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Ich spiele mittlerweile, wenn ich nicht mit realen Menschen Skat spielen kann, online Skat (anschauen). Hier habe ich mich lange Zeit immer geärgert, wenn ich mal wieder (ungerecht) verloren hatte. Die Folge war, dass ich mit dem Reizen vorsichtiger wurde, weil ich dachte, ich könnte wieder verlieren. Das ging solange, bis ich mein Ziel geändert hatte: ich will einfach nur interessante Spiele haben – und ob ich verliere ist doch eigentlich doch völlig unwichtig, denn es ist doch sowieso nur ein Spiel (weiterlesen). Es kommt also darauf an, wie man sein Ziel definiert und dadurch relativiert sich vieles. Kommt es also auf die Relation an?

  • Was ist wichtig? Wenn man etwas in Relation setzt, dann bewertet man es doch als wichtig oder nicht wichtig. Um bei Skatspielen zu bleiben: Wenn ich mit anderen zusammen Skat spiele, ist es mir dann wichtig zu gewinnen? Oder ist es vielleicht viel wichtiger, mit anderen zusammen zu sein, über das eine oder andere zu reden, sich über aktuelle Themen auszutauschen oder vielleicht – fast beiläufig – Probleme zu lösen? Ich hatte früher einmal versucht, mit „richtigen Skatkloppern“ zu spielen. Nach jeder Runde musste ich mir anhören, welche Karten ich hätte spielen müssen und welche nicht und dass ich doch hätte wissen müssen, dass die „Hinterhand“ noch diesen oder jenen Trumpf gehabt hätte. Die Folge war: Ich bin nur einmal da gewesen. Die Mitspieler nahmen das Spiel „bierernst“ und waren zu keinen sonstigen Gesprächen bereit und konzentrierten sich nur auf das Spiel. Ihnen war es also wichtig, „richtig“ zu spielen. Mir hätte es Spaß gemacht, so nebenbei auch ein bisschen zu plaudern und die anderen kennen zu lernen. Mit dem was wir als wichtig definieren, bestimmen wir unsere Ziele, bringen wir unser Handeln in Relation zu dem, was wir damit erreichen wollen. Aber: Was ist uns wichtig?
  • Bedürfnisorientierung: Viele Menschen halten das für sie am wichtigsten, was ihre Bedürfnisse befriedigt. Mir ist noch gut ein Sketch des Ruhrpott-Komikers Jürgen von Manger in Erinnerung, in dem er lang und breite erzählte, dass es Leute gäbe, die mehrere Kilometer fahren, nur um zu einem bestimmten Lokal zu kommen, weil man nur dort ein bestimmtes Essen bekommen kann, das dem eigenen Geschmack entspricht; und das eben nur wegen des kleinen Teil des Rachenraumes, wo sich unsere Geschmacksorgane befinden. Andere fliegen um den halben Erdball, um dann an einem bestimmten Fleck der Erde zu sein, weil sie diesen – aus ihrer Sicht – als den schönsten Ort der Welt ansehen. Bedürfnisse regeln unbewusst das Verhalten vieler Menschen, ohne dass sie es merken. Je stärker die Motivation ist, desto mehr nehmen sie auch Unannehmlichkeiten in Kauf, um ihr Ziel der bestimmten Bedürfnisbefriedigung zu erreichen. Einer der stärksten Antriebe des Menschen ist sicher sein Sexualtrieb, dem so mancher alles geopfert hat, nur um einen bestimmten Partner zu ergattern oder zu halten. Dabei hat dies sicher gute Gründe, denn die Erhaltung der Art hängt nun mal daran. Selbst im Tierreich ist dies zu beobachten, wenn z. B. männliche Tiere schwere Kämpfe mit ihren Artgenossen ausführen, dabei sogar eine Verletzung riskieren, um nur einen Harem von Weibchen begatten zu können, wie es z. B. bei den Löwen der Fall ist. Das Männchen der Schwarzen Witwe riskiert sogar sein Leben, um seinen Samen abzugeben, denn wenn es sich nach dem Liebesakt nicht beeilt davon zu kommen, wird es zur Mahlzeit seiner Braut für die Hochzeitnacht. Menschen machen, wenn sie ein bestimmtes Bedürfnis befriedigen wollen, dabei unbewusst „Kosten-Nutzen-Analysen“, d. h. sie setzen den Aufwand, den sie betreiben, um ein bestimmtes Bedürfnis zu befriedigen, in Relation zu dem Ertrag, den sie daraus gewinnen. Die Motivation sinkt dann immer mehr, je ungünstiger diese Analyse ausfällt. Irgendwann geht die Motivation gegen 0, wenn der Aufwand den Nutzen übersteigt. Warum setzen aber Menschen trotzdem ihr Verhalten fort, auch wenn die Kosten-Nutzen-Analyse negativ ausfällt?
