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Dieser Artikel soll eine höchstpersönliche Note bekommen, weil er sich mit dem Resümee individueller Erfahrungen beschäftigt, die sich im Laufe meines Lebens herauskristallisiert haben. Die Frage ist doch für viele: Können wir nach hausgemachten, eigenen Grundsätzen leben? Die Antwort kann von mir nur lauten: Ja, denn wir sind nur für uns selbst verantwortlich und deshalb berechtigt, nach unseren eigenen Grundsätzen zu leben. Wie denn? Das kann doch nicht sein, denn wir leben doch nicht auf einer Insel! So könnte die Entgegnung von manchen lauten. Das mag sein, aber die Individualität ist das Ziel und auch die Grundlage für Entscheidungsfreiheit. Und dieses bedingt eben ein hohes Maß an Selbstverantwortung im Hinblick auf die eigene Lebensführung. So könnte meine Entgegnung lauten. Aber werden wir konkreter, um der Sache auf den Grund zu gehen. Hierzu habe ich ein paar „Merk- oder Leitsätze“ entwickelt.

  • Ich muss niemand eine Begründung meines Verhaltens geben: Vor allem in Beratungssituationen[1] oder auch Alltagsbegegnungen traf oder treffe ich immer wieder auf ein Phänomen, dass Menschen glauben, sie müssten anderen erklären, warum sie etwas getan oder unterlassen haben. Vor allem ängstliche Menschen meinen, sie seien anderen „eine Erklärung schuldig“. „Ich kann das doch nicht so stehen lassen, ohne Erläuterung. Der andere muss doch wissen, warum ich mich so verhalten habe“, wird dann oft eingewandt. Die Frage ist doch aber: Bin ich wirklich dem anderen eine Erklärung schuldig? Kommt es wirklich immer darauf an, jemand eine Begründung für mein Verhalten zu liefern? Zugegeben, es kann nützlich sein, um Missverständnissen vorzubeugen, aber gibt es dazu einer Verpflichtung? Wenn ich nur für mich selbst verantwortlich bin, dann ist es doch die logische Konsequenz, dass ich auch nur mir selbst gegenüber eine Klärung herbeiführen sollte, warum ich etwas tue oder unterlasse. Diese Klarheit für mich selbst basiert auf einer Innenschau mit der Frage: Stimmt das was ich tue oder unterlasse mit mir selbst überein, mit meinen Grundsätzen, meinen Wertvorstellungen und meiner Motivation? Handeln, sofern es simpel nicht nur der direkten Bedürfnisbefriedigung dient, basiert eigentlich immer auf bestimmten Moralvorstellungen von dem was richtig oder falsch ist. Und diese Moralvorstellungen basieren auf dem, was im alten Sprachgebrauch noch mit Gewissen bezeichnet wird. Dieses Gewissen sagt mir eigentlich immer zuverlässig, ob ich richtig oder falsch liege. Nach meiner Erfahrung geschieht dies über die Gefühlsebene, nicht so sehr mit internen Ansagen, die sich in Worte kleiden lassen. Ein gutes Gefühl habe ich, wenn ich in Übereinstimmung mit diesem Gewissen bin und ein „mulmiges“ Gefühl zeigt sich mir auch, wenn ich mich nicht in Übereinstimmung mit dem Gewissen befinde. Aber dieses Gewissen wird doch uns durch die Erziehung beigebracht, werden einige meinen. Wirklich? Ist es nicht so, dass dieses Gewissen angeboren ist, dass eigentlich jeder weiß, dass das Töten, das Stehlen, das Lügen nicht in Ordnung ist? Kinder sind ehrlicher als Erwachsene – und ecken damit an. Sie folgen noch ihrem – so behaupte ich mal – angeborenen Gewissen. Sie äußern unverblümt, ihre Meinung, ob ihnen jemand sympathisch ist oder nicht. Sie werden verlegen, wenn man sie bei einer Lüge ertappt oder bei dem heimlichen Diebstahl. Sie wissen ganz genau, dass sie unrecht handeln, weil sie einen angeborenen Kompass haben, der, so vermute ich, ein göttliches Geschenk ist. Nur werden sie dann, was dann Erziehung genannt wird, mit den Regeln der Erwachsenen konfrontiert und ihnen klar gemacht, dass es besser ist, nicht immer die