Griff hat – das wäre zumindest meine logische Annahme, wenn die Hypothese stimmt, dass es Gott gibt. Denn warum sollte er wollen, dass es uns schlecht geht, weil ja dann das gesamte System zusammenbrechen würde. Dieser „Systemzusammenbruch“ geschieht nämlich dann, wenn einzelne Zellen versuchen, aus der gedachten Ordnung auszubrechen. Es wäre verständlich, wenn eine Nierenzelle darum bäte (vergleichbar mit unserem Beten), dass sie von der grässlichen Aufgabe entbunden würde, ständig Giftstoffe aus unserem Körper herauszufiltern. Wenn sie es dann ohne Genehmigung nicht mehr tut, dann entsteht eine Krebszelle, die nur noch ein Programm kennt: sich selbst zu reproduzieren. Nur durch die Einordnung in die für jede Körperzelle spezifisch vorgesehene Aufgabe, ermöglicht ein störungsfreies Funktionieren. Diese Analogie kann helfen zu verstehen, woher die uns oft schicksalhaft empfundene Zuweisung von spezifischen Rollen – ähnlich wie in einem Theaterstück – und schicksalhaft anmutende Fügungen kommen kann, die manchmal nicht akzeptabel erscheinen. Sie stellen im Gesamtplan Gottes eine Notwendigkeit dar und die Akzeptanz der uns zugedachten Rolle ermöglicht dann erst die Erfüllung dieses Planes. So gesehen könnte auch der Kreuzestod von Jesus verstanden werden, der für ihn unangenehm war zu akzeptieren, der aber notwendig war, um den Heilsplan Gottes voranzutreiben.   
  • Leben ist kein singuläres Ereignis: Nahtoderfahrungen und Berichte von Medien vermitteln das Bewusstsein, dass wir nicht Einzelwesen sind, die in einem sinnlosen Universum nur eine singuläre Erscheinung darstellen (https://cdn.website-editor.net/fe35026c78fc4ba9a5a55b7f2f4caf1a/files/uploaded/Nahtoderfahrung%2520-%2520Indiz%2520f%25C3%25BCr%2520ein%2520Leben%2520nach%2520dem%2520Tod.pdf . Wir leben zwar z. Z. auf der Erde, aber unsere eigentliche Heimat scheint ganz woanders zu sein: Dort, wohin wir gehen, wenn der biologische Tod eintritt, ist unser eigentliches Zuhause. Das Leben wäre dann also mehr als nur die physische Existenz, sondern ein fortlaufender Prozess hin zu einer Vollkommenheit, die wir noch nicht erreicht haben, die aber notwendig ist, um in einer auf Vollkommenheit angelegten (jenseitigen) Welt leben zu können. Unsere physische Welt erscheint mir für dieses Vorhaben völlig ungeeignet zu sein, denn die Unlösbarkeit der Hauptprobleme (Sterblichkeit, Kampf ums Überleben und das damit verbundene Muss zum Töten anderer Lebewesen, Krankheiten) stehen diesem im Wege. Deshalb kann diese ewige Heimat nur im Jenseits liegen. Diese Zuversicht macht das Leben erträglicher und auch sinnvoller – ohne sie wäre das Leben sinnlos, weil es kein absolutes Sein im überirdischen Sinne gäbe.
  • Wir leben in geistiger Gemeinschaft mit überirdischen Wesen: Selbst Atheisten haben in Nahtoderfahrungen Erlebnisse, die darauf hindeuten, dass wir im Jenseits „Seelengeschwister“ haben, die uns nahe sind – im irdischen Leben und im Tod. Wir treffen diese dann spätestens wieder, wenn wir sterben und sind dann mit diesen vereint. Diese sind uns nahe, wenn wir in unserem Leben in schwierigen Lebenssituationen sind, wirken auf uns „inspirierend“ und helfen uns beim Übergang in die jenseitige Welt. In diesem Zusammenhang kann man auch von „Seelenfamilien“ (Varda Hasselmann) sprechen (https://www.amazon.de/Die-Seelenfamilie-Struktur-seelischer-Beziehungen/dp/3442215293). Wenn es Gott gibt, dann wäre es absurd anzunehmen, er müsse alles allein regeln. Wäre es nicht sinnvoller anzunehmen, dass er „sein Personal“ hat, das für das gute Funktionieren sorgt? Dieses Personal könnte aus nie inkarnierten Wesen bestehen (Engel) oder aus sich immer wieder im materiellen Kosmos inkarnierenden Wesen, die im ständigen Wechsel zwischen Jenseits und Diesseits einen Reifeprozess durchlaufen, der gelingen kann oder auch nicht. Gelingt dieser nicht, dann kann man „Fallwesen“ sprechen, die aus dieser göttlichen Ordnung herausgefallen sind und sich gegen das spirituelle Licht stemmen, das dann aufgrund dieses Widerstandes „Schatten wirft“, d. h. zu Zerwürfnissen und Spaltungen führt, worauf insbesondere Armin Risi hingewiesen hat (https://armin-risi.ch/Buecher/Licht-wirft-keinen-Schatten.php).  

Also: Wer beten möchte, soll es auch weiter tun. Diese Freiheit sei jedem zugestanden, aber nach meinen Überlegungen scheint es eher sinnvoll zu sein, ein ständiges „Eingebettetsein“ in eine sinnvolle Welt anzunehmen, die ein Beten, magische Rituale u. ä. mehr überflüssig erscheinen lassen. Wir können uns darauf verlassen, dass alles gut funktioniert, weil entweder alles von Anfang gut gedacht und geplant war oder müssen im Gegenteil davon ausgehen, dass alles nur dem Chaos und der Sinnlosigkeit unterworfen ist. Ich halte die erste Variante für wahrscheinlicher.

©Büren, 28.03.2020, Günther Birkenstock