  • Werteorientierung: Wenn ich in ein bestimmtes Lokal in Büren gehe, gebe ich mehr als der geforderte Preis, weil ich dem Inhaber damit unterstützen will, sein Lokal in schwierigen Zeiten zu halten. Das widerspricht dem ökonomischen Prinzip, mit dem geringsten Aufwand den größten Nutzen zu erzielen. Für viele in unserer materialistisch ausgerichteten Welt ist dieses Prinzip für ihr Verhalten maßgeblich, denn sie gehen dort hin, wo sie für das gleiche oder vergleichbare Produkt den niedrigsten Preis bezahlen müssen. Deshalb sind die Discounter ALDI und LIDL so erfolgreich, weil sie sich damit eine bestimmte Stammkundschaft halten können. Aber irgendwann müsste sich doch jeder fragen: Wozu ist es sinnvoll, nach diesem Prinzip zu verfahren? Welches Ziel will ich damit erreichen? Es entspricht doch nur dem eigenen Bedürfnis zur Erfüllung von eigenen Wünschen mit dem maximalen Nutzen für sich selbst. Wenn ich, wie eingangs erwähnt, immer etwas mehr gebe, als der geforderte Preis es verlangt, dann verfolge ich damit ein anderes Ziel, das nicht vom marktwirtschaftlichen Prinzip geleitet wird. Ich hatte es schon mal jemand, der mich gefragt hatte, warum ich immer etwas mehr gebe, gesagt: „Was ist schon dieses etwas mehr Geld im Verhältnis zur Ewigkeit“. Mit diesem Vergleich möchte ich darauf abzielen, dass wir nicht nur bedürfnisorientierte Motive verfolgen, sondern auch Werteorientierungen haben. Wenn ich das Verhältnis zwischen ewig gültigen Werten und dem Geldbetrag aufspanne, dann fällt das Geld, das für mich als Wertmaßstab und als Symbol unserer materiellen Welt steht, hinter die ewig gültigen Werte weit ab. Einer dieser Wertmaßstäbe steckt in der Mitmenschlichkeit, die wir an den Tag legen, an der Wertschätzung auch des uns am geringsten erscheinenden Menschen. Jesus hat dieses zu einem Maßstab der Qualifikation für das künftige Reich Gottes gemacht, in dem er sagte: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25, 40). Gerade das Verhalten gegenüber denjenigen, die nicht im Rampenlicht stehen, die im Leben gestrauchelt sind, den scheinbaren „Verlierern“ unserer gnadenlos erscheinenden Welt, ist ausschlaggebend für die Bewertung des Verhaltens aus Sicht ewig gültiger Werte und des Lebens in der Welt Gottes.
  • Die Relativität im Absoluten? Alles wird heute gerne relativiert, so dass es schon fast beliebig erscheint, was wir als gut oder falsch ansehen. Es gibt aus Sicht vieler Zeitgenossen keine absoluten Werte, an denen Verhalten sich orientieren soll. „Alles ist relativ“, ist eine häufig zuhörende Redewendung. Ist das wirklich so? Mit dieser Relativierung von allem geschieht aber nur eine Verschiebung der Beurteilungskompetenz auf den Menschen selbst, der sich somit zum „Alleinherrscher“ aller Maßstäbe macht. Dies ist auch die Lesart Neal Donald Walsch´s Gott, der sich selbst keine Kompetenz zur Setzung von Maßstäben vorbehält, sondern diese völlig dem Menschen übergibt: „Das erste Gesetz lautet, dass ihr sein, tun und haben könnt, was immer ihr euch vorstellt.“ (Gespräche mit Gott, S. 74). Dies steht eigentlich im Gegensatz zu dem, was man in der Bibel lesen kann (10 Gebote, Liebesgebot zu Gott und der Menschen untereinander). Wer hat nun recht? Wir sind es gewohnt, die Bibel als das „Wort Gottes“ anzusehen und alles andere, was an „Neuoffenbarungen“ veröffentlicht wird, als falsch einzustufen. Wie kann das, was wir als absolut ansehen, doch nur relativ sein? Wie sollte Gott sich irren können? Die Absolutheit ist eine der Grundannahmen dessen was wir Gott nennen, auf dem alles andere, eben das Relative, also unsere Welt, aufbaut. Würde auch Gott relativiert werden, dann bräche unser Weltbild doch zusammen. Die Vorstellung von der Absolutheit besteht in der Unbedingtheit, d. h. dass Gott als nicht durch eine weitere Ursache erklärbar ist, sondern der letztendliche Verursacher von „allem was ist“ gesehen wird. Wenn diese Unbedingtheit als sein wesentlicher Bestandteil angesehen wird, dann folgt daraus, dass das, was Gott denkt und tut eben einen solchen Absolutheitsanspruch hätte und nicht relativ sein kann.
