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„I have a dream“ war der bekannte Ausspruch des Bürgerrechtlers Martin Luther King, an den ich mich gerne erinnere, weil unsere Träume auch unsere innersten Wünsche widerspiegeln, die wir haben von einer „besseren Welt“, die wir gestalten könnten. Oder sind alle unsere Bemühungen von vorn herein zum Scheitern verurteilt? Ich will versuchen, die Eckpunkte dieses Utopia zu entwickeln, die auf meiner Intuition beruhen.

  • Freiheit: Freiheit ist das Gut, das uns erst als ein solches bewusst wird, wenn es verloren geht. Freiheit bedeutet, dass jeder immer die Möglichkeit hat, sich selbst für oder gegen etwas entscheiden zu können, ohne dass er zu einer der Möglichkeiten gezwungen wird. Das Gegenteil von Freiheit ist Zwang. Zwang bedeutet für denjenigen, der sie ausübt, dass er dem anderen die Freiheit nimmt, selbst etwas zu entscheiden. Wenn wir in einem totalitären Gesellschaftssystem leben, dann sind es die Machthaber, die den anderen die Freiheit nehmen und ihnen keine Wahlmöglichkeit mehr lassen. Die Rechtfertigung dieses Zwanges besteht seitens der Machthaber i.d.R. darin, dass sie meinen, durch den Zwang den einzelnen vor sich selbst oder andere schützen zu können. Die gegenwärtige Corona-Krise macht dies sehr deutlich: Durch Vorschriften glauben die Regierungen, die Menschen vor Infektionen schützen zu können, also dass sie sich selbst bei anderen infizieren oder aber selbst den Virus an andere weitergeben. Woher nehmen sich aber die Machthaber dieses Recht, dies bestimmen zu können und warum lassen sie den Menschen nicht die Freiheit selbst zu bestimmen, ob sich selbst schützen wollen oder vor sich selbst andere zu beschützen? Der Grund liegt darin, dass das Volk vermeintlich diese Verantwortungsfreiheit an die Machthaber delegiert hätte. Der Verlust von Freiheit ist ein scheinbar freiwilliger Akt, auf diese zu verzichten. Warum können also Menschen, wenn sie sich mit anderen treffen, nicht darüber einen Konsens herstellen und darüber selbst entscheiden, wie sie die Sache handhaben wollen?

Die Forderung muss also lauten: Gebt uns die Freiheit wieder zurück, uns im Konsens miteinander zu verständigen, welche Regeln wir festlegen wollen.

  • Verantwortung: Mit der Freiheit ist weiterhin ein sehr wichtiger Begriff verbunden, nämlich der der Verantwortung. In dem das Volk die Freiheitsrechte delegiert hat, nimmt es sich selbst auch die Verantwortung für die eigene Entscheidung. Wenn Gesetze vorschreiben, wie wir uns zu verhalten haben, werden wir dieser Eigenverantwortung enthoben und können uns auf die Vorschriften berufen. Menschen, die also ihre Freiheit delegiert haben, geben auch die Verantwortung ab und glauben damit sich selbst erleichtert zu haben. Sie wähnen sich in einer Sicherheit, die der Staat ihnen vermeintlich gibt. „Tu dies oder lasse jenes“, sagen die Machthaber und entlasten den Bürger von der Verantwortung, für die eigene Entscheidung gerade zu stehen. Viele erkennen aber bald: Wenn es schief geht, ist der arme Bürger, der sich in Sicherheit glaubte, doch dran und wird zur Rechenschaft gezogen! Es ist also nur eine Scheinsicherheit die der Staat dem Bürger gewährt. Werden die Machthaber denn selbst zur Verantwortung gezogen? Politiker, die als Ausübende der Macht gelten, genießen doch oft eine größere „Unverantwortlichkeit“ als der Normalbürger, weil sich „die Verantwortlichen“ im Dickicht des Zuständigkeitswirrwarrs von staatlicher Gewalt verflüchtigen können.

Die Forderung muss also lauten: Wir wollen nicht nur die Freiheit zurück, sondern wir nehmen auch die Verantwortung wieder voll in Anspruch.