Wahrheit zu sagen, dass es besser ist, also die Wahrheit zu unterdrücken, um „nicht in Schwierigkeiten zu geraten“. In dem Märchen vom „Des Kaisers neue Kleider“[2] ist es ein Kind, das unverblümt sagt, was eigentlich alle sehen, aber nicht auszusprechen wagen, nämlich, dass der Kaiser nackt ist. Diese Anpassung an die „geglaubte Wahrheit“ ist ein Phänomen der Erwachsenenwelt, an die, was erwartet wird, sich die Kinder anpassen sollten. Die Kinder müssen sich nicht anderen gegenüber erklären, weil sie sich noch „in der Wahrheit“ befinden. Sie sind selbstkongruent, d. h. ihr Verhalten befindet sich noch in seiner Begründung in Übereinstimmung mit dem „göttlichen Willen“. Das klingt hochtrabend, aber logisch: Wenn das Gewissen ein Geschenk Gottes ist, dann ist das Leben in Übereinstimmung mit dem Gewissen gleichzeitig auch mit dem übereinstimmend, was Gott für richtig hält. Begründungen meines Verhaltens anderen gegenüber haben eigentlich immer die Absicht, eine Nicht-Übereinstimmung mit dem göttlichen Willen plausibel zu machen. Es dient dann dazu, hierfür eine gute „Ausrede“ zu finden, ansonsten liegt die Wahrheit eigentlich auf der Hand. Man könnte schon noch als Begründung angeben, dass dieses oder jenes, was man getan oder unterlassen hat, im Übereinstimmung mit dem Gewissen sei, so wie dies Martin Luther getan hat: Hier stehe ich und kann nicht anders. Gott helfe mir[3]. Aber wer wird das heute noch wagen? Stattdessen wird sich auf Vorschriften zurückgezogen. Dies zeigt das Verhalten von Behördenvertretern in der Flutkatastrophe im Juli 2021, als über 160 Menschen in NRW und Rheinland-Pfalz ums Leben kamen, weil sie nicht rechtzeitig vor der hereinbrechenden Flutwelle durch sintflutartige Regenfälle gewarnt wurden: Sie glauben, sich dadurch rechtfertigen zu können, indem sie argumentieren, sie hätten alle Rechtsvorschriften eingehalten. Diese Art der Rechtfertigung zeigt, dass sie etwas nicht verstanden haben. Sie hätten einfach auf ihr Gewissen hören müssen: Habe ich wirklich alles getan, um Menschenleben zu retten? Das naheliegende wäre doch gewesen, den direkten Kontakt herzustellen, statt sich auf eine Technik zu verlassen[4]. Diese „Außenrechtfertigung“ gipfelt nicht selten in „Rechthaberei“, bei der es nur um den Schutz der eigenen Person geht.
  • Alles was ich sage soll wahr sein, aber nicht alles was wahr ist, muss ich sagen: Die Wahrheit zu sagen ist nicht immer einfach. Sie kann auch verletzend sein, sie kann auch Menschen irritieren und an sich selbst zweifeln lassen. Muss immer der Arzt sagen, dass jemand eine schwere Krankheit hat, an der er sterben könnte? Das Problem ist lösbar, wenn man mengentheoretische Überlegungen anstellt und sich die Wahrheit als eine Grundmenge vorstellt. Diese Grundmenge beinhaltet eine Unzahl von Teilmengen der Wahrheit. Alles, was sich außerhalb dieser Grundmenge der Wahrheit befindet, ist dann eine Lüge. Wenn man nun etwa eine Teilwahrheit sagt, dann war die Aussage wahr, weil sie sich innerhalb der Grundmenge der Wahrheit befindet. Auch hier kann das Gewissen weiterhelfen, denn dieses signalisiert einem doch ziemlich zuverlässig, ob man „die ganze Wahrheit“ sagen sollte oder nur eine Teilwahrheit. Wenn der Arzt weiß, dass sein Patient nach aller Erfahrung, die er auf seinem Fachgebiet gemacht hat, an einer tödlichen Krankheit leidet, dann sagt ihm doch das Gewissen, ob er ihm es zumuten kann, die grausame Wahrheit zu erfahren. Es gibt Patienten, die eine solche Aussage wie ein „Todesurteil“ erleben, was die Heilungsaussichten i.d.R. verringert. Also wird der Arzt hier vorsichtig sein, sofern er auf sein Gewissen vertraut, und nur eine Teilwahrheit verkünden, die immer noch die Hoffnung auf Heilung