  • Absolutheitsanspruch des Menschen ist eine Falle: Unsere gegenwärtige Politik kennt anscheinend keine absoluten Maßstäbe mehr, denn diese werden durch das Prinzip des Konsenses ersetzt. Alles erscheint danach erlaubt zu sein, auf das sich die Menschen einigen können. Mehr noch: Man benötigt nur eine Mehrheit und schon kann durch ein Gesetz alles beschlossen werden, was sich diejenigen ausgedacht haben, die die Macht haben. Die letzten Jahre waren typisch für diese Geisteshaltung. Die in der Präambel des Grundgesetzes lautende Formel „im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen…“ (weiterlesen) mutiert zur reinen Farce, wenn diese Verantwortung nicht wahrgenommen wird, wenn also dem Absolutheitsanspruch Gottes an den Menschen nicht Tribut gezollt wird. Gerade Jesus hat diesen Absolutheitsanspruch noch einmal bekräftigt, in dem er sagte, dass er nicht gekommen sei, die Gesetze aufzuheben, sondern zu erfüllen (Matthäus 5,17). Dieser Anspruch hat aber nicht den Sinn der Herrschaft Gottes über den Menschen, sondern den, ihm zu dienen. Diese Paradoxie wird deutlich, als Jesus in Konfrontation mit den Schriftgelehrten und Pharisäern nicht die wortgetreue Befolgung von Vorschriften meinte, sondern dass der hinter den Vorschriften stehende Sinn verstanden werden müsse. Als er mit seinen Jüngern am Sabbat unterwegs war und sie, weil sie hungrig waren, ein paar Ähren abstreiften, um sie zu essen, störte das die Schriftgelehrten, die ihn darauf hinwiesen, dass das am Sabbat verboten sei. Er gab ihnen zu verstehen, dass dieses Gebot nicht den Sinn hätte, Menschen zu knechten, weil nicht der Mensch für den Sabbat da sei, sondern umgekehrt der Sabbat für den Menschen (Markus 2 , 27). Deshalb war auch das Heilen am Sabbat für Jesus selbstverständlich. Bei dem Sabbatgebot könnte gemeint sein, dass der Mensch sich wenigstens an einen Tag in der Woche auf Gott besinnen soll, um die Unterscheidung zwischen dem Profanen und dem Heiligen immer wieder zu erkennen und zu erleben. Die Verabsolutierung der göttlichen Gebote durch den Menschen beinhaltet immer die Gefahr, dass damit Menschen versuchen, über andere Menschen Macht auszuüben. Das ist eben gerade nicht das, was Gott will. Wenn aber nun der Mensch sich selbst zum Herrscher krönt, ist der Willkür Tür und Tor geöffnet, weil dann allein die Durchsetzungsmacht entscheidet, welche Maßstäbe dann für alle als gültig erklärt werden. Die gegenwärtige Corona-Krise leert, dass der Machtmissbrauch sehr schnell vollzogen werden kann, wenn die Wertemaßstäbe von Machthabern gesetzt oder diese sich nur an Zweckmäßigkeitsgesichtspunkten orientierten.  

Es kommt also ganz konkret in unserem Alltag darauf an zu erkennen, dass wir uns nicht im luftleeren Raum eines Wertevakuums bewegen, sondern in dem was wir tun die Relation zu absoluten Werten herstellen sollten, wenn wir im Angesicht Gottes bestehen wollen. Dies zu erkennen ist unerlässlich, wenn wir nicht nur bedürfnis-, sondern werteorientiert handeln wollen. So gesehen würde dann die Relation stimmen.

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