  • Pflicht: Die Pflichtethik des Immanuel Kant ist ein Eckpfeiler einer Moral, die vom Individuum unabhängig existiert. Nicht die Wünsche und Bedürfnisse waren für Kant ausschlaggebend für moralisch wertvolles Handeln, sondern das Befolgen einer Moral, die höherwertig angesehen wird, als das, was er Neigungen genannt hat. Wer einem Bettler Geld gibt, tut dies vielleicht aus dem Gefühl heraus, das vielleicht etwas mit Mitleid zu tun hat, vielleicht will jemand auch damit einem anderen imponieren, der gerade mit ihm durch eine Fußgängerzone geht. Das Geben von Geld entspringt aber dann den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen, im letzteren Falle einem anderen zu zeigen, welch ein edler Mensch man ist. Wird aber das Geben dem Befolgen einer Handlungs-Maxime geschuldet, dann entspringt dieser Akt dem „Gehorsam“ gegenüber einem moralischen Gesetz, nämlich einem anderen etwas zu geben, der es nötiger hat, als man selbst.

Die Forderung muss lauten: Wir müssen der Moral mehr gehorchen als unseren Wünschen oder Gefühlen.

  • Moral: Welcher Moral sollen wir aber folgen? Es gibt so viele Moralen wie es Menschen gibt. Jeder hat vielleicht seine eigenen Vorstellungen hiervon. Eigenartigerweise sind Kinder die besten Schüler hierfür, denn sie sind noch nicht durch die Moralvorstellungen geprägt, die von der Gesellschaft vorgegeben werden. Sie geben noch freiwillig ab, we,nn sie sehen, dass jemand anderes etwas fehlt, was es selbst mehr hat als es wirklich braucht. Die Moral, die das Geben über das Nehmen stellt, ist also eine, die uns „natürlicherweise“ geschenkt wurde. Aber dann erkennen die Kinder bald, dass die Welt nicht so gebaut ist, dass immer alle Menschen nach dieser Maxime handeln: Es gibt solche, die mehr haben als sie wirklich selbst brauchen und andere gehen leer aus, müssen hungern, verdursten oder erfrieren, weil ihnen die Mittel fehlen, sich mit genügend Lebensmitteln, ausreichend Flüssigkeit oder Kleidung zu versorgen. Im Endgericht, das Jesus seinen Jüngern erzählte, kommt es gerade darauf an zu verdeutlichen, dass die Welt nach seinem Verständnis so sein müsste, dass jeder dem gibt, der zu wenig hat, dass derjenige Aufmerksamkeit und Zuwendung erhält, der sich in einer prekären Lebenslage durch Krankheit oder Freiheitsberaubung befindet. Moral ist also eigentlich relativ einfach und „kinderleicht“ und benötigt deshalb keine Wissenschaft von der Ethik.

Die Forderung muss also lauten: Lasst uns moralisch so wertvoll handeln, wie dies bereits Kinder tun, wenn sie noch nicht verbildet sind.  

  • Verzicht auf Macht: Macht ist verführerisch. Sie gibt den Menschen das Gefühl, „etwas Besseres“ zu sein. Durchgängiges Muster bei Psychopathen, die andere Menschen quälen oder töten, ist es, dass sie ausdrücken wollen: Ich bin Herr über Leben und Tod. Die Annahme des Kreuzestodes von Jesus war der absolute Machtverzicht. Er begab sich dabei voll in die Hände der geistlichen und weltlichen Machthaber seiner Zeit. Dieser Verzicht auf Ausübung von Macht könnte aber ein Eckpfeiler einer humanen Welt sein, weil damit wir den anderen die volle Freiheit zurückgeben, auch etwas zu tun, was nicht mit unseren eigenen Vorstellungen von „richtig und falsch“ übereinstimmt. Wer also auf die Ausübung von Macht verzichtet, gewährt den anderen die maximal mögliche Freiheit. Er setzt nur sich selbst die Maßstäbe für sein Handeln an, stülpt sie aber anderen nicht über.

Die Forderung muss also lauten: Verzichtet auf Macht.