beinhaltet. Wäre eine Lüge erlaubt? Die Frage kann nur der Einzelne selbst für sich beantworten. Eine bewusste Lüge kann Leben retten. Ich denke an die Verfolgung von Menschen durch Machthaber in einer Diktatur, die, wenn sie entdeckt werden, mit dem Schlimmsten rechnen müssen. Ist das Verstecken eines Menschen vor den Schergen eines Regimes und das Leugnen der Anwesenheit des Verfolgten erlaubt? Auch hier hilft das Gewissen: Könnte ich es vor meinem Gewissen verantworten, dass ein Mensch einem schrecklichen Schicksal überlassen wird? Ich habe bewusst die „Soll-Form“ gewählt (alles was ich sage soll wahr sein), um dies deutlich zu machen, dass auch diese Regel an ihre Grenzen stößt, wenn jemand zu Schaden kommt. Die bewusste Lüge, die Leben rettet, ist also „erlaubt“.
  • Ich habe jederzeit das Recht, meine Meinung zu ändern: Wenn die „volle Wahrheit“ zu sagen in meiner eigenen Verantwortung liegt, dann ist auch die Äußerung meiner Meinung zu etwas, was nur ich für mich selbst verantworten muss. Daraus ergibt sich, dass ich auch meine Meinung zu einem Thema ändern kann, ohne dies anderen gegenüber begründen zu müssen. Viele haben damit ein Problem, weil sie glauben, dann als zu wankelmütig und unstet angesehen zu werden, wenn sie ihre Meinung ändern. „Gestern hattest du aber was ganz anderes gesagt“, wird dann als Antwort befürchtet, so dass sich Menschen scheuen, ihre Meinung zu ändern. Aber ist die Meinungsänderung wirklich so schlimm? Zugegeben: Wir verlassen uns gerne auf andere, die eine feste Ansicht zu einer Sache haben, weil sie damit Verlässlichkeit signalisieren. Und Wankelmütigkeit kommt deshalb nicht gut an. Aber bedeutet das, dass eine Meinung unumstößlich sein muss? Dies hieße ja, nichts dazulernen zu können. Es kann doch sein, dass eine Meinung auf unzureichenden oder sogar falschen Tatsachen beruhte. Deshalb wäre dann das Festhalten an einer Meinung, die darauf beruht, völlig unsinnig. Meinungen zu ändern ist also eine folgerichtige Reaktion auf neue und berichtigende Informationen.
  • Ich bin eigenartiger Mensch ohne Verpflichtung zur Anpassung gegen mein Gewissen: Die heutige Zeit macht es deutlich, dass viele sich an alles anpassen, nur um zu überleben. Dem Diktat zur Anpassung zur Sicherung des eigenen Überlebens in der Gemeinschaft, die diejenigen ausschließt, die „nicht dazugehören“, beugen sich viele. Die Angst vor Ausgrenzung, vor dem Verlust von Vergünstigungen wird in Corona-Zeiten genutzt, um Menschen gefügig zu machen. Wer nicht dazugehört, weil er die Corona-Regeln verletzt, wer sich dem Impfdiktat nicht beugt, muss nicht selten vor Verlust der eigenen Existenz rechnen, weil ihm etwa ein faktisches Berufsverbot droht[5]. Dem kann nur entgegengesetzt werden das Bewusstsein, eine eigene Entität zu sein, die zur einseitigen Anpassung nicht verpflichtet ist. Eigenständiges Denken, Fühlen und Handeln sind für mich die unbedingten Voraussetzungen für Individualität. Und ein Individuum zu sein, das aufgrund seiner Eigenheiten „unverwechselbar“ ist, halte ich für erstrebenswert und ich möchte dafür werben, dass jeder dies für sich selbst als wichtig erkennt. Der Gegensatz zum Individuum ist der „Massenmensch“, der immer im Strom mitschwimmt und glaubt, damit ein sicheres Leben führen zu können. Die Anpassungsverpflichtung steht im Gegensatz zur Individuation, die verstanden werden kann als ein Suchen und dann auch verwirklichen von dem, was in jedem selbst steckt. Der Ansatz der Evolutionstheorie ist der, dass die „am besten Angepassten“ die größte Überlebenschance haben und deshalb sich auch am besten vermehren können. Aber ist dieses Überleben wirklich so erstrebenswert? Freilich ist die Teilhabe an der Gemeinschaft nicht zu verachten. Aber sie stellt für mich nur eine Brücke dar, über die ich gehen kann, aber nicht muss. Gemeinschaft ist für mich nur dann sinnvoll, wenn sie der Entwicklung eigener Möglichkeiten dient. Häufig ist sie aber dieser nicht dienlich, sondern der Einzelne wird einem Anpassungsdruck ausgesetzt, um Mitglied der Gemeinschaft zu sein. Hierzu soll er die Normen einhalten, die für alle gelten und nur dann erhält er den kollektiven Beistand und Schutz[6]. Aber manchmal ist es einfach notwendig, sich anzupassen, weil sonst die totale Ausgrenzung uns Isolation droht. Das Gewissen hilft auch hier als Kompass weiter mit der Frage: Ist das, was ich tue mit diesem in Übereinstimmung oder passe ich mich nur einseitig den Regeln an? Eigene Überzeugungen stehen oftmals dann den kollektiven Glaubenssätzen und Normvorstellungen gegenüber. Zu allen Zeiten gab es aber Menschen, die sich dem Anpassungsdruck widersetzt hatten – um sich nicht selbst zu verleugnen[7]. Die Selbstverleugnung ist auch eine Ablehnung Gottes, weil Gott nach meiner Vorstellung keine Untertanen möchte, sondern eigenständige Individuen. Deshalb lehne ich die kollektive Religion ab[8], weil sie diese Vorstellung eines auf Gehorsam achtenden Gottes tradiert, sie sowohl im spirituellen Sinne eine einseitige Abhängigkeit von Gott als auch gegenüber den Vertretern einer solchen Religion proklamiert und herstellt, die der Individuation entgegensteht.
  • Ich bin nur für mich selbst verantwortlich: Ich glaube, das größte Missverständnis in Bezug auf den Begriff Verantwortung besteht darin, dass viele meinen, nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere verantwortlich zu sein. Ich behaupte aber, dass dies nicht der Fall ist. Hierbei denken viele an die Aufsichtspflichten etwa von Menschen, die in einer Institution arbeiten, in denen sie auf andere aufpassen müssen, dass diesen nichts passiert. Der Bademeister, um ein simples Beispiel zu bringen, beaufsichtigt die Badegäste, um zu verhindern, dass jemand ertrinkt. Aber ist er dann auch wirklich zur Rechenschaft zu ziehen, wenn dies tatsächlich passiert. Nehmen wir an, dass ein junger Nicht-Schwimmer die Abgrenzung zum Schwimmerbecken verlassen hat und wegen mangelnder Schwimmkenntnisse ertrinkt. Ist dann der Bademeister daran schuld? Nein, denn der wagemutige Badegast hat die Regeln verletzt und sich selbst gefährdet. Gerade in Bezug auf Kinder wird gern eine Verantwortung gefordert, die für die Beaufsichtigung durch eine Bezugsperson (Erzieher, Lehrer…) übernommen würde. Aber auch hier ist die Aufsichtsperson nicht verantwortlich dafür, wenn dem Kind etwas passiert. Denn das Kind hat nur für sich selbst die Verantwortung – wenn auch reduziert auf seine begrenzten Möglichkeiten der Gefahrenerkennung. Man könnte von einer Verantwortungsreduktion sprechen, die leider auch negative Konsequenzen haben kann. Je geringer das Urteilsvermögen eines Menschen aufgrund des Alters, des Geisteszustandes (z. B. Psychose), der Lernmöglichkeiten (Bildung) oder der Lebensumstände („Zwangslage“) ist, desto geringer ist die Verantwortung. Was angelastet werden könnte, wäre eine unterlassene Hilfeleistung zur Abwendung einer Gefahr nach § 323 StGB[9] oder eine Verletzung der Erziehungs- und Fürsorgepflicht nach § 171 StGB[10]. Es besteht keine Verantwortung für das Leben des anderen, sondern die moralische und strafrechtsbedingte Notwendigkeit, zum Schutz von anderen kraft Elternschaft, Anstellung in einem Beruf oder durch die Beobachtung als Unbeteiligter verpflichtet zu sein. Wir haften immer nur für Schäden, die wir selbst verursachen oder für die wir die Voraussetzungen geschaffen haben. Man könnte in diesem Zusammenhang von einer unmittelbaren