  • Wir sind alle eine Familie: Eine von Daniele Ganser, einem Historiker aus der Schweiz, oft zu hörende verlautbarte Äußerung ist die, dass er darauf hinweist, dass wir in der Welt einer Familie gleichen, die alle im Grunde genommen so leben möchten, dass keinem etwas Böses geschieht. Es sind die Machthaber in der Welt, die aber die Menschen aufhetzen, andere als Feinde anzusehen. Die Feindseligkeit ist also eine künstlich geschaffene Einstellung, die darauf aufbaut, dass diejenigen, die die Macht in den Ländern ausüben, es tun, um ihre eigenen Interessen voranzubringen. Sie schicken andere in den Krieg, sei es eine Auseinandersetzung mit Waffen oder sei es ein Wirtschaftskrieg, bei dem eine andere Nation die Lebensrechte streitig gemacht werden, indem man ihnen die Ressourcen raubt, in dem man sie ausspioniert oder ihnen die Geldmittel entzieht und sich selbst aneignet. Wenn die Menschen erkennen würden, dass es nicht ihre eigenen Interessen sind, die sie in diese Kriege führen, sondern die Wünsche der Machthaber sind, dann würden sie vielleicht aufhören, sich gegenseitig zu bekämpfen und zu vernichten.

Die Forderung muss also lauten: Lasst uns eine Weltfamilie sein.

  • Wir sind nicht nur von dieser Welt: Wir leben nicht nur in dieser für uns wahrnehmbaren Welt, sondern sind eingebettet in eine Welt, die – andere Begriffe sind schwer dafür zu finden – mehrdimensional ist. Diese Mehrdimensionalität bezieht auf alles, was jenseits des wahrnehmbaren Raumes in der uns gegebenen Zeitschiene existiert. Das gegenwärtige materielle Weltbild, das immer noch in den Naturwissenschaften dominiert, hat Risse bekommen dadurch, dass Menschen oft sehr merkwürdige Erfahrungen machen, die ihr sicher geglaubtes Weltbild ins Wanken bringen: Geistererscheinen, Spukphänomene, Visionen von zukünftigen Ereignissen, außerkörperliche Erfahrungen, Rückerinnerungen an frühere Leben, Empfang von Mitteilungen aus anderen Welten über Medien oder Kontakte mit Verstorbenen und Begegnung mit Wesen jenseits von Zeit und Raum. Alle diese Erfahrungen vermitteln ein ganz anderes Weltbild, das über unseren Vorstellungsraum hinausgeht. Die Menschen hatten sich immer schon mit den Fragen befasst, die über unsere irdische Existenz auf eine andere Wirklichkeit hinausweisen, die unsere irdische Existenz umschließt und einhüllt. Sie zu verstehen ist wahrscheinlich uns noch nicht vergönnt. Aber es gab immer wieder Menschen, die einen „Blick hinüber“ getan haben. Am bekanntesten sind wohl die Nahtoderfahrungen, die diesen Menschen die sichere Gewissheit geben, dass der Tod nicht das Ende des Lebens darstellt, sondern wir in einem Jenseits weiterleben, das sowohl positive Dimensionen hat, aber auch dunkle Sphären kennt. Alle Religionen sehen auch unsere irdische Welt nicht als die finale Wirklichkeit an, sondern nur als einen Schauplatz, auf dem wir uns zu bewähren haben, um dann im Jenseits dorthin zu gelangen, wohin wir nach dieser „Bewährungszeit“ auf Erden hingehören. Entweder wird in den monotheistischen Religionen die Entscheidungskompetenz einem Gott zugesprochen, der dann die Zuweisung in lichtvolle, graue oder gar finstere Gegenden des Jenseits vornimmt, oder aber nach anderen Religionen und Weltanschauungen ist dies den Menschen selbst überlassen, wobei anscheinend das Gesetz der Anziehung wirksam wird: Diejenigen, die sich dem moralisch wertvollen Ansprüchen verpflichtet sahen, wenden sich den entsprechenden Sphären des Jenseits zu; diejenigen, die nur ihren eigenen egoistischen Motiven gefolgt sind, fühlen sich den eher finsteren Bereichen zugehörig, weil sie die lichtvollen Gegenden nicht aushalten können.

Die Forderung muss also lauten: Wir sind hier nur in einer Warteschleife, um uns für die jenseitige Welt zu qualifizieren.

 

Utopien brauchen die Menschen. Die heutige Welt ist in dieser Hinsicht verarmt – zumindest dann, wen man den Medien und Meinungsmachern in Politik und Wissenschaft folgt. Ich habe es nicht aufgegeben, bei der Suche nach Utopia  müde zu werden.

 

© beim Verfasser

                                                     

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