Verantwortung für eigenes Handeln sprechen, wenn durch ein direktes Tun (z. B. Körperverletzung) oder Unterlassen (unterlassene Hilfeleistung) ein anderer oder man selbst einen Schaden erleidet. Daneben gibt es auch eine mittelbare Verantwortung, wenn andere durch ein Handeln indirekt zu Schaden kommen. Dabei gehe ich so weit zu sagen, dass z. B. ein Politiker, der ein hohes Amt bekleidet und durch sein Handeln indirekte Schäden verursacht, zur Verantwortung gezogen werden müsste. Nach der Wiedervereinigung mussten sich die ehemaligen Mitglieder des SED-Regimes Egon Krenz, Günter Schabowski und Günther Kleiber wegen "Totschlag und Mitverantwortung für das Grenzregime der DDR" verantworten und wurden hierfür 1997 zu sechseinhalb und zweimal dreieinhalb Jahren Haft verurteilt[11]. Je höher die Macht Machtposition ist, die jemand bekleidet, desto höher ist seine Verantwortung. Wenn durch die „Öffnung der Grenzen“ Deutschlands jährlich mehrere Asylanten in unser Land kommen und hier Straftaten verüben, sind dann die Politiker mittelbar verantwortlich? Sind neben den jungen Männer im Alter von 18 bis 21 Jahren, die im Jahr 2015 im Rahmen dieser Grenzöffnung in unser Land gekommen sind und eine 18-Jährige in eine Wohnung gelockt und vergewaltigt haben sollen[12], auch die Bundeskanzlerin mitverantwortlich, die diese Straftat dadurch indirekt ermöglicht hat? Hier ist es nicht so eindeutig wie bei den Mauertoten, die unmittelbar durch den „Schießbefehl“ verursacht wurden, aber es gibt eine „mittelbare Teilverantwortung“, die nicht unbeachtet bleiben darf. Wer es als verantwortliche Bundeskanzlerin zulässt, dass jedes Jahr weitere zu Gewalttaten neigende Asylanten in unser Land kommen, ohne dass notwendige Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, hat eine indirekte Verantwortung hierfür. Diese besondere Art der Verantwortung ist wohl in unserem Staatswesen sehr verbreitet: Wer als Abgeordneter z. B. den HARTZ-IV-Gesetzen zugestimmt hat, trägt eine mittelbare Teilverantwortung für das Leid, das durch Sanktionen verursacht wurde, bei denen die in den Jobcentern sitzenden Angestellten Kürzungen der Mindestsätze ausgesprochen haben. Diese Verfahrenspraxis wurde erst durch das Bundesverfassungsgericht zum Teil als grundgesetzwidrig beurteilt, insbesondere wenn die Leistungen völlig gestrichen wurden[13]. In allen geschilderten Fällen besteht keine Verantwortung für andere, sondern eine Verantwortung für das eigene Verhalten im Hinblick auf die Folgen für andere. Das ist ein großer Unterschied. Nach fernöstlicher Lehre (Hinduismus, Buddhismus) wird eine karmische Schuld verursacht, was Konsequenzen für die eigene Person nach sich zieht. Die Selbstverantwortung gilt für die eigene Person, d. h., dass man Schäden, die man sich selbst zufügt, niemand anders anlasten kann: Nicht die Zigaretten- oder die Alkoholindustrie ist schuld an den Folgen des unkontrollierten Konsums, sondern nur die eigene Person. Die Personen, die in diesen Wirtschaftszweigen arbeiten, tragen aber eine – wie bereits beschrieben – mittelbare Teilverantwortung für ihr eigenes Handeln. Der brasilianische Arzt Dr. André Luiz muss in dem Läuterungsprozess nach seinem Tod erkennen[14], dass sein Lebensstil, bei dem durch Gier, Selbstsucht und materialistisches Denken auf der somatischen Ebene ein Schaden entsteht – der Arzt starb bei einer Operation an seinem durch ein Magengeschwür verursachten Magendurchbruch  – als Selbstmord gewertet wird. In dem Film „Astral City“[15] wachte er deshalb in einer Schattenwelt auf, die von Menschen bevölkert war, die wie er selbst sich selbst oder anderen Schaden zugefügt haben und nun hierfür zur Verantwortung gezogen wurden.          

 

Leitlinien sind wie interne Programme, die wie in einem Computer oftmals unbewusst unser Verhalten steuern. Ab und zu halte ich es aber für notwendig, die Programme noch mal zu überprüfen, ob sie noch stimmen und richtig funktionieren. Dieser Artikel stellt gewissermaßen ein „Update“ dar.

 

© beim Verfasser     

 

[1] Ich habe früher in der Schuldnerberatung gearbeitet und berate jetzt noch Menschen telefonisch: https://www.guentherbirkenstock.de/

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Des_Kaisers_neue_Kleider

[3] In Wirklichkeit soll er gesagt haben: „Da mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, kann ich und will nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen.“ https://www.mdr.de/reformation500/martin-luther-hier-stehe-ich-refjahr-100.html

[4] https://www.fr.de/panorama/deutschland-hochwasser-katastrophenschutz-warnung-diskussion-schuld-frankfurt-fr-zr-90872530.html. Euphemistisch wird gerne von „Systemversagen“ gesprochen, aber in Wirklichkeit haben Menschen versagt.

[5] Gerade im Gesundheitsbereich drohen Kündigungen, wenn Arbeitnehmer nicht bereit sind, sich gegen den Corona-Virus impfen zu lassen. https://www.merkur.de/leben/karriere/corona-impfung-covid-impfstoff-pflege-krankenschwestern-altenheime-arbeitgeber-zwingen-kuendigung-zr-90149177.html

[6] Gerade die Experimente von Milgram und Asch zeigen, dass Autoritäts- und Gruppendruck eine Anpassung bewirken; mehr dazu hier: https://perikles.tv/kultur-und-reisen/1447-das-duckmaeusertum-eine-deutsche-krankheit

[7] Im Corona Untersuchungsausschuss haben sich z. B. Rechtsanwälte und andere zusammengetan, um gegen sich gegen einen übergriffigen Staat zur Wehr zu setzen: https://corona-ausschuss.de/

[8] https://perikles.tv/philosophie-und-religion/1410-brauchen-wir-noch-religion

[9] https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__323c.html

[10] https://dejure.org/gesetze/StGB/171.html

[11] https://www.mdr.de/zeitreise/politbueroprozess-krenz-mauertote-100.html

[12] https://www.focus.de/panorama/welt/uebergriff-in-leer-drei-maenner-sollen-eine-junge-frau-vergewaltigt-haben-ihr-psychischer-zustand-ist-kritisch_id_13532859.html

[13] https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2019/bvg19-074.html

[14] https://www.youtube.com/watch?v=EJDlhPA9RY0, Min. 27

[15] https://de.wikipedia.org/wiki/Nosso_Lar

 

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